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EC Anthropologie (Fach) / Einführung in die forensische Anthropologie (Lektion)
Folien Zusammenfassung
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- Einfluss aus Skelettierung (2) Oberflächenlagerung: Beschleunigung durch: Luftzugänglichkeit, Wind, Wasser, hohe Temperaturen, Feuchtigkeit, sauren Boden, Tierfraß. Verlangsamung durch: Schnee, Trockenheit, Kälte, alkalische Böden. Lagerung unter der Erde: Beschleunigung durch: oberflächliche Lage, Bedeckung mit Stroh/Blättern etc., Vergraben ohne Sarg, periphere Lage in Massengräbern. Verlangsamung durch: tiefes Eingraben, Sarg, Bekleidung oder Bedeckung, zentrale Lage im Massengrab.
- Leichenveränderung durch Wirbeltiere (4) Postmortaler Tierfraß v.a. durch Nager und größere Säugetiere Beginn in unbekleideten Regionen (Kopf, Hände) bzw. durch Nager an den Akren Typische Nage- u. Bissspuren an Wundrändern/ Knochen Verschleppen von Leichenteilen (Füchse, Wildschweine) -- initial Verdacht auf Verbrechen
- Spezifische Befunde kleine Nagetiere (4) charakteristische, unregelmäßige, zackige Bißspuren evtl. Fehlen der Weichteile bis auf Knochen paarig angeordnete Schürfspuren (Gebiss)  Rattenfraß: Nagen an vorspringenden Körperteilen (Nasenspitze, Ohren, Finger, Zehen) Unbekleidete Körperstellen Abfressen der Weichteile bis auf den Knochen Spuren der Nagezähne Kotspuren
- Spezifische Befunde Hunde (Carnivoren) breitflächige Weichteilablösungen an Wundrändern häufig Kratzspuren (Zähne, Krallen) ausgedehnte Zerstörungen (Exenteration, erhebliche Knochenzerstörungen) Lochartige Defekte am Schädel durch Eckzähne (Verwechslung mit Werkzeugspuren möglich)
- Spezifische Befunde (Füchse, Dachse) (4) fast ausschließlich im Wald Hundeartige, daher Morphologie ähnlich Hundeverbiss Schmale Eckzähne (ähnlich Katzen) Verschleppung zumeist kleiner Leichenteile wie Finger oder einzelner Röhrenknochen
- Spezifische Befunde größere Wirbeltiere (5) Wölfe und Bären vorwiegend reißende Zerfleischung völlige Leichenzerstörung bei ungestörtem Fraßverhalten Disartikulationen der großen Gelenke Abnagen der epiphysiären, spongiosareichen Knochenteile mit charakteristischen Zahnspuren Schäfte der langen Röhrenknochen oft intakt
- Insekten (Kerbtiere) (6) Erste Insekten vor mindesten 300 Millionen Jahren gegenwärtig ca. 800.000 Arten bekannt Auf jeden Menschen kommen geschätzt über 9 Milliarden einzelne Insekten Die Wichtigsten Pflanzenbestäuber Ubiquitäres Vorkommen! Ohne Insekten keine Biomassetransformation!
- Bevorzugte Orte der Eiablage (3) Feuchte, dunkle Orte bieten den Larven Schutz und Nahrung. Körperöffnungen Verletzungen!
- Vorgehensweise PMI Schätzung/Berechnung (3) Artbestimmung Ermittlung des Temperaturverlaufes am Auffindungsort Berechnung des Insektenalters der ältesten Insekten (=minimale Leichenliegezeit)
- Einflussgrößen und Fehlerquellen (7) Einablagezeitpunkt = Todeszeitpunkt? Sind asservierte Tiere die ältesten? Thermoneogenese durch "Maggotmass"? Ermitterlung der Temperatur a Auffindungsort Insektenaktivität bei Regenwetter, in der Nacht? Beschleunigung bzw. Verzögerung der Entwicklung durch Drogen, Medikamente etc... Variation in der Entwicklung div. reg. Unterarten
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- Schlussfolgerungen für die Praxis der Insekten (5) Seriöses entomologisches Gutachten gibt nur Alter der Insekten an, nicht Todeszeitpunkt! Nur „minimale Leichenliegezeit“ bestimmbar, da Zeit zwischen Todeseintritt und Eiablage unbekannt. Sinnvoll nur in Verbindung mit den übrigen kriminalistischen Befunden. Nur bei Beachtung aller Parameter lassen sich Aussagen in der Größenordnung von Tagen treffen. Großer Bedarf an regionalen Referenzdaten
- Forensische Entomologie (2) Die forensische Entomologie beschäftigt sich mit leichenassoziierten Insekten um Aussagen über Todeszeitpunkt,Todesart oder postmortale Verlagerung der Leiche treffen zu können. Liefert (relativ) präzise Ergebnisse im früh- und spätpostmortalen Intervall, da die Insektenentwicklung zwangsläufig und vorhersagbar den äußeren Temperaturgradienten folgt.
- Osteologie (4) Menschliches Skelett: (ca.) 206 Knochen Knochen schützen innere Organe (Schädelknochen, Brustkorb) Ort der Hämatopoese (Knochenmark: Erythrozyten, Thrombozyten, Leukozyten) Unterschiedlichste Form und Größe
- Knochenformen (6) Röhrenknochen (Ossa longa): Humerus, Ulna, Radius, Femur, Tibia, Fibula, Fingerknochen Plane Knochen (Ossa plana): Cranium, Costae, Scapula, Sternum, Os Coxae Kurze Knochen (Ossa brevia): z.B. Ossa carpalia et tarsalia Sesambeine (Ossa sesamoidea): Patella u.a. • Pneumatisierte Knochen (Ossa pneumatica): z.B. Os frontale Unregelmäßige Knochen (Ossa irregularia): Vertebrae, Mandibula
- Röhrenknochen (4) Siehe auch Folie Nummer 28 und 29! Epiphyse (Endstück), haupts. Substantia spongiosa; Trajektorien Apophyse (sekundäre Epiphyse): Knochenfortsatz mit eigenem Ossifikationszentrum (Trochanter major des Femur, Tuberculum majus des Humerus) Metaphyse - Epiphysenfuge = Wachstumsfuge; enchondrale Ossifikation; später: Linea epiphysialis (Epiphysenlinie) Diaphyse (Knochenschaft) mit Markhöhle (Cavitas medullaris) 
- Knochengewebe Feinbau 1 (5) Periost (Knochenhaut) Knochensubstanz: - Knochenmatrix 25% Wasser, 30% org. Materialien (v.a. Kollagen Typ I, Proteoglykane), 45% anorg. Stoffe (Hydoxylapatit) - Knochenapatit (Ca10(PO4)6(OH)2): Calcium, Phosphat, Magnesium, Natrium, Kalium, Chlorid, Fluorid Osteozyten! Osteoblasten (Typ-1-Kollagen, Calciumphosphate und -carbonate) Osteoklasten (in Resorptionslakunen = Howship-Lakunen)
- Knochengewebe Feinbau 2 (4) Geflecht- oder Faserknochen: viele Osteoblasten, weniger mineralisiert, sehr elastisch; —> Knochenheilung Lamellenknochen: Corticalis (Compacta) Knochenmark (Medulla ossium): blutbildendes Knochenmark —> Fettmark; Hämatopoese: Rippen, Brustbein, Wirbelkörper, Hand- und Fußwurzelknochen, platte Schädelknochen und Becken
- Knochengewebe Feinbau 3 (2) Osteoblasten (Mesenchym): bilden Osteoid (unverkalkte Knochengrundsubstanz) Ossifikation: Wachstum und Heilung desmale Ossifikation: direkte Verknöcherung aus Bindegewebe (Schädeldach, Gesichtsschädel, Clavicula chondrale Ossifikation: indirekt aus Knorpelgewebe - enchondrale O. —> Längenwachstum - perichondrale O. —> Dickenwachstum appositionelle Ossifikation: Anlagerung an bestehendes Knochengewebe
- Osteometrie Siehe Folie 30 Knochenheilung! Osteometrie dient der quantitativen Beschreibung von Form- und Größenverhältnissen am Skelett definierte Meßstrecken, objektiv
- Tier oder Mensch? (5) Siehe auch Folie 31! in der Praxis Probleme nur bei fragmentierten oder verbrannten Knochen Makroskopisch: nichtmenschliche Säugetierknochen kompakter und schwerer; Größenverhältnis zwischen Compacta und Markraum (Oberfläche glatter, Spongiosa grobporiger) Serologische/immunologische Unterscheidung durch Nachweis von Eiweiß (Uhlenhut Probe), bis ca. 10 (40) Jahre DNA/PCR-Techniken (mt-DNA) Histologie: Morphologisch und metrisch; Durchmesser der Havers-Kanäle, Entkalkte Schnitte, 10-20 Mikrometer
- Bestimmung des PMI an Knochenmaterial (5) Siehe Folie 32-34! wesentlicher erster Schritt bei Ermittlungen daher in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Methoden untersucht und publiziert Problem: Taphonomische Prozesse verlaufen je nach Umwelteinflüssen hoch variabel - Umgebungstemperatur, Feuchtigkeit, Boden pH, Erosion, Überflutung/Grundwasserspiegel, Mikroorganismen (Pilze/Bakterien), Pflanzen • Einfluss auf Morphologie/Struktur und chemische Zusammensetzung Besser geeignet: Radioisotopen-Analyse
- Warum Bestimmung des PMI an Knochenmaterial (4) Wann starb Individuum? - forensisch relevant? Hilfe bei der Identifikation durch Einengung des „Zeitfensters“ Eingrenzung Abgängigkeitszeitraum (Abgleichung mit Liste möglicher Abgängiger) Eingrenzung möglicher Verdächtiger
- Bestimmung des PMI an Knochenmaterial - Methoden Liegezeitbestimmung im spät-postmortalen Intervall (4) Morphologische Untersuchungen/Methoden Chemische Untersuchungen/Methoden Immunologische Untersuchungen/Methoden Radioisotopen Untersuchungen/Methoden
- Bestimmung des PMI - Morphologische Methoden (5) Verwesungsstadien (siehe Tabellen) z.B. Dendrochronologie von Wurzeln Konsistenz der Knochen(oberfläche) Gewicht der Knochen Adipocere
- Einfluss auf Skelettierung (2) Oberflächenlagerung Beschleunigung durch: Luftzugänglichkeit, Wind, Wasser, hohe Temperaturen, Feuchtigkeit, sauren Boden, Tierfraß. Verlangsamung durch: Schnee, Trockenheit, Kälte, alkalische Böden. Lagerung unter der Erde Beschleunigung durch: oberflächliche Lage, Bedeckung mit Stroh/Blättern etc., Vergraben ohne Sarg, periphere Lage in Massengräbern. Verlangsamung durch: tiefes Eingraben, Sarg, Bekleidung oder Bedeckung, zentrale Lage im Massengrab.
- Befunde im Erdlager nicht unter 50a Liegezeit (2) äußerer Aspekt: makroskopisch keine Fettwachsspuren mehr tiefe Usuren der äußeren Kompaktaschichten flächenhafte Defekte der Knochenoberfläche Intensiv schwarz-brauner Rasen von Mikroorganismen Auffasern der äußeren Lamellensysteme Abhebung der Kortikalis Torsionen des Gewebes Aufsitzendes Brushit Knochen mit der Hand zu zerbrechen 2. an der frischen Sägefläche:! Fehlen von Fettwachsspuren Brushit im Markraum reduzierte oder aufgehobene UV- Fluoreszenz
- Bestimmung des PMI - Chemische Methode (5) Reaktion mit (Salz)Säure Stickstoff (N) Verlust/Abbau Aminosäuren Verlust/Abbau Knochen Fluoreszenz Benzidin Reaktivität, Luminol
- N-Gehalt von Knochen (5) Siehe auch Folie (38) Stickstoffgehalt von Knochen entspricht Proteingehalt (haupts. Kollagen Typ I) N-Gehalt Bestimmung: micro-Kjeldahl Technik „frischer Knochen“: 4-5% N <50 Jahre: >= 3,5% N hohe Variabilität!
- Aminosäure Abbau/Verlust (7) Bestimmung der Anzahl unterschiedlicher AS Kollagen besteht aus 17 verschiedenen AS Glycin (35%), Prolin (13%), Hydroxyprolin (10%), Alanin (10%), .... „frisches“ Kollagen: >30% Glycin, Quotient Hydroxyprolin/Prolin = 0,6 „frischer“ Knochen: 10-15 AS weniger als 7 AS: Alter über 100 Jahre (Knight 1968) weniger als 3-4 AS, speziell Fehlen von Prolin und Hydroxyprolin spricht für historischen Fund (> 100 Jahre) 
- Knochen Fluoreszenz (3) Folie 38! 365nm, frische Schnittfläche eines Langknochens was fluoresziert in welcher Farbe? organisches Material oder mineralische Phase? Objektivierung der Fluoreszenz mittels Spectrofluorimetrie
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- (Amino)Benzidin Probe (6) zum Nachweis geringster Mengen Hämoglobin (Blutnachweis) „stark positive Reaktion“ - rezentes Material Abnahme der Reaktion über die Zeit keine Reaktion: > 150 Jahre alt nicht sehr zuverlässig! Alternative: Luminol-Test
- Luminol Test (4) Nachweis von latenten Blutspuren Knochenmehl aus Sägeschnitt Chemolumineszenz nach H2O2 Zugabe Als alleinige Methode zu unzuverlässig
- Immunologische Methode (5) Ouchterlony Test - Immundiffusionstest Protein Präzipitation (Knochenpulver) mit anti- Mensch Immunglobulin (Kaninchen) Präzipitation „rasch“: < 20 Jahre „verzögert und schwach“: 50 Jahre Fehlerbehaftet! Kontamination!
- Radioisotopen Untersuchung (6) 14C Halbwertszeit: 5.730 Jahre, Beta- Zerfall zu 14N Kernwaffen-Effekt: (oberirdische) Kernwaffenversuche bis 1963 erhöhten 14C/12C Verhältnis (Fallout) „bomb-pulse dating“: pre-/post-bomb Accelerator Mass Spectrometry (AMS) Bestimmung der spezifischen Aktivität von 90Sr 210Pb, 210Po, 238U, 226Ra
- Einteilung Traumatologie (3) mechanisches Trauma („Verletzungen“) • Stumpfe Gewalt • Scharfe Gewalt • „Halbscharfe“ Gewalt (scharfe Hiebverletzung) • Schussverletzungen Ersticken: Erhängen, Erwürgen, Strangulieren, Ertrinken Thermische Energie (v.a.Verbrennen)
- Knochentrauma (3) antemortem perimortem postmortem
- Verletzungen durch stumpfe Gewalt (7) Hautrötungen Blutergüsse, Blutunterlaufungen Wunden (Schürfw., RQ-Wunden, Bisswunden...) Schädel-Hirn-Verletzungen Zerreißungen und Lageveränderungen innerer Organe Brüche und Lageveränderungen von Knochen Zermalmungen und Abtrennungen ganzer Körperteile
- Todesursachen nach stumpfer Gewalt (7) Folie 42! Gehirnschädigung inneres und äußeres Verbluten Aspiration (Ersticken) Luftembolie Fettembolie Schock Komplikationen in der Behandlung (z.B. Infektionen, Sepsis) 
- Schädel-Hirn Verletzungen (2) Schädelbrüche • Biegungsbruch • Berstungsbruch • Lochbruch,Terrassenbruch Hirnverletzungen (Neurotraumatologie)
- Todesursachen bei Schädel- Hirn-Verletzungen (4) Verletzung lebenswichtiger Hirnteile Hirndrucksteigerungdurch sekundäres Hirnödem oder Blutungen Ersticken durch Bluteinatmung bei Schädelbasisfraktur mit Nebenhöhlenverletzungen Luftembolie bei offenen Schädelbrüchen mit Sinusverletzung (Verletzung der venösen Hirnblutleiter)
- Mögliche Spätfolgen bei Schädel-Hirn-Verletzungen (2) posttraumatische Meningitis (Hirnhautentzündung) (nach offenem Trauma) Posttraumatischer Hydrocephalus (Erweiterung der Flüssigkeitsräume des Gehirns durch Blockade des Abflusses) Chronisches Subduralhämatom (v.a. bei alten Menschen, Entstehung über Wochen oder Monate) Posttraumatische Epilepsie (Ursache sind Narbenbildungen im Gehirn, von denen Krampfanfälle ausgehen können)
- Biegungsbrüche (3) Siehe Folie 43, 44! Direkte, örtlich umschriebene Gewalteinwirkung ÖrtlicheVerformung des Knochens Direkte Fraktur - Angriffspunkt der Gewalt erkennbar
- Epiduralhämatom Siehe Folie 45-48! Klinische Symptomatik wird durch die Raum- verdrängung der Blutung bestimmt Ab ca. 35 ml Blut - Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Bewusstlosigkeit) Ab ca. 100 ml Blut - Tod durch Hirnkompression und Mittellinienverlagerung möglich Zunehmende Eintrübung nach freiem Intervall Der diagnostische Irrtum ist oft auf eine gleichzeitige Alkoholisierung zurückzuführen. Trunkenheit verschleiert das Bild. Todeseintritt häufig in Polizeigewahrsam (Ausnüchterungszelle) Genaue Überwachung Kopfverletzter, insbesondere Bewusstloser und Alkoholisierter im Krankenhaus erforderlich, um ein Epiduralhämatom nicht zu übersehen !