Entwicklung (Fach) / VL_03_ (Lektion)

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Transaktionales Modell

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  • Moderner Entwicklungsbegriff Veränderung von Verhalten und Erleben über die Zeit Von Konzeption bis zu Tod Anstieg und Abfall von salienten Merkmalen
  • Endogenistische Modelle biologische Reifungsprozesse sind Erklärungen für Veränderungen (innerer Bauplan) ⇒Bsp. Konrad Lorenz (→ siehe Motivationspsychologie)
  • Exogenistische (mechanistische ) Modelle Ort der Entwicklungsdynamik außerhalb (Stimuluskontrolle) Entwicklung ist kausal erklärbar – Kontingenzen (S – S, S – R) passive Rolle des Individuums Bsp. Behaviorismus
  • Organismisch-adaptive / konstruktuvistische Modelle Mensch als Mitgestalter seiner Entwicklung, als erkennendes und reflektierendes Wesen, das sich ein Bild von sich selbst und seiner Umwelt macht und bei neuen Erfahrungen modifiziert Bsp. Piaget: Entwicklung als Äquilibration → selbstregelnde Anpassungsprozesse des Organismus an seine Umwelt (Mischung aus Assimilation und Akkommodation); Indivi-duum muss selbst durch suchen und ausprobieren neue Strukturen aufbauen
  • Anlage-Umwelt-Modelle (nach Sameroff) Haupteffektemodell (Kind passiv) Interaktionsmodell (Kind passiv) Transaktionales Modell
  • Umwelt-Haupteffektemodell Der Zustand des Kindes ist vollkommen abhängig von den Umweltbedingungen. Bleibt die Umwelt gleich, ergeben sich auch keine Veränderungen beim Kind. Das gleiche wie exogenetisches Modell, nur andere Taxonomie Bsp.: Intelligenz ⇒Förderung des Kindes
  • Anlage-Haupteffektemodell Schrittweises, endogen gesteuertes Entfalten eines Entwicklungsplans, der schon dem Ausgangszustand des Organismus innewohnt Das gleiche wie endogenetisches Modell, nur andere Taxonomie  Bsp.: Intelligenz ⇒ genetische Ursachen
  • Einfaches Interaktionsmodell Statisches Modell Die Entwicklung resultiert aus der Verbindung des genetisch festgelegten Reaktionsspielraums mit den umweltbedingten Erfahrungen des Kindes
  • Transaktionales Modell Entwicklung: kontinuierliche wechselseitige Beeinflussung von Person, Umwelt und genetischer Disposition Eigenschaften der Person wirken auf Umwelt und Anlage Person ist aktiv an Entwicklungsprozessen beteiligt (individuelle Eigenschaften, Auswahl an Umwelten) ⇒ im Gegensatz zu Haupteffektmodellen und Interaktionsmodell (passiv)
  • Historischer Paradigmenwechsel 1880 – 1940er ⇒ Anlage ⇒ Vererbte Differenzen / Triebe 1920 – 1950er ⇒ Umwelt ⇒ Verstärkungstheorie,  Psychoanalytische Theorie,  Behaviorismus (Konditionierung 1960 – 1970er ⇒ Anlage ⇒ Ethologie (Verhaltensforschung) ⇒ Unterschiede in Spezies, Verhaltensgenetik ⇒ Zwillingsforschung, Kognitive Revolution 1980er - 1990er ⇒ Umwelt ⇒ Armut  gleiche Individuen hätten in verschiedenensozialen Schichten unterschiedliche Entwicklungsergebnisse, Soziale Ökologie, kultureller Rückbau 2000 - 2010er ⇒ Anlage ⇒ Molekulare Biologie, Neurowissenschaften
  • Anlage vs. Umwelt bei Intelligenz Befund 1:  Über 50% der Unterschiede im IQ sind durch genetische Faktoren erklärbar (Variiert je nach Studie) Befund 2: Arme Familien: IQ-Unterschiede zu 60% durch geteilte Umwelt erklärt; Gene erklären wenig Varianz ⇒ Reiche Familien: umgekehrter Effekt (hier erklären Gene viel Varianz) Befund 3: IQ-Unterschiede Heimkinder vs. „Familienkinder“ signifikant (van Ijzendoorn, 2008)⇒ Heimkinder: IQ = 84 (SD = 17)⇒ In Familien aufgewachsen: IQ = 104 (SD 13)
  • Alage vs. Umwelt (Untersuchung anhand rumänischer Heimkinder) Je eher Adoption, desto kleiner der „Schaden“ ⇒  ab über 6 Monaten Heimaufenthalt Studie: Schulische Fähigkeiten adoptierter Heimkinder mit 11 Jahren( rumänische Heime)o Kinder erleben in den Heimen Deprivationszustände und sind traumatisiert/ depressivo Dies führt zu Veränderungen im sozialen Umgang ⇒ frühe Deprivationserfahrungenführen zu negativen Effekten in der Intelligenzentwicklung und sozialer Kompetenz⇒ können dann oft nicht mehr durch Förderung wie z.B. Adoption ausgeglichenwerdeno Die Kinder sind meistens bindungsgestört und unaufmerksamo Durch die Veränderung der Umwelt wird auch die Anlage entsprechend verändert
  • Epigenese Empirie: Eineiige Zwillinge haben identische Erbanlagen, aber keine identisch Erkrankungsrate Erklärung: 1. Umwelteinflüsse2. Epigenese = Zellen verändern Form oder Funktion ⇒ Weitergabe bei Zellerneuerung bzw. Zellaufbau Effekte auf das Ein- und Abschalten von Genen Störung beim „Kopiervorgang“ des genetischen Codes Umwelterfahrungen beeinflussen Genaktivierung und -deaktivierung
  • Genom-Umwelt-Interaktion Unterschiede im Genom wirken in Abhängigkeit von Unterschieden in der Umwelt auf Persönlichkeitsunterschiede  d.h. ein bestimmter Genotyp kommt nur unter bestimmten Umweltbedingungen zum Tragen und unter anderen nicht  gleichzeitig entfalten ungünstige Umweltbedingungen ggf. nur ihre schädliche Wirkung, falls eine spezifische genetische Ausstattung (z.B. eine spezifische Vulnerabilität) des Organis-mus vorliegt Beispiel 1 : Entwicklung antisozialen Verhaltens: Adoptionsstudien fanden heraus, dass Adoptivkinder, deren biologische Eltern selbst antisozial auffällig waren, oder Adoptivkinder, die in Problemfamilien aufwuchsen ohne, dass biologische Eltern antisozial auffällig waren), nur ein geringes Risiko für antisoziale Verhaltensweise hatten. Kamen jedoch biologische und soziale Risiken zusammen, war ihr Risiko viermal höher, als wenn sie keinen der beiden Risikofaktoren aufwiesen Beispiel 2: Gene und Emotionen: Zwei Kandidatengene zeigen deutliche Zusammenhänge zu emotionaler Selbstregulation DRD4 (Dopamin 4 receptor exon III polymorphism): Zusammenhang zu Regulationsdefiziten (novelty seeking, ADHD) bei 7+ Allel- Variante („lange“ Variante mit schwächerer Signalübertragung) SERT (Serotonin-transporter polymorphism, 5-HTTLPR): Kurze Version des Polymorphismus des Serotonintransporters steht inZusammenhang mit: Ängstlichkeit, Aggressivität, Depression  Amygdala-Aktivierung bei emotionalen Stimuli Wirkung unklar: entweder auf Emotionalität oder auf Emotionsregulation Gen-Umwelt-Interaktion (Moderatorwirkung): Bindung moderiert genetische Disposition Liegt die kurze Version und eine Unsichere Bindung vor, so zeigen sich die Auswirkungen des Gens, unter anderen Umständen (nur unsichere Bindung oder nur HTTLPR kurz) nicht
  • Gen-Umwelt-Korrelation Kovariation ⇒ bestimmte Genome finden sich gehäuft in bestimmten Umwelten Forscher haben drei bedeutende Wege entdeckt, wie der Genotyp eines Individuums des-sen Umwelt beeinflussen kann  Aktive Gen-Umwelt-Korrelation: Eine aktive Gen-Umwelt-Korrelation kommt dadurch zustande, dass Menschen genetisch beeinflusste Tendenzen haben, bestimme Umwelten auszusuchen, passend zu verändern oder überhaupt erst herzustellen Beispiel:  Menschen suchen sich intelligenzmäßig angemessene Lektüre und stellen so eine Passung zwischen ihrer Intelligenz (und damit ihrem Genom) und ihrer Umwelt her. Reaktive Gen-Umwelt-Korrelation: Eine reaktive Gen-Umwelt-Korrelation kommt dadurch zustande, dass die soziale Umwelt auf genetisch beeinflusste Persönlichkeitseigenschaften von Menschen reagiert. Beispiel: Kinder werden in Abhängigkeit von ihrer Intelligenz unterschiedlichen Schultypen oder Leistungskursen zugewiesen, wodurch auch ohne ihre direkte Einflussnahme eine Passung zwischen ihrer Intelligenz (und damit ihrem Genom) und ihrer schulischen Umgebung zustande kommt Passive Gen-Umwelt-Korrelation: Eine passive Gen-Umwelt-Korrelation kommt ohne Zutun der Genomträger oder ihrer sozialen Umwelt dadurch zustande, dass genetische Verwandte ihnen durch ihr Verhalten bestimmte Umweltbedingungen bieten Beispiel Intelligente Kinder wachsen schon deshalb in einer anregenderen Umwelt auf, weil ihre Eltern aufgrund ihrer eigenen Intelligenz, die teilweise auf den glei-chen Genen wie die ihrer Kinder beruht, eine anregendere häusliche Umge-bung schaffen
  • Allgemeines Entwicklungsmodell (Sameroff) Ist notwendig um die Entwicklung von Kompetenzen von der Kindheit an zu verstehen Fordert das Auspacken der verändernden Komplexität des Individuums Veränderung von der sensomotorischen Funktionsfähigkeit der Kindheit zu wachsenden komplexen Stufen der Kognition ⇒ Von der Bindung zu ein paar Bezugspersonen zu vielen Beziehungen später 3 verschiedene Wege der Konzeptualisierung von Veränderung: Das Individuum besteht aus einem Set von unveränder-baren Charaktereigenschaften ⇒ kein Bedürfnis nachEntwicklungsrecherche Wachstumsprozess – klassische epigenetische Erklä-rungen ⇒ Interaktion zwischen verschiedenen Teilen,die eine Veränderung des Phenotyps bewirken ⇒ odererfahrungsabhängige Veränderung als Nahrung für densich entfaltenden Reifungsprozess Veränderung als Stufenprozess  ⇒ eine Stufe ist eine Pa-raphrase für das Alter und enthält eine Reihe vonDurchschnittsleistungen Nach einer Periode von Funktionsstabilittät (eineStufe) folgt ein Wechsel in eine neue Periode miterneuter Stabilität neuer Funktionsfähigkeiten
  • Kontextmodell der Entwicklung Ist notwendig für die verschiedenen Quellen der Erfahrung, die die individuelle Entwicklung erweitern Das wachsende Kind ist immer mehr mit einer Reihe an sozialen Settings und Institutionen involviert, die es direkt oder indirekt beeinflussen Verhalten, allgemein und Entwicklung besonders kann nicht vom sozialen Kontext getrennt werden Bronfenbrenner ⇒  entwickelte eine verständliche Struktur mit Vorhersagen wie die Settings das Kind und wie sie sich gegenseitig beeinflussen Seine Prinzipien, dass die Familie, Schule und die Gesellschaft sich beim Erklären jeglichen Kindeswachstum verflechten, ist generell anerkannt Die sozialen Kontakte erweitern sich von gänzlich auf die Familie bezogenen Kontakten zu späteren Kontakten mit der Peer-Gruppe und dem Schulsystem Man muss die Lebensbahn der Familienmitglieder miteinbeziehen ⇒ die Erfahrungen eines Kindes sind unterschiedlich, wenn die Mutter in den Zwanzigern ohne abgeschlos-sene Ausbildung ist oder in den Dreißigern und schon im Job ist
  • Philadelphia- Projekt (Studie) 20 Umweltfaktoren wurden beurteilt und in 6 Subgruppen eingeteilt ⇒ Familien-prozesse, Elterneigenschaften, Familienstruktur, Familienmanagement, Peer-Gruppen, Gesellschaft 5 Bereiche für jugendliche Entwicklungsergebnisse ⇒ psychologische Anpassung, Selbstkompetenz, Problemführung, außerschulische Anbindung, akademische Leistung Je mehr Risikofaktoren, desto schlechter die Ergebnisse ; je mehr begünstigende Faktoren, desto besser die Ergebnisse
  • Regulationsmodell der Entwicklung Hinzunahme einer dynamischen Systemperspekitve von den Beziehungen zwischen Person und Kontext Menschliche Regulation bewegt sich vom anfänglich biologischen zum psychologischen und sozialen Idee, dass das Kind ist in einer dynamischen Beziehung als in einer passiven mit den Erfahrungen steht Das Eistüten in der Dose – Modell der Entwicklung Stellt die Entwicklungserweiterung der Selbstregulation unter Berücksichtigung der Regulation durch andere Das Kind ist mit der Zeit mehr und mehr in der Lage für sich und sein Wohlbefinden verantwortlich zu sein (nach der Geburt ohne Pflege nicht überlebensfähig) Eltern wärmen, füttern und knuddeln das Kind ; Peers zeigen wie das soziale Verhalten des Kindes ist ; Lehrer, die die Kinder sozialisieren Schlaf als Beispiel, wo biologische Regulation zu psychologischer Regulation wird Kinder werden instinktiv wach und werden dann durch die Bezugsperson wieder zum Schlafen gebracht, damit ein geregelter Schlaf – Wach- Rhythmus entsteht
  • Integration: Individuelles und ökologisches System Darstellung des individuellen Modells und Kontextmodells Die psychologischen Domänen überlappen sich in kognitiven und emotionalen Bereichen der Intelligenz, mentaler Gesundheit, Sozialkompetenz und Identität (rechts) Jede dieser psychologischen Domäne interagiert mit biologischen Prozessen, die Neurophysiologie, Neuroendokrinologie und Epigenetik enthalten
  • Prozess-Formulierung Hinzufügen der individuellen Veränderungszeit zum Biopsychosozialen Modell  Wie ein Wachstumsmodell, wobei die biopsychosozialen Aspekte quantitativ über dieZeit zunehmen, aber keine Veränderung in den Wechselbeziehungen wie in dem Dosenmodell Pfeile stehen für die gegenseitige Beeinflussung Die Abbildung enthält das individuelle Modell, das Kontextmodell und das Regulationsmodell; die Hinzunahme des Repräsentationsmodell wäre zu komplex  Selbstregulation nimmt hierbei stufenweise zu
  • Beispiel transaktionaler Entwicklungsprozesse Effekte von Partnerkonflikten: Negative Effekte von Partnerkonflikten auf die Kinder im Bereich: Internalisierende Symptome Externalisierende Symptome Schulleistungen Geschwisterbeziehung Gleichaltrigenbeziehung Elternkonflikt – emotionale Unsicherheit – internalisierende Symptome Emotionale Unsicherheit bei Streit: Emotionale Reaktivität Verhaltensauffälligkeit Destruktive Elternrepräsentation
  • Beispiele transaktionaler Entwicklungsprozesse Effekte von Partnerkonflikten auf die Kinder im Bereich: Internalisierende Symptome Externalisierende Symptome Schulleistungen Geschwisterbeziehung Gleichaltrigenbeziehung Elternkonflikt – emotionale Unsicherheit – internalisierende Symptome Emotionale Unsicherheit bei Streit: Emotionale Reaktivität Verhaltensauffälligkeit Destruktive Elternrepräsentation