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Paradigmengeschichte und Rahmenbedingungen (Fach) / Wissenschafts- und Erkenntnistheorie 1 (Lektion)
Thomas Slunecko
Diese Lektion wurde von Juls96 erstellt.
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- Was leistet ein Paradigma? es nimmt unbemerkt und früh unser wissenschaftliches Denken und Handeln gefangen, gibt ihm bestimmte Grundorientierung und damit bestimmte Weltsicht. Ein Paradigma ist, was im Hintergrund schon entschieden ist, wenn ein konkretes wissenschaftliches Problem bearbeitet wird.
- Vorgaben der Antike -Vorlogische Vorraussetzungen europäischer Wissenschaft Abstraktion statt Situation, von der Kontemplation (Betrachtung eines geistigen, ungegenständlichen Objekts) zur Beobachtung
- Platon -Zu Beginn des Vierten Jhdt vor unserer Zeitrechnung • Zustand höchster Unzufriedenheit mit der kulturellen und politischen Situation in Athen, insbesondere nach der Hinrichtung seines Lehrer Sokrates, ausgedehnte Bildungsreisen nach Unteritalien
- Platon -387 v. Chr • Gründung einer Schule/Akademie (Name des Heros, Hain war dem lokalen Gott Akademos geweiht) etwas außerhalb der Stadt = Auftakt für das akademische Leben in Europa
- Platon -Akademnie • Räumliche Absetzung passt zur grundsätzlichen Absicht des Projekts - Gegenentwurf lancieren zu demjenigen Wissen und Reden, das auf der Agora (Markt- & Versammlungsplätze der Stadt) herrschte, den dieses reden ist in heutigen Worten einen Mischung aus Common Sense und Polemik - dies war laut Platon für den kulturellen Verfall, daher wollte er einen Platz schaffen an den sich die Vernunft durchsetzen kann gegenüber der Verführung und Verhetzung
- Platon -Verführung -besteht darin, dass wir uns von unmittelbaren Eindrücken und Situationen zu sehr affizieren lassen, insbesondere von den Meinungen, die im öffentlichen Raum kursieren,
- Platon wollte Abstand zum... • Platon wollte Abstand zum bloßen Meinen der Menschen - akademisches Wissen soll sich vom Alltagswissen absetzten. ( --> Human- und Sozialwissenschaften heut oft kaum Anschluss an das Alltagswissen)
- Platons Intervention Platons Intervention ist ungeheuerlich und erstmalig in der Geistesgeschichte, da sie auf eine Entwendung des Volkswissens hinausläuft - spricht dem Volks- & Alltagswissen die wahrheitsschöpferische Potenz ab, gleichzeitig Entwertung des Situationswissens; Angriff gegen die Selbstverständlichkeit, das jeder von sich aus helle genug ist, um sich die Situation, in der er sich vorfindet, richtig genug auszulegen mit dem, was er mitbekommen hat; ein Angriff gegen die Vorstellung, dass man nichts von außerhalb der Situation zu importieren braucht, schon gar keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, um eine Situation aus ihr selbst heraus zu verstehen
- Platon -Geometrie • erste in der Anime aufkommen Form der exakten Wissenschaft, setzt hohe Fähigkeit der Abstraktion Voraus und trainiert diese, Empire, dh das Beobachten, hat keinen Vorrang; unser Wissen um Dreiecke wird nur scharf, wenn wir das Prinzip, zB den Winkelsatz, dahinter verstehen, nicht wenn wir hundert Dreiecke nachzeichnen , aber dabei nicht das Prinzip finden; großer Wert auf Geometrie, da Zugang zur Ebene der Prinzipien oder reiner Ideen versprach, die er als eigentliches Terrain von Erkenntnis Verstand, ideale Prinzipien haben laut Platon einen unschätzbaren Vorteil: sie gelten immer und überall
- Platon -Anspruch auf • Anspruch auf übersituative und zeitlich übergreifende Geltung von Wissen, unterscheidet wissenschaftliches Wissen von anderen Formen von Wissen.
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- Platon -anti-Situationist • Platon ist erster anti-Situationist - Erkennen soll sich von der Situation distanzieren, da Einzelfälle, und stattdessen an Prinzipien, oder heute Theorien, orientieren
- Platon -Gestus • Gestus - Wissenschaft stellt das eigentliche Wissen her und verwaltet es. Dieses Wissen ist ein besseres als jedes des Volkes und der Situation. Statt "kenn dich in der Situation aus, in der bist" größeres, weil zeitlich überdauerndes Erkennen als Ziel - Motiv Platons Erkenntnislehre
- Platon -Ausdifferenzierung des Erkenntnisproblems • Ausdifferenzierung des Erkenntnisproblems - wie können wir erkennen? Weil erkennen eben nicht mehr selbstverständlich aus der Situation geschöpft werden kann und auch nicht in der Situation erschöpfend ist
- bis zu Platon... • Bis zu Platon reiche ein an Situation ausgerichtetes, aber nicht mit Absolutheitsansprüchen ausgestattetes Wissen aus
- Platon denk ganze Welt in der Art der Geometrie bei allem gibt es sowas wie einen Grundtypen/Grundform des Seienden, die unwandelbar und unvergänglich ist, die dem sinnlich Wahrnehmbaren, den Erscheinungen ihre Form verleiht. Diese Urform = Idee/Idealbild/Archetyp, Idee Mensch, Idee Baum, sind unvergänglich und absolut, existieren in einem eigenen Reich, hinter oder über der Sinneswelt, sind der Sinneswelt übergeordnet - also eine Art 2. Welt - Welt der abstrakten Prinzipien, Welt der Theorie, Welt von der behauptet wird, dass sie die eigentlichere ist und auf die sich die Erkenntnissuche ausrichten soll → kein Impuls zur Beobachtung der Erfahrungswelt, da Welt nur ein Abbild der Prinzipien, unvergängliche Prinzipien oder Ideen werden infolge einer inneren Befreiungstat erkannt, durch innere Einsicht, die sich plötzlich und sprunghaft ereignet, Seele soll sich durch Weisheitsdialoge und Einsichtsübungen, wieder an die Ideen erinnern (Anamnesis), wenn Erkenntnisfunktion wieder funktioniert, muss man dem Menschen nichts mehr beibringen, alles wird auf die Weckung der Eigentätigkeit des Geistes gesetzt. Wahrheitsgeschehen findet im Erkennen selbst statt - First-Person-Perspective, daher geht es nicht darum, etwas durch Beobachtung zu lernen
- Platon -Ziel • Ziel: Anamnesis - Wiedererinnerung an das Gute, Schöne & Vernünftige
- Platon -Wie wird man seelische Verblendung und Verschmutzung wieder los? Rekapitulation, lösen von den Meinungen des Marktplatzes und den Idolen der Herkunft, abatmen von Meinungsmoß. Dieses Abatmen, durchlüften, Abtrünnigwerden und Neustarten geht am besten in einer Gruppe Gleichgesinnter
- Platon -Unterricht in Platons Akademie Unterricht in Platons Akademie in einer Art Studien- & Lebensgemeinschaft
- Platon -Grundmotiv • Grundmotiv, das um diese Zeit Einzug in das menschliche wissen hält: Abstraktion. Durch die Abstraktion baut man ein reduziertes Modell der Welt, man hat die ganze Welt in der Hand (Machtgefühl), statt unüberbrückbar vielen und chaotischen Sachverhalten hat man ein Model in der Hand, das man drehen, wenden und umbauen kann
- Platon -Flucht • Flucht, in eine zweite Welt der ewigen Wahrheit, Zug zum unvergänglichen, scharfmachen der Rede von Wahrheit - all das hat mit dem Einzug neuer Medien in die Menschheitsgeschichte =kultureller Umbruch. Karl Jaspers hat in diesem Zusammenhang den Begriff der Achsenzeit (Zeitspanne von 800 bis 290 v. Chr., in der gleichzeitig in 4 unabhängigen Kulturen die philosophischen und technologischen Fortschritte gemacht wurden, die bis heute Grundlage der Zivilisation sind; Geld und Schrift schaffen diesen Abstraktionsschub)
- Platon -Medium Geld • Medium Geld führt das Motiv der Abstraktion in die kulturelle Grammatik ein, da Produkte und Handlungen aus den Kontext, in dem sie entstehen, gelöst werden können, indem sie mit Wert, mit Geldwert versehen werden und so mit anderen Gegenständen im Bezug und verglichen werden können → Geldwirtschaft ist natürlicher Verbündeter der Abstraktion, bringt Zahlen gegenüber dem erzählen als kulturelles Betriebssystem in Führung
- Platon -Schrift • Stärkerer Zusammenhang mit der Schrift (zeitliches überdauern) - Schrift macht es möglich Gesprochenes auf Dauer festzuhalten, Kommunikation mit anderen möglich, die sich in zeitlicher oder räumlicher Ferne befinden (Überzeitlichkeit und Übersituativität)
- Platons Intervention deswegen so erfolgreich,... ...weil sie auf anderen kulturellen Wellen (Schrift, Geld) reitet
- Schrift verschiebt... • Schrift verschiebt akustisch beheimatete Sprachbezogene Intelligenz in das visuelle Register, nach McLuhan, Havelock, Ong. Das visuelle als unsere maximaler Distanzsinn, macht die Sprachbezogene Intelligenz, sobald geschrieben oder gelesen wird, von einem Nah- zu einem Fern-Sinn. Beim Schreiben geht Fernintelligenz vor Nahintelligenz in Führung. Und damit Abstraktion vor Situationsintelligenz. Lesendes Auge wird zum Leitorgan der Erkenntnis →Erkenntnishaltung: Auffassung von Erkenntnis, die davon ausgeht, dass der Beobachter nicht Teil des Beobachteten ist
- Erkenntnishaltung Auffassung von Erkenntnis, die davon ausgeht, dass der Beobachter nicht Teil des Beobachteten ist
- third-Person-Perspektive • Diese third-Person-Perspektive ist bei Platon nicht angekommen, jedoch eine grundlegende Vorstellung für die moderne Wissenschaft, das erkennende Subjekt ist vom zu erkennenden Objekt getrennt bzw steht ihm als unbeteiligter Beobachter gegenüber, Erkennen kommt also durch Abstandnahme und nicht durch Teilhabe zustande. Erst das Schriftmedium macht eine Erkenntnishaltung möglich, die auf Abstand geht und nicht auf die Einbettung in bestimmte konkrete Situationen reagiert. Distanz nicht Resonanz ist Grundmotiv.
- Entstehung der europäischen Wissenschaft ...wäre ohne Schrift nicht möglich gewesen. Leitmedium. Basiert auf Sätzen und Texten.
- Wichtige Dinge bei Platon • Wissenschaftliches Erkennen ist nicht gleich meinen• Um etwas zu verstehen, muss man das Prinzip dahinter verstehen• Wissenschaftliches Wissen hat den Anspruch besser zu sein, als Situationswissen• Wissenschaftliches Wissen soll zeitlich übergreiflich und übersituativ richtig sein. Dies entscheidet wissenschaftliches Wissen vom Alltagswissen
- Überzeitlichkeit und Exaktheit Überzeitlichkeit und Exaktheit des Wissens und des Bezuges auf Wissen sind die ganz wichtigen vorlogischen Voraussetzungen, die in der Antike für die Wissenschaft geschaffen wurden.
- Was hat das alles mit Psychologie als Wissenschaft zu tun? • Einige Dinge der Antike wurde übernommen, andere Verworfen
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- Was hat das alles mit Psychologie als Wissenschaft zu tun? -Übernommen wurde.. • Übernommen wurde das Motiv, nach überzeitlich gültigem, also nomothetischen (auf Gesetze ausgerichtet) Wissen zu streben, zumindest dort, wo sich die Psychologie als Naturwissenschaft sieht
- Was hat das alles mit Psychologie als Wissenschaft zu tun? -Behalten wurde.. • Behalten, in verwandelter Form, der platonische Grundzug: Wissen auf einer zweiten, vorgeblich wirklicheren, Ebene anzusiedeln. Ebene der Theorie. Dazu werden Phänomene der lebenswert zuerst atomisiert und damit dekontextualisiert und anschließend auf einer zweiten, abstrakten Ebene eine Theorie aufzustellen, wie die Eigenschaften zusammenhängen.
- Was hat das alles mit Psychologie als Wissenschaft zu tun? -Verworfen wurde... • Verworfen wurde Platons kontemplative, nach innen gerichtete Erkenntnishaltung (rezeptiv, nicht aktivbemächtigend) Und dadurch Abgrenzung von der spekulativen Philosophie, die allein durch nachdenken den Dingen/der Seele auf den Grund kommt, naturwissenschaftliche Epistemologie - Perspektive der dritten Person oder neutraler Beobachterstandpunkt. Abgelöst von der Beobachtung und ein durch logische Vorgänge gekennzeichnetes Denken
- Was hat das alles mit Psychologie als Wissenschaft zu tun? -Kontemplative Erkenntnis . - ergibt sich aus der Resonanzbeziehung bzw stellt sich im Zusammenfallen von Erkenntnissubjekt und -Objekt ein. Verstehen ist hier ein Ereignis, kein Wissen.
- Aristoteles (384-322 v. Chr.) • Abkehr von der Kontemplation. Ersetzt durch Beobachtung
- Aristoteles (384-322 v. Chr.) -Zusammenhang mit Platon • Zunächst Schüler, dann Kollege von Platon
- Aristoteles (384-322 v. Chr.) -Gründung... • Zunächst Schüler, dann Kollege von Platon. Danach Gründung eigener philosphischer Schule = Peripatetische Schule, da hier philosophieren während des Gehens --> neuer Habitus, nicht mehr sitzend zu philosophieren, sondern dabei aktiv zu sein, Gehmeditation statt Sitzmeditation, klingt trivialer, als es ist - Habitus, der nicht mehr die Welt in ihrer Schönheit bloß feiernd nachvollziehen will, sondern einer, der die Außenwelt im Detail beobachten will, sich durch Beobachtung die Welt aneignen und umgestalten, aktiver Habitus wird Va in der neuzeitlichen Geschichte immer dominanter
- Aristoteles war einer der ersten Philosophen,... ..., der auch Naturforschung betrieb. Im Unterschied zu Platon Augenmerk nicht nur auf das vermeintlich Eigentliche (die Ideenwelt), sondern auf das Besondere und Konkrete, auf die Welt des Vergänglichen, des Werdens und Vergehens, auf die Welt der Pflanze, Tiere und Menschen → realistische, an Erfahrung orientierte Grundposition,
- Aristoteles -Naturforschung → Ausgangspunkt Wissenschaft soll sich mit der realen Welt beschäftigen, nicht mit den reinen Ideen. Aristoteles Beobachtungen, Beschreibungen zu Natur, Biologie, Physiologie blieben bis zur beginnenden Neuzeit maßgeblich.
- Aristoteles -heute Heute noch bedeutsame Fundamente der Wissenschaft, die auf Aristoteles zurückzuführen sind: • Va Formen des logischen Schließens - Aristoteles war die systemischer Entwicklung des Argumentierens wichtig --> Ausarbeitung eines Systems einer formalen Logik - Unterscheidung von Formen der Verknüpfung von Gedanken zu einem Schluss = Syllogismen, Typen von Schlussfolgerungen häufig beinhalten diese den Umgang mit Quantoren, also quantitative Angaben wie einige, alle, keine.
- Heute noch bedeutsame Fundamente der Wissenschaft, die auf Aristoteles zurückzuführen sind: • Deduktiver Schluss • Deduktiver Schluss - aus zwei Prämissen wird eine Aussage abgeleitet, von der man, wenn die Prämissen wahr sind, mit Sicherheit sagen kann, dass such der Schluss wahr ist. Schließen vom allgemeinen auf das spezielle/einzelne.
- Heute noch bedeutsame Fundamente der Wissenschaft, die auf Aristoteles zurückzuführen sind: • Konditionale Schlüsse • Konditionale Schlüsse - wenn-dann-Beziehungen, besonders bekannt
- Heute noch bedeutsame Fundamente der Wissenschaft, die auf Aristoteles zurückzuführen sind: • Ein Schluss muss • Ein Schluss muss sicher wahr sein, sonst muss er unterbleiben. Dies hängt mit wesentliches Ausgangsprinzipien von Aristoteles' Logik zusammen - Widerspruchsfreiheit & Zweiwertigkeit des Denkens (heißt in sich gegenseitig ausschließlichen Gegenüberstellungen zu denken: wahr/falsch, schön/hässlich, Subjekt/Objekt, man muss sich für eine Seite der Gleichung entscheiden. Europäisches Denken ist wesentlich davon gekennzeichnet - ein solcher Denkstil unterschlägt Differenzierungen und ignoriert Kontextbedingungen, sobald er komplexe menschliche Bereiche erschließen will. Aristoteles hat es möglich gemahnt, mit Hilfe präzisen logischen Denkens, aufzuweisen ob Sätze wahr, falsch oder bezüglich ihres Wahrheitsgehaltes nicht beurteilbar sind. Die Entwicklung dieser Logik ist ein immens wichtiger Schritt innerhalb der westlichen Wissenschaft gewesen.
- Ausgangsprinzipien von Aristoteles' Logik Widerspruchsfreiheit & Zweiwertigkeit des Denkens
- Heute noch bedeutsame Fundamente der Wissenschaft, die auf Aristoteles zurückzuführen sind: • vorallem Formen des logischen Schließens: deduktiver Schluss Konditionale Schlüsse • Aristoteles hat eine dichotome Logik, dh etwas ist wahr oder falsch• Aristoteles prägt präziseres Denken. Rationales Denken.
- Wesentliches Leitmotiv der Wissenschaft seit der Antike in eine zweite Welt der Modelle und der dekontextualisierten Sätze einzuwandern
- Erkenntnispositionen, die in der Antike formuliert wurden und noch maßgeblich sind HolismusAtomismus
- Holismus Phänomen muss ganzheitlich betrachtet werden. Durch die Aufsplittung in Einzelteile geht das wesentliche verloren
- Atomismus wenn man ein Phänomen verstehen will, muss man es in möglichst kleine Einzelteile aufsplitten
- Immer schon etwas wie eine vorlogische Voraussetzung der Wissenschaft, etwa die zweiwertige, auf Widerspruchsfreiheit basierende, Logik