Sozialpsychologie I (Fach) / 1 Einführung (Lektion)

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Warum haben Menschen Vorurteile und wie lassen sich diese überwinden? Wie bilden Menschen Eindrücke voneinander und wann finden sie einander attraktiv? Ist Gruppenarbeit effektiver als Einzelarbeit oder verleitet sie nur dazu, sich auszuruhen und andere die Arbeit machen zu lassen? Welche Auswirkungen haben Gewaltdarstellungen in Medien auf den Zuschauer? Dies sind einige der Forschungsfragen, mit denen sich wissenschaftlich arbeitende Sozialpsychologen beschäftigen.

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  • 1.1. Was ist Sozialpsychologie? 1.1.1 Begriffsbestimmung was ist der zentrale Forschungsgegenstand? Was sidn forschungsleitende Grundannahmen? 1.1.1 Begriffsbestimmung Sozialpsychologie = grundlagenwissenschaftliche Teildisziplin der empirischen Pschologie Untersucht das Erleben und Veralten von Menschn in sozialen Situationen, d.h. Situationen, in denen Kognitionen, Emotionen, Motive und Handlngen einer Person durch die tatsächliche, vermutete (oder mitunter lediglich vorgestellte) Anwesenheit anderer Menschen beeinflusst werden. Die Sozialpsychologie ist eine vergleichsweise junge empirische Wissenschaft - ihre akademische Institutionalisierng begann erst inden 30er Jahren des vergangenen Jhr . Bis in die 1960er Jahre hinein entwickelte sich die Sozialpsychologie  im Wesentlichen in den USA. In Europa erfolgte eine breite akademische Institutionalisierung etwa ab Mitte der 1970er; in Deutschland ging dies, wie in vielen anderen Ländern auch, mit der Etabilierung der Sozialpsychologie als einem der Kernfächer der akademischen Grundlagenausbildung in Psychologie einher (zur historischen Entwicklung der Sozialpsychologie in (West-) Deutschland.  Ein Hauptziel: Entwicklung empitisch überprüfbarer Theorien und Modelle, um zu beschreiben, zu prognotizieren und zu erklären, wie Menschen sich in sozialen Situationen verhalten - wie sie einander wahrnehmen, wie sie Einfluss aufeinander ausüben und wie sie ihre Beziehungen zueinander gestalten.  Breistes Spektrum an emp. Forshcungsmethoden: Beobachtungsverfahren, korrelative Verfahren und experimentelle Verfahren. Zahlreiche grundlagenwissenschaftliche Forschungen wurden (und werden durch soziale und gesellschaftlich relevante Fragen inspiriert  B: Die Vorurteilsforscugn , die Forschung zu Kooperationsprozessen in Gruppen, die Aggressionsforschung) Sozialpsychologische Theorien und Erkenntnisse werden daher in vielfältigen Anwendungsbereichen der Psychologie zur Erklärung und Lösung praktischer und sozialer Probleme herangezogen (z.B der Arbeits- und Organisationspsychologie, der Gesundheitspsychologie, der Gemeinedepsychologie, der Klinischen Psychologie und der Rechtspsychologie).  Forschungsleitende Prämissen: Prämisse: Menschen konstruieren aktiv das, was sie als soziale Realität wahrnehmen: Sie reagieren also nicht darauf, wie eine Situation "objektiv" ist, sondern darauf, wie diese Situation von ihnen selbst subjektiv wahrgenommen und interpretiert wird Prämisse: sozialpsychologische Forschung steht im Einklang mit der von Kurt Lewin, einem der Mitbegründer der empirischen Sozialpsychologie, aufgestellten Verhaltensgleichung (Lewin, 1951), die menschlicher Verhalten (V) als ein Fkt. von Personenfaktoren (P) und Umweltfaktoren (U) beschreibt. : V = f(P, U) Die Sozialpschologische Forschung untersucht daher:  wie und auf welche Weise Personenmerkmale (Einstellung, Motive, Emotionen) Wahrnehmung, Erleben und Verhalten in sozialen Situationen beeinflussen Die Effekte von Merkmalen der (subjektiv wahrgenommenen) sozialen Situation auf Wahrnehmung, Erleben und Verhalten untersucht: z.B. wie das Verhalten in Anwesenheit oder Abwesenheit anderer Personen ausgeführt? ist der Interaktionspartner Mitglied der eigenen Gruppe oder geört er zu einer andern Gruppe?). Wechselwirkung (Interaktion) der Effekte von Personen- und Situationsfaktoren auf das menschliche Erleben und Verhalten in sozialen Situationen.  Der Begriff der Wechselwirkung wird in der psychologischen Forschung unterschiedlich verwendet.  Sozialpsychologen interessieren sich insbesondere für Wechselwirkungen in Sinne statistischer Interaktionen: Interakionen: Eine Interaktion zwischen zwei Einflussfaktoren liegt vor, wenn die Stärke des Effektes, den ein bestimmter Faktor (z.B. ein Situationsmerkmal) auf eine Variable (z.B. ein bestimmtes Verhalten) ausübt, systematisch mit der Ausprägung eines anderen Faktors (z.B. einem Personenmerkmal) variiert.  B: experimentelle Studie zu Determinanten von Versöhnungsprozessen zw. verfeindeten Gruppen die Auswirkungen von Entschuldigungen von politischen Führern der Gegenseite auf die Versöhnungsbereitschaft.: → VP (jüdische Israeli) Präsentation unterschiedlicher Versionen der Rede eines Palästinenserführers: (a) mit Ausdruck des Mitgefühls; (b) ohne Ausdruck des Mitgefühls. → Nur bei denjenigen Israelis, die Palästinensern schon vor der Rede ein gewisses Maß an Vertrauen entgegenbrachten hatte der Ausdruck des Mitgefühls eine positive Wirkung. → Bei denjenigen, die Palästinensern generell wenig oder gar nicht vertrauten, wirkte sich der Ausdruck von Mitgefühl durch den politischen Führer hingegen sogar negativ auf ihre Versöhnungbereitschaft aus (wahrscheinlich, weil sie hinter dem Verhalten ein politisches Täuschungsmanöver vermuteten). Dieses Ergebnismuster verdeutlicht, wie der Effekt eines sozialen Situationsfaktors (Hier: Ausdruck von Mitgefühl des Gegners für das erlittene Leid) systematisch dur die Ausprägung eines Personenmerkmals (Hier: Vertrauen der Rezipienten) beeinflusst werden kann (Perosnen- Situation- Interaktion)
  • 1.1.2 Forschungbereiche Die Phänomene, mit denen sich die sozialpsychologische Forschung befasst, lassen sich zwei breite Forschungsbereichen zuordnen: intra- und interpersonale Prozesse und intra- und intergruppale Prozesse. Personale und unterpersonale Prozesse: traditioneller Schwerpunkt der Forschungsarbeiten: Erforschung von Einstellungen (Welche Funktion haben Einstellungen und wie beeinflussen sie das Verhalten?) Schwerpunkte der Forschung zu interpersonalen Prozessen sind u.a. die soziale Beziehungsforschung ( Wie entwickelt sich Freundschaft zw. Individuen?) die Forschung zu prosozialem Verhalten (Unter welchen Bedingungen helfen Menschen einander?)  Diese Themen werden in den Kapiteln zwei bis sieben des vorliegenden Kurses behandelt.  Gruppenprozesse: Ein traditioneller Schwerpunkt der Forschung zu intragruppalen Prozessen beschäftigt sich mit der Kooperation in Gruppen und der Gruppenleistung. Ein anderer Schwerpunkt der Forschung zu Intergruppenprozessen liegt auf der Eruierung der Ursachen von Intergruppendiskriminierung und der Entwicklung von Interventionsmaßnahmen. Hilfeverhalten zwischen Gruppen, intergruppale Solidarität.
  • 1.1.3 Interdisziplinäre Verbindungen Makroebene: Welche Verbindungen bestehen zwischen der Sozialpsychologie und anderen Sozial- und Verhaltenswissenschaften? Zur Beantwortung dieser Frage bietet sich die Unterscheidung verschiedener Ebenen sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Analysen an. Analysen auf der Makroebene widmen sich typischerweise den soziostrukturellen, ökonomischen oder politischen Prozessen, die Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens kennzeichnen und bedingen. Makroebenenanalysen fallen damit in den Bereich der Politikwissenschaft, der Wirtschaftswissenschaft, der Soziologie u.a. Mikroebene: Analysen auf der Mikroebene konzentrieren sich im Gegensatz dazu auf psychologische oder biologische Prozesse - Analyseeinheit ist hier das Individuum oder kleinere biologische Einheiten (z.B. das Gehirn). Die Allgemeine und die Kognitionspsychologie, die Persönlichkeitspsychologie, die Humanbiologie und die Neurowissenschaften, um nur einige Disziplinen zu nennen, konzentrieren sich nahzu vollständig auf diese Ebene Mesoebene: Analysen auf der Mesoebene konzentrieren sich auf soziale Prozesse - Interaktionen zwischen Individuen, innerhalb von Gruppen oder zwischen Gruppen.  Wissenschaftliche Nachbarn der Sozialpsychologie aud dieser Ebene u.a. die (Mikro-) Soziologie, die Kommunikationswissenschaft und die Ethnologie. Die Sozialpsychologiesche Forschung und Theoriebildung wurde und wird durch den "Import" von theoretischen und empirischen Erkenntnissen aus Nachbardisziplinen auf unterschiedlichen Ebenen beeinflusst (die Aggressionsforschung z.B. durch Erkenntnisse aud der Humanbiologie; die sozialpsychologische Intergruppenforschung z.B. durch soziologische Theorien) Sozialpsychologische Erkenntnisse werden wiederum in andere Disziplinen "exportiert" (die Soziologie, die Politikwissenschaft, die Kommunkationswissenschaft u.a.). Die Erklärung komplexer sozialer Phänomene - Rassismus, soziale Unruhen, sozialer Wandel u.ä. -erfordert die Verbindung von Analysen auf Makro-, Meso- und Mikroebene.  Das besondere Potentioal der Sozialpsychologie besteht in deisem Zusammenhang darin, Erklärungen dafür zu liefern, wie und in welcher Weise sich Makroprozesse (objektive Strukturen) auf Mikroprozesse (subjektives Erleben) auswirken und umgekehrt Die Sozialpsychologische Analyse stellt eine wichtige Verbindung zwischen Analysen auf der Mikro- und der Makroebene her.  B: Ob und wann ökonomische, strukturelle oder politische Faktoren der Makroebene (z.B. soziale und ökonomische Ungleichheiten zwischen Gruppen) zu sozialen Unruhen führen, hängt davon ab, wie Angehörige der unterpriviligierten Gruppe auf diese Situation psychologisch reagieren (z.B: Frustration vs. Resignation)  Allerdings reagieren Menschen i.d.R. nicht direkt auf diese objektiven Bedingungen innerhalb ihrer Gruppe und der weiteren Gesellschaft ( wird ökonomische Ungleichheit innerhalb der Gruppe als soziale Ungerechtigkeit oder als gerechtes Ergebnis unterschiedlicher Leistungsfähigkeit von Gruppen interpretiert?)  Der Einfluss makrostruktureller Faktoren auf das Individuum wirs also durch sozialpsychologische Prozesse auf der Mesoebene vermittelt (Stichwort: soziale Einflussprozesse und soziale Repräsentationen), was entsprechender Analysen bedarf Sozialpsychologische Analysen sind andererseits auch notwendig, um zu verstehen, wie und wann sich Individuen mit anderen zusammenschließen, um durch koordiniertes kollektives Handeln (Stichwort:Kooperation) eine Veränderung der Strukturen auf der Makroebene zu bewirken (einfluss des Individuums auf die Makroebene)
  • 1.2 Methoden der Sozialpsychologie 1.2.1 Wissenschaftstheoretische Grundbegriffe Versuch Gesetzmäßigkeiten im Verhalten von Menschen aufzudecken + Vorhersage von sozialem Verhalten und Erklärung.  1.2.1 wissenschaftstheoretische Grundbegriffe Allgemein formuliert besteht eine wissenschaftliche Theorie aus Begriffen und Hypothesen.  Definitionen klären die Begriffe, die in einer Theorie verwendet werden. Durch eine möglichst präzise Definition der Begriffe sollen v.a. MissMissverständnisse und Mehrdeutigkeiten ausgeräumt werden. Dies ist besonders in der (Sozial)Psychologie von großer Bedeutung, da zahlreiche Phänomene, auf die sich sozialpsychologische Theorien und Begriffe beziehen, selbst nicht unmittelbar physikalisch mess- oder beobachtbar sind (z.B: Einstellungen). Ihre Existenz und Ausprägungne kann nur über Indikatoren erschlossen werden.  Man bezeichnet deswegen diese Begriffe ach als hypothetische Konstrukte.  Hypothetische Konstrukte: Abstrakte theoretische Begriffe, die sich nicht direkt beobachten lassen, sondern nur mit Hilfe von Indikatoren beobachtet werden können.  Der Begriff Variable bezieht sich auf die messbaren Indikatoren eines hypothetischen Konstrukts.   Um zum Beispiel zu erfassen, welche Einstelung eine Pers gegenüber einer Gruppe hat, könnte man ihr Verhalten gegenüber Mitgliedern der Gruppe beobachten / man könnte erfassen, welche physiologischen oder neurologischen reaktionen sie zeigt, wenn man ihr Bilder von Mitgliedern der Gruppe zeigt.  Im Allgemeinen gibt es vielfältige Verfahren, ein hypothetische Konstrukt messbar zu machen, in der Regel hat jedes Verfahren gewisse Vor- und Nachteile B(Selbstberichte könnten verfälscht sein; ein beobachtetes Verhalten kann unterschiedliche Gründe haben etc.) Die Güte der Operationalisierung ist für die Qualität einer empirischen Untersuchung bzw. die Gültigkeit der Schlussfolgerung, die auf Grund der Datenerhebung vorgenommen werden können, von hoher Bedeutung.  Operationalisierung Die Art und Weise, wie ein hypothetisches Konstrukt in eine beobachtbare Variable überführt wird.  Sie hat Auswirkungen auf die Validität (Gültigkeit) der wissenschaftlichen Schlussfolgerungen.  Konstruktvalidität inwieweit eine beobachtete Variable das zugrunde liegende teoretische Konstrunkt angemessen repräsentiert Die Hypothesen einer Theorie spezifizieren die Beziehung zwischen den hypothetischen Konstrukten. Wenn-dann-Sätze: Ziel sozialpsychologischer Theorien = menschliches Erleben und Verhalten zu erklären und vorherzusagen → Hypothesen nehmen deshalb häufig die Form von Wenn-Dann-Sätzen an (z.B " Wenn Menschen sich stark mit ihrer Gruppe identifizieren, dann steigt ihre Bereitschaft, individuelle Interessen zugunsten von Gruppeninteressen zurückzustellen") - eine Hypothese die sich aus der Selbskategorisierungstheorie von Turner, Hogg. Oakes, Reicher und Wetherell ableiten lässt. Je allgemeiner die Formulierung der Hypothesen → deste größer ist der Gültigkeitsbereich einer Theorie.  Aus den allgemeinen Hypothesen → spezielle Hypothesen für einen bestimmten Kontext/ Verhaltensbereich ableitbar. → diese werden dann in emp Untersuchungen der Prüfung unterzogen B: Je stärker sich Angehörige einer diskriminierten Minorität mit ihrer Gruppe identifizieren, desto eher sollten sie bereit sein, sich politisch für eine Verbesserung der Situation ihrer Gruppe zu engagieren, und zwar unabhängig davon welche unmittelbaren persönlichen Kosten und Nutzen damit für sie verbunden sind. Theorien sind insofern nützlich, da ihre allgemeine Formulierung die Vorhersage und Erklärung von Phänomenen mit dem gleichen begrifflichen Instrumentarium in einer Vielzahl von unterschiedlichen Kontexten erlaubt.: "Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie" (Lewin) Gütekriterien zur Berurteilung wissenschaftlicher Theorien: Die Güte wissenschaftlicher Theorien lässt sich anhand einer Reihe von innerhalb der Wissenschaftlergemeinschaft bzw. der Scientific Community geteilten Kriterien beurteilen.  Einige dieser Kriterien sind: Innere Widerspruchsfreiheit - man sollte nicht eine Aussage und deren Gegenteil (Verneinung) aus einer Theorie ableiten können.  Äußere Widerspruchsfreiheit - eine Theorie sollte nicht im Widerspruch zu als gesichert geltenden Theorien stehen, ohne genau zu spezifizieren, wo bisherige Annahmen zu korrigieren sind.  Eine Theorie ist umso besser je präziser ihre Vorhersage und Erklärungsleistungen sind  Eine Theorie ist umso besser je mehr Phänomene sie erklären und vorhersagen kann Eine Theorie ist umso besser je sparsamer ihre Annahmen sind.  Trotz dieser Kriterien nicht möglich (oder erkenntnistheoretisch sinnvoll) sich für eine einzige Theorie zu entscheiden. Für die Erklärung bestimmter Phänomene (z.B. Intergruppenkonflikt) leigt eine Reige verschiedener Theorien (besser: theoretische Modelle) vor, von denen jede bestimmte einzelne Fakten (besser) erklären kann, die von anderen Theorien nicht (oder nur unzureichend) erklärt werden. → die Entscheidung für einen einzige Theorie würde daher zu einer unangemessenen Vernachlässigung der durch diese Theorie nicht ausreichend erklärten Phänomene führen. 
  • 1.2.2 Forschungsmethoden Menschen tendieren oft dazu, einseitig nach Informationen zu suchen, die ihre Annahmen bestätigen, während sie Informationen, die ihre Annahmen widerlegen könnten, vernachlässigen - ein Prozess, der als selektive (oder auch konfirmatorische) Informationssuche bezeichnet wird.  Sozialpsychologische Forschungsmethoden lassen sich generell anhand zweier Fragen klassifizieren:      Frage 1: Findet die Datenerhebung im Feld oder im Labor statt: Bei der Feldforschung werden die Erlebens- und Verhaltensdaten in der Umgebung erhoben, in der sie natürlicherweise auftreten.  Bei der Laboruntersuchung findet die Datenerhebung unter hoch kontrollierten Bedingungen in speziell dafür ausgestatteten Räumlichkeiten statt. Vorteil Laborforschung: Kontrollierbarkeit und Standardisierung relevanter Einflussgrößen und Rahmenbedingungen; Nachteil: die im Labor isolierten Wirkmechanismen können nicht ohne weiteres auf spezifische Kontexte /Population außerhalb des Labors übertragen werden. z.B weil dort andere Einflussfaktoren dominieren.  Zudem kann sich das ungewohnte "Setting" der Laborsituation auf das Erleben und Verhalten der Versuchspersonen auswirken und dadurch die Ergebnisse verfälschen. Die Prüfung sozialpsychologischer Theorien und ihrer Anwendbarkeit auf unterschiedliche Kontexte und Populationen stützt sich daher typischerweise auf eine Kombination aus Feld- und Laborforschung. Die Feldforschung spielt auch eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung und Modifikation von Theorien, da durch sie bislang unberücksichtigte Einflussfaktoren im Feld aufgedeckt werden können.       Frage 2: Dient die Methode der Beschreibung, der Vorhersage oder der Erklärung               .                    sozialer Phänomene? Wenn das Ziel der forschung = Beschreibung sozialer Phänomene → verwenden Sozialpsychologen Methoden der Beobachtung - die sozialen Phänomene werden systematisch beobachtet und protokolliert. Ein Beispiel für eine solche Methode ist die Ethnographie, mittels derer der Forscher versucht, durch Beobachtung über natürlichen Bedingungen ein Bild von Normen, Bräuchen und Sozialstrukturen u.ä. einer Gruppe oder Kultur zu bekommen  Wenn das Ziel der Forschung = Vorhersage von Phänomenen →  Korrelationsmethode: zwei oder mehrere Variablen werden systematisch gemessen, und es wird die Beziehung zwischen ihnen ermittelt. B: Man könnte bei Kindern mittels Fragebogen ihren durchschnittlichen täglichen Konsum medialer Gewalt durch das Spielen von Ego-Shootern erfassen. Unabhängig davon könnte ihr Aggressionsverhalten von ihren Lehrern mittels eines Aggressionsfragebogens beurteilt werden. Anhand dieser beiden Messungen könnte dann über korrelationsstatistische Verfahren geklärt werden, ob ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Konsum medialer Gewalt durch Computerspiele und Aggression besteht. Die Ergebnisse von Korrelationsstudien lassen allerdings keine eindeutigen Kausalschlüsse zu. wenn man beispielsweise einen Zusammenhang zwischen einer Variablen X (z.B. Konsum von medialen Gewaltdarstellungen) und Y (z.B agression) ermittelt, steht dies zwar im Einklang mit der Annahme , die Variable X( der Konsum medialer Gewaltdarstellungen) sei die Ursache für Y (Aggression); prinzipiell könnte allerdings auch ein umgekehrter kausaler Zusammenhang vorliegen (aggressive Kinder konsumieren mehr mediale Gewaltdarstellungen). Außerdem könnte auch eine dritte Variable für den beobachteten Zusammenhang verantwortlich sein, indem sie die Ausprägung von X und Y beeinflusst (z.B. Der Erziehungsstil der Eltern)      Das sozialpsychologische Experiment: Besteht das Ziel der Forschung in der Erklärung, verwenden Sozialpsychologen daher experimentelle Methoden - der Vorteil dieser Methoden ist, dass Annahmen über kausale Beziehungen zwischen Variablen (das zentrale Element der Erklärung) mit wesentlich größerer Sicherheit überprüft werden konnen als durch Beobachtungs-oder Korrelationsmethoden.  In der sozialpsychologischen Forschung spielen Experimente, insbesondere Laborexperimente daher eine herausragende Rolle  Schlüssmerkmale des Experiments sind Manipulation und Kontrolle. Wenn X tatsächlich eine Ursache von Y ist, →  dann sollten Veränderungen von X = Veränderungen in Y zur Folge haben  Um dies zu überprüfen; zwei Schritte: Manipulation (Variation) der Ausprägungen der UV. Beobachtung (Messung) die daraus resultierenden Veränderungen in der AV. Kontrolltechniken dienen dazu , sicherzustellen, dass die beobachtete Kovariation von Ursache und Wirkung in einem Experiment allein auf die manipulierte Ursache (die UV) und nicht auf andere mit der manipulierten Ursache zufällig variirenden Faktoren zurückzuführen ist (letzteres Phänomen wird als Konfundierung der UV mit einer Störvariable bezeichnet) Unabhängige Variable = Treatment, Faktor Abhängige Variable = Outcome Moderatorvariable= Interagierende Variable: eine im Rahmen der theoretischen Annahmen relevante Variable, die die Stärke des Kausaleffekts der UV auf die AV beeinflusst. Sie erklärt, wann ein bestimmter Effekt der UV zu erwarten ist, sie wird in Experimenten daher häufig als eine zusätzliche UV manipuliert. Mediatorvariable= vermittelnder Prozess: eine im Rahmen der theoretischen Annahmen relevante Variable, die den Kausaleffekt der UV auf die AV vermittelt. Sie erklärt warum sich die UV auf die AV auswirkt. sie wird in Experimenten daher häufig zusätzlich zur AV gemessen, oder  aber gezielt manipuliert. Störvariable= Cofoundervariable: Variablen, die ebenfalls Einfluss auf die Ausprägungen der AV haben können. Dieser einfluss ist nicht von theoretischem interesse, er beeinträchtigt aber die Interpretation des Effekts der UV. störvariablen müssen daher eliminiert oder kontrolliert werden.  Randomisierung: Kontrolltechnik zufällige Zuteilung der Versuchspersonen auf die verschiedenen Bedingung des Experiments, durch die unterschiedliche Ausprägungen der UV realisiert werden.  die Randomisierung soll Sicherstellen, dass alle potentiell relevanten Merkmale der Versuchsperson vor der Manipulation in den verschiedenen Bedingungen des Experiments (zumindest im Durchschnitt) gleich ausgeprägt sind;  sie können infolgedessen nicht für beobachtete unterschiedliche Ausprägungen der AV zwischen den Experimentalbedingen verantwortlich sein.  Um ein "echtes" Experiment handelt es sich nur, wenn neben der Möglichkeit der Manipulation der UV auch die Möglichkeit der randomisierten Zuteilung der VP besteht.  Gutekriterien zur Beuteikung experimenteller Untersuchungen: Validität: Gültigkeit der Schlussfolgerung, die aus einer Untersuchung gezogen werden können.  Die Qualität experimenteller Forschung hängt in erster Linie von der internen Validität ab, d.h. der Sicherheit, mit der man aus den Ergebnissen des Experiments auf Ursache-Wirkungsbeziehungen schließen kann.  Interne Validität eines Experiments ist hoch, wenn die beobachtete Veränderung der AV mit hoher Wahrscheinlickeit auf die experimentelle Manipulation der UV zurückzuführen ist.  Die externe Validität bezieht sich darauf, inwieweit die Befunde (unter Berücksichtigung relevanter theoretischer Annahmen) auf andere Situationen oder Populationen übertragbar (generalisierbar) sind.  wichtiges Kriterium zur Beurteilung der externen Validität: Replizierbarkeit Replizierbarkeit = Bestätigung der Befunde bei unabhängigen Wiederholungen mit Versuchspersonen aus anderen Populationen in unterschiedlichen Kontexten oder unter Verwendung unterschiedlicher Varianten der Manipulation.  Kritikpunkt an sozialpsychologischen Laborexperimenten: Versuchspersonen werden in "künstliche" Situationen gebracht. → Die Ergebnisse sind nciht auf das "reale" Leben übertragbar. Diese Kritik beruht jedoch auf einer falschen Prämisse.  Entscheidend für die Übertragbarkeit experimenteller Befunde = dass die psychologischen Realismus besitzen -d.h. dass die in einem Experiment angestoßenen psychologischen Prozesse denjenigen, die unter entsprechenden Bedingungen im "realen Leben" ablaufen, weitgehend ähneln. Ist der psyhologische Realismus hoch, können gerade Laborexperimente weitreichende generalisierbare Ergebnisse produzieren, da sie eine Prüfung der theoretischen Annahmen auf einem hochgradig allgemeinen (statt auf situationsspezifischen ) Niveau ermöglichen. B: Man verwendet in der laborexperimentellen Intergruppenforschung nicht nur "natürliche" Gruppen (z.B. Israelis vs- Palästinenser) sondern auch "künstliche Gruppen →gelingt es theoretische Annahmen zu Intergruppenprozessen im Kontext solcher künstlichen Gruppen zu bestätigen, haben diese Ergebnisse (trotz geringen offensichtlichen Realismus' -außerhalb des Labors existieren die Gruppen A und B ja nicht) entscheidende Implikationen für die Generalisierbarkeit: Sie demonstrieren nämlich, dass die Gültigkeit der theoretischen Annahmen nicht von Faktoren abhängt, die eine bestimmte "natürliche" Intergruppenbeziehung kennuzeichnen (z.B. spezifische historische Ereignisse, wie solche in der Geschichte zwischen Israelis und Palästinensern oder spezifische Vorurteile) Dhaer kann erwartet werden, dass die Annahmen auch in andern Intergruppenkontexten gültig sind - und dies zumindes solange bis weitere Forschung Einschränkungen der Generalisierbarkeit auf diese Kontexte zeigen. 
  • 1.2.3 Ethische Aspekte Die interne Validität sozialpsychologischer Experimente kann dadurch bedroht werden, dass bestimmte Hinweisreize in der Untersuchungssituation, sog. demand characteristics, der Versuchsperson nahelegen, welche Verhaltensweisen oder Reaktionen von ihr erwartet werden.  Die Ergebnisse werden dann verfälscht, da anders als intendiert, nicht mehr die spontanen oder "natürlichen" Reaktionen der Versuchsperson beobachtet werden können.  Versuchspersonen können auch bemüht sein, während des Experiments in einem günstigen Licht zu erscheinen, Diese Tendenz zur sozialen Erwünschtheit kann die Ergebinisse insbesonsere dann verfälschen, wenn negative Verhaltensweisen untersucht werden (z.B. aggressives Verhalten, soziale Diskriminierung). cover story Methode um die Einflüsse derartiger Prozesse zu reduzieren, besteht darin, dass die Versuchspersonen von der Versuchsleitung (im Folgenden: VI) über einige Aspekte der Untersuchung getäuscht werden wie z.B: einfaches Zurückhalten von Informationen, über die wahren Ziele der Untersuchung bis zur absichtlichen Irreführung der Versuchspersonen reichen, bei der ihnen vorgespielt wird, die Untersuchung verfolge ganz andere Ziele (es wird eine sog. cover sory verwendet) vorsätzliche Täuschung von Versuchspersonen lässt sich aus wissenschaftlicher sicht rechtfertigen - man kann ziemlich sicher sein, dass sich Versuchspersonen, die an sozialpsychologischen Experimenten zu aggressivem Verhalten, Vorurteilen oder Diskriminierung teilnehmen, anders verhalten würden (weniger aggresiv, weniger vorurteilsbehaftet oder diskriminierend), würden sich vor ihrer Teilnahme über die jeweiligen Ziele der Untersuchung vollständig in Kenntnis gesetzt.  Ihne diese Täuschung wären wichtige theoretische Annahmen über die Ursachen, die sozial und gesellschaftlich hochrelevante Verhaltensweisen bedingen, dann nicht oder nur sehr eingeschränkt prüfbar. Nichtsdestotrotz bleibt die Zäuschung von versuchspersonen aus ethischer Sicht problematisch. In Reaktion auf Kontroversen über die ethischen Grenzen (sozial)psychologischer Forschung haben wissenschaftlich-psychologische Fachgesellschaften und Verbände (in Deutschland z.B. in Deutsche Gesellschaft für Psychologie) 1998 Ethikrichtlinien für die Forschung mit Menschen herausgegeben, die für wissenschaftlich arbeitende (Sozial)Psychologen verbindlich sind.  Zu diesen Richtlinien gehören u.a. die Freiwilligkeit der Versuchspersonen zur Teilnahme die Verpflichtung Versuchspersonen keinen psychisch oder physisch schädigenden Einflüssen oder Gefährdungen auszusetzen sowie die Verpflichtung, Untersuchungen unverzüglich abzubrechen, wenn Versuchspersonen unerwartete Belastungsreaktionen zeigen. Im Hinblick auf die Täuschung von Versuchspersonen schreiben diese Richtlinien eine vollständige postexperimentell Aufklärung vor. Zudem soll den Versuchspersonen die Möglichkeit gegeben werden, die an ihnen erhobenen Daten zurückzuziehen.  Postexperimentelle Aufklärung: Die Versuchspersonen werden nach dem Experiment vollständig über die Täuschung und das eigentliche Ziel der Untersuchung aufgeklärt; die wissenschaftliche Notwendigkeit der Täuschung wird begründet Im Idealfall vermittelt diese Aufklärung den Versuchspersonen ein Verständnis für die Relevanz der Forschungsergebnisse und den Beitrag den sie dazu geleistet haben.
  • 1.3 Kapitelzusammenfassung die Sozialpsychologie erforscht Effekte personaler und situativer Faktoren und deren Wechselwirkung darauf, wie der Mensch einander in sozialen Situationen wahrnehmen, Einfluss aufeinander ausüben und wie sie ihre sozialen Bezieungen gestalten.  Die sozialpsychologie beschäftigt sich mit der Beschreibung, Erklärung und Vorhersage von (inter-)personalen Prozessen und Gruppenprozessen. Im Kontext anderer sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Disziplinen stellt die sozialpsychologische Analyse ein wichtiges Bindeglied zwischen Analysen auf der Mikro- und der Makroebene zur Erklärung sozialen Verhaltens dar. Bei der Sozialpsychologie handelt es sich wie bei der Psychologie im Allemeinen, um eine empirische Wissenschaft, d.h. ihr Erkenntnisgewinn erfolgt über die systematische Generierung und Prüfung von Theorien und Hypothesen auf der Grundlage von Beobachtungs- und Messdaten. Die Sozialpsychologie stützt sich dabei auf ein breites Methodenspektrum, wobei der experimentellen Methode eine herausragende Rolle zukommt.