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EC Anthropologie (Fach) / Geschlechter in der Naturwissenschaft (Lektion)

Ec Anthropologie Uni Wien

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  • Was sind Hormone? Endokrin wirkende Botenstoffe  Hormonsystem ist neben dem Nervensystem das zweite große Informationssystem der Körpers.  Hormonproduktion und –sekretion erfolgt in Hormondrüsen  Transport zu Zielzellen erfolgt über das Blut (Transportproteine) und Lymphflüssigkeit  Wirkeffizienz in winzigen Mengen  unterschiedliche chemische Strukturen (z.B.Peptide, Steroide, Aminosäurederivate)  Ein Hormon kann an verschiedenen Zielzellen Reaktionen auslösen.  nicht artspezifisch  Pheromone: Sexuallockstoffe=> artspezifisch
  • Geschichte der Hormonforschung Endokrinologie: seit 19.Jht. eigenes medizinisches Forschungsgebiet  Antike:  Endokrine Erkrankungen bereits seit dem alten Ägypten und alten China beschrieben z.B. Akromegalie des Pharaos Echnaton  Behandlung von Schilddrüsen-Fehlfunktionen mit jod- haltigem Tang in China 2000 v.Chr.  Bedeutung der Sexualhormone:  Bedeutung der Kastration war seit der Domestikation von Wildtieren bekannt  Erste „wissenschaftliche“ Berichte über Verhaltensänderungen durch Kastration stammen von Pharao Echnaton mit Symptomen einer Akromegalie Aristoteles
  •  Wissenschaftliche Endokrinologie 1849:  Beginn der wissenschaftlichen Endokrinologie:  Versuch von Berthold  Autotransplantation von Hodengewebe in den Rücken eines kastrierten Hahns  1889:  Bericht von Brown-Sequard an der Pariser Akademie der Wissenschaften über gelungenen Selbstversuch mit Meerschweinchenhodenextrakt  1905  Begriff Hormon wird von Starling und Bayliss geprägt  1935  Testosteron aus Hoden isoliert (Laqueur)
  • Hormondrüsen Hormone werden in Hormondrüsen gebildet  Für die Sexualbiologie sind folgende Systeme relevant  Gehirn  Hypothalamus  Hypophyse  Epiphyse  Schilddrüse Gonaden Nebennieren Extra-ovarielle Östrogensynthese
  • Sexualhormone  Männliche und weibliche Sexualhormone werden von beiden Geschlechtern gebildet  Geschlechtsunterschiede auf hormonaler Ebene.  ausschließlich quantitativer Art nicht qualitativer  Steroidhormone  Bezeichnung:  Sexualsteroide  Sexualhormone sind Steroidhormone  Steuerung der Hormonfreisetzung  Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse  Negativer Rückkoppelungsmechanismus
  • Sexualhormone (3) Androgene: männliche Sexualhormone  Testosteron  Dihydrotestosteron  Androstendion  DHEA  Östrogene: weibliche Sexualhormone  Östradiol  Östriol  Östron  Gestagene: weibliche Sexualhormone Progesteron => Sexualhormone sind Steriodhormone, können Zellmembran durchdringen, benötigen keinen second messager 
  • Androgene – „männliche“ Sexualhormone Bildungsorte:  Testes (Hoden):  Testosteron  Ovarien (Eierstöcke):  Testosteron  Nebennierenrinde  Androstendion  DHEAS  Peripher im Fettgewebe  Dihydrotestosteron mittels Enzym 5 α -Reduktase aus Testosteron konvertiert
  • Wirkungen der Androgene Intrauterine Geschlechtsdifferenzierung (männliches Geschlecht)  Auslösen der Pubertät  Fortpflanzungsfunktion  Essentiell für Spermatogenese  anabole Wirkung  pubertärer Wachstumsschub  Einfluss auf Körperzusammensetzung  Lean Body mass => anabole Wirkung  sekundäre Geschlechtsmerkmale (Stimmbruch, geschlechtstypische Körperbehaarung, Bartwuchs)  Verhalten
  • Östrogene – „weibliche“ SexualhormoneBildungsorte: Bildungsorte:  Ovarien (Eierstöcke) (Granulosazellen)  Plazenta  Testes (Hoden) (Östradiol, Östriol)  peripher im Fettgewebe:  Östradiol aus Testosteron aromatisiert  Östron aus Androstendion aromatisiert mittels Enzym Aromatase
  • Wirkungen der Östrogene Auslösen der Pubertät  Auslösen des Östrus bei Säugetieren   Fortpflanzungsfunktion   Essentiell für Ovulation (=Eisprung)  sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale  Körperzusammensetzung  Schluss der Epiphysenfugen (=Ende des Längenwachstums)   Verhalten   senken Plasma-Cholesterinspiegel 
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  • Steuerung der Freisetzung der Sexualhormone Hypothalamus:  Oberstes Kontroll- und Steuerungszentrum  Im Hypothalamus:  Freisetzung von Releasing Hormonen (Gonadotropin Releasing Hormon GnRH)  GnRH wirkt auf  Hypophyse: (Hypohysenvorderlappen, Adenohypophyse)  Bildungsort der Gonadotropine (Lutenisierendes Hormon LH und Follikelstimulierendes Hormon FSH)  Diese wirken auf  Gonaden: Ovarien (Eierstöcke) und Testes (Hoden)  Sexualhormonsekretion  Keimzellproduktion
  • Geschlechtstypische Unterschiede der Sexualhormonkonzentrationen Intrauterine Phase:  Hormonale Bedeutung für gonadale Geschlechtsdifferenzierung  Geschlechtsspezifische Unterschiede (AMH, T)  Kindheit  Kaum geschlechtstypische Unterschiede  Adrenarche (Aktivierung der Nebennierenrinde, Androgenausschüttung)  Pubertät/Adoleszenz  Ausgeprägte geschlechtstypische Unterschiede  Erwachsenenalter  Ausgeprägte geschlechtstypische Unterschiede  Hohes Erwachsenenalter  Reduktion der geschlechtstypischen Unterschiede
  • Geschlechtsunterschiede in den Sexualhormonkonzentrationen Intrauterine Phase:  männliches Geschlecht:  Sexualhormone essentiell  leiten Entwicklung zum männlichen Phänotyp ein (MIH, Testosteron, Dihydrotestosteron)  weibliches Geschlecht  Sexualhormone von minderer Bedeutung  Östrogene in hohen Konzentrationen im mütterlichen Organismus  Kleinkinderphase:  kaum nachweisbare Geschlechtsunterschiede in Sexualhormonsekretion
  • Sexualhormonkonzentrationen in den ersten Lebensmonaten Weibliches Geschlecht? Männliches Geschlecht? Weibliches Geschlecht  Zeitpunkt der Geburt:  Testosteronkonzentrationen entsprechen jenen erwachsener Frauen  Erste Tage nach der Geburt  drastischen Abfall der Östrogenkonzentrationen  aber kein sekundärer Hormonausstoß wie im männlichen Geschlecht Einpendeln auf niedriges präüubertäres Niveau Männliches Geschlecht  Zeitpunkt der Geburt: Testosteronkonzentrationen von Knaben halb so hoch wie die erwachsener Männer  Erste Tage nach der Geburt:  Testosteronkonzentrationen sinken drastisch ab  30. und 60. Lebenstag:  weiterer Testosteron-Anstieg dann einpendeln auf das niedrige präpubertäre Niveau 
  • Adrenarche Betrifft beide Geschlechter  Wichtigste hormonelle Veränderung in der Präpubertät  betrifft nicht die Sexualorgane, sondern die Nebennierenrinden.  Einsetzen zwischen dem 6.und 8.Lebensjahr  Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse wird aktiv  Gesteigerte Produktion von Nebennierenandrogenen (DHEA-S und Androstendion)  Adrenarche soll Weiterentwicklung der Gonaden stimulieren  Leite zu Pubertät über.
  • Pubertät: Gonadarche Hormonelle Veränderungen betreffen beide Geschlechter Hormonelle Veränderungen setzen im weiblichen Geschlecht früher ein  Hypothalamus-Hypophysen-Gonadenachse wird aktiv  dramatischer Anstieg der Sexualhormonproduktion  Androgenkonzentrationen steigen an  Ausbildung des extragenitalen Sexualdimorphismus Fortpflanzungsfähigkeit wird erreicht. 
  • Hormonelle Situation vor und während der Pubertät Hypothalamus-Hypophysen-Gonadenachse wird aktiv Zunächst steigen Gonadotropinwerte stark an  Tag-Nacht Unterschiede in der Gonadotropin-Sekretion werden deutlicher.  Dadurch wird die Sexualhormonproduktion in den Gonaden induziert Männliches Geschlecht  Testosteronproduktion steigt bis zum etwa 17.LJ. stark an  bis zum 20.LJ werden Erwachsenenwerte erreicht  Weibliches Geschlecht zunächst LH Anstieg Östrogenwerte steigen bis zum etwa 14.LJ stark an  Stimulierung des Endometriums und Einsetzen der Menarche  ab diesem Zeitpunkt zyklische Schwankungen der Hormonsekretion 
  • Menarche Erste spontane uterine Blutung (8.-16.LJ.)  Einflussfaktoren:  hormonell ausgelöst durch Aktivwerden der Hypothalamus-Hypophysen- Gonadenachse  Stark abhängig von exogenen Einflussfaktoren z.B. Ernährungsstatus, Hygiene, Krankheitsbelastung ect.)  Fettgewebe, Gewichtsstatus  Typisches Merkmal der säkularen Akzeleration  Reaktion auf Lebensbedingungen  Auf die Menarche folgt Phase der physiologischen Subfertilität mit einem hohen Anteil an anovulatorischen Zyklen (Abhängigkeit von der Beckenbreite und Knochenreife
  • Exogene Einflussfaktoren der Pubertät Je besser die Lebensbedingungen (Ernährung, Krankheitsbelastung) desto früher setzt die Pubertät ein (besonders im weiblichen Geschlecht)  Erste Beschreibungen von Hippokrates und Hypolith Guarinoni (16.Jht.)  Vorverlegung der Pubertät seit 19.Jht. in Industriestaaten  Sowohl im weiblichen Geschlecht als auch im männlichen Geschlecht beschrieben  Verbesserung der Lebensbedingungen  Beispiel für Prozess der säkularen Akzeleration
  • Sexualhormone im Erwachsenenalter  Im weiblichen Geschlecht zyklische Schankungen der Sexualhormonkonzentrationen bis zum Einsetzen der Menopause  Steuerung über Hypothalamus- Hypophysen-Gonadenachse  Im männlichen Geschlecht gleichmäßige Sekretion der Sexualhormone  Langsame Reduktion der Sexualhormonsekretion mit steigendem Alter  Annäherung der geschlechtstypischen Unterschiede im hohen Alter 
  • Hormonale Veränderungen mit steigendem Lebensalter des Mannes altersbedingte Reduktion der Testosteronkonzentrationen von 0.4 bis 1% pro Jahr führt zu 20 bis 30% Reduktion der Testosteronkonzentrationen zwischen dem 20 und 80.LJ  Ab 60.LJ weisen 20% der gesunden Männer Testosteronkonzentrationen unterhalb des Referenzbereichs junger Männer auf.
  • somatisch-morphologische Geschlechtsdifferenzierung 4.Ebene der Geschlechtsdifferenzierung  Ausbildung des sekundären Sexualdimorphismus  hormonell induziert durch hormonelle Veränderungen während der Pubertät  Assoziiert mit Erreichen der Geschlechtsreife und Reproduktionsfähigkeit  Geschlechtstypisch variierende Somatische-phänotypische Merkmale die NICHT essentiell für Reproduktion sind  Ermöglichen Erkennen ines potentiellen Reproduktionspartners  Resultat der sexuellen Selektion
  • Sexualdimorphismus  Begriff Sexualdimorphismus  Beschreibt Geschlechtsunterschiede  Primärer Sexualdimorphismus:  Unterschiede in den Keimzellen (Eizellen, Samenzellen) und primären Geschlechtsorganen, die für erfolgreiche Fortpflanzung essentiell sind.  Sekundärer Sexualdimorphismus:  geschlechtstypische Variation von Merkmalen die nicht unmittelbar für die Fortpflanzung nötig sind z.B. Körpergröße, Geweih des Hirsches, Mähne des Löwen, Gefieder, ect.
  • Merkmale des sekundären Sexualdimorphismus bei Homo sapiens Somatische Unterschiede:  Körperhöhe, Körpergewicht, Body composition (Muskelmasse, Fettmasse, Fettverteilung), Behaarungsmuster, Stimmlage  Motorische Unterschiede:  Feinmotorik, Ausdauerkraft, Gelenkigkeit  Physiologische Unterschiede:  Blutvolumen, Herzminutenvolumen, Hämoglobinmenge, Krankheitsrisiken, Länge der Reproduktionsspanne
  • Wann kommt es zur Ausbildung des Sexualdimorphimus? Primärer Sexualdiorphismus:  Entwicklung in der intrauterinen Phase aus  Entspricht gonadaler Ebene der Geschlechtsdifferenzierung  Sekundärer Sexualdimorphismus  Merkmalsausprägung ab Pubertät und Adoleszenz  Entspricht somatisch-morphologischer Ebene der Geschlechtsdifferenzierung
  • Pubertät und Adoleszenz Pubertät und Adoleszenz stellen einen bio-psycho-sozialen Umstellungsprozess dar   Pubertät bedeutet Phase der hormonellen Umstellung bis Geschlechtsreife erreicht ist    Adoleszenz beschreibt Lebensabschnitt zwischen Erreichen der Geschlechtsreife und dem Ende der Wachstumsphase  Adoleszenz ist evolutionär betrachtet sehr junge Lebensphase erst seit Homo sapiens
  • Merkmale der Pubertät und Adoleszenz im männlichen Geschlecht Geschlechtsreife setzt etwa zwischen dem 12. und 16.LJ. ein  Maximaler Wachstumsschub und Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale erst nach dem Erreichen der Geschlechtsreife  Sekundäre Geschlechtsmerkmale etwa ab 13.LJ.  Körperbehaarung  Stimmbruch  Veränderung der Body composition  Körperproportionen
  • Merkmale der Pubertät und Adoleszenz im weiblichen Geschlecht Einsetzen der Pubertät zwischen 9.und 16.LJ  Wachstumsschub bereits vor Einsetzen der Geschlechtsreife (nach Menarche nur noch max.7-10cm Höhenzuwachs)  Geschlechtsreife durch Menarche charakterisiert (=erste Menstruation)  Wachstum des Uterus  Menarche (10.-16.LJ.)  Ausbildung des sekundären Sexualdimorphismus  Body composition  Beckenbreite  weibliche Behaarungsmuster ect.
  • Reproduktionsspanne Weibliches Geschlecht  Beginn:  Menarche etwa mit 12 Jahren  Dauer:  30-40 Jahre  Ende:  Menopause mit etwa 50 Jahren,  Nach der Menopause erlischt die Reproduktionsfähigkeit der Frau irreversibel. Männliches Geschlecht  Beginn:  etwa mit 14 Jahren   Dauer:  beim gesunden Mann bis ins hohe Alter  Ende:  Es existiert kein obligatorisches irreversibles Ende der Reproduktionsfähigkeit.
  • Ursachen des sekundären Sexualdimorphismus beim Menschen Proximate Ursachen:  Physiologisch bedingt  geschlechtstypisch unterschiedliche Sexualhormonausschüttung ab der Pubertät führen zu geschlechtstypisch unterschiedlichen Wachstumsmustern, Ausprägung der Körperbehaarung ect.  Ultimate Ursachen:  Evolutionsbiologische Erklärung  bereits von Charles Darwin beschrieben, Resultat intra- und intersexueller Selektion
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  • Sexualdimorphismus Sexualdimorphismus  Beschreibt Geschlechtsunterschiede  Primärer Sexualdimorphismus:  Unterschiede in den Keimzellen (Eizellen, Samenzellen) und primären Geschlechtsorganen, die für erfolgreiche Fortpflanzung essentiell sind.  Sekundärer Sexualdimorphismus:  geschlechtstypische Variation von Merkmalen die nicht unmittelbar für die Fortpflanzung nötig sind z.B. Körpergröße, Geweih des Hirsches, Mähne des Löwen, Gefieder, ect.
  • Merkmale des extragenitalen Sexualdimorphismus Größenunterschiede Nicht immer sind männliche Individuen größer!  „Waffen“ Eckzähne, Stoßzähne, Hörner, Geweihe   Farben, Muster  Handicap-Prinzip  Tarnung 
  • Evolutionsbiologische Ursache des sekundären Sexualdimorphismus Überlegungen von Charles Darwin (1809-1882)  Natürliche Selektion:  Setzt an Merkmal an, das das Überleben günstig beeinflusst  sexuelle Selektion  Selektion setzt an einem Merkmal an, das dem Trägerindividuum einen Reproduktionsvorteil bringt, auch wenn das Merkmal NICHT unmittelbar für erfolgreiche Reproduktion nötig ist (z.B. Größe)  Kann auch Überlebenswahrscheinlichkeit reduzieren  Merkmal, das Reproduktionsvorteil bringt muss nicht für individuelles Überleben förderlich sein
  • Formen der sexuellen Selektion Intrasexuelle Selektion:  Konkurrenz innerhalb eines Geschlechts um Reproduktionspartner  Merkmale die Konkurrenz zwischen Individuen eines Geschlechts um potentielle Reproduktionspartner ermöglichen (meist als Konkurrenz zwischen Männchen um Weibchen angesehen)  Intersexuelle Selektion:  Selektion zwischen den Geschlechtern  Partnerwahl beeinflusst Merkmalsausprägung  Z.B. „Female choice“ Merkmale die weibliche Wahl beeinflussen
  • Sind immer die Männchen größer? Bei zahlreichen Vertebraten und Evertebraten sind die Weibchen deutlich größer als die Männchen  z.B. Insekten, Spinnen, Amphibien, Reptilen, Fische  Größere Männchen finden sich meist nur bei Vögeln und Säugetieren
  • Sind immer die Männchen größer? Bei zahlreichen Vertebraten und Evertebraten sind die Weibchen deutlich größer als die Männchen  z.B. Insekten, Spinnen, Amphibien, Reptilen, Fische  Größere Männchen finden sich meist nur bei Vögeln und Säugetieren Blanket Octopus: ♀ sind 10 000 bis 40 000 mal schwerer und 100 mal länger als ♂  Tiefsee-Anglerfische: Zwergmännchen sind 100 mal kleiner als ♀  Frösche: ♀ sind 68% länger als ♂  Sumpfschildkröten: ♀sind 158% länger als♂  Bei Säugern und Vögeln ist fast ausschließlich das ♂ deutlich größer als das ♀
  • Größendimorphismus bei nicht menschlichen Primaten Größendimorphismus variiert, aber stets finden sich größere♂ als ♀  Extremer Größendimorphismus >100%  Gorillas  Orangs  Paviane  Mittlerer Größendimorphismus 30-80%  Cercopithecoiden  Geringer Größendimorphismus 0-10%  Gibbons  Platyrrhina
  • Paarungssysteme bei nichtmenschlichen Primaten Solitäre Lebensweise: extrem selten: z.B. OrangUtans  Leben in sozialen Verbänden:  Monogame Kernfamilien (Gibbons, Neuweltaffen)  One male- multi female Gruppen z.B. Gorilla, Gelada Paviane, Brüllaffen  Multi male- multi female Gruppen (Schimpansen, Paviane, Makkaken, Colobusaffen )  Multi male-one female: (Tamarin, Marmoset)
  • Extremer Größendimorphismus One male –multi-female Gruppen „Haremsbildung“: ein Männchen kontrolliert bzw. monopolisiert mehrere Weibchen z.B. Gorilla Solitäre Lebensweise: Monopolisierung von mehreren solitär lebenden Weibchen in einem Territorium z.B. Orang-Utan Positive Selektion einer ausgeprägteren Körpergröße der männlichen Individu
  • Ursache für ausgeprägten Größendimorphismus Intrasexuelle Selektion:  Monopolisierung mehrerer reproduktionsfähiger weiblicher Individuen durch ein männliches Individuum (z.B. Silberrücken) führt zu männlichen Individuen ohne Chance auf Reproduktion  Heftige körperliche Auseinandersetzungen zwischen männlichen Individuen um Zugang zu Reproduktionspartnerinnen  Positive Selektion für ausgeprägtere Köpergröße  Ausgeprägte Körpergröße ist energetischer Nachteil für weibliche Individuen  Intersexuelle Selektion:  Ausgeprägtere Körperhöhe männlicher Individuen signalisiert weiblichen Individuen Gesundheit „gute Gene“
  • Geringer Größendimorphismus Monogame Kernfamilien:  in letzter Zeit umstritten  z.B. Gibbons  Auseinandersetzung zwischen Männchen um Reproduktionspartnerinnen spielt keine Rolle  Ausgeprägte Körpergröße wäre energetischer Nachteil  Multi male - multi female Gruppen:  z.B. Schimpansen  Mäßiger bis geringer Größendimorphismus (7-10%)
  • Größendimorphismus beim Menschen Größendimorphismus des rezenten Menschen ist gering bis moderat  ♂ sind im Mittel um 7%-10% größer als ♀  Dies entspricht etwa dem Größendimorphismus des Schimpansen  Obwohl minimale Größenunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Embryonen bereits vor im ersten Trimester nachweisbar sind, bildet sich der Größendimorphismus erst ab der Pubertät aus
  • Ursachen des Größendimorphismus bei Homo sapiens Unterscheidung in  Proximate oder physiologische Ursachen  Ultimate oder evolutionsbiologisch bedingte Ursachen
  • Proximate Ursachen Signifikanter Größendimorphismus tritt beim Menschen ab der Pubertät auf  Ursache:  Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden- Achse  Vermehrte Ausschüttung von Testosteron im männlichen Geschlecht  Interaktion von Sexualhormonen mit der somatotrophen Achse Vermehrte Ausschüttung von Growth hormone im männlichen Geschlecht  Pubertärer Wachstumsschub setzt im männlichen Geschlecht später, dauert aber länger an
  • Ultimate Ursachen Diskussion geht auf Charles Darwin zurück (1871)  Größendimorhismus als Resultat der  Natürliche Selektion  Sexuellen Selektion  Intrasexuellen Selektion:  Merkmale bieten einen Vorteil in der (male-male competition um Zugang zu befruchtungsfähigen Weibchen zu erlagen  Intersexuellen Selektion  Weibchen wählen Partner nach bestimmten somatischen Merkmalen aus, die eine höhere Fitness der Nachkommen versprechen (female choice)
  • Evolutionsbiologische Überlegungen zum sekundären Sexualdimorphismus beim Menschen Wie ausgeprägt war der Sexualdimorphismus bei den Vorfahren des heutigen Menschen?  Hat sich die Ausprägung des Sexualdimorphismus im Laufe der Evolution zum Menschen verändert?
  • Reduktion des Größendimorphismus im Laufe der Hominidenevolution Lange Zeit galt eine dramatische Reduktion des Größendimorphismus im Laufe der Evolution zum Homo sapiens als gesichert  Extremer Sexualdimorphismus bei Genus Australopithecus postuliert  Neuere Studien widersprechen diesem Befund  Fehler in der taxonomischen Klassifikation, geringe Funddichte und fragmentarische Skelettreste scheinen Fehlinterpretationen begünstigt zu haben  Gegenwärtig wird eine moderate Reduktion des Größendimorphismus im Laufe der Evolution zum Menschen angenommen
  • Sexualdimorphismus und Hominidenevolution Moderate Reduktion des sekundären Sexualdimorphismus im Laufe der Hominidenevolution  Betrifft sowohl Größen- und Gewichtsdimorphismus als auch Eckzahndimorphismus Ursache für Reduktion des Sexualdimorphismus:  Adaptation an veränderte Umweltbedingungen  veränderte Sozialsysteme  Veränderte Subsistenz (Reduktion von Jungpaläolithikum über Mesolithikum zu Neolithikum  Energetische Gründe  sexuelle Selektion
  • Was versteht man unter dem Begriff Geschlecht? Begriff kommt aus dem Althochdeutschen  gislahti „Was in die selbe Richtung schlägt“.  Definitionen variieren zwischen einzelnen Disziplinen  z.B. Geschlecht im Sinne von Abstammung  Biologische Definition  „Bezeichnung für die unterschiedliche Ausprägung der Gameten und für die entsprechende phänotypische Ausprägung der die Gameten erzeugenden Lebewesen im Hinblick auf die Aufgabe bei der Fortpflanzung (Meyers Lexikon)“
  • Der Begriff Geschlecht in den Naturwissenschaften Biologisches Geschlecht als traditionelle Kategorie   Existenz unterschiedlicher Geschlechter ist Grundvoraussetzung für erfolgreiche Reproduktion bei allen sich sexuell fortpflanzenden Lebewesen  Traditionelle Unterscheidung: Dichotomie  Männliches Geschlecht  Weibliches Geschlecht  Frage: gibt es auch im biologischen Sinn mehr als 2 Geschlechter?  Konsens: Begriff Geschlecht sollte in den rezenten Naturwissenschaften nicht wertend eingesetzt werden