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Modul 2 03607 Empirische Sozialforschung (Fach) / 3 Die empirische „Übersetzung“ des Forschungsproblems (Lektion)

In gedanklichen Vorleistungen ist der Gegenstand der Untersuchung so zu durchleuchten, so in seine vielfältigen Facetten zu zerlegen und zu ordnen, dass daraus ein problemangemessenes Forschungsdesign entwickelt und begründet werden kann

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  • Analytisch lässt sich das Vorgehen in dieser Phase danach unterscheiden, ob| die Aufgabenstellung| |- auf die Überprüfung einer Hypothese/Theorie gerichtet ist (theorie /hypothesentestende Forschung,), | |oder ob es sich um | |- die Beschreibung eines mehr oder weniger komplexen sozialen Sachverhalts oder Zusammenhangs handelt.|
  • Modellhafte Strukturierung des Objektbereichs | In gedanklichen Vorleistungen ist der Gegenstand der Untersuchung so zu durchleuchten, so in seine vielfältigen Facetten zu zerlegen und zu ordnen, dass daraus ein problemangemessenes Forschungsdesign entwickelt und begründet werden kann.|
  • 2 prinzipielle Typen der Untersuchung| - die beschreibende Diagnose eines Sachverhalts (deskriptive Untersuchung)|- die empirische Überprüfung einer Theorie oder von Theorieteilen (Hypothesen)|
  • Die beschreibende Diagnose eines Sachverhalts (deskriptive Untersuchung)|| Der Blick wird sich zunächst auf die empirische Struktur des Realitätsausschnitts richten, über den Daten erhoben werden sollen.| |- umfassend Informationen sammeln|Hierüber werden möglichst umfassend diejenigen Informationen zusammen-getragen, die bereits existieren.| |- Dimensionsanalyse|Auf der Grundlage dieser – zunächst mehr oder weniger unstrukturierten – Informationssammlung filtert man die Aspekte („Dimensionen“) des empirischen Untersuchungsgegenstands heraus, die für die aktuelle Fragestellung besonders bedeutsam erscheinen.Dieser Arbeitsabschnitt wird im Folgenden als „dimensionale Analyse des Untersuchungsgegenstandes“ (oder kurz „Dimensionsanalyse“) bezeichnet.| |- geeigneten sprachlichen Symbole wählen|Anschließend sind die geeigneten sprachlichen Symbole (objektsprachliche Begriffe) zu wählen, die den Untersuchungsgegenstand in der als problem-angemessen erkannten Differenzierung – d.h. kontrolliert selektiv – abzubilden und kommunikativ zu vermitteln erlauben.| |- sicherstellen der theoretischen Relevanz|Um zugleich sicherzustellen, dass die erzielten Forschungsresultate nicht lediglich einen bestehenden Datenfriedhof vergrößern, sollten die verwendeten objektsprachlichen Begriffe dennoch „theoretisch relevant“ sein (darauf wird an späterer Stelle noch weiter eingegangen, vgl. auch Abschnitt 1.3.5: „deskriptives Schema“).|
  • Die empirische Überprüfung einer Theorie oder von Theorieteilen (Hypothesen)||  Die zu testenden Hypothesen enthalten bereits explizite Behauptungen über die Struktur des empirischen Untersuchungsgegenstands.| |Das heißt:|Überlegungen darüber, wie der Gegenstand beschaffen ist, über den Daten erhoben werden sollen, sowie welche seiner Aspekte untersuchungsrelevant sind und welche nicht, brauchen hier nicht am Anfang der Phase der „Konzeptspezifikation“ zu stehen, denn die Art und Richtung der Selektion wird bereits durch die Hypothesen vorgegeben.| |Auch die verwendeten sprachlichen Zeichen (Begriffe) sind in den Formulierungen der Hypothesen bereits festgelegt.| |- die Bedeutung der in den Hypothesen verwendeten Begriffe klären|Da jedoch Begriffe nicht immer und von jedem eindeutig und einheitlich verwendet werden, wird es in diesem Fall (d.h. bei hypothesentestender Forschung) einer der ersten Arbeitsschritte sein müssen, die Bedeutung der in den Hypothesen verwendeten Begriffe zu klären. Es ist also zu prüfen, was der Autor der Theorie oder der Hypothesen über die empirische Realität präzise behauptet, es ist zu erschließen, was mit den verwendeten Begriffen im Detail gemeint ist.| |Nicht nur dies:|Im Falle hypothesentestender Forschung hat es der Empiriker mit sog. „theoretischen“ (oder theoriesprachlichen) Begriffen zu tun, das heißt mit Begriffen, die bewusst so allgemein und abstrahierend gehalten sind, dass sie üblicherweise mehr als eine eng abgrenzbare Menge konkreter Ereignisse umgreifen (bitte lesen Sie ggf. noch einmal Abschnitt 2.4.2).| |In diesem Falle muss festgelegt werden, welches die konkreten empirischen Beziehungen und Sachverhalte sein sollen, auf die die theoretische Aussage anzuwenden sei.| |Mit anderen Worten:|Aus der (allgemeinen) Theorie sind unter Einhaltung logischer Regeln (durch Deduktion) spezifische Hypothesen für spezifische Sachverhalte abzuleiten. Hierzu ist es in aller Regel notwendig, die in der Theorie verwendeten|„theoretischen Begriffe“ oder Konstrukte zu spezifizieren und „empirisch zu interpretieren“, d.h. ihren Bedeutungs-gehalt für die konkrete Untersuchungssituation festzulegen. Für die dann angesprochenen spezifischen Sachverhalte soll sich die (allgemeine) Theorie „bewähren“.| |Jede denkmögliche empirische Situation, die von der Theorie ausgeschlossen wird, ist ein „potentieller Falsifikator“ dieser Theorie.| |Die Aufgabe der Festlegung der zwecks Hypothesentests zu untersuchenden konkreten empirischen Beziehungen und Sachverhalte bedeutet also:| |aus der Gesamtheit der potentiellen Falsifikatoren einer Hypothese (bzw. Theorie) eine Auswahl zu treffen.| | |- „semantische Analyse“ |Dieser Arbeitsabschnitt der Erschließung der Bedeutung von Begriffen (der Rekonstruktion ihrer „semantischen Regeln“, aber auch der „empirischen Interpretation“ theoretischer Begriffe) wird im Folgenden als „semantische Analyse“ bezeichnet. Erst danach kann endgültig entschieden werden, über welche empirischen Gegebenheiten Daten zu sammeln sind.|
  • Jede denkmögliche empirische Situation, die von der Theorie ausgeschlossen wird, ist ein | „potentieller Falsifikator“ dieser Theorie.|
  • „semantische Analyse“| Der Arbeitsabschnitt der Erschließung der Bedeutung von Begriffen| |- (der Rekonstruktion ihrer „semantischen Regeln“,  aber auch - der „empirischen Interpretation“ theoretischer Begriffe) wird im Folgenden als „semantische Analyse“ bezeichnet.| |Erst danach kann endgültig entschieden werden, über welche empirischen Gegebenheiten Daten zu sammeln sind.|
  • Gemeinsam ist beiden Ausgangssituationen (beschreibende Diagnose, Theorietest) die Notwendigkeit, die| empirische Wirklichkeit mit Begriffen zu verknüpfen, also entweder relevante Dimensionen der zu untersuchenden Realität mit Begriffen zu bezeichnen oder umgekehrt|– von theoretischen Begriffen ausgehend –|die Begriffe mit konkreten Aspekten der Wirklichkeit in Beziehung zu setzen, d.h. anzugeben,|welche Aspekte der Realität im konkreten Untersuchungsfall unter den Begriff subsumiert werden sollen.|Die Begriffe sind – mit anderen Worten – so zu wählen und ggf. zu definieren, dass eine Korrespondenz zwischen empirischen Sachverhalten und sprachlichen Zeichen hergestellt ist.|
  • „Referenzobjekte“| Häufig werden die in Frage kommenden Begriffe in der alltäglichen und/oder wissenschaftlichen Sprache nicht genau den Bedeutungsgehalt haben, der für den konkreten Untersuchungsfall zweckmäßig ist.|In diesem Fall werden präzisierende und/oder einschränkende Definitionen notwendig, in denen nach Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten die sprachlichen Zeichen auf damit gemeinte Aspekte der Realität („Referenzobjekte“) bezogen werden. |
  • Operationalisierung (manchmal auch operationale Definition, Referition):| Dadurch wird nicht nur sichergestellt, dass intersubjektive Klarheit über die Bedeutung der verwendeten Begriffe besteht, sondern auch, dass die Begriffe empirischen Bezug haben.| |In der Erfahrungswissenschaft folgt auf diese semantische Klärung noch als weiterer Schritt die Verknüpfung von Begriffen mit empirischen Sachverhalten, und zwar in einer Weise, dass durch Forschungsoperationen (also durch Beobachtung, Befragung, Inhaltsanalyse usw.) entscheidbar wird, ob der gemeinte Sachverhalt in der Realität vorliegt oder nicht.| |Dies nennt man Operationalisierung (manchmal auch operationale Definition, Referition).|
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  • Bei deskriptiver Aufgabenstellung wird es die erste Aufgabe des Forschers sein, die nach| der Fragestellung zu erfassenden Dimensionen der Wirklichkeit festzulegen und abzugrenzen.| |Wenn dies auf der gedanklichen Ebene geschehen ist – zugegebenermaßen eine Abstraktion –, dann muss der Forscher dazu die geeigneten deskriptiven Kategorien definieren. Diesen gesamten Vorgang nannte Zetterberg „dimensionale Analyse“.| |Als Resultat der Verknüfpung mit geeigneten Begriffen erhalten wir das „deskriptive Schema“ des Untersuchungsgegenstands.|
  • „dimensionale Analyse“ (n. Zetterberg)| Das Dimensions- und Begriffssystem ist der Orientierungsrahmen bei deskriptiver Forschung.| |Das (den Untersuchungsdimensionen zugeordnete) Begriffssystem soll aber zugleich „theoretisch relevant“ sein, damit die Ergebnisse zur Theoriebildung und -fortentwicklung verwendet werden können.|Dieses Zusammenbringen von Objektbereich und Sprache ist jedoch nicht lediglich bei deskriptiver Forschung ein zentraler Arbeitsschritt, er ist ebenso unabdingbar bei hypothesentestenden Untersuchungen. |
  • Hypothesentestende Forschung hat von Begriffen auszugehen, die bereits| in ihrem jeweils theoretischen Zusam-menhang festgelegt worden sind und deren spezifische Bedeutung im gegebenen (Hypothesen-)Kontext zunächst zu klären ist. D.h. am Anfang steht die Notwendigkeit einer präzisen semantischen Analyse:| | |Dieser semantischen Klärung hat sodann die „empirische Interpretation“ zu folgen, anders formuliert:| Es ist zu explizieren, auf welche Dimensionen des Objektbereichs sich die Bedeutungsdimensionen des Begriffs konkret beziehen (sollen).|
  • Unter „Dimensionen“ sind also diejenigen Merkmale zu verstehen, nach denen | empirische Sachverhalte unterschieden werden können.|Je nach Fragestellung kann diese dimensionale Unterscheidung weit vorangetrieben werden (im Beispielsfall etwa bis hin zu Individualmerkmalen wie Alter, Familienstand, Kinderzahl), oder man wird sich auf einer höheren Abstraktionsstufe bewegen (z.B. wenn Dimensionen der Lebensqualität in verschiedenen Regionen zu untersuchen sind). |
  • Bitte beachten Sie jedoch: |Mit „Dimensionen“ sind nicht die Merkmalsausprägungen gemeint wie||  - „67 Jahre alt“ oder „verheiratet“,|- mit denen man eine einzelne Person charakterisiert, |- sondern gemeint ist immer |- das ganze Spektrum möglicher Ausprägungen eines Merkmals |- (hier eben: Alter und Familienstand).|
  • Segregation| Ausmaß der disproportionalen Verteilung von Bevölkerungsgruppen oder Nutzungen über die Teilgebiete (z.B. Ortsteile) eines Gebiets (z.B. Stadt).|
  • Beide Aufgaben – dimensionale Analyse (der Struktur eines Gegenstandsbereichs) und semantische Analyse (der Bedeutung eines Begriffs) – haben gemeinsam, dass | ein zunächst noch unterbestimmter Sachverhalt gedanklich strukturiert und begrifflich präzisiert werden soll.|
  • Semiotik | Die Wissenschaft von der Sprache, von der Funktion sprachlicher Zeichen, wird Semiotik genannt. Ihr Arbeitsfeld ist üblicherweise unterteilt in Syntaktik, Semantik und Pragmatik.|
  • Syntaktik| Die Syntaktik handelt von den Beziehungen der Zeichen untereinander (z.B. Grammatik, Zeichensetzung).|
  • Semantik| Die Semantik befasst sich mit den Beziehungen zwischen den sprachlichen Zeichen und ihren Bedeutungen, d.h. mit der Relation zwischen sprachlichen Zeichen und den damit bezeichneten Sachverhalten (den „Referenzobjekten“)|
  • Pragmatik | Die Pragmatik schließlich handelt von den Beziehungen zwischen Zeichen und Menschen, sie untersucht z.B. den unterschiedlichen Sprachgebrauch bei verschiedenen Personen oder Gruppen (vgl. vorn: „mehrdeutige“ Begriffe).|
  • Sollen wissenschaftliche Erkenntnisse „kritisierbar“, „intersubjektiv nachprüfbar“ sein, muss|  die verwendete Sprache zwei Funktionen in möglichst optimaler Weise erfüllen:| | |
  • Repräsentanzfunktion der Sprache heißt, dass| die Begriffe in eindeutiger Weise die gemeinten Sachverhalte (Referenzobjekte) repräsentieren. | |Daraus folgt zum einen, dass die Sprache differenziert genug sein muss, um die Struktur des Untersuchungsgegenstandes – wie sie von der Wissenschaftlerin oder dem Wissenschaftler gesehen wird – exakt abzubilden.| |Aus der Forderung nach optimaler Erfüllung der Repräsentanzfunktion folgt für die verwendeten Begriffe weiter, dass ihnen durch präzise Definitionen eindeutige Bedeutungen zuzuweisen sind.|
  • Kommunikationsfunktion der Sprache| Wissenschaft ist nicht Sache eines Einzelnen, sondern ist auf die Kommunikation zwischen den am Wissenschaftsprozess beteiligten Personen sowie zwischen Wissenschaft und anderen Adressaten (z.B. interessierten Laien, Anwendern) angewiesen. Um die Kommunika-tionsfunktion zu erfüllen, muss die von den Wissenschaftlern gewählte Sprache daher von möglichst vielen Personen „richtig“ verstanden werden.|
  • Begriffe sind sprachliche Zeichen (Wörter), die nach | bestimmten Regeln (semantische Regeln, Bedeutungszuweisungen) mit Phänomenen der Realität oder gedanklichen Vorstellungen verbunden sind.|
  • Die Verbindung zwischen sprachlichem Zeichen und dem damit Gemeinten kann man |  extensional und intensional vornehmen. |
  • Unter Extension (Begriffsumfang) versteht man| die Menge aller Objekte, die mit einem Begriff bezeichnet werden sollen (z.B. Extension des Begriffs „Haus“ = die Menge aller Häuser, die es irgendwo und irgendwann gibt, gegeben hat oder geben wird). |
  • Mit Intension (Begriffsinhalt) ist die Menge | aller Merkmale gemeint, die den mit einem Begriff bezeichneten Objekten gemeinsam sind (z.B. Intension des Begriffs „Haus“ = die Menge aller Merkmale, die ein Objekt besitzen muss, damit wir es als Haus akzeptieren).|
  • Begriffe, deren Extension empirische Objekte umfasst (die sich also nicht nur auf gedanklich vorgestellte Sachverhalte beziehen), haben | empirischen Bezug.|Der empirische Bezug kann direkt sein,|dann sind die mit einem Begriff bezeichneten Objekte/Merkmale unmittelbar oder unter Zuhilfenahme von Instrumenten beobachtbar (z.B. sind Eiweiß-Moleküle durch ein Mikroskop beobachtbar). | |Der empirische Bezug kann aber auch indirekt sein,| |dann sind die bezeichneten Objekte/Merkmale nicht unmittelbar feststellbar, auch nicht mit Hilfe von Instrumenten. Auf ihr Vorhandensein muss vielmehr aus der Beobachtung anderer, direkt feststellbarer Objekte/Merkmale („Indikatoren“) geschlossen werden. |
  • Was genau bedeutet nun der bisher schon so oft benutzte Terminus „Definition“?|| Ganz generell sind Definitionen Verknüpfungen zwischen sprachlichen Zeichen nach bestimmten Regeln.| |Definitionen sind also nicht Verknüpfungen zwischen Zeichen und „Sachverhalten“ nach Korrespondenzregeln.| |„Definitorische Aussagen werden dazu verwendet, den wissenschaftlichen Sprachgebrauch festzulegen. Sie sind also Mittel der Festsetzung von Verwendungsregeln für Ausdrücke der Wissenschaftssprache“ (Albert 1973, 73). Die Gesamtheit der Ausdrücke der Wissenschaftssprache (Termini) stellt die spezifische Terminologie einer wissenschaftlichen Disziplin dar, sie ist – vor allen Methoden wie Befragung, Test, Beobachtung usw. – deren „Grundwerkzeug“ (Heller/Rosemann 1974, 19).| |An der graphischen Darstellung des Konzepts „Begriff“ (auf S. 154) können Sie sich nun auch veranschaulichen, was eine „Definition“ ist: Sie ist| |a) die Beschreibung (oder Auflistung) der „semantischen Regeln“ für die Verwendung des „Begriffs“ sowie| |b) die Zuordnung eines sprachlichen Symbols (Wort), mit dem dieser Begriff „bezeichnet“ werden soll.|
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  • Terminologie| Die Gesamtheit der Ausdrücke der Wissenschaftssprache (Termini) stellt die spezifische Terminologie einer wissenschaftlichen Disziplin dar,|sie ist – vor allen Methoden wie Befragung, Test, Beobachtung usw. – deren „Grundwerkzeug“ (Heller/Rosemann 1974, 19).|
  • Begriffe haben insofern die Funktion, aus der Fülle von Merkmalen eines Gegenstandsbereichs diejenigen| Aspekte herauszufiltern, die im gegebenen Zusammenhang als relevant angesehen werden, und die übrigen Aspekte als für den gegebenen Zusammenhang irrelevant außer Acht zu lassen (Selektivität von Begriffen).|
  • Ein Begriff erfasst niemals alle Merkmale eines Gegenstands oder Sachverhalts, sonst müsste | für jeden individuellen Gegenstand oder Sachverhalt eine spezielle Bezeichnung (ein Name) gefunden werden.|
  • Nicht der Gegenstand als solcher setzt seine Definition als „Tisch“ fest, sondern| unsere Art der Nutzung.|
  • Wenn ein Begriff vorhanden und seine Bedeutung entweder aufgrund des allgemeinen Sprachgebrauchs oder explizit durch Definition klar ist, erlaubt uns dieser Begriff,|  aus der Vielfalt von Gegenständen Klassen identischer Fälle zu bilden|
  • Je besser, je verlässlicher die Theorie, nach der wir den Gegenstandsbereich strukturieren, desto|  präziser werden die Beschreibungen,|
  • Je präziser die Beschreibungen, desto| besser werden wir unsere Theorie über den Gegenstandsbereich formulieren können.|
  • Auch die für deskriptive Zwecke verwendeten Begriffe sollen so definiert werden, dass sie| theoretisch verwertbar sind, nur dann sind die Ergebnisse der Beobachtungen auf die „Vorab-Theorie“ beziehbar.|
  • Die Klassifikationsfunktion von Begriffen| Bei genauem Hinsehen erweisen sich allerdings die Elemente dieser Klassen als gar nicht identisch, sie sind vielmehr identisch lediglich im Hinblick auf eine begrenzte Zahl von Merkmalen und können unter-schiedlich sein hinsichtlich sämtlicher anderer möglicher Merkmale (vgl. das Beispiel „Tisch“). Man nennt dies die Klassifikationsfunktion von Begriffen.|
  • Durch die Auswahl und Definition von Begriffen wird zusätzlich entschieden, welche | unserer verschiedenen Beobachtungen zusammengehören, welche Daten und welche Sinneseindrücke nicht als Informationen über isolierte Phänomene, sondern als „ganzheitlicher Komplex“ behandelt werden sollen.|
  • Ob die durch die Wahl des Begriffs vorgenommene Klassifikation und evtl. Synthese von Sachverhalten zweckmäßig ist, hängt | von der zu behandelnden Fragestellung ab.|
  • Begriffe sind| - Kategorien (oder Abstraktionsklassen) von Sachverhalten,-  Ereignissen, -  Ideen etc.,|die unter einem bestimmten Gesichtspunkt als identisch betrachtet und behandelt werden. Begriffe „konstituieren“ die Wirklichkeit aus der Sicht des Sprechers.|
  • Werden Definitionsmerkmale unzweckmäßig gewählt, können | wesentliche Beziehungen in der Realität verschleiert, „wegdefiniert“ werden.|
  • Setzt sich ein bestimmter Sprachgebrauch auf der Grundlage begrifflicher Strukturierung der sozialen Realität durch, dann | können auch bestimmte Fragestellungen nicht mehr aufgeworfen werden, weil sie in der Sprache nicht vorgesehen sind.|
  • Beobachtungstermini (observational terms): | Diese lassen sich aufgrund relativ einfacher und direkter Beobachtungen anwenden (Beispiele: Einkauf, Spaziergang, Familie, Arbeitsgruppe, Alter, Geschlecht, Klausurteilnehmer, Papagei). Man nennt solche Begriffe mit direktem empirischem Bezug auch empirische oder deskriptive Begriffe.|
  • Indirekte Beobachtungstermini (indirect observables): | Diese können nur mit Hilfe einer Kombination von Beobachtung und Schlussfolgerung angewendet werden. Die bezeichneten Tatbestände sind nicht direkt beobachtbar. Die Begriffe haben einen indirekten empirischen Bezug. Man benötigt direkt erfahrbare Indikatoren, die auf das Vorliegen oder Nichtvorliegen des durch den Begriff gemeinten Sachverhalts hindeuten.| |Beispiele: „Norm“:|„Erreichbarkeit“:|„Sozialstatus“:|
  • Konstrukte (constructs): | Sie werden weder aufgrund direkter noch aufgrund indirekter Beobachtungen angewendet, sind aber aufgrund von Beobachtungen definiert, sie „konstruieren“ eine bestimmte Sicht auf die Realität.| |Beispiel:|‚soziale Mobilität’ = df. Ergebnis des Vergleichs des sozialen Status der gleichen Person zu verschiedenen Zeitpunkten.|
  • Theoretische Begriffe (theoretical terms): | Sie haben „theoretischen Gehalt“, beziehen sich u.a. auf Zusammenhänge zwischen einzelnen Variablen| |Beispiel:|‚Urbanismus’ - Es wird das gleichzeitige Vorhandensein einer ganzen Reihe von Eigenschaften und Erscheinungen unterstellt, z.B. städtischer Lebensstil mit Merkmalen wie Anonymität, geringe soziale Kontrolle, Beschränkung enger sozialer Beziehungen auf einen Kern von Verwandten und Freunden, besondere Kommunikationsformen etc.,| |weiteres Beispiel:  soziales System.|
  • Nach Auffassung der „Schule“ des Begriffsnominalismus sind Begriffe etwas| dem bezeichneten Phänomen gegenüber Äußeres, der Zusammenhang von Begriff und Gegenstand ist rein konventioneller (also vereinbarungsgemäßer) Art.|
  • Die nominalistische Maxime für Begriffsbestimmungen, für Definitionen lautet:|| Jedes Wort kann verschiedene Bedeutungen tragen (Homogramme, Homonyme), und jede Bedeutung kann durch verschiedene Wörter repräsentiert werden (Synonyme). Begriffe spielen die Rolle des „Wegweisers“ zur Wirklichkeit, sie leuchten denjenigen Teil der Wirklichkeit aus, auf den sie gerichtet sind. Diese Funktion wird umso besser erfüllt, je stärker zwei Bedingungen beachtet werden: Präzision und empirischer Bezug.|