82

Paradigmengeschichte und Rahmenbedingungen (Fach) / Wissenschafts- und Erkenntnistheorie 1 (Lektion)

Thomas Slunecko

Diese Lektion wurde von Juls96 erstellt.

Lektion lernen

Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.

Anzeige
  • Wie kann sich Erkennen in der Antike vollziehen? •   Kontemplative Haltung - geht mit spontaner erleuchtungsartiger Einsicht einher •   Präzises, strukturierteres Denken, nach angebbaren und verbindlichen Regeln, zB deduktives Schließen •   Folgeschwerste Weichenstellung im Abendland diejenige gegen das Prinzip der Erkenntnis durch Kontemplation
  • Motive von Aristoteles, die für die weiter Entwicklung der europäischen Erkenntnisdebatte ganz entscheidend waren •   Natur verstehen - genaue Beobachtung im Bereich der Botanik und Zoologie bzw auf einschlägige Erfahrungen, Jäger, Fischer, zurückgreifen und diese systematisieren. Beginn der heutigen empirischen Haltung •    Rationalistische Haltung - will durch Denken zur Erkenntnis gelangen, lässt alles erkennen vom Verstand ausgehen, während Empirismus alle Erkenntnis aus der (Sinnes) Erfahrung, der Beobachtung und später dem Experiment ausgehen lässt. 
  • Beginnende Neuzeit Erstarken des Empirismus, von der Beobachtung zum Experiment: Francis Bacon
  • Beginnende Neuzeit - Entwicklung -   Entwicklung einer genuin an der äußeren Erfahrung, dh an Empirie orientierten Wissenschaft, nach der Spätantike zunächst blockiert. Wissenschaftliche Intelligenz überlebt Va in Klöstern. Christlich-Mittelalterliche Welt ist mehr daran interessieret, dass Dinge so bleiben, wie sie sind, als die Ankunft des Neuen zu begrüßen oder einzuladen. Ab dem 15. Jhdt, Renaissance und beginnende Neuzeit, verändern sich die Dinge, Va die Texte, die man studieren darf. Akzent verschiebt dich wieder vom Geschaffensein des Menschen auf seine eigene Schöpferkraft. 
  • Beginnende Neuzeit - Ab dem 16 Jhdt Neubewertung der Wichtigkeit der Beobachtung - wichtig für die Entwicklung hin zur modernen Wissenschaft. Damit geht eine Ausarbeitung von Beobachtungsmethoden einher, die der Wissenschaft einen verlässlichen Kontakt mit der Wirklichkeit erlauben sollten.
  • Beginnende Neuzeit -Francis Bacon -   wichtiger Wegbereiter des Empirismus. Legt der Wissenschaft nahe den Forschungsprozess, das Einholen von Informationen über die umgebenden Wirklichkeit, zu strukturieren. Es genügt nicht metrisch bei Aristoteles nachzuschlagen. Man muss schon selbst in der Natur nachsehen - und das systematisch und mit Hilfe von neuen Werkzeug, das dieses Nachschauen anleitet. 
  • Beginnende Neuzeit -Francis Bacon wie Platon und Aristoteles Wie Platon und Aristoteles an der Veränderung und Verbesserung der Gesellschaft im Ganzen orientiert. Aber erfolgreicher Politiker 
  • Beginnende Neuzeit -Francis Bacon wie Platon •   Wie Platon misstraut auch Bacon dem Verstand und hält ihn für täuschbar. Erkenntnisapparat hat mit gewaltigen Erkenntnishindernissen zu kämpfen. „Dem leicht täuschbaren Verstand muss durch Experimente und Instrumente geholfen werden“
  • Beginnende Neuzeit -Francis Bacon, 4 Erkenntnisirrtümer  4 Erkenntnisirrtümer, die den Geist des Menschen in Beschlag nehmen - Idolenlehre Idole des Stammes Idole des Theater Idole des Marktes Idole der Höhle
  • Idole des Stammes - in der menschlichen Natur selbst begründet, gattungsspezifische Mängel, zb setzt menschliche Geist in den Dingen einen größerer Ordnung und Gleichförmigkeit voraus, als er drin findet
  • Anzeige
  • Idole der Höhle - individuell erworben, Verhaltens- und Erlebensweisen, die die Erkenntnis behindern. Jeder hat sein eigenes früheres Drama. Seine Grundstimmung. Dies gibt dem Erkennen eine spezifische Ausrichtung
  • Idole des Marktes - infolge des engen Beieinanderseins und der Gemeinschaft des menschlichen Geschlechts, Va Irrtümer, dir in unserem Sprachgebrauch begründet sind, zB das verwechseln von Worten und Dingen
  • Idole des Theater  - sind in den Geist des Menschen aus verschiedenen dogmatischen Behauptungen philosophischer Lehrmeinungen und aus den verkehrten Gesetzen der Beweisführung eingedrungen
  • Philosophiebetrieb •   Philosophiebetrieb, der an überlieferten Dogmen und nicht an den sachlichen Erfordernissen orientiert war, hielt Menschen in unüberprüfbaren und unüberprüften Meinungen gefangen
  • Beginn der Neuzeit - Fehlerquellen Angesicht dieser Fehlerquellen braucht der Verstand Hilfe. Becan legt daraufhin der Wissenschaft eine neue Art der Beobachtung nahe. Beobachten nicht mehr in einem lebensweltlichen, alltäglichen Sinn, ständig zur Orientierung und Weiterverarbeitung nach Daumenregeln; sondern absichtlich, bewusst gesteuerte Beobachtung. Um wissenschaftlichen Wert zu haben, muss die geplant und kontrolliert vollzogen werden und extra dafür entwickelte Verfahren der Aufzeichnung uns Auswertung verwendet werden. 
  • Beginn der Neuzeit -Beobachten wird zu... Beobachten wird zu einer aktiven und strukturierteren Handlung. Es nicht bloß beobachtet, sondern eingegriffen àExperiment. Wird die Erfahrung zufällig gemacht, heißt die Zufall. Wird sie absichtlich gesucht, heißt die Experiment. Ganz andere Arbeitshaltung. Wirklichkeit aktiv bearbeiten, um die Gesetzmäßigkeiten zu verstehen und dadurch dir Natur zu beherrschen. 
  • Beginn der Neuzeit -Eigene Erfahrungswelt Eigene Erfahrungswelt wird nicht thematisiert. Dadurch Vorstellung, dass das von der Wissenschaft erbrachte Wissen unabhängig von denen ist, die es kommunizieren. Ist Fundament der modernen Wissenschaft bzw Kernaspekt der Third-Person-Perspektive, des neutralen Beobachterstandpunktes. Wissenschaftler wird zum bloßen Rezipienten einer ihm von außen vorgegebene Wahrheit. Reiner Kanal. 
  • Beginn der Neuzeit -Erben dieser Arbeitshaltung Erben dieser Arbeitshaltung finden sich heute in psychologischen und anderen Labors, in denen möglichst viele Bedingungen der Beobachtung kontrolliert werden sollen. Daher Rückzug aus der Situation des Lebens ins Labor. Für moderne Experimentalwissenschaften maßgeblich. Experiment ist ein entscheidender Schritt über die Beobachtung hinaus. Ermöglicht neue Erfahrungen. Durch Variation und Wiederholung gibt es die Möglichkeit sorgfältiger Prüfung. Üblicherweise wird im Experiment mit Annahmen (Hypothesen) gearbeitet, die von den Ergebnissen bestätigt oder widerlegt werden.  
  • Experiment Experiment ist ein entscheidender Schritt über die Beobachtung hinaus. Ermöglicht neue Erfahrungen. Durch Variation und Wiederholung gibt es die Möglichkeit sorgfältiger Prüfung. Üblicherweise wird im Experiment mit Annahmen (Hypothesen) gearbeitet, die von den Ergebnissen bestätigt oder widerlegt werden.  
  • Erneuerung des Rationalismus: Descartes und Kant Descartes und KantRationalismus erstark in der Neuzeit, neben der empirischen Perspektive. 
  • Rationalismus  Erkenntnis hat nicht aus empirischen Gegebenheiten, den Erfahrungen ihren Ausgang, sondern vom Verstand. Entgegengesetzte Erkenntnislehre zur empirischen Perspektive. Davon waren die mittelalterlichen Philosophen ausgegangen. Strikte Bindung an religiöse Dogmen. 
  • Erneuerung des Rationalismus: Descartes -   René Descartes (1596-1650) - Schlüsselfigur, begründete eine am Verstand orientierte Erkenntnistheorie, die von den bisherigen theologischen Prämissen des Rationalismus weitgehend entkoppelt war. 
  • Erneuerung des Rationalismus: Kant -   Immanuel Kant (1724-1804) - Nachweis, dass der Verstand das ungeordnete Chaos, die Einzelempfindungen, zu einem sinnvollen Erfahrungsganzen zusammenleimt. Bringt sie in ein Raster von Raum und Zeit, ohne welches sie nicht verständlich währen. 
  • Descartes -   Ausgangspunkt - durch Denken fundamentale Tatsache innewerden, "ich denke, daher bin ich" was ich denke ist egal. Alleine die Tatsache, dass ich denke und mit dessen innewerde, ist ein Beleg, dass ich existiere. Das ich bin, wenn ich denke, ist gewiss. Diese Gewissheit ist eine bedeutsame Differenz zu der pragmatischen Arbeitshaltung der Empiristen, denen es genügt, etwas genau genug zu wissen. Absolute Gewissheit wirft hier keinen Zusatzgewinn ab, sogar etwas Erkenntnishinderliches.  
  • Kant -   Hielt Wissenschaft der Psychologie für unmöglich, weil Gegenstand der Psychologie eine der beiden Bedingungen nicht erfülle, die für die mathematische Verarbeitung von Beobachtungen notwendig war: psychologische Zustände oder Erfahrungen lassen sich zeitlich, aber nicht räumlich verorten -   Brachte erstmals das klassische Argument gegen die Introspektion. "Introspektion verändert das Geschaute" -   Bei seinem Nachfolger am Königsberger Lehrstuhl, Friedrich Herbart, verstärkt sich der Impuls, die Psychologie zu einer strengen Wissenschaft zu machen. Also die Mathematik zu ihrer Leitwissenschaft zu machen. Erst die Umwandlung der Phänomene in Zahlen - dies ist einer der wesentlichsten Impulse der neuzeitlichen Rationalisten - macht diese für die wissenschaftliche Bearbeitung zugänglich. 
  • Rationaliste Rationalisten stellen also von theologisch-philosophischen auf mathematische Begründungsfiguren um. Rational ist ab nun, was mathematisierbar ist.  
  • Empirismus Stellt um auf systematische Beobachtung
  • Rationalismus Mathematisierung, Umwandlung der Phänomene in Zahlen. Keine theologischen Begründungsfiguren mehr
  • Induktion Induktion - das erkenntnislogische Grundproblem des Empirismus
  • Induktion - das erkenntnislogische Grundproblem des Empirismus Wenn man vom Verstand nicht ausgehen darf, wie die Empiristen sagen, sondern nur von den Erfahrungen, wie kommt man von den einzelnen (Sinnes)Erfahrungen, von einzelnen Beobachtungen eigentlich zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis? Wie kommt man zu etwas, was über die Einzelerfahrung hinausgeht und zu einem Model, einer Theorie, gar zu einem Naturgesetz hinführt?
  • Anzeige
  • John Locke (1632-1704) Induktion, Komplementärverfahren zur Deduktion, bereits in der aristotelischen Logik. Einzelne Erfahrung und Beobachtungen sollen zu einer umfassenden wissenschaftlichen Erkenntnis hinführen. Abstrahierender Schluss aus einzelnen Beobachtungen auf eine allgemeine Erkenntnis. Hauptproblem/Induktionsproblem - David Hume (1711-1776) - aus beobachteten Einzelereignissen kann nicht mit Sicherheit auf ein allgemeines Prinzip geschlossen werden. Schluss vom einzelnen auf das allgemeine. Denn Beobachtung wird etwas hinzugefügt, das nicht in ihnen enthalten ist. Genau dies ist das Induktionsproblem. 
  • Induktion -Beispiel Aus den Beobachtungen - Der Drogensüchtige K stammt aus zerrütteten Familienverhältnissen- Der Drogensüchtige L stammt aus zerrütteten Familienverhältnissen- Der Drogensüchtige M stammt aus zerrütteten Familienverhältnissenwürde als induktiver Schluss abgeleitet:• Alle Drogensüchtigen stammen aus zerrütteten FamilienverhältnissenBei der Induktion wird also von einigen beobachteten Fällen auf alle Fälle, vom Besonderen auf das  Allgemeine, von Einzelbeobachtungen auf Allgemeinaussagen geschlossen, den Beobachtungen wird also etwas hinzugefügt, das nicht in ihnen enthalten ist. Genau darin liegt das Induktionsproblem.