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psychiatrie (Fach) / Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (Lektion)

Leucht Kap. 10

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  • narzisstische PKS DD Borderline-Störung histrionische PKS antisoziale PKS manische oder hypomanische Gestimmtheit
  • narzisstische PKS Therapie kognitive VT psychodynamische Therapie
  • ängstliche (vermeidende) PKS (F60.6) Epidemiologie ca. 1% zusätzlich gehäuft affektive Störungen und Angst
  • ängstliche (vermeidende) PKS (F60.6) DD soziale Phobie schizoide PKS schizotype PKS paranoide PKS
  • ängstliche (vermeidende) PKS (F60.6) Therapie Einzeltherapie Gruppentherapie soziales Kompetenztraining
  • abhängige (asthenische) PKS (F60.7) Ätiologie massive Frustrationen überprotektive Verhaltensweisen Kränkungen oder vermiedene Kränkungen (keine Selbstwirksamkeit entwickelt)
  • abhängige (asthenische) PKS (F60.7) DD ängstlich vermeidende PKS (haben so große Angst vor Demütigung, dass sie Nähe vermeiden); abhängige Personen dagegen suchen die Nähe des Anderen
  • abhängige (asthenische) PKS (F60.7) Therapie Aufbau sozialer Kompetenz Gruppentherapie
  • Zwanghafte PKS (F60.5) Epidemiologie 1%
  • Zwanghafte PKS (F60.5) Ätiologie psychodynamisch: zu starke Reinlichkeitserziehung lerntheoretisch: strenger, von Bestrafung geprägter Erziehungsstil
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  • Zwanghafte PKS (F60.5) DD Zwangsstörung (ich-dyston) während Zwanghafte PKS ich-synton narzisstische PKS schizoide PKS anhaltender Kokainkonsum?!
  • Zwanghafte PKS (F60.5) Therapie kognitive VT psychdynamisch
  • was ist eine "andauernde Persönlichkeitsänderung" (F62) psychische Folgeerscheinung nach extremer Belastung (Folter, Geiselhaft, KZ, Katastrophe) Klinik: sozialer Rückzug, erhebliches Misstrauen, Einzelgängertum Dauer mind. 2 Jahre (vorher evtl. PTBS) muss so schwerwiegend sein, dass Auswirkungen auf den zwischenmenschlichen, beruflichen und sozialen Bereich bestehen Voraussetzung: vorher keine Auffälligkeit in der Persönlichkeit!
  • Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (F62.0): ICD-10-Kriterien mind. 2 Kriterien über 2 Jahre: -umfassende feindlich/misstrauische Haltung -chronischer Eindruck, bedroht zu sein -sozialer Rückzug -Gefühle von Leere und Hoffnungslosigkeit -Entfremdung
  • Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (F62.0): DD PTBS (Zeitkriterium!) vorbestehende PKS affektive Erkrankung schizophrene Erkrankung
  • Andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit (F62.1): ICD-10 Kriterien mind. 2 Kriterien über 2 Jahre: -hochgradige Abhängigkeit und Anspruchshaltung gegenüber anderen -soziale Isolation und fehlen vertrauensvoller Beziehung, aufgrund der subjektiven Überzeugung, durch die Krankheit verändert worden zu sein -Passivität, Vernachlässigen von Aktivitäten -Klage, krank zu sein, teils verbunden mit Verhaltensänderung und hypochondrischen Beschwerden -Stimmung dysphorisch und labil, nicht durch Restsymptome der vorhergehenden Erkrankung bedingt -soziale und berufliche Funktion reduziert
  • Unterformen der "Andauernden Persönlichkeitsveränderung" (F62) F62.0 Andauernden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastungn (wie PTBS) F62.1 Andauernden Persönlichkeitsveränderung nach psychischer Krankheit (reaktiv, auch z.B. auf Schizophrenie)
  • andauernde Persönlichkeitsveränderung (F62) Therapie supportive Strategien Schlafregulation (Albträume reduzieren) SSRI
  • andauernde Persönlichkeitsveränderung nach psychischer Krankheit (F62.1) DD Restsymptomatik oder Residuum der vorbestehenden psychischen Störung
  • Pathologisches Spielen nach DSM-IV und ICD-10 (F63.0) -Betroffene nehmen unangemessene berufliche und wirtschaftliche Risiken in Kauf -Schulden werden nicht bezahlt -neue Gelder werden erschlichen -subjektiv wird ein unstillbarer Drang zu Spielen beschrieben, welcher verstärkt in problembelasteten Lebenssituationen auftritt -entscheidendes Motiv zu spielen ist das Erleben eines "Kicks", welcher im Laufe der Störung nur durch immer riskantere Einsätze und SItuationen erreicht werden kann -das Denken ist ganz vom Spielen, den Plänen um die nächsten Spiele oder der gedankliche Durcharbeitung vergangener oder zukünftiger Spielsituationen dominiert -Spielen wird gegen jede Vernunft und trotz vielfältiger negativer Konsequenzen aufrechterhalten
  • Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63) Unterformen F63.0 Pathologisches Spielen F63.1 Pathologische Brandstiftung (Pyromanie) F63.2 Pathologisches Stehlen (Kleptomanie) F63.3 Trichotillomanie F63.5 weitere Störungen der Impulskontrolle (z.B. Internetsucht, Störung mit intermittierender Reizbarkeit)
  • pathologisches Spielen (F63.0) Epidemiologie Prävalenz 0,2 - 0,6% (stationäre Behandlung stark zunehmend) Männer 70-80% meist Automaten und Kasino
  • pathologisches Spielen (F63.0) DD gewohnheitsmäßiges oder professionelles Spielen (Planen, Disziplin, Gewinn) manische Episoden antisoziale PKS
  • pathologisches Spielen (F63.0) Therapie und Verlauf auch gegen den Willen kann Therapie erfolgreich sein kognitive VT, evtl SSRI oder mood stabilizer Ziel: Abstinenz nach 2 Jahren über 2/3 rückfällig
  • Abnorme Gewohnheiten und Störung der Impulskontrolle (F63) Therapie kognitive VT SSRI mood stabilizer
  • paranoide PKS Kurzbeschreibung Tiefgreifenden Misstrauen und Argwohn gegenüber anderen, so dass deren Motive als böswillig ausgelegt werden.
  • schizoide PKS Kurzbeschreibung Ein tiefgreifenden Muster, das durch Distanziertheit in sozialen Beziehungen und eine eingeschränkte Bandbreite des Gefühlsausdrucks im zwischenmenschlichen Bereich gekennzeichnet ist.
  • DGPPN: schizoide PKS Studien • Geringe Konstruktvalidität, gute Validität als dimensionaler Faktor (Hummelen et al. 2014), hohe Stabilität schizoider Merkmale über 2 Jahre (Chanen et al. 2004) • Höhere Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung (bis 3%) (Grant et al. 2005; Samuels et al. 2002; Torgersen et al. 2001) als in klinischen Stichproben (bis 1%) (Zimmerman et al. 2005) • Wenig Symptome einer Schizoiden PS sind ein positiver Prädiktor für Ansprechen einer Pharmakotherapie bei Depression (Mulder et al. 2006) • Kein Wirknachweis von psychotherapeutischen oder pharmakologischen Interventionen
  • schizotype PKS Kurzbeschreibung Ein tiefgreifendes Muster sozialer und zwischenmenschlicher Defizite, das durch akutes Unbehagen in und mangelnden Fähigkeit zu engen Beziehungen gekennzeichnet ist. Weiterhin treten Verzerrungen der Wahrnehmung oder des Denkens und eigentümliches Verhalten auf.
  • DGPPN schizotype PKS Studien • Reduktion von psychosenahen Symptomen durch typische Neuroleptika (Goldberg et al. 1986; Serban & Siegel 1984; Hymowitz et al. 1986; Serban & Siegel 1984; Soloff et al. 1989; Jensen & Andersen 1989) • Risperidon (1mg/d) reduziert positiv und negativ Symptome, jedoch nicht Depression (Koenigsberg et al. 2003) und nicht kognitive Defizite (McClure et al. 2009) • Nicht kontrollierte Studie: Olanzapin (im Mittel 9mg/d) reduziert psychosenahen Symptomen und Depression, führte jedoch zu Gewichtszunahme (Keshavan et al. 2004) • Kein Wirksamkeitsnachweis für Antidepressiva (Herpertz et al. 2007) • Kognitive Defizite (Dopamin D1‐Rezeptor): positive Befunde für Amphetamine (Siegel et al. 1996; Kirrane et al. 2000), Pergolid (McClure et al. 2010) und Dihydrexidin (DAR‐0100) (Rosell et al. 2014) • Keine Daten bzgl. Psychotherapie • Übergang von Prodromalstadien oder schizotypischer Störung zur Schizophrenie: Wirksamkeit strukturierter psycho‐sozialer Interventionen. Kein Wirksamkeitsnachweis von Antipsychotika, jedoch Nebenwirkungen (Stafford et al. 2013)
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  • Antisoziale PKS Kurzbeschreibung Es besteht ein tiefgreifendes Muster von Missachtung und Verletzung der Rechte anderer, das seit dem 15. Lebensjahr auftritt.
  • DGPPN Antisoziale PKS Studien • Dissoziale PS, Antisoziale PS (Sektion II und III im DSM‐5), „Psychopathy“ • Psychotherapeutische Interventionen und Rehabilitationsstrategien bei Erwachsenen „Psychopathen“ sind unwirksam (Hughes et al. 1997; Ogloff et al. 1990; Rice et al. 1992) jedoch nicht eindeutig kontraproduktiv (Seto & Barbaree 1999; Barbaree 2005) • Keine Besserung antisozialer Verhaltensweisen bei Erwachsene mit Antisozialer PS durch Psychotherapie nachgewiesen (Gibbon et al. 2010) • Intensives Therapieprogramm bei Jugendlichen wirksam, Gewalt‐Rezidive halbieren sich (Caldewell & Van Rybroek 2001) • Elterntraining für 3‐7 Jährige reduziert antisoziales Verhalten 7 Jahre (Mittel) später, allerdings nur in der Hochrisikogruppe, nicht in der klinisch auffälligen Gruppe und auch nicht in der Eltern‐ oder Lehrer‐Einschätzung (Scott et al. 2014) • Keine Evidenz für Pharmakotherapie (Khalifa et al. 2010)
  • Borderline PKS Kurzbeschreibung Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie deutliche Impulsivität.
  • DGPPN Borderline PKS Therapiemethoden (Studien) Psychotherapie • Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) • Schematherapie (SFT) • Systematic Training for Emotional Predictability & Problem Solving (STEPPS) • Mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT) • Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) • Emotionsregulationsgruppen (ER) • Manual assistierte Psychotherapie (MACT) Neu • Übertragung in Alltagsversorgung (DBT, Stiglmayr et al. 2014; MBT, Bales et al. 2014) • DBT plus Traumatherapie für BPS plus PTBS (Bohus et al. 2013; Harned et al. 2014) • DBT für Adoleszente (Mehlum et al. 2014) • DBT für diagnoseübergreifende Emotionsregulationsstörungen (Neacsiu et al. 2014) • Schematherapie in Gruppen (Dickhaut & Arntz 2014; Reiss et al. 2014; Wetzelaer et al. 2014; Videler et al. 2014)
  • DGPPN Borderline PKS medikamentöse Therapie (mit Dosisangabe) • Gute Effekte:  Aripiprazol (15mg/d): Impulsivität, Ärger, Depressivität, Angst, psychot. Symptome  Lamotrigin (200mg/d): Impulsivität, Ärger  Topiramat (200‐250mg/d): Impulsivität, Ärger, Angst • Moderate Effekte:  Olanzapin (2,5‐20mg/d): Ärger (cave Suizidalität, Gewicht)  Quetiapin (150‐300mg/d): interpersonelle, affektive und kognitive Symptome  Valproinsäure (ca. 1300mg/d): Ärger, interpersonelle Probleme, Depression  Omega‐3 Fettsäuren (0,7‐1,2g/d; allein oder als Augmentation zu Valproat) • Keine Effekte:  SSRI, MAOi, TZA, klassische NL, Carbamazepin
  • histrionische PKS Kurzbeschreibung Ein tiefgreifendes Muster übermäßiger Emotionalität oder Streben nach Aufmerksamkeit.
  • narzisstische PKS Kurzbeschreibung Ein tiefreifendes Muster an Großartigkeit (in Phantasie oder Verhalten), Bedürfnis nach Bewunderung und Mangel an Empathie.
  • DGPPN narzisstische PKS Studien • Keine spezifische Empfehlung für Psychotherapie oder Pharmakotherapie • Suizidalität ist mehr intentional und weniger impulsiv als bei andere Cluster B PS (Blasco‐Fontecilla et al. 2009) • Erhöhte Suizidalität auch außerhalb von Depression (Heisel et al. 2007) • Erhöhte Rate an Therapieabbruch (Ogrodniczuk et al. 2009) • Geringer expliziter Selbstwert, nicht beeinträchtigter impliziter Selbstwert (Vater et al. 2013) • Hohe implizite und explizite Scham (Ritter et al. 2014) • Defizite in emotionaler, nicht jedoch in kognitiver Empathie (Ritter et al. 2011)
  • vermeidend-selbstunsichere PKS Kurzbeschreibung Ein tief greifendes Muster von sozialer Gehemmtheit, Insuffizienzgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber negativer Beurteilung.
  • DGPPN vermeidend-selbstunsichere PKS Studien • Genetischer Link zu sozialer Phobie (Isomura et al. 2014), jedoch linearer Zusammenhang unklar (Lampe et al. 2013) • VT ist effektiv (Alden 1989; Barber et al. 1997; Renneberg et al. 1990; Stravinsky et al. 1994; Emmelkamp et al. 2006; Rees & Pritchard 2013) • Negative Daten zur psychodynamischen Kurzzeittherapie (Emmelkamp et al. 2006) • Keine Daten zur Pharmakotherapie
  • DGPPN vermeidend-selbstunsichere PKS medikamentöse Therapie Angelehnt an die soziale Phobie: • Venlafaxin und SSRI (1. Wahl) • Gabapentin (Pande et al. 1999), Pregabalin (Pande et al. 2004), Moclobemid, akut Bezodiazepine, Clonazepam Augmentierung zu Sertralin (Pollack et al. 2014)
  • dependente PKS Kurzbeschreibung Ein tiefgreifendes und überstarkes Bedürfnis, versorgt zu werden, das zu unterwürfigem und anklammerndem Verhalten und Trennungsängsten führt.
  • DGPPN dependente PKS Studien • Keine psychotherapeutische oder psychopharmakologische Behandlungsempfehlung möglich (Disney 2013) • Zusammenhang zwischen Dependenter PS und Suizidalität, besonders bei Männern (Bolton et al. 2008, Loas et al. 2005; Gagnon et al. 2009)
  • zwanghafte PKS Kurzbeschreibung Ein tiefgreifendes Muster starker Beschäftigung mit Ordnung, Perfektion und psychischer sowie zwischenmenschlicher Kontrolle auf Kosten von Flexibilität, Aufgeschlossenheit und Effizienz.
  • DGPPN zwanghafte PKS Studie Kapsulotomie bei Zwangsstörung reduziert zwanghaftes Verhalten mit und ohne komorbide Zwanghafte PS (Gouvea et al. 2010; Lopes et al. 2014)
  • DGPPN neuere Studienergebnisse zu Psychotherapie bei PKS • Cluster C: Wirksamkeit von Schematherapie (Hoffart et al. 2005; Bamelis et al. 2014), psychodynamischer Kurzzeittherapie (Svartberg et al. 2004, Muran et al. 2006), und VT (Svartberg et al. 2004; Strauss et al. 2006; Muran et al. 2006) • PS NNB (nicht näher bezeichnet): Wirksamkeit von VT/psychodynamischer Therapie (Karterud et al. 2003; Horn et al. 2014) • Stationäre DBT bei BPS bis 30% „Nicht‐Beender“ unter naturalistischen Bedingungen (Kröger et al. 2014)
  • DGPPN Gesundheitsökonomie und DBT bei Borderline PKS • Die meisten Studien zur DBT bei BPS, Kosten‐Nutzen‐Analysen nicht eindeutig (Brettschneider et al. 2014) • Krankheitskosten aus Gesellschaftsperspektive: ambulantes DBT‐Netzwerk zeigt deutliche Reduktion von Krankenhaustagen, positives Kosten‐Nutzen Verhältnis (Wagner et al. 2014) • DBT bei BPS: jeder investierte Euro bringt 1,5€ pro Jahr (Wunsch et al. 2014)
  • DGPPN: Borderline-PKS Komorbidiät • Metabolisches Syndrom (Kahl et al. 2013) • Arteriosklerose, Arthritis, Kardiovaskuläre Erkrankungen, gastrointestinale Erkrankungen, Hypertonus, Androgenstoffwechselstörungen… (El‐Gabalawy et al. 2010, Roepke et al. 2010)
  • DGPPN Reduktion der Belastung von Therapeuten: Studien • Akzeptanz‐ und Commitmenttherapie (ACT)‐Training und Psychoedukation verbessern Patient‐Behandler Verhältnis (Clarke et al. 2014) • DBT Training reduziert burn‐out beim Personal das stationär BPS Patienten behandelt (Camel et al. 2014)