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verhaltensmedizin (Fach) / VL6 (Lektion)

Diagnostik, Intervention und psychologische Aspekte bei Karzinomerkrankungen

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  • Historisches zu Karzinomerkrankungen: Mumienbefunde: Osteosarkome (Knochenkrebs) bereits an ägyptischen Mumien diagnostiziert Galen: Bezeichnung "Karzinom" erstmals von ihm gebraucht für das Mamma-Karzinom (dessen gestaute Venen Krebsfüssen ähneln). Zudem wurde von ihm das Temperament Melancholie mit Krebs assoziiert. Percival Pott: Engl. Arzt. Kaminkehrer, die eine starke Russexposition erleben -> Häufung von Skrotaltumoren Rudolf Virchow: Deutscher Pathologe. Virchowsche Zellenlehre: Jede Zelle geht aus einer Vorgängerzelle hervor.
  • Was sind Merkmale eines bösartigen Gewebes? - Schnelles, autonomes und unkontrolliertes Wachstum (PROLIFERATION) - Infiltration (Eindringen in benachbartes Gewebe) und Zerstörung von Nachbargewebe - Unreif, undifferenziert, Ähnlichkeit zu Muttergewebe nicht mehr gegeben (Anaplasie, DEDIFFERENZIERUNG) - Vermehrte, oft anormale Mitosen (Zellteilungen) - Unscharfe Begrenzung - Metastasierung (Fernabsiedlung von Tumorzellen) - Rezidivneigung
  • Die Fähigkeit der Zellen, maligne zu entarten, ist... ...fast allen Körpergeweben eigen, wenn auch in verschiedenem Grade; sie ist aber nicht in allen Menschen gleich gross. Viele bösartigen Geschwülste treten bevorzugt im höheren Lebensalter auf.
  • Unterteilung der Tumore nach Art des Muttergewebes: - Epitheliale und nichtepitheliale Geschwülste - Mischgeschwülste (enthalten sowohl Epithel- als auch Bindegewebe) - Keimzellengeschwülste - Endokrine Tumore
  • Bei der Bezeichnung für eine bösartige Neubildung (Geschwulst) wird zwischen welchen zwei Begriffen unterschieden? Karzinom und Sarkom
  • Karzinom: Allgemein als "Krebs" bezeichnete bösartige Neubildung (Geschwulst) mit Ursprung im Epithelgewebe (Deckgewebe).
  • Sarkom: Bösartige Neubildungen (Geschwulst) mit mesenchymalem Ursprung (Bindegewebe).
  • Von der Tumorzelle zum Tumor: 1. Zellveränderungsphase: - Schädigung der Chromosomen, zb durch Viren - "Datenbank" der Zelle, die alle Infos über Aussehen, Funktion, Wachstums- und Vermehrungseigenschaften besitzt, ist dadurch verändert 2. Ruhephase: - Zelle ist zwar verändert, teilt sich im Augenblick aber nicht 3. Ausbruch des Tumorwachstums: - bei Einwirken krebsauslösender Faktoren auf die vorgeschädigte Zelle und gleichzeitig vorhandenen Schädigung der Reparaturmechanismen des Körpers erfolgt eine ungehinderte Vermehrung der entarteten Zellen - Zellteilung führt zur Weitergabe der veränderten Erbinfos an die Tochterzellen - erhöhte Teilungsraten, Gewebevermehrung, Tumor
  • Nenne die 5 Bedingungen, die darüber entscheiden, ob es im Kontakt mit krebsauslösenden Stoffen zu einer Zellentartung kommt! 1. Konzentration des Schadstoffes (Menge, Giftigkeit) 2. Dauer der Einwirkzeit 3. Zusammentreffen verschiedener Gifte 4. Vorschädigung der Zellen 5. Genetische Faktoren -------> Mulitkausalität
  • Wie breitet sich Krebs aus? Durch örtlich invasiv zerstörendes Wachstum mit Übergreifen auf benachbarte Gewebe, Organe und Organsysteme - durch lymphogene Tumormetastasierung (über Lymphgefässe) - durch hämatogene Tumormetastasierung (über Blutgefässe) (Metastasen = von einem Primärtumor räumlich getrennte, gleichartige Tochergeschwülste)
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  • Ablauf Krebsausbreitung: 1) Gifte, Strahlen, Viren schädigen die Erbsubstanz in der Zelle 2) Die Zelle vermehrt sich unkontrolliert. Krebs entsteht. 3) Der Krebs wächst in Blut- oder Lymphgefässe hinein. 4) Die Krebszellen werden weggeschwemmt. 5) Die Krebszellen siedeln sich als Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper an.
  • Wieso wird bei der Erforschung der Karzinogese oft nur monokausal untersucht (halt nur so medizinisch)? Weil je komplexer und komplizierter ein biologischer Prozess, um so wichtiger erscheint es, diesen gezielt auf einfache Ursachen zurückzuführen (Reduktionismus), um die daraus gewonnenen singulären Erkenntnisse in kreativer Freiheit wieder zu einem Ganzen (Holismus) zu ordnen. (Wessel et al., 1994)
  • Nenne ätiologische Faktoren von Karzinogenese! 1. Energiereiche Strahlung - Ultraviolette Strahlung führt zu Hauttumoren - Alpha-, Beta-, Gamma-Strahlung führt zu Leukämien und verschiedensten Organtumoren 2. Chemische Karzinogenese - zb Arsen, Asbest, Anillin, Teer, Benzol, Nitrosamine, Tabak, Alkohol 3. Viren - Primäres Leberzellkarzinom durch Hepatitis-B-Virus - Non-Hodgkin-Lymphom, Burkitt-Lymphom durch Epstein-Barr-Virus - Zervix-Karzinom durch humane Papillom-Viren 4. Genetische Faktoren - Onkogene vs. Tumorsuppressorgene (zb p53, Zellreparatur) 5. Psychische Faktoren - Stressoren, Verhalten, Coping-Strategien
  • Einfluss von Promotoren: Zellschäden können durch äussere Einflüsse (zb Russ, Zigarettenrauch, Teer) ausgelöst werden. Allerdings bedarf es zusätzlicher Promotoren wie zb Angst und/oder Depression: Angst/Depression ---> Hormonelle Veränderungen des Immunsystems ---> Geschwächte Bekämpfung karzinogener Prozesse
  • Wie reagiert das Immunsystem bei einer Krebserkrankung? Es aktiviert Selbstheilung (adaptive Immunität gegen Tumorzellen): Von neoplastischen Zellen (Krebszellen) abgeschilferte Antigene binden an antigen-präsentierende Zellen und stimulieren spezifische T- und B-Zellen. Die aktivierten Lymphozyten arbeiten bei der Bildung von tumorspezifischen Antikörpern zusammen, ausserdem können aktivierte T-Zellen eine zytostatische (Verhinderung/Verzögerung der Kern- oder Plasmateilung) oder zytolytische (zellauflösend) Aktivität entwickeln. Gedächtniszellen entwickeln sich erst im Verlauf der Immunantwort.
  • Zytostatisch = Verhinderung/Verzögerung der Kern- oder Plasmateilung
  • Zytotoxisch = Zellvergiftend bzw. zellschädigend
  • Zytolytisch = zellauflösend
  • Durch Tumorantigene aktivierte T-Zellen... 1. Setzen Interferon (IFN) frei, das die lytische (zellmembranauflösende) Aktion der natürlichen Killerzellen (NK) versärkt    (Interferone haben eine immunstimulierende, vor allem antivirale und antitumorale Wirkung) 2. Bilden Lymphotoxin (LT), welches eine direkte Wirkung auf die Tumorzelle hat 3. Produzieren chemotaktische Faktoren (CFM), den Migrations-Inhibitions-Faktor (MIF) und den makrophagenaktivierenden Faktor (MAF), wodurch Makrophagen angelockt und aktiviert werden. Makrophagen haben einen zytotoxischen Effekt auf den Tumor und verhindert dessen Wachstum.
  • Natürliche Killerzellen: Die Aktivität von NK-Zellen nimmt mit dem Wachstum des Tumors ab. Im Anfangsstadium ist die Aktivität nur leicht, später stark erniedrigt. Sie kann durch Stimulation mit Interferon erhöht werden. Mononukleäre Zellen aus Tumoren, die im Frühstadium operiert wurden, besitzen eine geringere NK-Aktivität als mononukleäre Zellen aus dem peripheren Blut.
  • Was sind die häufigsten Krebsarten bei Männern? - Prostata (25,4%) - Darm (16,2%) - Lunge (14,3%) - Harnblase (9,3%) - Magen (4,8%)
  • Was sind die häufigsten Krebsarten bei Frauen? - Brustdrüse (27,8%) - Darm (17,5%) - Lunge (6,4%) - Gebärmutterkörper (5.7%) - Eierstöcke (4.7%)
  • Mammakarzinom: - häufigste Krebserkrankung der weiblichen Bevölkerung in Europa und den USA - 6-7% aller Frauen, gesamten weiblichen Karzinommortalität beträgt 25% - Die Mehrzahl der erkrankten Frauen ist zw. 50 und 70 Jahre, ein drittel der Frauen ist jünger als 50 Jahre - Überlebenszeiträume von Patientinnen: Abhängig vom homolateralen axillären Lymphknotenstatus (Zeitpkt des Erkennens) und der Tumorgrösse. Zb bei einer Tumorgrösse <1cm, keinem Lymphknotenbefall, keiner Metastasierung beträgt die Überlebenswahrscheinlichkeit nach 5 Jahren ca. 85%. Bei einem Mammakarzinom mit generalisierter Metastasierung beträgt die mittlere Überlebenszeit bei erfolgreich gestaffeltem Therapieeinsatz >2 Jahre, 15% dieser Frauen leben >5 Jahre.
  • Was ist der häufigste weibliche Genitaltumor? Das Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs). Betroffen sind vor allem sehr aktive Frauen mit häufig wechselnden Partnern.
  • Wovon ist die Prognose, d.h. die Rezidivrate und Überlebenschance einer Tumorkrankheit, vor allem abhängig? Vom Tumorausbreitungsgrad (gemessen mit TNM-System) bei Diagnose und Therapiebeginn.
  • Wie lässt sich der Ausbreitungsgrad eines Tumors am besten angeben? Durch Beschreibung der topographisch-anatomischen Ausdehnung der Erkrankung (vor allem bei soliden, primär monofokalen Organtumoren) mit dem TNM-System der UICC (International Unione Against Cancer): T: Basiert auf Feststellungen von Ausdehnung/Grösse der Primärtumors (Tumor) N: Zustand/Befall der regionären bzw. juxtaregionären Lymphknoten (Noduli) M: Fehlen bzw. Nachweis von Fernmetastasen (Metastasenstatus)
  • Nenne verschiedene Behandlungsmöglichkeiten von Karzinomerkrankungen! - Chemotherapie: mit versch. Stoffen wird Zellvermehrung gehemmt - Strahlentherapie: radioaktive Strahlung verhindert Wachstum des Tumors - Operationen: Entfernung des Tumors - Hormontherapie: Gabe von Hormonen stoppt oder verkleinert den Tumor - Schmerztherapie: vor allem um Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen - Psychotherapie: Verbesserung der Befindlichkeit und Umgang mit Krankheit (Psychoonkologie)
  • Unterscheidung in kurative und palliative Therapie: Kurative: Primärziel Heilung (zb Chemotherapie) Palliative: Krebshemmende Therapie (Krebsausbreitung wird gehemmt); Primärziel ist Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität.
  • Rehabilitation: Neben der Therapie selber spielt die Rehabilitation bei Krebspatienten eine bedeutende Rolle. Die Rehabilitationsziele müssen in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der rehabilitativen Massnahme, vom Ausmass der Grunderkrankung und deren tumortherapeutischer Strategie, von Begleiterkrankungen und Problemen sowie weiterer Einflussfaktoren für jede Person nach einem individuellen Assessment definiert werden.
  • Studie zum Überlebenserfolg bei Krebs von Chang et a. (2003): Untersucht wurden 346 Frauen mit metastatischen ("Lymphknoten-positivem") Brustkrebs. Der grösste Teil der Frauen erhielt eine Chemo- oder endokrinologische Therapie. Ergebnisse: Die mittlere Überlebensdauer betrug 17.8 Monate. Höheres Alter, viscelarer Krankheitsbefall und kürzere DFI (Disease Free Interval) sind mit schlechteren Überlebenschancen assoziiert.
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  • Die drei Studie zu den Überlebenserfolgen unterschiedlicher Gruppen von Karzinompatienten, New England Journal of Medicine, 2002: 1) Fisher et al.: 24-Jahres-Follow-up Studie (1851 Frauen mit vergleichbarem Brustkrebs). Ergebnis: Ipsilaterales (gleiche Seite) Rezidiv mit Bestrahlun 14.2%, ohne Bestrahlung 39.2% (d.h. Bestrahlung bringt in Langzeit mehr). Überlebenszeiten zw den drei Gruppen (1. Masektomie; 2. Teilresektion; 3. Teilresektion mit Bestrahlung) kein Unterschied. 2) Veronesi et al.: 20-Jahres-Follow-up Studie (701 Frauen Mamma CA; kleiner als 2 cm). Ergebnis: Praktisch kei unterschied bezügl kontralateralem CA ob Quadratektomie (nur ein Teil wird entfernt) oder Mastektomie (ganze Brust wird entfernt) 3) Holmberg et al.: 6.2-Jahres-Follow-up Studie (695 Männer mit Prostata-CA). Gruppe 1: Aufmerksame Beobachtung; Gruppe 2: Prostataentfernung. Ergebnis: kein sign. Unterschied bzgl. Überlebenszeit (generell), jedoch sign erhöhte Überlebensrate in Gruppe 2 bezgl. Prostata-CA (= seltener wegen Prostatakrebs gestorben als Gruppe 1) Ex-Frage: In der Studie von Holmberg et al zeigte sich bei Prostatakarzinom-Patienten erst in zweiten Follow-up (nach10.8 Jahren) ein Unterschied in der Todesrate von Patienten mit Prostataentfernung und Patienten ohne jegliche Behandlung.-> Dia Studia hemmer so glaub nid kha...i merk mer eher das wo ih gschrieba han
  • Wieviele Menschen gibt es heute in der Schweiz, bei denen Krebs diagnostiziert worden ist? Über 300'000. Im Jahr 2000 waren es noch weniger als 200'000. Ein Grund für diese Zunahme ist, dass immer mehr Patienten länger überleben. So hat sich die Zahl der Personen, die 0 bis 2 Jahre nach Diagnose noch leben, nur geringfügig erhöht. Deutlich zugelegt hat die Gruppe der Langzeitüberlebenden, die 10 Jahre oder mehr überlebt haben.
  • Psychoonkologie: Unter dem Begriff Psychoonkologie hat sich eine Disziplin etabliert, deren Ziel es ist, die psychosozialen Aspekte in Entstehung, Behandlung und Verlauf von Krebserkrankungen wissenschaftlich zu untersuchen und die entsprechenden Erkenntnisse in der Versorgung und Betreuung der Patienten umzusetzen.
  • Welche zwei Arten der Erfassung psychischer Belastung in der onkologischen Versorgung gibt es? Screening: i.d.R. Fragebogen, dann Cut-off Wert und wenn auffälliger Wert dann umfassendes psychosoziales Assessment. Umfassendes psychosoziales Assessment: Problembeschreibung, Klärung der Rolle von Bezugspersonen, Differenzialdiagnose/Anamnese, problembezogene Psychodiagnostik, Therapieplanung/Art und Setting der Intervention, Erläuterung des Interventionsangebots/Patienteninformation
  • Kritische Lebensereignisse als Ursache für Krebs? - Ältere Arbeiten: Guy (1759): Maligne Erkrankungen finden sich verstärkt bei Frauen mit hysterischen oder nervösen Beschwerden, insbesondere bei solchen, die belastenden Lebensereignisse ausgesetzt waren. Snow (1893): Belastende Ereignisse finden sich unmittelbar vor Ausbruch der Krebserkrankung bei 62% der untersuchten Patienten. Evans (1926): Verlust eines Liebesobjektes oder einer wichtigen emotionalen Beziehung vor Ausbruch der Krebserkrankung. Le Shan & Worthington (1955): Krebspatienten haben Schwierigkeiten, feindliche Gefühle auszudrücken; Verlust naher Bezugsperson vor Ausbruch der Erkrankung.
  • Was sind die häufigsten UNTERSUCHTEN "psychologischen Risikofaktoren" für die Entstehung von Brustkrebs? - Erhöhtes Ausmass an Angst und Depression - Extravertiertheit - Konfliktvermeidender Stik - Verleugnung und Verdränung als Bewältigungsmechanismen - Schwierigkeiten Ärgernis und Betroffenheit auszudrücken - Viele intensive und stressreiche Ereignisse - Trennung und Verlust von Bezugspersonen - Keine Unterstützung von Familie
  • Ursachen für Brustkrebs aus Sicht der Patientinnen: What do you think CAUSED your breast cancer? - Stress (42.2%) - Genetics (26.7%) - Environment (25.5%) - Hormones (23.9%) What prevents your breast cancer from recurring (zurückkommen)? - Positive attitude (60%) - Diet (50%) - Healthy lifestyle (40%) - Exercise (39.4%)
  • Aktuelle Befunde zu "kritische Lebensereignisse für die Entwicklung oder das Fortschreiten von Tumoren" (Maunsell et al. 2001): Sie fanden keinen Zushang zw. Anzahl stresshaften Lebensereignisse in den 5 Jahren vor der Diagnose der Brustkrebserkrankung und der Überlebensrate nach 7 Jahren.
  • Studie von Amelang und Schmidt-Rathjens (2003) zu Depressivität und "Krebspersönlichkeit": Zwei Hypothesen zur Erforschung psychosozialer Risikofaktoren bei Krebserkrankungen: 1. Verlust-Depressionshypothese 2. Hypothese der Krebspersönlichkeit Ergebnis: Zusammenstellung verschiedener Metaanalysen, die allerdings für beide Hypothesen mehrheitlich auf retrospektiven Untersuchungen basieren, zeigen, dass die Befunde zu prämorbider Depressivität äusserst widersprüchlich sind und keinesfalls angenommen werden könnte, dass Depressivität zu einem höheren Krebsrisiko führen. Eine "Krebspersönlichkeit" (zb in Form von starker negativer Verleugnung oder der Präsentation einer starken und glücklichen Fassade (Typ-C-Verhalten)) wird als Mythos bezeichnet.
  • 4 Studien zum Thema "Richtiges" Coping als Puffer? Dean und Surtees (1989): Korrelation der Copingstile mit den Überlebenszeiten nach 6-8Jahren: Präoperativ "stoisch akzeptierendes" oder "hilfloses/hoffnungsloses" Coping zeigte ebenso günstigere Überlebensraten wie postoperative "Verleugnung". Deutlicher Zushang zw ungünstigem Krankheitsverlauf, niedriger sozioökonomischen Schichtzugehörigkeit (weil wahrsch. geringe Compliance mit Nachsorgeuntersuchungen) und Arbeitslosigkeit. Buddeberg et al. (1991): Kein Zushang zw psychosozialen Vriablen und Krankheitsverlauf. Petticrew, Bell und Hunter (2002): Review. Die meisten Studien, die "fighting spirit" (10 Studien) oder "helplessness/hopelessness" (12) unersuchten, fanden keine sign, Zushänge mit der Überlebenszeit oder Rezidivien. Sehlen et al. (2003): Die Copingmechanismen "aktiv-problemorientiert" und "Ablenkung" wurden von den Patienten zur Krankheitsanpassung am meisten verwendet. Während und 2 Jahre nach der Radiotherapie kam es zu einer Abnahme der verwendeten Copingstrategien (dies gilt für "aktiv-problemorientiert" und "deppressives" Coping). Frauen wiesen einen höheren Wert im Freiburger FB zur Krankheitsbewältigung in allen Skalen auf. Alter, Kinder, Ausbildung, T/M-Status oder kurative/palliative Therapie waren ohne Einfluss auf die Copingstrategie. "Depressives Coping" und "Bagatellisierung und Wunschdenken" zu Beginn gingen einher mit hoher psychosozialer Belastung und geringer Lebensquali nach 2 Jahren. ------> Die Form der Krankheitsverarbeitung hat einen signifikanten Einfluss auf die Lebenszufriedenheit während und nach Krebstherapie.
  • Prospektives, psychoneuroimmunologisches Modell für den Krankheitsverlauf bei Mamma-CA nach Levy: Die Qualität der sozialen Unterstützung nimmt Einfluss auf das Ausmass erlebter Hilflosigkeit und negativer Affekte, die wiederum zu einer Modulation neuroendokriner und immunologischer Funktionen führen, die dann den weiteren Krankheitsverlauf beeinflussen.
  • Studie von Turner-Cobb et al. (2000) zum Zushang zw sozialer Unterstützung und physiologischen Stressparametern: Erhebung sozialer Untersützung (Quantitativ: Anzahl Bezugspersonen; Qualitativ: Unterstützung des Selbstwertes, Nähe). Erhebung Speichelcortisol bei 104 Mamma-Ca Patientinnen (drei mal am Tag). Ergebnisse:  - Negative Korr zw der Quantität der sozialen Unterstützung und der Qualität der sozialen Unterstüzung (Facebookfreundesammeleffekt). - Eine qualitativ höhere soziale Unterstützung geht mit niedrigeren Cortisolwerten einher. 
  • Studie von Stanton et al. (2000) zu "expressives emotionales Copingverhalten als wirksame Strategie zur Anpassung an Mamma-Ca": Frauen, die in einem hohen Ausmass ihre Emotionen bzgl. ihrer Krebserkrankung verbalisierten (hohe emotionale Expression) gingen sign. seltener wegen krebsbezogener Symptome zum Arzt und zeigten eine bessere psychische Anpassung als Frauen mit einer geringen emotionalen Verbalisierung.
  • Studie von Sephton et al. (2000) zum Cortisolverlauf über den Tag und Überleben von Brustkrebs: - Mamma-Ca Pat. mit einer geringen cirkadianen Variation der Cortisolspiegel (flat rhythm, niedrige Morgencortisolspiegel, erhöhte Abendcortisolwerte) zeigen im Verlauf eines 7-Jahres Follow-ups die höchsten Mortalitätsraten. (gesunder slope wäre eig: am Morgen viel Cortisol, am Abend wenig) - Niedrige Cortisolspiegel mit reduzierter Rhythmik sind nach verschiedenen Untersuchunungen mit reduziertem Gefühlsausdruck assoziiert. 2013: Bestätigung der flat-cycling Cortisol-Befunde für Lungenkarzinompatienten.
  • Psychobiologisches Modell (Stockhorst in Ehlert 2015): Stress (sympathisches Nervensystem (SNS) und HHNA) beeinflussen die Tumor-Mikroumgebung: -> Tumorzellen -> Tumorüberwachungsrelevante immunkompetente Zellen -> Blutzufuhr der Tumorzellen -> Virale Onkogenese
  • Was kann alles unter psychotherapeutischer Intervention bei Tumorpatienten subsummiert werden? - Psychologische Einzelberatung/-therapie - Psychopharmakologische Behandlung - Paar-/Angehörigen-beratung/therapie - neuropsychologisches Training - Entspannung, gelenkte Imagination - Kunst-/ Ergotherapie - Gruppentherapie
  • Was sind mögliche kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsstrategien bei der Krankheitsphase DIAGNOSESTELLUNG / VOR BEHANDLUNGSBEGINN? - Emotionale Unterstützung durch aktives Zuhören - Aufforderung zur Verbalisierung von Emotionen - Krankheitsbezogene Informationsvermittlung - Steigerung des adaptiven Copings durch kognitive Umstrukturierung und positive Selbstinstruktion - Stressmanagementtraining
  • Was sind mögliche kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsstrategien bei der Krankheitsphase BEHANDLUNG? - Entspannungsverfahren - Imaginationsverfahren - Desensibilisierungstechniken - Einstellungsänderungen - Entwicklung von Ablenkungsstrategien
  • Was sind mögliche kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsstrategien bei der Krankheitsphase ABGESCHLOSSENE BEHANDLUNG / REZIDIVFREIHEIT? - Gruppenintervention für Karzinompatienten - Stressmanagementtraining - Problemlösetraining - Selbstsicherheitstraining - Steigerung der Selbstkontrollfähigkeiten - Psychoedukation zu gesundheitsförderndem Verhalten
  • Was sind mögliche kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionsstrategien bei der Krankheitsphase FORTGESCHRITTENES KRANKHEITSSTADIUM / REZIDIV? - Modifikation irrationaler Kognitionen - Schmerzbewältigung - Entspannungsverfahren - Emotionale Untersützungdurch aktives Zuhören