Klinische Psychologie II (Fach) / VL 7 // PT-Forschung (Lektion)

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Methodik der Psychotherapieforschung

Diese Lektion wurde von AliceMiller erstellt.

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  • Welche Ausgangslage bescheinigte der Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (1999) dem Gesundheitswesen? Erhebliche Quote von:1. Unter- und Fehldiagnostik2. suboptimalen Behandlungen o. unwirksamen Therapiemaßnahmen3. Behandlungsfehlern Hauptproblemunzureichende Umsetzung des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstandes
  • Welche Bereiche beforscht die Psychotherapie-Forschung? Wirksamkeitsforschung Vergleichende WirksamkeitsforschungzB. Was ist besser: Medikation oder PT? Oder Kombination- summative oder subtraktive Wirkung Nutzwertforschungdh. Forschungs-Praxis-Transfer Wirkfaktoren- und Prozessforschung PrädiktorenforschungzB. Geschlechtsunterschiede
  • Was sind die fundamentalen Fragestellungen der Psychotherapie-Forschung? efficacydh. Ist die Intervention unter idealen Bedingungen wirksam? effectivenessdh. Ist die Intervention unter realen Bedingungen wirksam? komparative Evaluationdh. Intervention mindestens so wirksam wie eine Alternativbehandlung? Wirkfaktorendh. Welche Faktoren sind verantwortlich für Therapieerfolg? Prädiktorendh. Welche Faktoren sagen Therapieerfolg vorher? Dosis-Wirkungs-Beziehungdh. Wie viel PT (Sitzungen) ist optimal?
  • Welche Evaluationsperspektiven hat die Psychotherapieforschung? Was sind mögliche Verfälschungsmotivationen? TherapeutzB. Selbstbewertung > Selbstüberschätzungs-Bias Patient/KlientzB. soz. Erwünschtheit soziales UmfeldzB. Eigeninteressen auftraggebende InstitutionzB. Pharma-Studien vs. Uni-Studien zu unipolarer Depression SozialversicherungsträgerzB. Kostenreduktion ForscherzB. conflict of interests - Fachgesellschaften GesellschaftzB. Zeitgeist
  • Welchen Datenquellen nutzt die multimodale Erfolgsdiagnostik? Kliniker-Einschätzung unsystematische Selbstangaben von Patienten standardisierte Diagnosesysteme und psychometrische Erhebungsverfahrena) kategorial-störungs/-symptom-bezogen mittels Klassifikationssystemb) dimensional-individuell (Fragebögen, Tests) Verhaltensbeobachtungena) systematische Selbstbeobachtung (zB. Tagebuch)b) Fremdbeobachtung Fremdangaben soziales Umfeld psychophysiologische Messungen, neurobiologische Indikatoren objektive InformationsquellenzB. AU-Tage, Hospitalisierungen
  • Welche Zielperspektiven hat der Therapieerfolg? UntersuchungseinheitzB. Individuum, Organisation... psychologische ZielaspektezB. Kognition, Emotion.. psychosoziale Dimensionena) intrapsychisch: Emotionenb) interpersonell: soziale Konfliktc) physiologisch: Stressabbau Zieldefinitiona) störungsbezogen: Symptomreduktionb) individuell: Zufriedenheitc) therapiespezifisch: Metaziele (Ich-Stärkung) EZDZ
  • Wodurch unterscheiden sich spezifische von unspezifischen Therapiezielen? Spezifische Therapiezielea) symptom- und störungsbezogene Zieleb) individuelle Ziele des Patienten Unspezifische Therapiezieledh. allgemeingültige oder zweckmäßige Ziele von PTzB. Wohlbefinden, soziale Kompetenz, Bewätigungsstrategien
  • Welche sog. unspezifischen Outomes oder Erfolgsparameter für Therapieerfolg nutzt die Psychotherapieforschung? MortalitätsreduktionzB. harm reduction, Suizidprophylaxe MorbiditätsparamterzB. Symptomreduktion, Reduktion aller Krankheitsparameter psycho-soziale FunktionsfähigkeitzB. Reduktion von Beeinträchtigungen, stabile Persönlichkeitsstruktur Lebensqualität und -zufriedenheit gesundheitsökonomische EffektezB. AU-Zeiten, Hospitalisierungen Therapiezufriedenheit von Patient und TherapeutzB. Akzeptanz, Aufwand-Nutzen
  • Beschreiben Sie Prädiktorenforschung hinsichtlich der Fragestellung, möglicher Probleme und methodischer Zugänge. Fragestellung- Welche Faktoren lassen eine Vorhersage über den Therapieerfolg zu? Probleme- Welche Variablen sollen ausgewählt werden? > zu viele Methodische Zugängea) BreitbanderfassungzB. soziodemografische, Morbiditäts-, Störungs-, Settingsmerkmale (usw.)b) hypothesengeleitete Untersuchung spezifischer Einflussfaktoren
  • Beschreiben Sie die Wirksamkeitsforschung hinsichtlich Fragestellung, möglicher Probleme und methodischer Zugänge. Fragestellung- Welche Faktoren sind im Rahmen einer komplexen Intervention hauptsächlich für den Therapieerfolg verantwortlich? Probleme- kausale Rückführbarkeit methodische Zugängea) Vergleich unterschiedlicher Therapieformen = indirekter Rückschlussb) Therapieprozessforschung     - therapiebegleitende Analyse wann Veränderungen auftretenc) Einzelfallanalysen (s. andere Karteikarte)d) KG-Vergleich     - Therapievergleich bei Variation nur einzelner Interventionskomponenten
  • Welche Forschungsdesigns werden in der Einzelfallanalyse eingesetzt? Zur Erforschung welcher Konstrukte werden sie genutzt? Konstrukt- Wirksamkeitsforschung Designsa) Ausblendungdh. A-B-A-Bb) Umkehrdh. A-B vs. B-Ac) extendierte Ausblendungdh. A-B-C vs. B-C-A oder A-C-B cs. C-B-A
  • Beschreiben Sie die Wirkfaktorenforschung. Theorie- Unterscheidung von allgemeinen, unspezifischen und spezifischen Wirkfaktoren Methodische Aspekte- Bedingung: gute Operationalisierung angenommener Wirkfaktoren- spezifische am Wirkfaktor ausgerichtete Diagnostik- Abbildung komplexer Prozesse Forschungs-Praxis-Transfer- Rückmeldung der Effekte in Wissenschaft und Versorgungspraxis
  • Beschreiben Sie die Erforschung der Dosis-Wirkungs-Beziehung und gehen Sie besonders auf Fragestellung, Probleme und Methodische Fragen ein. Fragestellungdh. Wie viele Sitzung sind für Therapieerfolg erforderlich? Ab wann stellen sich u. U. negative Effekte ein? Probleme- Definition von Therapieerfolg und negativen Effekten Methodische Fragen1) Vergleich Therapieformendh. Vergleich Kurz- und Langzeittherapie2) Einzelfallanalysendh. Festlegung einer Quote von Patienten bei denen Erfolg eintritt.3) Sekundäranalyse von Therapieverlaufsmessungendh. Ab wann nimmt benefit ab und es treten negative Effekte auf?4) Operationalisierungsgraddh. verhaltens- und beobachtungsnahe Outcomes vs. komplexe und abstrakte Outcomes5) Assessmentsdh. Welche Messinstrumente werden verwendet? > Gütekriterien! > Harmonisierung!6) Multimodalitätdh. Umgang mit multiplen Outcomes7) Klinische Signifikanz?dh. Festlegung cut-off-Points, Reliable Change Index8) Messzeitpunktedh. Prä-Post-Vergleich, Therapiebegleitend usw.
  • Nenne die evidence-levels. In welchen sind Kausalaussagen möglich? systematic reviews > Kausal randomized controlled trials > Kausal cohort studies case-control-studies case series, case reports editorials, expert opinions
  • Welche Technik wird in modernen Studien angewendet um eine hohe Studienqualität zu gewährleisten. Verblindete Randomisierungdh. Studieneinschluss erfolgt durch eine Person, die nicht weiß, in welcher Gruppe der Proband bei Teilnahme kommen würde
  • Auf welche Checkliste verweisen führende internationale journals? CONSORT Statement- Checkliste mit 22 Items - dies sollte bei Publikation berücksichtigt werden- Flußdiagram zur Dokumentation des gesamten Ablaufs
  • Welche beiden Studientypen werden zur Untersuchung von treatments durchgeführt? efficacy-Studien (Wirksamkeit)- Überprüfung reine Wirksamkeit unter idealen kontrollierten Bedingungen- analog zur Arzneimittelprüfung- experimentelle RCT's mit hoher interner aber niedriger externer Validität effectiveness (Nützlichkeit)- tatsächliche Wirkung einer Intervention unter realen Bedingungen- quasi-experimentelle Designs mit geringer interner, aber hoher externer Validität
  • Nennen Sie Merkmale von efficacy und effectiveness Studien. efficacy- streng experimentelles Design- expizite und restriktive Ein- und Ausschlusskriterien- mit KG- randomisierte Gruppenzuteilung- manualisierte Therapie unter kontrollierten Rahmenbed.- operationalisierte Zielkriterien- Rater = blind- statistische Auswertung i. S. stringenter Hypothesenprüfung effectiveness- höchstens quasi-experimentell- weit gefasst Einschlusskriterien- operationalisierte Outcome-Erfassung- prospektives Design- mit subjektiven Parametern- evtl. Kosten-Nutzen-Analyse
  • Warum werden efficacy Studien als Gold-Standard der Wirksamkeitsforschung angesehen? höchste methodische Standards durch entsprechendes Design testen reine Wirksamkeit unter idealen kontrollierten Bedingungendh. hohe interne Validität > Kausalschlüsse! das bedeutet:- eindeutiger Wirksamkeitsnachweis- Handlungsmöglichkeitena) Auswahl von versch. Alternativenb) Identifizierung von wirkungslosen Verfahren
  • Welches Problem haben efficacy-Studien? Beschreibe dieses näher! mangelnde externe Validität > Stichprobenselektivität Selbstselektivität- durch Teilnahmebereitschaft an klinischen Studien- fremdgesteuerte (=randomisierte) Zuweisung statt aktivem Inanspruchnahmeverhaltendh. Randomisierung ungleich reales Verhalten! strikte Ein- und Ausschlusskriterien- isolierte Untersuchung der Effekte bei einer Intervention- Ausschluss von Komoriditäten, komplexen Störungen und Therapievorerfahrungendh. Pat. mit geringem Belastungsdruck
  • Welche Untersuchungs- und Behandlungsbedingungen bieten RCT-Designs? Was sind mögliche Nachteile? artifizielle Bedingungen Nachteile- fixe Interventionsauswahl > kein flexibler Einsatz- feste Therapiedauer > künstlich erhöhte Klienten-Compliance- unzureichende Berücksichtigung personaler Therap.-Variablen und Klienten-Merkmale die den outcome beeinflussen- Personalunion von Therapeut und Programmentw. uU. problematisch- unterschiedliche Relevanz/Berücksichtigung der Outcomes
  • Warum wird die Debatte geführt, dass RCT-Studien nur einen mangelhaften Praxistransfer leisten können? klinische efficacy-Studien:- idR: werden atypische Patienten- unter praxisfremde Bedingungen- von spezifisch kompetenten Therapeuten behandelt
  • Durch welche Ziele lassen sich Ansprüche an interne und externe Validität in der klinischen Forschung vereinbaren? methodisch belastbarer Wirksamkeitsnachweis maximale Generalisierbarkeit auf Therapiepraxis Vorgehen: 1. sukzessive Durchführung beider Studienarten2. Kombination beider Studienarten3. Einzelfallanalyse
  • Welches Modell wird zur Wirksamkeitsüberprüfung klinischer Studien genutzt? 4-Phasen-Modell der Evaluation Phase I - Pilotstudien- Entwicklung + Erprobung manualisierter Intervention- auf Durchführbarkeit, Akzeptanz, Praktikabilität Phase II - erste klinische Prüfung- Test an begrenzter Anzahl Pbd.- mit minimalem Störungs- und Belastungsgrad- Effekt- und Nebenwirkungsanalysedh. nicht-kontrollierte Studien zB. nur prä-post Phase III - Wirksamkeitsüberprüfung = efficacy- Prüfung reine Wirksamkeit an echten Patienten- kontrollierte Bedingungendh. RCT-Design, exp. Einzelfallstudien Phase IV -  Nutzwertüberprüfung = effectiveness- Prüfung Effektivität an größerer Patienten-Population- unter realen Praxisbedingungendh. nicht-randomisierte effectiveness-Studien
  • Beschreibe Phase I des Modells von Buchkremer & Klingberg (2001). analog zur Pharmaprüfung Erarbeitung von PT-Konzeptionen- beschreiben Forschungsgegenstand durch klinische Erfahrung, Plausibilität und bereits etablierter allgemeiner oder störungsspezifischer Befunde- Konstruktion durch theor. Annahmen und Kasuistiken Untersuchen von Verträglichkeit und Akzeptanz
  • Beschreibe Phase II des Modells von Buchkremer & Klingberg (2001). systematische Exploration Patientengruppen mit eng definierten Einschlusskriterien Einzelfall- oder Zeitreihenanalysen keine streng experimentelle Kontrolle
  • Beschreibe Phase III des Modells von Buchkremer & Klingberg (2001). konfirmativer Beleg der Wirksamkeit idR. prospektive, randomisierte kontrollierte Interventionsstudien klar definierte Patientengruppen hohe methodische Anforderungen > hohe interne Validität begleitende Process-Outcome-Forschung
  • Beschreibe Phase VI des Modells von Buchkremer & Klingberg (2001). Prüfung klinische Nützlichkeit und Effektivität systematische Lockerung der strengen Kontrollen der Wirksamkeitsstudien zusätzlich Berücksichtigung breiterer sekundärer Konstrukte > Erhöhung externe Validität
  • Nenne 3 Beispiele für efficacy-effectiveness-Hybrid-Designs. Beschreibe jede Form jeweils kurz. kontrollierte Multi-Center-Studien- randomisierte Zuteilung von Kliniken (!!!) EG oder KG- realisieren Intervention unter stationären oder ambulanten Bedingungendh. Konfundierung möglich Practise Research Networks- randomisierte Zuteilung einer großen Anzahl an therap. Praxen (Netzwerk) zu EG oder KG aggregierte Einzelfallanalysen- experimentelle Einzelfallanalysen- Prüfen Intervention im INTRAindividuellen VergleichzB. Ausblendungs oder multiple-baseline Design
  • Wie funktioniert ein Praxisforschungsnetzwerk? randomisierte Zuteilung auf Praxisebene reliable Diagnosensicherung, dh. CIDI oder SKID bestmögliche Treatment-Integritätdh. gute Dokumentation! einheitliche Outcomesdh. Einbeziehung unspezifischer Effekte (Lebensqualität) und klinischer Sifnifikanz standardisierte Messinstrumente ausreichende Anzahl MZP und Nacherhebung (Katamnese) Wartekontrollgruppenverlgeichdh. Wartende = KG; Was machen Pat. während sie auf Platz warten? Einbeziehung Patientenperspektivedh. anonymisierte und prospektive Befragung zu Therapieerfolg und Behandlungszufriedenheit
  • Worin unterscheiden sich Psychotherapiestudien? Evaluationsperspektive- Welche Therapieziele werden evaluiert? PatientenstichprobenzB. ambulant vs. stationär ZieldimensionzB. patientennahe vs. expertennahe Outcomes OutcomeszB. spezifische oder unspezifische Ziele Datenquellen und Assessments Bestimmung Prädiktoren und Wirkfaktoren Operationalisierung Dosis-Wirkungs-Beziehung StudientypzB. efficacy, effectiveness
  • Nenne und beschreibe verschiedene Studientypen von Meta-Analysen. Effektstärkenmethode- Integreation aller AV's in gemeinsames Effektstärkemaß Box-Score-Ansatz- Auszählen bei klinischen Studien, wie viele statistische Vergleichen ist EG der KG überlegen- Luborsky, Singer und Luborsky (1975) in einem etwas über 100 kontrollierte Studien umfassenden Vergleich von Therapierichtungen Odds Ratios- relatives Risiko (RR) für Verbesserung bzw. Verschlechterung- Anteil Erkrankter im Vergleich zur gesamten SP (RR) oder zu Gesunden (OR)
  • Was ist ein Nachteil von Meta-Analysen? nivellieren möglicherweise inhaltlich relevante Unterschiede mitteln positive und negative Effekte aus
  • Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie für die klinische Psychotherapieforschung? sinnvoller Einsatz von Evidenzbasierung, sowie eine fortlaufende Entwicklung und Verwendung von Leitliniendh. Voraussetzung von naturalistischen Studiendesigns Ansprüche an interne und externe Validität lassen sich innerhalb einer klinischen Studie vereinbaren praktische Erfahrungen mit Hybrid-Designs zeigen- organisatorischer Mehraufwand- praxisrelebvante und aussagefähige Resultate