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Psychologie (Fach) / Informationsverarbeitung und Gedächtnis (Lektion)
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- 1848: Unfall des Phineas Gage In der Zeit nach dem Unfall kam es jedoch bei Gage zu auffälligen Persönlichkeitsveränderungen. Aus dem besonnenen, freundlichen und ausgeglichenen Gage wurde ein kindischer, impulsiver und unzuverlässiger Mensch. Dieses Krankheitsbild ist heutzutage in der Neurologie als Frontalhirnsyndrom bekannt.
- Neuropsychologie Def. • Neuropsychologie / Neurokognitionen: Analyse der Zusammenhänge von Gedächtnis, Empfindungen, Wahrnehmung, Problemlösen, Informationsverarbeitung, Motorik • Ziel: Untersuchung auf Korrelate zwischen physiologischen und psychischen Prozessen bzw. mentaler Strukturen und Vorgängen (Kognitionen) Die Neuropsychologie ist ein interdisziplinäres Teilgebiet der (Klinischen) Psychologie und der Neurowissenschaften. • vornehmlich untersucht wird das Zentralnervensystem (ZNS) (Gehirn, Rückenmark) • Untersuchungsobjekt: Nervenzellen, Neurone (Schatzungen: ca. 100 Milliarden bis zu einer Billion Neurone im Gehirn)
- Gehirn - Forschungsmethoden • Forschungsmethoden: – Läsionen – postmortale Untersuchungen (Schnitte: frontal, horizontal) – freiwillige Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren – petitive transkraniale Magnetstimulation (nicht-invasives Verfahren, bei der auf das Gehirn mehr oder weniger starke Magnetfelder wirken. Dabei sollen bestimmte Hirnareale stimuliert und andere wiederum gehemmt werden)
- Bildgebende Verfahren - Gehirn 1. EEG: Elektro-Enzephalographie, Messung der elektrischen Gehirnströme. 2. MRT : Magnet-Resonanz-Tomographie 3. PET (Positronen-Emissions-Tomographie): Messung radioaktiver Teilchen im Blut (Injektion) • Messung der Abgabe radioaktiver Teilchen bei Aktivität eines Areals
- Hemisphären • Die Hemisphären weisen spezialisierte Areale und tendenziell unterschiedliche Verarbeitungsmuster auf – Links: eher analytisch, seriell – Rechts: eher holistisch, kreativ • Hintergrund: Läsionen (links vs. rechts) manifestieren sich in versch. Störungen – Links: Sprache, Begriffsbildung – Rechts: Kunst, Musik, räumliches Denken • Split-Brain Patienten: in 50er Jahre, Durchtrennung Corpus Callosum bei Epileptikern
- Entwicklungsneuropsychologie - Pränatal Pränatal – ab ca. 3. Schwangerschaftswoche – erstes „Stadium“ des NS – Faustregel: 20 Tag – 20 Jahr
- Entwicklungsneuropsychologie - Postnatal Postnatale Reifung • Entwicklung der Nervenfasern & synaptischer Verbindungen – hohe neuronale Plastizität (Verdopplung bis 3. LJ); Anstieg Hirnstoffwechsel vom 2. bis 5. LJ.; mit drei Jahren; • hat ein Kind ungefähr doppelt so viele (ca. 200 Billionen) Synapsen wie ein erwachsener Mensch. • verbraucht das Gehirn fast doppelt so viel Glukose (fast die Hälfte des täglichen Kalorienverbrauchs). • ausgehend von den einfachen Reflexen des Säuglings werden in Abhängigkeit von der Umwelt Verhaltensweisen weiter ausdifferenziert – „brach liegende“ Gehirnregionen passen sich an Umwelt an – In diesem Stadium: schnelles Lernen von Sprache, … • sogenannte Entwicklungsfenster bzw. kritische Phasen – bspw. visuelle Wahrnehmungsverarbeitung im Occipitallappen in den ersten Lebensmonaten – Frontalpappen ist zwischen dem 3-6 Lebensjahr besonders aktiv.
- Aufmerksamkeit Aufmerksamkeit ist Teil des Bewusstseins! • die Ziele der Aufmerksamkeitszuwendung sind die Wahrnehmung der Umwelt, Gedanken und Gefühle,sowie des eigenen Verhaltens – Selektionsmechanismus hinsichtlich interner & externer Reize • essentiell beim gezielten Lernen • als Maß für die Intensität der Aufmerksamkeit gilt die Konzentration. • eine der wichtigsten Fähigkeiten des menschlichen kognitiven Systems ist es relevante Anteile aus der unendlichen Menge an einströmender Information zu selektieren sowie Handlungen effizient zu steuern. > selektive / fokussierte Aufmerksamkeit
- Def. selektive Aufmerksamkeit „selektive Aufmerksamkeit bezeichnet die kognitiven Fähigkeiten, die eine Teilmenge sensorischer Reize höheren Prozessen der Kontrolle von Denken und Handeln zugänglich machen.“ (Ansorge & Leder, 2011, S.15) • Prozesse, „mit denen wir Informationen die für aktuelle Handlungen relevant sind, selektieren bzw. irrelevante Informationen deselektieren“ (Hagendorf et al., 2011, S. 8).
- Aufmerksamkeitsselektivität: Ursache • Kapazität/Mangeltheorie – das menschliche Verarbeitungssystem ist in seiner Kapazität begrenzt • Tätigkeit: – Selektivität ist eine Errungenschaft: Aus der Vielzahl der Eindrücke wird relevantes selegiert.
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- Cocktail-Party-Phänomen Trotz einer Vielzahl von Stimmen kannst Du einem einzelnen Gespräch folgen und die anderen Gespräche drumherum ausblenden. Obwohl Du den anderen Unterhaltungen nicht folgst, hörst Du es, wenn in der Nachbargruppe Dein Name fällt.
- positive und negative Abstraktion Die Abstraktion (von lat. abstrahere = trennen) ist eine Fähigkeit des menschlichen Denkens, die es ermöglicht Wichtiges von Unwichtigem in Wahrnehmungen zu trennen. Dabei gibt es sowohl die positive als auch die negative Abstraktion. Durch positive Abstraktion wird Wesentliches hervorgehoben; durch die negative Abstraktion wird Unwesentliches ausgeklammert. Das heißt, die Abstraktion lässt nicht nur Unwesentliches weg, sondern hebt gleichzeitig das Wesentliche an einer Wahrnehmung oder Ähnlichem hervor.
- Dichotisches Hören Darunter versteht man das Hören von gleichzeitig dargebotenen, aber seitenunterschiedlichen Hörsignalen. Bei der Prüfung des dichotischen Hörens hört der Proband zur selben Zeit auf jedem Ohr verschiedene Wörter (oder kurze Sätze) und soll diese danach nacheinander nachsprechen, was normalerweise möglich ist.
- Filtertheorie nach Broadbent (1958): Der Ort der Nachrichtenselektion ist früh, die Weiterleitung von Nachrichten erfolgt nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip Das beschriebene Modell hat theoretisch folgenden funktionellen Aufbau: Alle Wahrnehmungen gelangen zunächst in einen sensorischen Speicher, der die Sinneseindrücke für Sekundenbruchteile festhält. Dann wird auf Basis physikalischer Charakteristika wie z. B. der Stimmlage, und nicht etwa dem Inhalt, darüber entschieden, welche Informationen weiterverarbeitet werden. Alle anderen Informationen werden herausfiltriert. Erst danach werden die Daten in wahrnehmbare Information verwandelt, also z. B. Wörtererkennung geleistet. Die erkannten Informationen gelangen anschließend in das Kurzzeitgedächtnis. Sie stellt somit eine Theorie der frühen Auswahl dar. Da sie viele experimentelle Befunde, wie z. B. den Cocktail-Party-Effekt, nicht erklären kann, gilt sie heute als veraltet.[1]
- Attenuationstheorie nach Treisman Die Attenuationstheorie der Aufmerksamkeit von Anne Treisman (1969) geht von einem Mehr-oder-weniger-Prinzip aus. Informationen, welche weniger wichtig sind, werden an flexiblen Stellen, grundsätzlich aber sehr früh auf perzeptueller Ebene als solche „gekennzeichnet“ und somit selektiert. Diese Informationen werden trotzdem weitergleitet, jedoch in schwächerer Intensität. Somit wird nach dieser Theorie jede Information weitergeleitet. Wichtige werden jedoch sehr stark, Unwichtige sehr schwach weitergeleitet.
- Theorie der späten Selektion (Deutsch & Deutsch, 1963). Infoselektion erst bei der Handlungssteuerung In der Theorie der späten Selektion von Deutsch wird davon ausgegangen, dass alle Eingangsreize vollständig analysiert werden. Die Selektion erfolgt in diesem Modell sehr spät und damit erst relativ kurz vor der Reaktion. Dieses Verfahren erfordert jedoch eine hohe kognitive Leistung und lässt sich nicht mit einem Einkanalmodell erklären. In diesem Modell wird von einer parallelen Verarbeitung ausgegangen.
- kontrollierte und automatisierte Verarbeitung (Schiffrin und Schneider) • kontrollierte Verarbeitung– top down bzw. goal directed– beansprucht relativ viele Ressourcen– häufig bei unbekannten Tätigkeiten• automatisierte Verarbeitung– bottom up bzw. stumulus-driven– beansprucht weniger Ressourcen– häufig Folge von Übung– fehleranfällig aufgrund der Routine z.B. Autofahren
- Dimensionen der Aufmerksamkeit • Intensität– Akut > Alertness (Allgemeine Wachheit und Aktivierungsanstieg nach einem Warnreiz– Daueraufmerksamkeit > Vigilanz (Aufmerksamkeit wird unter mentaler Anstrengung über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechterhalten)• Visuell-räumliche Aufmerksamkeit– abhängig von Bewegungswahrnehmung• Selektivitätsaspekte– Aufmerksamkeit gibt wichtigen Reizen erste Priorität– irrelevante Reize werden ausgeblendet>> Abhängig von dem Grad der Automatisierung / Neuheit desReizes– geteilte Aufmerksamkeit
- Wahrnehmungsmodalitäten / Organe – Auge (visuell)– Ohren (auditiv)– Gleichgewicht (vestibulär)– Nase (olfaktorisch)– Zunge (gustatorisch)– Tastsinn (haptisch-taktil)
- Visuelle Wahrnehmung Visuelle Wahrnehmung ist die Fähigkeit, visuelle Reize zu erkennen, zu unterscheiden und sie durch Vergleichen mit früheren Erfahrungen zu interpretieren. Die Interpretation des visuellen Reizes erfolgt im Gehirn, nicht durch die Augen. • Sehen: Zusammenspiel von Umwelt undInformationsverarbeitung• Licht: elektromagnetische Wellen / Einheit derWellenlänge in nm, Sichtbares Spektrum fürMenschen: 400-700 nm Mensch als Augentier: Wir nehmen 80 Prozent aller Informationen visuell wahr, obwohl unsere Augen nicht unser am besten entwickeltes Sinnesorgan sind
- Objektwahrnehmung eingehende Reize müssen entschlüsselt und in ein kohärentes Bild umgewandelt werden. • Ziel: schnelle Orientierung und Handlungsfähigkeit desOrganismus. • Wahrnehmung von Objekten im Raum• Erkennen einer dreidimensionalen Struktur• Erkennen von Objekten und deren Funktion• Erkennen von Objekten auch anhand von Teilen
- Probleme der Objektwahrnehmung komplexe Probleme• wechselnde Umweltbedingungen (wie Lichtverhältnisse)• individuelle Assoziationen• Lernen und veränderte Assoziationsmuster
- Gestaltpsychologie • seit den 20er Jahren• ein Gründer: MaxWertheimer• „Das Ganze ist etwasanderes als die Summeseiner Teile.“• Wahrnehmung ist nichtErgebnis einer Addition onelementaren Teilchen imvisuellen Feld• bspw.: Scheinkonturen• Wahrnehmung folgt best.Regeln
- Kritik an Gestaltgesetzen • Gestaltgesetze funktionieren bei den dafür entworfenenBildern• Lösung: Gestaltgesetze sind als Faustregeln /Heuristiken zu betrachten.• Die Wahrnehmung kann sich auf bestimmteGesetzmäßigkeiten verlassen - Erfahrungswissen(daher: eher nicht Gestaltgesetze sondernGestaltprinzipien)
- 6 Gestaltgesetze Gesetz der Nähe: Elemente mit geringen Abständen zueinander werden als zusammengehörig wahrgenommen. Gesetz der Ähnlichkeit: Einander ähnliche Elemente werden eher als zusammengehörig erlebt als einander unähnliche. Gesetz der guten Gestalt (oder Einfachheit bzw. Prägnanz): Es werden bevorzugt Gestalten wahrgenommen, die in einer einprägsamen (Prägnanztendenz) und einfachen Struktur (= „Gute Gestalt“) resultieren. Gesetz der guten Fortsetzung (oder der durchgehenden Linie): Linien werden immer so gesehen, als folgten sie dem einfachsten Weg. Kreuzen sich zwei Linien, so gehen wir nicht davon aus, dass der Verlauf der Linien an dieser Stelle einen Knick macht, sondern wir sehen zwei gerade durchgehende Linien. Gesetz der Geschlossenheit: Es werden bevorzugt Strukturen wahrgenommen, die eher geschlossen als offen wirken. Gesetz des gemeinsamen Schicksals: Zwei oder mehrere sich gleichzeitig in eine Richtung bewegende Elemente werden als eine Einheit oder Gestalt wahrgenommen.
- Ann Treismans Merkmalsintegrationstheorie • Objektwahrnehmung in Stufen Rolle der Aufmerksamkeit1. Präattentive Verarbeitung – Trennung der Objektmerkmale /Textone (Form, Farbe, Lokation) (schnelle Orientierung)• Scheinverbindungen (illusionäre Verknüpfungen): in derpräattentiven Stufe sind Objektmerkmale „frei flottierend“ &können zu falschen Eindrücken führen2. attentive Wahrnehmung – Integration der Textone zu einemkohärenten Bild• visuelle Suchaufgaben (Zielreiz) Erklärung: • Ursache: Neuronale Verarbeitung von Form, Farbe,… durch unterschiedliche neuronale Kanäle• Erst gerichtete Aufmerksamkeit fügt das Bild alsGanzes zusammen• Das Erkennen „was“ im Temporallappen & „wo“ imParietallappen & Aufmerksamkeit ist der „Leim“,welcher die Eigenschaften (Elemente) verbindet.
- Kommunikationstheoretischer Konstruktivismus - Paul Watzlawick (1921-2007) • Wirklichkeiten erster Ordnung:– Alle Tatsachen, die sich in der Beobachtung oder experimentell„objektiv“ nachweisen lassen• Wirklichkeit zweiter Ordnung:– Jener Aspekte der Realität, der „Tatsachen“ der erstenWirklichkeit Sinn, Bedeutung oder Wert zugeschrieben wird– „Die Wirklichkeit zweiter Ordnung beruht ausschließlich aufZuschreibung von Sinn und Wert an diese Dinge und daher aufKommunikation.“ (Watzlawick, 1995, S. 92) und ist damitKONSTRUKTION Bsp.2: ein Kind kann zwar rotes Licht wahrnehmen, kennt aber nicht dessen Bedeutung; erst durch die Wirklichkeit 2. Ordnung – rot = Stopp an Fußgängerampel – wird den Tatsachen Bedeutung, Sinn, Wert zugeschrieben
- Größenwahrnehmung zentral bei der Größenwahrnehmung:• 1. Sehwinkel: Die wahrgenommene Größe einesObjekts in Abhängigkeit vom Winkel, unter dem es voneinem Beobachter wahrgenommen wird(Netzhautabbild).• 2. Entfernung (Tiefenwahrnehmung) je weiter ein Objekt vom Betrachter entfernt ist, destokleiner ist die Repräsentation dieses Objektes auf derNetzhaut. zwei Objekte, die denselben Sehwinkel einnehmen,haben auf der Netzhaut dieselbe Größe Kompensationsmechanismus:Das visuelle System verrechnet die Größe desSehwinkels zusammen mit den Informationen über dieObjektentfernung.
- Piaget - Assimilation Wenn Sachverhalte mithilfe der vorhandenenSchemata eingeordnet werden, sospricht man von einer Assimilation ...Neue Informationen der Umwelt werden an die bestehenden kog. Strukturen angepasst (Schweer)
- Piaget - Akkomodation Wenn dagegen eine Diskrepanz zwischendem einzuordnenden Sachverhalt und denvorhandenen Schemata wahrgenommenwird, kommt es zur Anpassung dervorhandenen Schemata (Akkommodation) ...Neue Informationen der Umwelt führen dazu, dass die bestehenden Strukturen verändert werden. (Schweer)
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- Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung - 4 Entwicklungsstufen - Sensumotorische Entwicklungsphase (ca. 0-2 Jahre) Entwicklung der Objektpermanenz• Reflexe werden weiterentwickelt• Entwicklung der Sprache• Kontrolle der Motorik• Orientierung in der Umgebung• Wiederholung von Handlungsfolgen• Versuch und Irrtum als Verfahren derWeiterentwicklung
- Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung - 4 Entwicklungsstufen - Präoperationale Entwicklungsphase (ca. 2-7 Jahre) • Symbolfunktion: Dinge werden als Symbole für andereGegenstände entwickelt z.B. Bausteine als Autos Fiktionsspiele, Rollenspiele • Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten noch keine Vorstellung von abstrakten Begriffenwie Mengen, Zahlen, Gewicht, Fläche, etc Kategorienbildung noch nicht möglich, Wahrnehmung voneinzelnen Objekten• Egozentrismus keine Perspektivübernahme möglich • Konzentration auf eine Dimension• Noch kein Verständnis von Mengenerhaltung
- Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung - 4 Entwicklungsstufen - Konkret-operationale Entwicklungsphase (7-12 Jahre) Verständnis von abstrakten Begriffen Wichtig für das mathematische-naturwissenschaftliche Denken• Konstanz von Mengen, Längen und Flächen wird erkannt • Strategisches Denken wird ausgebildet
- Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung - 4 Entwicklungsstufen - Formal-operationale Entwicklungsphase (ab 11/12 Jahren) Erwerb der Fähigkeit zum logischen Denken
- Soziokultureller Ansatz - Lev Vygotskij Auffassung, dass nahezu alle psychischen Strukturen und kognitiven Fähigkeiten auf soziale Phänomene zurückgehen • Der Ursprung jeder kognitiven Struktur liegt in der Interaktionen mitanderen (kompetenteren) Personen. Diese Erfahrung wird dannvon dem jeweiligen Kind internalisiert.• ist gegen eine Auffassung gerichtet, die Entwicklung als etwas„natürliches“ betrachtet (also als „Selbstentfaltung“ usw.) >Entwicklung ist vielmehr immer Entwicklung in einem kulturellenKontext>die Psyche eines Kindes ist letztlich sozialer Natur (vgl. Miller1993, S. 344) • Der soziokulturelle Ansatz „korrigiert“ in gewisser Weise PiagetsTheorie (Piagets Interaktionsbegriff meint vor allem dieInteraktion mit der physischen Umwelt)„Der Weg vom Objekt zum Kind und vom Kind zum Objektverläuft über eine andere Person.“(Vygotskij 1978, zit. in Miller 1993, S. 344)• Kind und soziale Umwelt sind keine voneinander getrenntenEntitäten, die erst in eine Interaktion eintreten, vielmehr sind beideimmer schon in Interaktionssysteme verschmolzen und dieseInteraktionsysteme wiederum in Systeme höherer Ordnung
- Das Mehrebenenmodell nach Urie Bronfenbrenner - Mikrosysteme: Bereich d unmittelbaren Erfahrungen in konkreten Interaktionssituationen (Familie, Freunde, Schule/Arbeitsplatz, Freizeit) - Mesosysteme: Summe der Mikrosysteme, Wechselwirkung zwischen dem Mikrosystemen - Exosystem: Lebensbereiche, in die Individuen nicht selbst eingebunden sind, die aber Einfluss nehmen (Arbeitsplatz der Mutter) Makrosystem: Ökologische, kulturelle und politische Gegebenheiten, die sich auf alle Lebensbereiche auswirken
- Kultur nimmt Einfluss darauf, • worüber Kinder nachdenken und welche Fertigkeiten sieerwerben (z .B. intellektuell, im Sport, beim Weben) Wasist kulturell gesehen wichtiger: einen Computer bedienenkönnen oder sich vor giftigen Schlagen schützen zukönnen?• wie sie Informationen und Fertigkeiten erwerben (z. B. vonanderen Kindern versus von Erwachsenen, verbal odernonverbal)• zu welchem Zeitpunkt ihrer Entwicklung Kindern erlaubt wird,bestimmte Aktivitäten auszuüben (z. B. Erwachsenentätigkeiten,Sex, usw.)• wer sich an bestimmten Aktivitäten beteiligen darf (z. B. nur einGeschlecht oder bestimmte soziale Schichten).• Jede Kultur besitzt ihren eigenen „kulturellen Lehrplan
- Zone der proximalen Entwicklung • bezeichnet die Distanz zwischen dem aktuellen Entwicklungsstandeines Kindes und dem potenziellen Leistungsniveau, das zuerreichen es (mit Unterstützung) in der Läge wäreaktuelles Niveau= Fähigkeit, Problemeselbstständig zu lösenretrospektiv (bereitserlernte Fähigkeiten) Vergangenheit potenzielles Niveau= Fähigkeit, neueProbleme unter Anleitungzu lösenprospektiv (auf Möglichkeitenund Potenziale hinorientiert) Zukunft
- Kind-Erwachsenen-Interaktion Die Interaktion zwischen Kind und Erwachsenen (=intermental)bestimmt die kognitiven Prozesse des Kindes (=intramental) auch in der Entwicklung des Kindes selbst ist der primäreProblemlösemodus intermental• das Kind fragt seine Bezugspersonen, wenn es etwas nicht weiß(bzw. diese Personen treten dem Kind von sich ausunterstützend zur Seite und strukturieren seine Wahrnehmung,Erinnerung usw.)• dieser Problemlösemodus wird schließlich verinnerlicht • ein wichtiger Aspekt dabei ist die Sprache• das dialogartige Frage-Antwort-Spiel zwischen Erwachsenemund Kind entwickelt sich zur intrapersonalen Kommunikation• das Kind beginnt schließlich mit sich selbst zu reden und kanndamit seine Aufmerksamkeit / Wahrnehmung / Erinnerung selberlenken (es spielt quasi die Rolle des unterstützenden Partnersselbst!)
- Def. Gedächtnis Fähigkeit des Nervensystems, aufgenommeneInformationen zu behalten, zu ordnen und wiederabzurufen. Die gespeicherten Informationen sind dasErgebnis von bewussten oder unbewusstenLernprozessen. • Enkodierung - Speicherung - Abruf
- • Enkodierung - Speicherung - Abruf • Enkodierung Verarbeitung von Informationen zurEingabe in das Gedächtnissystem, bspw. durchHerstellen eines Bedeutungszusammenhangs• Speicherung Dauerhaftes Behalten der enkodiertenInformationen• Abruf Wiederauffinden gespeicherter Informationenim Gedächtnisspeicher
- Multispeichermodell nach Atkinson und Shiffrin Umweltstimulus > sensorisches Register >(Aufmerksamkeit) > Kurzzeitgedächtnis > (Memorieren) > <Langzeitgedächtnis
- Sensorisches Register • auch Ultrakurzzeitgedächtnis genannt• arbeitet präattentiv (liegt also vor der Aufmerksamkeit),nimmt (alle!) einströmenden Informationen auf– enorm hohe Aufnahmekapazität– enorm schneller Verfall• Reize mit hoher Zugänglichkeit (Farbe, Größe,„überlebenswichtig“) werden zuerst bearbeitet• differenziert sich nach Sinnesmodalitäten
- Das klassische Kurzzeitgedächtnis • ist dem sensorischen Gedächtnis nachgeschaltet• Kapazitätsbegrenzung (Chunk): DieAufnahmefähigkeit von Items liegt bei Menschendurchschnittlich bei 7 (+-2).– dies ist „unabhängig“ von der Art der Items• begrenzte Haltedauer: ohne Recall zerfällt eineInformation relativ schnell
- Merkmale Arbeitsgedächtnis/ Kurzzeitgedächtnis • teilweise unbewusst• minimale Speicherkapazität wg. begrenzterVerarbeitungskapazität • aktive Verarbeitung (alter und neuer) Informationen(Werkbank) Transfer ins LZG– Infos werden zeitweilig aufbewahrt, manipuliert,kombiniert, transformiert und weitergeleitet Dabei unterscheidet man zwischen der zentralen Exekutive, die als Steuer- und Organisationselement dient und die Subsysteme sind die phonologische Schleife (verarbeitet vor allem verbale Informationen), der räumlich visuelle Notizblock (verarbeitet visuelle Informationen) und der episodische Puffer (Dieser kapazitätsbegrenzte Speicher im Arbeitsgedächtnis wird von der zentralen Exekutive kontrolliert und speichert Episoden temporär ab.)
- Das Langzeitgedächtnis • Aufbewahrungsort unseres Wissens, Dauerhaftigkeit &Grenzenlosigkeit• organisiertes Wissen• Speicherung von Erfahrung, Emotionen, Fertigkeiten,Fähigkeiten, Wörtern, Begriffen, Regeln, … aus demsensorischen Speicher, dem KZG / AG als kognitiveSchemata (hierarchische Wissensrepräsentationen) Speicherung:• Annahme: Lange Lagerung im KZG bewirkt neuronaleStrukturveränderungen (Synapsen; neuronale Bahnen)im LZG.• Kodierung: semantisch• wichtig: semantische Netzwerke (Verbindung vonneuem mit altem Wissen) (vgl. Chunking)
- Deklaratives Gedächtnis (explizit) 1. semantisches Gedächtnis– symbolisch repräsentiertes Wissen über die Welt– Enzyklopädie mit abstrakten und begriffsbezogenen Infos2. episodisches Gedächtnis– autobiografische Informationen - persönliche Erlebnisse– Zeit- und Kontextbezogen– besonders stürmische Zeiten besser als stabile Zeiten– gut bei der Speicherung: Verbindung Semantisch –Episodisch
- Prozedurales Gedächtnis (implizit Motorische Fertigkeiten: • Erinnerung daran, wie Dinge getan werden(Fertigkeiten, Handlungen) - durch Übung• schwer zu lernen und schwer zu vergessen• laufen teils unbewusst ab• Bsp.: Fahrradfahren, Schwimmen, Schreiben, …
- Hinweise auf unterschiedliche Gedächtnisstrukturen • Patientenbefunde (bspw. Patienten mit anterograden Amnesie (für einenbestimmten Zeitraum nach einem schädigen Ereignis] können keinenneuen Informationen in ihr LZG übertragen, sie sind jedoch über ihr AG inder Lage, Informationen zu bearbeiten)• serielle Positionseffekte (legt man Probanden Items [bspw. in Listenform]mit der Aufgabe vor, sich diese einzuprägen, so werden zum einen dieersten Items besonders gut behalten und zum anderen die letzten Items)• divergierende Kodierungsformen (Informationen, die eine sensorischeÄhnlichkeit aufweisen [bspw. ähnlicher Klang] finden schneller Eingangins AG; Informationen, die semantische Anknüpfungspunkte bieten [bspw.Synonyme], finden besser Eingang ins LZG)
- Informationsverarbeitung im Lebenslauf - Kindesalter - Gedächtnis • Wiedererkennung:– mit drei Monaten etwa 24 Stunden; mit Hilfe operanterKonditionierung wurden motorische Übungen über Wochenwiedererkannt und deren Ablauf erinnert (Rovee-Collier, 1999)– erster Lebensjahr einige Tage; bei Gesichtern oder Fotosauch Wochen. Mit Hilfe operanter Konditionierung erinnertensich 18 Monate alte Kinder noch über 13 Wochen anbestimmte Handlungen (Hartshorn et al., 1998).• Erinnern:– schwieriger, da keine cues vorhanden sind• ab dem Ende des ersten Lebensjahres können Versteckewiedergefunden werden• Aktivitäten von beobachteten Menschen können Stunden undTage später nachgeahmt werden. Infantile Amnesie: • Wiedererkennung:– Typischerweise keine Erinnerung an die Ereignisse vor demdritten Lebensjahr– Erklärungsansätze:• Physiologie (Wachstum der Frontallappen als notwendigeVoraussetzung)• Autobiografisches Gedächtnis erfordert– 1. gut entwickelte Vorstellung von sich selbst. Die kognitive Reife istin den ersten Jahren nicht vorhanden (Howe, 2003)– 2. Ereignisse müssen in eine bedeutsame Lebensgeschichteintegriert werden. Narratives strukturieren von Geschehnissenbeginnt erst zwischen dem 2-5 Lebensjahr