Sozialpsychologie I (Fach) / Selbstbild und Selbstwert (Lektion)
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Dissonanz, Gefühl, Attribution
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- 1) Dissonanztheoretische Hypothese in Bezug auf die Wahrnehmung von Trieben und Bedürfnissen? Ein Mangelzustand (=Deprivation), den eine Person freiwillig auf sich nimmt ohne hinreichende Belohnung, wird von ihr angenehmer erlebt als ein erzwungener Mangelzustand mit ausreichender Belohnung.Erklärung:Beruht auf Dissonanzhypothese: Wenn jemand eine Deprivation oder einen Mangelzustand (z.B. Hunger) freiwillig auf sich nimmt, erzeugt das bei ihm DISSONANZ. Um die Dissonanz zu reduzieren, wird die Deprivation bzw. der Mangelzustand verharmlost.Experiment von Brehm & Cohen:Angebliche Untersuchung, wie sich Hunger auf verschiedene Leistungsvariablen auswirkt. Ausdehnung der Hungerperiode mit Bitte um Angabe, wieviele Brote, Kuchen usw. nach Abschluss des Experiments zur Verfügung gestellt werden sollten. Personen sollten auf einer 61-Punkte Skala zusätzlich ihre subjektive Hungerstärke angeben.Eine Gruppe bekam für die weitere Teilnahme am Experiment einen adäquaten Geldbetrag, der anderen wurde mitgeteilt, es stünden keine weiteren Geldmittel zur Verfügung. In der ersten Gruppe bestand geringe Dissonanz, in der zweiten hohe Dissonanz. Dass diese - hypothesenkonform reduziert wurde - zeigte sich in den Messergebnissen bzw. in den Vergleichen der beiden Gruppe: Die zweite Gruppe gab ein subjektiv geringeres Hungergefühl und weniger gewünschte Speisen als die Gruppe 1 (geringe Dissonanz wg. ausreichender Belohnung) an.
- 2) Was besagt die Theorie von James und Lange? Antwort: 2) Übespitzt gesagt, dass man "traurig ist, weil man weint"; älteste systematische Gefühlstheorien setzen physiologische Prozesse mit GEFÜHLEN gleich. PROZESSE im VISZERALBEREICH werden als URSACHE von Gefühlen verstanden ... ich bin traurig, weil ich weine...
- 4) Warum stellen physiologische Aktivierungsprozesse keine hinreichende Erklärung für Emotionen dar? Weil es eine Vielzahl von unterschiedlich erlebten Gefühlen gibt, die physiologischen Aktivierungsprozessse aber relativ undifferenziert sind
- 3) Was besagt die Theorie von Schachter, wie wird sie noch genannt? Antwort:Die 2-Komponenten-Theorie; sie besagt, dass der physiologische Aktivierungsgrad die Intensität eines Gefühles anzeigt. Die Qualität eines Gefühles hängt allerdings von den kognitiven Prozessen ab. Ob man in einer bestimmten Situation also Angst oder Wut empfindet, wird davon bestimmt, wie man diese Situation wahrnimmt und interpretiert, insbesondere auch wie man soziale Reize interpretiert.
- 5) In der Schachter'schen Theorie ist physiologische Aktivierung eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für das Erleben eines Gefühls. Warum? Schildere ein diesbezügliches Experiment? 5) Die Aktivierung wird nicht als Gefühl erlebt und interpretiert, wenn sie nicht auf kognitiv-situative Faktoren zurückgeführt werden kann. Das ist beispielsweise bei der Einnahme von Medikamenten der Fall; in diesem Fall wird die Aktivierung auf somatische (physiologische) Ursachen zurückgeführt. EXPERIMENT: Angeblicher Zweck: Überprüfung der Wirkung von Suproxin auf Wahrnehmung, tatsächlich wurde Adrenalin (stark aktivierend) injiziert 4 Versuchsbedingungen: informiert: Nebenwirkungen wurden VP's mitgeteilt nicht informiert: keinerlei Hinweise auf Nebenwirkungen falsch informiert: falsche Nebenwirkungen wurden genannt Placebo: wirkungslose Kochsalzlösung wurde injiziert Dann wurde jede VP einzeln in Warteraum geführt (angeblich, um Wirkung des Suproxin abzuwarten). Manipulation der kognitiv-situativen Faktoren in der Wartezeit. nach VP kam"andere VP" ins Zimmer (in Wirklichkeit Mitarbeiter des Versuchsleiters) 2 Versuchsbedingungen: Häfte der VP's (außer in der Bedingung "falsch informiert") erlebten über den Fragebogen sehr verärgerte VP wegen indiskreter Fragen, VP warf Fragebogen auf den Boden, verließ den Raum andere Hälfte der VP's erlebte "euphorische VP", teilte mit "er fühle sich besonders wohl", schos Papierkügelchen, ordnete Mappen, war sie dann um usw. Beobachtung der VPs durch ein Einwegfenster Ergebnisse: In der Euphorie-Bedingung entsprachen die Ergebnisse Schachters Theorie: In der informierten Bedingung wurde die Aktivierung nicht auf die Emotion „Freude“ zurückgeführt sondern auf das vermeintliche „Suproxin“→ die Selbsteinschätzung des Gefühls zeigte sich daher geringer als in den anderen Bedingungen. In der Placebobedingung ist erlebte Freude geringer als in den Bedingungen „nicht informiert“ und „falsch informiert“. In der Ärger-Bedingung entsprachen die Erlebnisdaten nicht der Theorie, wohl aber die Verhaltensdaten: Nicht informierte VP’s stimmen dem Mitarbeiter des VL mehr zu als VP’s in der Placebo-Bedingung (erleben als Ärger ähnlich wie diese Person). Informierte VP’s empfinden anscheinend weniger Ärger: versuchen sich ärgernde Person zu beruhigen oder widersprechen ihr WICHTIGSTES ERGEBNIS: Dasselbe Aktivierungsmuster (alle Adrenalinbedingungen) wird je nach sozialer Reizsituation unterschiedlich erlebt. Alle Versuchspersonen mussten die INTENSITÄT verschiedener Emotionen auf 4- bzw.5-Punkt-Skalen einstufen.
- 6) Fehlattribuierung von Aktivierung bei elektrischen Schlägen Antwort: 6) Wenn erhöhte Aktivierung im Zusammenhang mit Schmerz oder Angst auf neutrale Ursachen zurückgeführt wird, wird der Zustand als weniger unangenehm, weil weniger angsterregend, schmerzlich empfunden. Gleiches gilt für angenehme Aktivierungszustände; diese werden als weniger angenehm empfunden, wenn sie auf neutrale Ursachen attribuiert werden. EXPERIMENT: 2 Gruppen von Versuchspersonen wurden immer stärker werdende elektrische Schläge verabreicht. Beide Gruppen erhielten Placebopillen: einer Gruppe wurde gesagt, dass die Pillen Zittern, Herzklopfen (also Angstsymptome) hervorrufen würde, der anderen Gruppe wurde gesagt, dass die Pillen Kopfschmerzen und Benommenheit hervorrufen wurde. Es handelte sich also eine Bedingung mit Fehlattribuierung der Angst und um eine Bedingung, in der keine Fehlattribuierung stattfinden sollte. Die Schläge wurde in beiden Bedingungen mit ansteigender Intensität verabreicht; die VP's sollten angeben, wann sie die Schläge als schmerzhaft empfanden, dann erfolgte ein Abbruch des Experimentes. Erwartungsgemäß lag die Schmerzschwelle bei der Fehlattributionsbedingung, höher und auch die Schmerztoleranz war größer als bei der anderen Gruppe.
- 7) Was besagt der sogenannte VALIN-Effekt + Experiment! Antwort: 7) Nicht die tatsächliche Aktivierung, sondern die subjektiv wahrgenommene Information über die Aktivierung ist nach VALIN entscheidend. Sowie die Schallintensität oder Lautstärke nicht immer gleich wahrgenommen wird, kann derselbe Aktivierungsgrad UNTERSCHIEDLICH wahrgenommen werden. EXPERIMENT: Männlichen VP's wurden Fotos von attraktiven nackten Mädchen gezeigt. Bei bestimmten Fotos hörten sie über Kopfhörer "angeblich" ihren eigenen Herzschlag; in Wirklichkeit stammte dieser von einem vorher bespielten Tonband. Erwartungsgemäß wurden jene Fotos besonders attraktiv eingestuft, bei denen für die VP's eine Änderung des Pulsschlages hörbar war. Durch analoge Vorgangsweise konnten auch die Angst vor Schlangen drastisch reduziert werden.
- 8) Mit welcher Hypothese erklärt VALIN sein Experiment (nackte attraktive Mädchen werden männlichen VP’s gezeigt, angeblich eigener Herzschlag wird über Tonband eingespielt. Männer bewerten jene Fotos als besonders attraktiv, bei denen sich ihr angeb Antwort:Mit der sogenannten "Selbstüberredungshypothese":Wenn Menschen keine plausible Ursache für ihre erhöhte Aktivierung haben, setzt ein aktiver Suchprozess nach erklärenden kognitiven oder situativen Aspekten ein. Dieser benötigt allerdings eine gewisse Zeit. Falsche Herztöne sollten nur dann wirksam sein, wenn genügend Zeit für Suche nach Reizaspekten.Wenn Fotos lediglich 5 Sekunden gezeigt wurde, hatte die gefälschte Erregungsrückmeldung keine Wirkung, wohl aber bei 20 Sekunden. Auch als VP's über die Hintergründe des Experiment informiert wurdenblieben sie bei der abgegebenen Bewertung ihrer Fotos = Überzeugende und gründliche Selbstüberredung
- 9) Erweiterung der Schachter-Theorie in Bezug auf Triebzustände. Die Anzeichen von Hunger, Durst, Schlafmangel sind zwar unterscheidbar, müssen aber dennoch gelernt werden, sind also nicht angeboren. Kind lernt über seine Eltern, seine Spannungszustände richtig zu interpretieren. Kommt es aber zu häufigen Fehlinterpretationen von Seiten der Mutter, wenn sie beispielsweise Angst des Kindes auf Hunger zurückführt, dann "verwechselt" auch das Kind seine Erregungszustände. Hypothese Schachters:Fettleibige essen deshalb so viel, weil sie nicht gelernt haben, Hungergefühle zu identifizieren und von anderen Aktivierungszuständen zu unterscheiden.
- Frage: 10) Experiment zu 9), Schachter-Theorie in Bezug auf Fettleibige; haben nicht gelernt, Hungergefühle zu identifizieren und von anderen Aktivierungsanzeichen zu unterscheiden. Im Extremfall wird jeder Erregungszustand als Hunger bezeichnet und An 10) Magenkontraktionen als Hungersymptom; VP's wurde ein Ballon in den Magen eingeführt, um Hungersymptome zu identifizieren. Nachfrage alle 15 Minuten, ob sie sich hungrig fühlen. Bei normalgewichtigen VPs stimmten subjektive Daten und physiologische Daten zu 71 % überein, bei den fettleibigen nur bei weniger als 50 %. Hypothese Schachters: Fettleibige essen in angsterregenden Situationen mehr als normalgewichtige Personen, unabhängig davon, wieviel ihr Magen gefüllt ist. VPS durften vor Experiment keine Mahlzeit zu sich nehmen. Einer Hälfte der VP's wurden zu Beginn belegte Brote serviert, die anderen füllten FB aus. Insgesamt 4 Bedingungen zu einem angeblichen Geschmacktest: starke Angst (Ankündigung von elektrischen Schlägen während des Geschmacktests) voller Magen, starke Angst, leerer Magen geringe Angst (Ankündigung von geringen, kaum merklichen elektr. Schlägen), voller Magen, geringe Angst, leerer Magen Nach Hunger- und Angstmanipulation durfte jede VP von verschiedenen Kekssorten essen, so viel sie wollte. Verkostung der Kekse zunächst mit, dann ohne elektrische Reizung. Tatsächliche Beendigung des Experimentes nach Verkostung der Kekse ohne elektrische Reizung. Zweck des Experimentes war ja, welche Nahrungsmengen von den VPs unter bestimmten Bedingungen verzehrt wurden. Ergebnisse: fettleibige Personen aßen bei starker Angst mehr als bei geringer Angst (verwechselten Hunger mit Angst!); normalgewichtige zeigten eher eine Eßhemmung bei starker Angst. Normalgewichtige verzehrten außerdem bei leerem Magen mehr als bei vollem Magen, bei fettleibigen Personen zeigte sich in beiden Bedingungen (leerer/voller Magen) kein Unterschied Außerdem zeigte Schachter, dass fettleibige Personen mehr auf äußere Stimuli in Bezug auf ihre Nahrungsaufnahme reagieren als normalgewichtige Personen, die eher auf ihre inneren Stimuli reagieren. Bei fettleibigen Personen hängt das Eßverhalten stärker von Tageszeit, Qualität der angebotenen Nahrung usw. ab. Beispielsweise beeinflusste falsch gestellte Uhr im Versuchsraum Eßverhalten von fettleibigen Personen mehr als von normalgewichtigen Personen . Starke Generalisierung der Abhängigkeit von externen Reizen auch auf nicht nahrungsbezogene Verhaltensweisen: kürzere Reaktionszeiten, leichter ablenkbar, mehr Beachtung an auffällige Reize twort:
- 11) Theorie der Erregungsübertragung von Zillmann sowie Kritik an Schachters Theorie. 11) Die Hypothese der Erregungsübertragung besagt, dass viszerale Aktivierung nie plötzlich aufhört sondern langsam abklingt. Die Restübertragung aus körperlicher Tätigkeit, sexueller Erregung oder Ärger wird sozusagen in eine neue Situation übertragen und kann dort emotionale und andere Prozesse intensivieren. Dabei ist es gleichgültig, wodurch die ursprüngliche Erregung, die jetzt als Resterregung in die neue Situation quasi mitgenommen wird, entstanden ist. Wichtig ist, dass eine Resterregung nur dann gefühlsintensivierend wirkt, wenn sie NICHT auf einen früheren Auslöser zurückgeführt wird.Ein diesbezügliches EXPERIMENT zeigte, dass den VP's unmittelbar nach der körperlichen Anstrengung bzw. der aktivierenden Situation bewusst war, wodurch diese entstanden ist. In dieser Phase 1 führten sie die Erregung auf ihre körperliche Tätigkeit zurück und nicht auf die ihnen in dieser Phase dargebotenen sexuellen Stimuli. In Phase 2 war immer noch erhöhte Aktivierung vorhanden, aber die VP's teilten mit, dass sie sich von der Anstrengung bereits erholt hätten. Nur in dieser Phase beurteilen sich die VP's als übermäßig erregt durch die dargebotenen sexuellen Stimuli. In Phase 3 war die Erregung tatsächlich abgeklungen. Die Darbietung von sexuellen Stimuli in der Phase 1 erregte die VP's nicht mehr als in Phase 3, in der die erhöhte Erregung bereits abgebaut war.Zillmann kritisiert die Schachter'sche Theorie, vor allem das Postulat Schachter's, dass Erregungszustände, für die keine plausible Erklärung gefunden werden kann zur Suche nach Situationsaspekten führen, mit denen dann die Erregung erklärt und interpretiert wird. Zillmann ist der Ansicht, dass das nur in mehrdeutigen Situationen auftritt, nämlich in solchen Situationen, die zwar Erregung auslösen, nicht aber gleichzeitig ein bestimmtes Verhalten oder ein adäquates Verhalten wurde noch nicht gelernt.Gilt aber nicht für die beiden anderen Situationen: nämlich für Situationen die nur motorisches Verhalten, aber keine Erregungsprozesse in Gang setzen (=operanten, nicht emotional eingefärbt!) UND Situationen, die motorisches Verhalten und Erregungsprozesse beinhalten. In solchen Situationen wird ein Gefühl erlebt, dass aber sofort und eindeutig identifiziert wird (=klassisch konditionierter Angstauslöser bewirkt gleichzeitig motorisches Fluchtverhalten und ängstliche Erregung).
