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3 Definition, Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Indikationsstellung psychis (Fach) / 3.1 Allgemeine Kennzeichen der Klassifikation und Diagnostik psychischer Störung (Lektion)
3.1.1 Kennzeichen der ICD-10- und DSM-IV-Klassifikation
Diese Lektion wurde von kristina83 erstellt.
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- Kennzeichen von ICD-10 und DSM-IV International Classification of Disease, Kap. F: Classification of Mental and Behavioral Disorders der WHO Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association (APA) beide internationale Klassifikationssysteme, wissenschaftlich fundiert, von Therapieschulen unabhängig; bei beiden Systemen wird die Störung deskriptiv-phänomenologisch beschrieben Diagnose wird kriteriumsbezogen und operationalisierbar gestellt Angaben über ätiologische Zusammenhänge werden nicht gemacht Neuerungen: statt Krankheit wird von Störung gesprochen, psychoanalytische Neurosenbegriff und der Endogenitätsbegriff wurden aufgegeben
- Forschungsrelevante und klinisch relevante Ziele Klassifikationssysteme fassen Objekte mit gemeinsamen Merkmalen zusammen und ignorieren Unterschiede, die für den verfolgten Zweck nicht relevant sind. Dadurch wird Arbeitsökonomie erhöht. Forschungsrelevante Ziele: Therapieerfolg messbar machen, sicher stellen, dass Therapiestudien auf vergleichbare Störungen beziehen klinisch relevante Ziele: Art der Behandlung auf die einzelnen Störungen zuschneiden; Klassifikation dient als Grundlage für Statistiken z.B. für Planungen im Gesundheitswesen ICD-10 Diagnose ist heute Voraussetzung für die Abrechnung über die Krankenkasse
- Multiaxiale Klassifikation die verschiedenen Axen der Klassifikationen erleichtern die umfassende und systematische Beurteilung der Störungen. Dadurch werden die Komplexität der Störungen und die Heterogenität der Pat. mit gleicher Diagnose berücksichtigt durch das multiaxiale System wird die Anwendung des biopsychosozialen Modells in Klinik, Ausbildung und Forschung gefördert. Beurteilung erfolgt auf:Achsen der ICD-10Achsen des DSM-IVAchsen des MAS
- Achsen der ICD-10 im engeren Sinne zählt die ICD-10 nicht zu den multiaxialen Systemenes sind jedoch auch multiple Diagnosen durch Verschlüsselung auf folgenden Achsen möglich:Ia = klinisch psychiatrisches Syndrom nach Kapitel V der ICD-10 Ib = somatische Diagnosen nach allen anderen Kapiteln II = Ausmaß der psychosozialen Funktionseinschränkung III = Faktoren der sozialen Umgebung und der individuellen Lebensbewältigung
- Achsen des DSM-IV I = klinische Störung und andere klinisch relevante Probleme II = Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderung III = körperliches Symptom IV = psychosoziale oder umgebungsbedingte Belastung V = Funktionsniveau, globale Beurteilung
- Achsen des MAS Multiaxiales System zur Klassifikation psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen: I = klinisch-psychiatrische Syndrome II = umschriebene Entwicklungsstörungen III = Intelligenzniveau IV = körperliche Symptome V = assoziierte abnorme psychosoziale Umstände VI = Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede von ICD-10 und DSM-IV Gemeinsamkeiten:in beiden werden operationalisierte Diagnosekriterien angegeben, die besonders die Psychopathologie und den Verlauf berücksichtigen. zugunsten des Störungsbegriffs wurde auf den Krankheitsbegriff verzichtet Dichotomie zwischen Psychose und Neurose wurde aufgegeben und der Endogenitätsbegriff wurde gestrichen. es wird multiaxial diagnostiziert Unterschiede:ICD-10: es werden alle Krankheiten erfasstDSM-IV: ausschließlich psychische Störungen
- Vorteile und Nachteile von der ICD-10 Vorteile:- langjährige internationale Gemeinschaftsarbeit- ständige Begleitforschung Nachteil:- zum Teil fehlen Hinweise auf Prädisposition und Prävalenz- Mehrfachstörungen sind schwierig zu diagnostizieren- es fehlen Entscheidungsbäume
- Vor- und Nachteile des DSM-IV differenzierter, homogener und konsistenter als ICD-10 weitere Vorteile:- ausgereifte multiaxiale Beurteilung- Trennung zwischen Kindern und Erwachsenen- Berücksichtigung kultureller Unterschiede- Einsatz von Entscheidungsbäumen- Verbesserung der Therapieplanung und Prognose durch die Achsen IV und V Nachteile:- Frauen und Homosexuelle können sich diskriminiert fühlen- Hegemonieansprüche werden formuliert- es fehlen Validitätsangaben- Skalierung ist kategorial statt dimensional
- Grundprobleme der traditionellen Klassifikationssysteme im Idealfall sollte sich ein System nach morphologischen-pathologischen Strukturen als Ursache der Erkrankung richten.In der Psychiatrie sind solche Strukturen im Allgemeinen nicht bekannt. die psychiatrischen Klassifikationssysteme sind postulierte Krankheits- bzw. Diagnoseeinheiten, also hypothetische Konstrukte, die allerdings empirisch abgesichert sind. Gegen Klassifikationen im Allgemeinen spricht die Gefahr des Informationsverlusts, das Problem der Etikettierung sowie das Risiko der Verwechslung von Deskription und Erklärung.
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- Grundlegende Informationen für die Diagnosestellung (Symptome, Zeit- und Verlaufskriterien) Diagnosestellung erfolgt operational und deskriptiv, sie ist nicht mehr ätiologisch orientiert.Diagnose ist durch einen Kriterienkatalog mit Verknüpfungsregeln definiert. Es werden Ein- und Ausschlusskriterien beschrieben(Symptom/e muss/müssen vorhanden sein, Symptom/e darf/dürfen nicht vorhanden sein, von den Symptomen müssen mindestens x vorhanden sein). Ausserdem werden Zeit- (z.B. Störung muss länger als 2 Jahre lang bestehen) und die Verlaufskriterien (z.B. remitiert, episodisch) benannt.
- Güte der Klassifikation: Aspekte der Reliabilität und Validität, Interreliabilität der ICD-10-Diagnosen psychiatrische Diagnostik gilt als relativ unzuverlässig. die unzureichende Übereinstimmung zwischen Diagnostikern beruhen aufSubjektvarianz: Pat. wird in unterschiedl. Krankheitszuständen untersuchtSituationsvarianz: die Störung durchläuft verschiedene PhasenInformationsvarianz: den Untersuchern steht unterschiedl. Information zur Verfügung (z.B. Info vor versus nach der Entlassung aus einer stationären Behandlung)Beobachtungsvarianz: jeder Diagnostiker nimmt die Info unterschiedl. wahr und gewichtet sie unterschiedl.Kriterienvarianz: jeder Untersucher nutzt verschiedene Kriterien für die Diagnose einer Störung
- Subjektvarianz der Pat. wird in unterschiedl. Krankheitszuständen untersucht
- Situationsvarianz Die Störung durchläuft verschiedene Phasen.
- Informationsvarianz den Untersuchern steht unterschiedliche Information zur Verfügung (z.B. Information vor versus nach der Entlassung aus einer stationären Behandlung)
- Beobachtungsvarianz jeder Diagnostiker nimmt die Information unterschiedlich wahr und gewichtet sie unterschiedlich
- Kriterienvarianz jeder Untersucher nutzt verschiedene Kriterien für die Diagnose einer Störung
- Interraterreliabilität der ICD-10 Diagnosen nimmt ab von organischen Störungen und Schizophrenien über affektive Störungen bis zu Persönlichkeitsstörungen
- Validität der ICD-10 Diagnosen v.a. nach der Rosenhan-Studie von 1973 umstritten, bei der gesunde Versuchspersonen bei der Eingangsuntersuchung behauteten Stimmen zu hören, sich dann jedoch unauffällig benahmen.Die Scheinpat. haben im Durchschnitt 19 Tage stationär mit Medikamenten behandelt.In eine 2ten Experiment kündigte Rosenhan an, Scheinpat. in die Klinik einzuschleusen, was dann aber nicht geschah. Dennoch wurden 41 Pat. als Simulanten entlarvt und zurückgewiesen.
- Nachteile des DSM-IV Nachteile:- Frauen und Homosexuelle können sich diskriminiert fühlen- Hegemonieansprüche werden formuliert- es fehlen Validitätsangaben- Skalierung ist kategorial statt dimensional