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Einführung in wissenschaftliches Denken (Fach) / Vom Verstehen zu den qualitativen Methoden (Lektion)

Ansorge

Diese Lektion wurde von Juls96 erstellt.

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  • Qualitative Methoden: Qualitative Interviews -> narratives Interview, -> narratives Interview, ähnlich dem fokussierten Interview:- Erzählanstoß, für Erlebnisse oder Episoden aus dem Leben der/s Befragten- der Hauptteil sollte nicht unterbrochen werden- keine starke Rückmeldung (auch kein Nicken etc.), damit   sich die Geschichte frei entwickeln kann- nach der Erzählphase, eine Bewertungsphase (z.B.„Hätten Sie lieber auf die Erfahrung verzichtet?“)
  • Qualitative Methoden: Qualitative Interviews -> narratives Interview, nutzt... - nutzt „Erzählzwänge“-> Detaillierungszwang (der Befragte bemerkt zuAllgemeines und liefert Details nach)-> Gestaltschließungszwang (der Befragte bemerkt, dasseine Teilepisode nicht abgeschlossen ist und erzählt dasFehlende)-> Konsolidierungszwang (der Befragte ist gezwungen,das Wichtige zum Erzählen auszuwählen)
  • Qualitative Methoden: -Qualitative Auswertung -> Ziel: inter-subjektiv nachvollziehbare, inhaltlich erschöpfendeInterpretation des Materials- Material: Transkripte, Beobachtungsprotokolle, Gegenstände(z.B. Fotos, Zeichnungen, etc.)
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte… - Text- und Quellenkritik- Datenmanagement- kurze Fallbeschreibungen- Auswahl von Fällen- Entwicklung eines passenden Kategoriensystems- Kodierung - Charakterisierung der Einzelfälle - Vergleich- ggf. auch Adjustierung der Kategoriensysteme oder des Untersuchungsplans
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte… - Text- und Quellenkritik (vornehmlich anhand InterSubjektivität/Objektivität, Genauigkeit/Reliabilität,Gültigkeit/Validität)
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte… - Datenmanagement in der Regel mit Computer wegen Datenmasse (z.B. 1 Minute Interview = ca. 1 Seite Transkript) und zur Annotation der Materialien (z.B. zur Kodierung)
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte… - kurze Fallbeschreibungen z.B. anhand relevanter Merkmale (Geschlecht, Gruppenzugehörigkeit etc.) und wesentlicherGesprächsinhalte
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte… - Auswahl von Fällen für Feinanalysen (z.B. typische Fälle, atypische Fälle oder Zufallsauswahl)
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte - Entwicklung eines passenden Kategoriensystems z.B.„politische Überzeugungen“, „Zukunftspläne“ oder „Einstellungenzu Minderheiten“ -> kann deduktiv oder induktiv gebildet werden
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte... - Kodierung: Zuordnung von Textteilen (oder Materialien) zu denKategorien
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  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte... - Charakterisierung der Einzelfälle - Charakterisierung der Einzelfälle durch die kodierten Kategorien
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte… - Vergleich der Einzelfälle z.B. Zusammenfassung zu Typen vonFällen
  • Qualitative Methoden: Qualitative Auswertung Schritte… -Adjustierung der Kategoriensysteme - ggf. auch Adjustierung der Kategoriensysteme oder desUntersuchungsplans, z.B. leere Kategorien -> irrelevanteKategorie? -> zu wenig Daten?
  • Qualitative Methoden: -Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring - zusammenfassende Inhaltsanalyse:- explizierende Inhaltsanalyse: - strukturierende Inhaltsanalyse:
  • Qualitative Methoden: Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring - zusammenfassende Inhaltsanalyse: Paraphrasieren(Wegstreichen, Transformieren), Generalisieren (Konkretesverallgemeinern) und Reduzieren (ähnliche Paraphrasen werdenzusammengefasst)
  • Qualitative Methoden: Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring - explizierende Inhaltsanalyse: Unklares wird durch Bezugnahmeauf zusätzliche Materialien verständlich gemacht
  • Qualitative Methoden: Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring - strukturierende Inhaltsanalyse: zusammenfassende und erklärende Kurzversion wird im Hinblick auf die Fragestellunggeordnet und gegliedert; Herausarbeiten relevanter Themen,typisierende Strukturierung und skalierende Strukturierung
  • Qualitative Methoden: Grounded Theory (Glaser & Strauss) -Absichtsvolle Stichprobenziehung (Theoretisches Sampling) -> 1. Schritt: Fallauswahl nach maximaler Ähnlichkeit: vonTeilnehmerInnen, die sich in einem möglichen Einflussfaktor ähneln-> 2. Schritt: Fallauswahl nach maximaler Differenz: vonTeilnehmerInnen, die sich in einem möglichen Einflussfaktor unterscheiden-> 3. Schritt: Abbruchkriterium, wenn keine neue Information mehrgewonnen werden kann-> vgl. auch Hermeneutik
  • Qualitative Methoden: Grounded Theory (Glaser & Strauss) -Datenerhebung und Kategorienbildung gehen Hand in Hand -> sofort nach den ersten Daten auswerten-> offenes Codieren (datennah): z.B. Wörter, die wiederholtauftauchen-> axiales Codieren: permanentes Vergleichen, Suche nachGemeinsamkeiten, Mustern und Unterschieden, mit dem Ziel derKategorienbildung -> Memos (Überlegungen, Theoriefragmente)-> selektives Codieren: nach Bildung der Kategorien wird selektiv(nur anhand der bestehenden Kategorien) kodiert-> Theoriebildung: Kategorienrelationen mit Hinblick auf zentrale„Kernkategorie“
  • offenes Codieren (datennah): z.B. Wörter, die wiederholt auftauchen
  • axiales Codieren permanentes Vergleichen, Suche nachGemeinsamkeiten, Mustern und Unterschieden, mit dem Ziel derKategorienbildung -> Memos (Überlegungen, Theoriefragmente)
  • selektives Codieren nach Bildung der Kategorien wird selektiv(nur anhand der bestehenden Kategorien) kodiert
  • Theoriebildung: Kategorienrelationen mit Hinblick auf zentrale„Kernkategorie“
  • Qualitative Methoden: Beobachtungen typisch sind (im Gegensatz zu quantitativen Beobachtungen):-> Beobachtungen im Feld-> persönliche Teilnahme des Forschers-> Konzentration auf größere Einheiten (Muster) statt auf einzelneVariablen-> Offenheit für neue Einsichten und Beobachtungen
  • Qualitative Methoden: Beobachtungen -Rollenspiele -> erlauben naturalistischere Beobachtungen ohne echtes Feld-> können Hemmungen abbauen helfen-> rufen Erinnerungen und Emotionen wach-> qualitativer Charakter kommt vor allem zur Geltung, wenn esum subjektive Bedeutungs- und Erlebensrekonstruktion geht
  • Qualitative Methoden: Beobachtungen -Weitere Varianten: -> Einzelfallbeobachtung (Frage der Generalisierbarkeit, aberhohe Intensität der Daten)-> Selbstbeobachtung (durch Tagebücher, Gedankenstichproben,Methode des lauten Denkens)
  • Qualitative Methoden: Beobachtungen -Max Wertheimer (1923) Bsp.: Selbstbeobachtungen von Max Wertheimer (1923)-> beschreibt die Gestaltgesetze der visuellen Wahrnehmung-> Gesetze - der Nähe, - der Ähnlichkeit, - der Schließung, - desgemeinsamen Schicksals; allgemein: Prägnanzprinzip
  • Bsp.: Selbstbeobachtungen von Max Wertheimer (1923)  Bsp.: Selbstbeobachtungen von Max Wertheimer (1923)          c         f         i         m        p        b        e       h         l          o      a         d       g        k         nMan sieht die Form abc/def/ghi … Die entgegengesetzte Form aber, ,nämlich ceg/fhk/iln… wird nicht gesehen, ist im Ganzen simultan denmeisten unmöglich.“
  • Qualitative Methoden: Non-reaktive Verfahren -> nehmen keinerlei Einfluss auf die Untersuchten-> Materialien, z.B.:physische Spuren (z.B. Leseecken, Trampelpfade)Schilder, Hinweistafeln, Hausordnungen etc.Bücher, Filme, Zeitschriften, MassenmedienSymboleArchive, VerzeichnisseEinzeldokumenteVerkaufsstatistiken
  • Qualitative Methoden: Feldforschung Datenerhebung im natürlichen Lebensraum- teilnehmende vs. nicht-teilnehmende Untersuchung-> persönliche Teilnahme des Forschers erlaubt „Erfahrungen ameigenen Leibe“-> persönliche Teilnahme kann zur geplanten Beobachtungverwendet werden-> wichtige Unterscheidung: Wird der teilnehmende Forscher vonden Erforschten als Teil des Handlungsfeldes erkannt undakzeptiert oder steht er außerhalb des Feldes und verändert das Feld?
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  • Qualitative Methoden: Feldforschung Schritte… - inhaltliche Vorbereitung:- Einstieg ins Feld:- Agieren im Feld: - Dokumentation der Feldtätigkeit:- Ausstieg aus dem Feld: - Auswertung, Ergebnisbericht
  • Qualitative Methoden: Feldforschung Schritte… - inhaltliche Vorbereitung: Präzisierung des Forschungsthemas, Finanzierung, Zeitplan
  • Qualitative Methoden: Feldforschung Schritte… - Einstieg ins Feld: Teilnahme und Interessensbekundungen anAktivitäten im Feld; Ansprechen von Feldsubjekten; beigeschlossenen Feldern Rückgriff auf Gate-Keeper (besonderserfolgreich bei Feldautoritäten)
  • Qualitative Methoden: Feldforschung Schritte… - Agieren im Feld: Aufbau eines Kontaktnetzes; kritische Reflektion der eigenen Rolle (hier stellen sich auch ethische Fragen)
  • Qualitative Methoden: Feldforschung Schritte... - Dokumentation der Feldtätigkeit: Fragen mit Beobachtungen kombinieren (Empfehlung Wo-, Wann- und Wie-Fragen, stattWarum-Fragen); Audio- und Videoaufzeichnungen (Achtung: siekönnen die Situation künstlich machen); Feldtagebuch (Notierenvon Namen, Schlüsselbegriffen und Ereignissen) – es kommenauf eine Stunde Beobachtung ca. 3-4 Stunden Tagebuch
  • Qualitative Methoden: Feldforschung Schritte... - Ausstieg aus dem Feld: schrittweiser Rückzug; Feldaufenthaltesukzessive verkürzen und verringern; ggf. Supervision gegen dieBeanspruchung → Auswertung, Ergebnisbericht
  • Qualitative Methoden: Feldforschung Bsp.: Tearoom-Trade-Studie von Laud Humphreys - Untersuchung in homosexuellen Klappen- Humphreys nahm die Rolle einer „Watch-Queen“ ein, die beimöffentlichen homosexuellen Verkehr zusieht und aufpasst undwarnt, wenn die Polizei kommt- er beobachtete 120 sexuelle Akte, analysierte sie auf Merkmalewie Rollen und Rollenwechsel- außerdem unterhielt er sich mit „Schlüsselinformanten“, denener seine Identität als Forscher offenlegte
  • Qualitative Methoden: Aktionsforschung Forschung mit dem Ziel der Entwicklung von Veränderungsstrategien-> Gegenstand sind wirtschaftliche und soziale Diskriminierung-> Forschung und Veränderung unter aktiver Beteiligung derUntersuchungssubjekte-> Forscher und Beforschte sind gleichberechtigt (Aufhebung derSubjekt-Objekt-Spaltung)-> Untersuchungsthemen sind praxisbezogen undemanzipatorisch
  • Qualitative Methoden: Aktionsforschung -Forschungsprozess und Schwierigkeiten -> Forschungsprozess ist Lern- und Veränderungsprozess-> Schwierigkeit I: mangelndes Problembewusstsein derForschungssubjekte-> Schwierigkeit II: geringe Sachkompetenz der„Forschungssubjekte“, Partikularinteressen-> Schwierigkeit III: Veränderungsresistenz der erforschtenSituationen/Kontexte (Forscher verspricht viel, kann es vielleichtnicht halten)
  • Qualitative Methoden: Aktionsforschung Bsp.: Lewin (1946) -> Staat Conneticut beauftragt Lewin mit einem Workshop fürSozialarbeiterInnen zum Verhältnis zwischen Menschenunterschiedlicher Ethnien-> Lewin entwickelte Forschungsprogramm gemeinsam mitVertreterInnen christlicher und jüdischer Gemeinden-> vor Beginn des Workshops: Erhebung relevanter Meinungenund Handlungsstrategien der SozialarbeiterInnen-> Workshop mit Kleingruppenarbeit und von Beobachternprotokollierten Eindrücken; abends wurden die Protokolle von allendiskutiert-> Lewin beobachtete zunehmende Offenheit der TeilnehmerInnen
  • Qualitative Methoden: Biografieforschung Forschung mit dem Ziel der Rekonstruktion des Lebenslaufs aus subjektiver Sicht-> häufig idiografisch, mit dem Ziel individuelle Lebensläufe zu verstehen-> kann aber auch nomothetisch erfolgen, mit dem Zielallgemeine Gesetzmäßigkeiten zu ermitteln (z.B. typischeBedingungen des Phobieerwerbs)
  • Qualitative Methoden: Biografieforschung - Material und Auswertung - Material: Selbstauskünfte, Tagebücher, Kalender, Krankenakten, etc.- Auswertung:  -> Konstruktion: induktiver Schluss aufs Gesamtbild  -> Exemplifikation: Illustration einer These durch die Biografie  -> Typenbildung: für Persönlichkeitstypen,   Verhaltenstypen oder Mustertypen des Zusammenlebens
  • Konstruktion: induktiver Schluss aufs Gesamtbild
  • Exemplifikation: Illustration einer These durch die Biografie
  • Typenbildung: für Persönlichkeitstypen, Verhaltenstypen oder Mustertypen des Zusammenlebens
  • Qualitative Methoden: Biografieforschung Bsp.: Kinder-Migrations-Folge-Forschung -> Child Migrant Programme: UK schickt seitdem 17. Jahrhundert 130.000 Kinder in dieKolonien-> nach dem 2. WK immer noch 7.000 nach Australien und 1.300nach Neuseeland, Kannada und Rhodesien-> in den 1980ern und 90ern machen Bundesstaaten in Australienauf die Probleme verschickter Kinder aufmerksam-> führt schließlich zu einer parlamentarischenUntersuchungskommission
  • Qualitative Methoden: Biografieforschung Bsp.: narrative Gerontologie -> Kombiniert individuelle Datenerhebung und Reflexion in derGruppe-> zunächst Reflexion auf - Abfolge von Wendepunkten deseigenen Lebens; - Familiengeschichte; - Entwicklung desArbeitslebens; die Rolle des Geldes im eigenen Leben; -Gesundheit und Bild des eigenen Körpers; - geliebte undgehasste Menschen; - sexuelle Identität und sexuelleErfahrungen; - Erfahrungen mit dem Tod und Gedanken über daseigene Sterben; - Einflüsse, Überzeugungen und Werte, die demLeben Bedeutung verleihen-> werden der Gruppe vorgelesen und diskutiert
  • Qualitative Methoden: Biografieforschung -Psychohistorie - Annahme: Geschichte besteht nicht aus historischenEreignissen allein- daher: Anwendung psychologischer und psychoanalytischerTheorien auf die Geschichte- entspricht ungefähr der Rekonstruktion historischer Motivationen- in der Regel beschränkt man sich nicht auf historisch auffälligePersonen- Bsp. z.B. die Erforschung der psychologischen Motivlagen,Einstellungen, Rechte und Ansichten von Frauen oder von interkulturellenPaaren im historischen Singapur
  • Qualitative Methoden – abschließende Betrachtungen In der wissenschaftlichen Psychologie dominiert heute diequantitative Methode.-> gilt eigentlich nur für die psychologischen Lehrstühle-> das hat auch mit der deutschen Geschichte des Faches zu tun-> es gibt Ausnahmen, an der Uni Wien etwa Thomas Slunecko
  • Qualitative Methoden – abschließende Betrachtungen -Gütekriterien -> Intersubjektivität (~ Objektivität)-> Repräsentativität (~ externe Validität)-> Gültigkeit (~ interne Validität)-> Genauigkeit (~ Reliabilität)