Literaturwissenschaft (Fach) / Marmorbild (Lektion)

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Joseph von Eichendorff, Marmorbild

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  • Gebrauchsweisen für "Ich" (diese Karte gehört ins Allgemeine) •Rollen-Ich (Waldgespräch, Spinnerin Nachtlied, S. 53, S. 29)•radikal subjektives Erlebnis-Ich (Mondnacht, Der alte Garten, S. 58f.)•Lesenden zur Identifikation einladendes Ich (Die Rose, Abschied S.8, S. 50)•poetologisches Ich (eigene Fkt. innerhalb des Gedichts reflektieren; Heine Lorelay, S. 69)•abstraktes Ich (vermittelt allgemeine Ideen)
  • Erzählung hat zweierlei Zeit. Was bedeutet das? Wir unterscheidem zwischem Erzähltem (histoire) und Erzählen (discours)
  • Erzähltempo Verhältnis von Zeit des Geschehens (erzählte Zeit) und Zeit der Erzählung (Erzählzeit) erzählte Zeit = Zeitraum in der Geschichte spielt Erzählzeit = Zeit der Rezeption für die jeweilige Anzahl Seiten
  • Welche Hinweise auf die erzählte Zeit gibt das Mamorbild? •Sommerabend (S. 3)•Am folgenden Morgen (S. 17)•Am folgenden Morgen; Heute ist Sonntag (S. 24)•Einladung auf morgen Abend (S. 25) [Maskenball]•Schweifte er den ganzen folgenden Tag (S. 25)•Mehrere Tage waren seitdem vergangen (S. 35)•In solchem…Träumen blieb er den ganzen Tag und die darauf folgende Nacht (S. 43)
  • Zeitanalyse nach Genette, drei zentrale Fragen: In welcher Reihenfolge? (Ordnung) Wie lange? (Dauer) Wie oft? (Frequenz)
  • Ordnung (Zeitanalyse) Abfolge eines Geschehens kann von der Abfolge seiner Darstellung abweichen (literarische Freiheit der Komposition) Chronologie rückläufige Chronologie Achronie Anachronie
  • Anachronie/Analepse Rückwendung - nachträgliche Darstellung von Ereignissen, die sich vor dem Zeitpunkt des Erzählmoments zugetragen haben •S. 4: Motivation für die Reise, [aufbauende Rückwendung]•S. 34: Biancas Traum von Florio als zukünftigem Ehemann•S. 38: Erinnerung an Kindheit•S. 46: Auflösung der Geistergeschichte durch Fortunato [auflösende Rückwendung])
  • Anachronie/Prolepse Vorausdeutung S. 4: Fortunatos Hinweis auf die Gefahr der ungezügelten Phantasie
  • Anachronie allgemein Anachronien können an Perspektive einer Figur oder an die Perspektive des Erzählers gebunden sein.Mit Anachronien kann variabel gespielt werden. Ihre Reichweite und Dauer ist nicht festgelegt -> können auch fast gesamte Erzählzeit beanspruchen.
  • Dauer/Grundformen •Veränderung der Erzählgeschwindigkeit zur Zeit des Geschehens ist bestimmend•zeitdeckendes Erzählen ist eher selten und wird wenn eher punktuell eingesetzt •zeitdeckend•zeitdehnend•zeitraffend oder summarisch•Zeitsprung (Elipse)•Pause [nicht Erzählzeit sonder erzählte Zeit steht still (Erzähler-Kommentar]
  • Frequenz •Ereignisse die im Rahmen der Erzählung stattfinden können einfach oder mehrfach erzählt werden. •einmaliges Ereignis wird einmal oder wiederholt erzählt.•wiederholtes Ereignis wird wiederholt oder einmal erzählt.
  • Was versteht man unter Modus? Grad an Mittelbarkeit und Perspektivierung des Erzählten -> wir betrachten dabei die Distanz und die Fokalisierung des Erzählten
  • Distanz (Grad der Mittelbarkeit) narrativer Modus (=mit Distanz)dramatischer Modus (=ohne Distanz) Wie können wir den Modus konkret bestimmen?Frage danach wie uns das Erzählte vermittelt wird.Entscheidend bei der Bestimmung ist die Analyse der Formen der Wiedergabe von Rede und Gedanken.
  • narrativer Modus (=mit Distanz) Erzählte Rede (Bewusstseinsbericht, erzählte Rede) liegt vor, wenn nicht-sprachliche Ereignisse erkennbar von einem Erzähler präsentiert werdenEs werden Handlungen und Geschehnisse der erzählten, fiktionalen Welt sprachlich durch die Worte eines Erzählers vermittelt.Dieser steht somit erkennbar zwischen dem Leser und dem (vermeintlich) unmittelbar Geschehenden, indem er die Geschehnisse - aus einem gewissen ‚Abstand’ heraus - nicht nur wiedergibt, sondern rafft, zusammenfasst, kommentiert, modifiziert usw.  
  • dramatischer Modus (=ohne Distanz) Um nicht-sprachliche Ereignisse sprachlich darzustellen, wird natürlich immer eine sprechende Instanz, ein Erzähler also, benötigt.Solche Ereignisse können aber ganz offensichtlich so präsentiert werden, dass beim Leser der Eindruck von Unmittelbarkeit entsteht.Welche Strategien solchen Erzählens gibt es oder wie kann dieser Eindruck erzeugt werden?
  • Welche Strategien solchen Erzählens gibt es? (dramatischer Modus/ohne Distanz) • Beschreibungen aus der Wahrnehmungsperspektive einer beteiligten Figur•zeitdeckendes Erzählen sowie jeglicher Verzicht auf Kommentare durch den Erzähler direkte autonome Figurenrede (ohne verbum dicendi) direkte Figurenrede (mit verbum dicendi, z. B. „sagte er…“) Bewusstseinsstrom Gedankenzitat (mit verbum credendi, z. B. „dachte ich…“) Innerer Monolog
  • Formen der Präsentation von Rede und Gedanken - direkte Rede/Gedankenzitat Merkmale: 1 Person , direkt zitiert, inquit-Formeln, zeitdeckend
  • Formen der Präsentation von Rede und Gedanken indirekte Rede/ indirekte Gedankenwiedergabe Merkmale: 3 Person, konjunktivisch eingeleitet, Gesagtes wird dargestellt, jedoch nicht wörtlich wiedergegeben -> individueller Stil der Rede wird aufgehoben, Möglichkeiten der Kommentierung durch Erzähler
  • Formen der Präsentation von Rede und Gedanken Erlebte Rede [Häufig in Form von Ausrufen] Zwischenform von direkter und indirekter Rede:•Unterschied zur indirekten Rede: Figurenrede im Indikativ und unabhängig von übergeordnetem Verb•Unterschied zur direkten Rede: nicht in erster Person Präsens sondern meist dritte Person Präteritum
  • Formen der Präsentation von Rede und Gedanken Gesprächsbericht/ Gedankenbericht [häufigste Form] •Erzähler berichtet von der Rede und gibt den Inhalt allgemein wieder
  • Formen der Präsentation von Rede und Gedanken Erwähnung des sprachlichen Akts Merkmale: hohe Distanz, Inhalte[es wird gezeigt das geredet wird, aber nicht im Detail was geredet wird]
  • Formen der Präsentation von Rede und Gedanken Bewusstseinsstrom/Innerer Monolog •vermeintlich direkte Wiedergabe von Gedanken, 1. oder 2. Person Präsens. Keine verba dicendi•Bewusstseinsstrom radikalisiert den Inneren Monolog, völlig ungebundene Darstellung von Gedankenfluss (auf der Ebene der Darstellung)
  • Distanz (Grad der Mittelbarkeit) Zusammenfassung dramatischer Modus: Figurenrede ohne Distanz: zitierte Figurenrede Gegensatz: erzählte Figurenrede: Die Rede wird mit Distanz im narrativen Modus referiert, -> Inhalt der Rede wird vom Erzähler zusammengefasst wiedergegeben Mittelposition zwischen diesen Formen der Figurenrede im dramatischen und im narrativen Modus: transponierende Figurenrede (in unterschiedlichen Formen)Formen: indirekte Rede, erlebte Rede
  • Fokalisierung Begriff, der das Verhältnis zwischen dem Wissen einer Erzählinstanz und dem einer Figur beschreibt. Fokalisierung beantwortet die Frage: „Wer sieht?“, genauer: „Wer nimmt wahr?“ Die Wahrnehmungsinstanz kann mit einer Figur zusammenfallen oder aber unabhängig von Figuren sein
  • Nullfokalisierung •Erzähler weiß mehr als die Figuren (Übersicht)Typische Anzeichen für Nullfokalisierung sind Informationen im Text, die das Wissen der anwesenden Figuren übersteigen
  • Interne Fokalisierung (auktorial) •Erzähler sagt das, was die Figuren wissen (Mitsicht)Das im Text Geschilderte lässt Rückschlüsse zu auf denjenigen, der es wahrnimmt. Insbesondere gilt dies, wenn nicht nur Sachverhalte der äußeren Welt, sondern auch der Innenwelt einer Figur erzählt werden.
  • Externe Fokalisierung (neutral) Erzähler sagt weniger als die Figuren wissen (Außensicht) Wahrnehmung ist nicht an eine Figur der erzählten Welt gebunden, geht aber von einem Punkt innerhalb der erzählten Welt aus. Genette geht nicht davon aus, dass sich literarische Werke immer eindeutig einem der drei Fokalisierungstypen zuordnen lassen. Im Laufe eines Werkes kann sich die Fokalisierung ändern. Was bedeutet das?
  • Warum ist das Marmorbild fiktiv? besonderer Status der Rede kein Anspruch auf unmittelbare Referenzierbarkeit (das Ausgesagte bezieht sich nicht auf außersprachliche Wirklichkeit) das Ausgesagte ist erfunden (der ontologische Status ist fiktiv) so genannte Fiktionssignale Kontextmarkierungen: (Novelle) Textsignale: Eingangsformeln, Textschlüsse, Verben innerer Vorgänge auf dritte Personen angewandt (denken, fühlen, spüren), Vermischung von Textsorten, Formen der Selbstreflexion, die den Inhalt reflektieren. [Lieder, Erzählerkommentare] (S. 48)
  • faktuales Erzählen realer Autor, realer Leser, Aussagen als tatsächliche des Autors verstanden(z.B. Zeitung SZ Seite 3)
  • fiktionales Erzählen realer Autor, realer Leser reale Kommunikationssituationaber zweite Ebene vorhanden: fiktiver Erzähler behauptet Sätze
  • Wie ist fiktionale Geschichte aufgebaut? zunächst gibt es Geschehensmomente (Ereignisse, Handlungen, Sachverhalte) Bsp. Florios Reise nach Lucca, erste Begegnung mit Bianca, Zusammentreffen mit Fortunato, Kuss im Zelt, Auftritt Donati, Sirenentraum
  • Fabula Was wird erzählt? reine Handlung
  • Sujet (Wie wird erzählt?) Geschichte ist nicht nur chronologische Ordnung sondern auch kausale Verbindung der Geschehensmomente (Einheit); die Ereignisse in ihrer literarischen Darstellung
  • histoire geht über reine Handlung hinaus und erfasst die gesamte erzählte Welt also berücksichtigt er auch die fiktive Realität, in die Handlungselemente eingebetet sind
  • Discours Abfolge von Zeichen, den Text Art und Weise der Darstellung eines Stoffes
  • Welches Gattungsschema gibt es im Marmorbild und warum? Novelle mit struktureller Nähe zum DramaWir haben 5 Abschnitte (Exposition, Steigerung, retardierendes Element, Wendepunkt [Peripetie+Anagnorisis], Untragisches Ende)
  • Gibt es Muster auf die der Text zurückgreift (Stoffmuster oder Motivmuster)? Spukanekdote Die seltzahme Lucenser-Gespenst (1687) von Eberhard Werner Happel (Barock) Tannhäuser-Sage um 1500 als Volksbalade (Ende des MA) Statuenbelebung (Pygmalion bei Ovid)
  • Welche Hinweise gibt uns der Titel des Textes? Ruft zentrales Element der Handlung auf Deutet einen Kunstkontext an Unbelebtes mit Abbildcharakter
  • Welche binären Oppositionen strukturieren den Text? Textformen Tag vs. Nacht Sinnliche Liebe vs. Moralische Liebe Antike vs. Christentum Leben vs. Tod
  • Welche Figuren spielen eine Rolle? Lassen die sich gruppieren? Auf der einen Seite Fortunato und Bianca Auf der anderen Seite Donati und Venus in der Mitte Florio
  • Zeitpunkt des Erzählens 1. Zeitverhältnis zwischen dem (fiktiven) Erzählakt und dem in ihm erzählten Geschehen. (ausschließlich textinterne Relation)2. im Allgemeinen durch entsprechende Tempusverwendung (Präteritum, Präsens, Futur) markiert
  • Früheres Erzählen Ereignisse werden erzählt, bevor sie sich in der erzählten Welt ereignen. selten, beschränkt sich letztlich auf prophezeiende Erzählungen oder Vorhersagen. Zukunftsroman, ist kein Indikator für früheres Erzählen. Der Text kann ebenso im Modus des späteren oder gleichzeitigen Erzählens geschrieben sein.
  • Späteres Erzählen Zeitpunkt des Erzählens liegt erkennbar nach dem des Erzählten. Regelfall
  • Gleichzeitiges Erzählen Zeitpunkt des Erzählens fällt erkennbar und weitgehend mit dem des Erzählten zusammen. Fakten, Beobachtungen oder auch Gedanken so wiedergegeben, das die jeweilige Erzählzeit der jeweiligen erzählten Zeit der einzelnen Elemente erkennbar korrespondiert (Präsens, chronologisch).
  • Eingeschobenes Erzählen erzählte Geschehen ist zum Zeitpunkt des Erzählens noch nicht abgeschlossen, sodass sich Momente gleichzeitigen und späteren Erzählens gegenseitig durchdringen und durchmischen. besonders häufig in Brief oder Tagebuchromanen (immer wieder wird zwischen Erzählen von Vergangenem und der augenblicklichen Situation gewechselt)
  • extradiegetisches Erzählen Erzähler der Geschichte bzw. der Rahmengeschichte, wenn es eine Binnengeschichte gibt
  • intradiegetisches Erzählen Erzähler einer Binnengeschichte, der in der Rahmengeschichte als Figur auftritt. (Fortunato bei seiner auflösenden Analepse)
  • metadiegetisches Erzählen Liegt vor, wenn Erzählen erzählt wird
  • homodiegetischer Erzähler Erzähler ist am Geschehen beteiligt 1. Person Erzähler Teil der erzählten Welt ist, also selbst in seiner Geschichte vorkommt. Ich-ErzählungMuss er Hauptfigur sein? Nein (wenn ja dann nennen wir das Autodiegetisches Erzählen)
  • heterodiegetischer Erzähler Erzähler ist nicht am Geschehen beteiligt 3. Person