germanistik (Fach) / ÄDL (Lektion)
In dieser Lektion befinden sich 62 Karteikarten
Definitionen
Diese Lektion wurde von Mattes91 erstellt.
- Archetypus Die älteste aus den überlieferten Textzeugen erschließbare Stufe eines im Original nicht überlieferten Textes, die diesem am nächsten kommt
- Autograph Eigenhändige Handschrift des Verfassers
- Emendatio Von lat. "emendare" verbessern. Verbesserung einer durch Überlieferungsfehler fehlerhaften Textstelle durch den Herausgeber
- Incipit Mittelalterliche Texte werden, da meist titellos, nach ihren Anfangsworten benannt, dem "incipit" (lat. "es beginnt")
- Konjektur Einsetzung eines unbekannten Wortes durch den Herausgeber
- Lectio difficilior Textkritische Regel. Von zwei überlieferten Lesarten ist die schwierigere vorzuziehen, weil diese wahrscheinlicher ist, da im Laufe der Überlieferung oft vereinfacht wurde
- Lemma Teil des edierten Textes, zu dem es Varianten gibt
- Recensio Rekonstruktion des Archetypus mithilfe der erhaltenen Handschriften
- Codex unicus Nur eine Handschrift ist vorhanden
- Imprimator Freigabe eines Textes durch den Autor
- Apparat Das Variantenverzeichnis einer wissenschaftlichen Textausgabe
- Codex Buch mit gehefteten Blättern. Buchform des Mittelalters
- Faksimile Exakte, meist fotomechanische Reproduktion eines Originals
- Fehler Trennfehler, Bindefehler werden genutzt, um Handschriften zu Gruppen zusammenzufassen und die Verwandtschaftsverhältnisse zu ermitteln
- Filitiation Hierarchisierung der Textzeugen
- Kontamination Verschmelzung mehrerer nebeneinander als Vorlage benutzter Textzeugen, die eine klassische Textkritik unmöglich machen
-
- Homme lettre Einer, der mit Buchstaben ausgestattet ist
- Leie Laie. Nicht Geistlicher
- Literacy Fähigkeit, zu lesen und zu schreiben
- Literatur Das, was in Buchstaben geschrieben ist
- Illiteratus Derjenige, der die Buchstaben nicht beherrscht
- Litteratus Derjenige, der die Buchstaben beherrscht (Gebildeter)
- Gesprochene Sprache Privatheit Spontaneität Dialogizität Nähe
- Geschriebene Sprache Öffentlichkeit Reflektiertheit Monologizität Distanz
- Oral poetry Zusammenfassende Bezeichnung für Dichtung, die ohne Anwendung der Schrift entsteht und tradiert wird
- Pfaffe (Welt)Geistlicher
- Schrift Visuelles Speichermedium
- Schriftlichkeit Lehnbildung zu eng. literacy. Während dieses Wort den Begriff der Bildung evoziert, scheint bei Schriftlichkeit stärker die mediale Dimension durch
- Verschriftlichung Überführung von mündlich Konzipiertem in schriftlich Konzipiertes
- Verschriftung Umsetzung der Laute einer Sprache in Schriftzeichen
- Vorgehen eines Editors Recensio (Musterung aller Zeugen) in ein zeitliches Verhältnis setzen Rekonstruktion des Archetypus
- Benediktinerregeln Sesshaftigkeit Keuschheit Gehorsam Verzicht auf Besitz
-
- Bildungsreform Karl des Großen Einführung von Religionsunterricht für Laien Verbreitung der Schrift Reparatio und Correctio
- Die sieben freien Künste Septem artes liberales: Nur freie Männer konnten sie lernen, weil sie für ihren Broterwerb nicht arbeiten mussten. Damit stehen die septem artes liberales im Gegensatz zu den artes mechanicae und wurden höher bewertet als diese Trivium (Wortwissenschaften) Grammatik Rhetorik Dialektik Quatrivium (Zahlenwissenschaften) Arithmetik Geometrie Astronomie Musik
- Schauplätze der Literatur Klöster (St. Gallen) Der Ort der Literaturproduktion im frühen MA Höfe (Wiener Hof) Lösten die Klöster ab, die aber nebenher weiter existierten Städte (Regensburg) Kaiserchronik
- Schwerpunkte des Kommunikationsmodus Mündlichkeit Rhetorik (Predigt) Geistliches Spiel
- Legenda Die zu lesenden Texte. Legendendichtung, z.B. "Heinrich und Kunigunde"
- Enziklopedik Als Bibliotheksersatz gedacht, z.B. Isidors Etymologien
- Verfahren zur Auslegung eines Textes Grammatisch-rhetorische Auslegung (Übertragung in moderne Sprache) Allegorische Interpretation (misst dem buchstäblichen Sinn "sensus literales" einen bildlichen "sensus allegoricus" bei)
- Heldenepik Bestimmter Typ erzählender Dichtung, der bestimmt wird durch Stoff und Funktion. Seit 1200 gilt sie als literarische Gattung
- Verschiedene Sagenkreise Nibelungensage (Nibelungen- und Siegfrieddichtung) – ‚Nibelungenlied‘, um 1200 Gotensage (Historische Dietrichepik/ Aventiurehafte Dietrichepik) Kleinere Sagenkreise (z.B. Walthersage)
- Chanson de geste Erzählende Großform
- Formen der Heldenepik Heldenlied (Kurzform) in stabenden Langzeilen (z.B. Hildebrandtslied) Heldenepos in Langreimen (z.B. Nibelungenlied)
- Semi-Oralität des Mittelalters Das Nibelungenlied ist primär mündlich, wurde wegen seiner Länge aber sekundär verschriftlicht
- Vorbereitung einer Rede Inventio (Stoff ausfindig machen) Dispositio (Gliederung) Elocutio (sprachlich ausformulieren und schmücken) Memoria (einprägen der Rede) Pronuncatio (Vortrag)
- Normen des reinen Reims Reine Reime sind verbindlich Der Versbau muss glatt sein. Regelmäßige Alternation Grundsätzlich ist der Takt zweisilbig
- Einteilung nach Wirklichkeitsgrad historia = wahre Erzählung argumentum = nicht wahr, aber ähnlich der Wahrheit fabula = unwahre Erzählung
- Beschreibstoff z.B. feuchter Ton, Papyrus in der Antike, Pergament
- Edition Ausgabe
- Crux Unerledigte Korruptelen, werden gekennzeichnet, indem man vor und hinter das Wort † setzt
-
