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Modul 2 03607 Empirische Sozialforschung (Fach) / 3 Die empirische „Übersetzung“ des Forschungsproblems (Lektion)

In gedanklichen Vorleistungen ist der Gegenstand der Untersuchung so zu durchleuchten, so in seine vielfältigen Facetten zu zerlegen und zu ordnen, dass daraus ein problemangemessenes Forschungsdesign entwickelt und begründet werden kann

Diese Lektion wurde von annabananna erstellt.

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  • Beispiele für die Nominaldefinition von „politische Partei“ (lies: Definition der Zeichenfolge „politische Partei“, die jetzt noch bedeutungsleer ist):|| Eine politische Partei (P) soll sein: (= df.) - eine Organisation (O) - mit eingeschriebenen Mitgliedern (M) und - demokratischer Binnenstruktur (dB), - die an Wahlkämpfen teilnimmt (W) und - sich um Regierungsbeteiligung bewirbt (R). Oder: P1 = df. O, M, dB, W, R.|
  • Nominaldefinition| Aussagen über die Gleichheit der extensionalen und intensionalen Bedeutung zweier oder mehrerer Begriffe.|„Ein zu definierendes sprachliches Zeichen (Definiendum) wird mit einem definierenden Zeichen (Definiens) gleichgesetzt. Knüpft diese Gleichsetzung an einen vorhandenen Sprachgebrauch an, spricht man von einer deskriptiven, schafft sie erst einen neuen Sprachgebrauch, von einer stipulativen Nominaldefinition“ (Esser/Klenovits/Zehnpfennig 1977, Bd. 1, 79).|
  • Deskriptive Nominaldefinition| Ein zu definierendes sprachliches Zeichen (Definiendum) wird mit einem definierenden Zeichen (Definiens) gleichgesetzt. Knüpft diese Gleichsetzung an einen vorhandenen Sprachgebrauch an, spricht man von einer deskriptiven Nominaldefinition.|
  • Stipulativen Nominaldefinition| schafft die Definition erst einen neuen Sprachgebrauch, spricht man von einer stipulativen Nominaldefinition.|
  • Intension (intensionale Bedeutung) des nominalistisch definierten Begriffs heißt also im gegebenen Fall: || die Menge der Eigenschaften, die herangezogen worden sind, um „politische Partei“ von anderen Organisationen abzugrenzen|
  • Die Extension (extensionale Bedeutung) des nominalistischen Begriffs| Um dagegen die Extension (extensionale Bedeutung) des nominalistischen Begriffs „politische Partei“ anzugeben, wäre eine Liste erforderlich, auf der die Menge aller Objekte verzeichnet ist, die als „politische Partei“ gelten sollen.Im Falle der Definition P1 wären dies alle Organisationen, die die Eigenschaften O, M, dB, W, R besitzen.|
  • Der Vorzug nominalistischer Definitionen ist |  deren Präzision.|
  • Der Nachteil dieser Beliebigkeit der Begriffsbildung liegt| in der mangelnden Möglichkeit des Vergleichs von Forschungsergebnissen, die aufgrund unterschiedlicher Definitionen gewonnen wurden.|
  • Eine weitere Eigenschaft von Nominaldefinitionen ist, dass| eine Nominaldefinition niemals falsch sein kann, denn - sie macht keine Aussagen über die Eigenschaften der Realität. Sie legt lediglich fest, - welche Eigenschaften ein empirischer Gegenstand oder Sachverhalt aufweisen muss, - um unter die Menge der Gegenstände oder Sachverhalte zu fallen, - die mit der Definition begrifflich abgegrenzt worden sind.|
  • Aus dem gleichen Grunde kann eine Nominaldefinition auch| niemals „richtig“ sein. Das Beurteilungskriterium Falschheit/Richtigkeit trifft auf Nominaldefinitionen nicht zu, stattdessen ist nach ihrer Zweckmäßigkeit zu fragen.|
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  • Extension = null:| alle Objekte fallen unter die Kategorie Nicht-P|
  • Der Begriffsrealismus betrachtet Begriffe als|  unmittelbare Widerspiegelung der Erscheinung.|Natürlich – welchem Gegenstand welches sprachliche Zeichen zugeordnet wird, das ist gesellschaftliche Konvention.|Aber: Es ist nicht in das Belieben des einzelnen „Definierers“ gestellt, welche Facetten des Gegenstandes mit einem Begriff hervorgehoben und welche außer Acht gelassen werden.|Der Begriff strukturiert nicht den Gegenstandsbereich, sondern er zeichnet die Struktur des Gegenstandsbereichs nach. Der Begriff wird geprägt durch die Eigenschaften des Gegenstandsbereichs selbst, er bildet auf der Ebene der Sprache „das Wesen“ (weniger anspruchsvoll: das Wesentliche) des Gegenstands/ Objekts ab.|
  • Realdefinitionen sind| -  Aussage über Eigenschaften eines Gegenstands oder Sachverhalts, die im Hinblick auf diesen Gegenstand/Sachverhalt für wesentlich gehalten werden (und nicht – wie bei der Nominaldefinition – imHinblick auf eine an den Gegenstand/Sachverhalt herangetragene Fragestellung)|-  sind also Behauptungen über die Beschaffenheit oder über das „Wesen“ eines Phänomens und haben damit den gleichen Status wie empirische Hypothesen: sie müssen sich an der Realität des bezeichneten Phänomens bewähren, und sie können richtig oder falsch sein.|
  • Realdefinitionen können aber nicht nur falsch sein, sie| können praktisch auch niemals vollständig sein. Man kann unmöglich sämtliche Eigenschaften, die ein bereits bekannter Gegenstand hat, in die Definition aufnehmen.|
  • Anspruch und Ziel von Realdefinitionen ist es ja gerade,|  nur „das Wesentliche“ hervorzuheben.|Aber das, was wirklich wesentlich ist – nicht was vereinbarungsgemäß als wesentlich erachtet werden soll –, kann nicht mit letzter Sicherheit bestimmt werden.|
  • Als wichtiger Merkposten bleibt festzuhalten: ||  |Intersubjektive Überprüfbarkeit des Forschungsprozesses setzt präzise Definitionen voraus. Diese sollten üblicherweise die Form von Nominaldefinitionen haben: „Wir verstehen unter x einen Gegenstand mit den Eigenschaften E1 bis En.“| |Die für die Nominaldefinition notwendige gedankliche Ordnung des Gegenstandsbereichs erhält man durch die dimensionale Analyse des Gegenstandsbereichs, bei theorietestenden Untersuchungen ähnelt die semantische Analyse der Bedeutungsdimensionen theoretischer Begriffe in ihrem Vorgehen dem Verfahren der Realdefinition.| |Allerdings wird dabei im Anschluss an die semantische Analyse deren Ergebnis dann in Form einer Nominaldefinition für den Geltungsbereich der Untersuchung festgeschrieben. Notwendig ist, dass am Ende eine präzise Definition der|verwendeten Begriffe steht, die operationalisierbar ist (s. das folgende Kapitel).|