Testverfahren (Fach) / Das Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI-R) (Lektion)

In dieser Lektion befinden sich 13 Karteikarten

Das Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI-R) von J. Fahrenberg, R. Hampel und H. Selg, 2010

Diese Lektion wurde von LaBatichica erstellt.

Lektion lernen

  • Das Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI-R) • Mehrdimensionaler Persönlichkeitsfragebogen, Persönlichkeits-     Struktur-Test • 1. Auflage 1970 • aktuell 8. erweiterte Auflage von 2010 • von J. Fahrenberg, R. Hampel und H. Selg • Papier- und Bleistift-Test, aber auch computergestützte Anwendung • Als Einzel- und Gruppentest durchführbar • Ab 16 Jahren • Bearbeitungszeit 10 – 30 Min. • 138 Items, 12 Skalen
  • Anwendungsgebiete • Klinische Psychologie: Identifikation von Probanden mit extremen   Ausprägungen • Gesundheitspsychologie: z.B. Untersuchung des Zusammenhangs     zwischen Persönlichkeit und Gesundheitsverhalten • Persönlichkeitsforschung: standardisierte Erfassung grundlegender    Persönlichkeitseigenschaften und Vergleich mit    bevölkerungsrepräsentativen Normwerten
  • Testmaterial • Manual, Fragebogen, Auswertungsbogen, Schablone • Normtabellen (im Manual) (getrennt nach Geschlecht und 7 Altersstufen)
  • Konstruktion des FPI-R/Theoretische Grundlagen Neben den theoretischen Grundlagen bestimmen die Interessen der Autoren einen wesentlichen Teil der Entwicklung des Inventars (pragmatische Testkonstruktion): das Instrument bezieht sich sowohl auf die grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen Extraversion und Neurotizismus nach Eysenck als auch auf Bereiche, die für das soziale Zusammenleben (z.B. Aggressivität) oder auch für das subjektive Wohlbefinden und das Zurechtkommen mit Anforderungen (z.B. Lebenszufriedenheit, Beanspruchung) von Bedeutung sind. Historie 1968: ALNEV (Vorform) Standardisierte Fragebogenskalen & Operationalisierungsstudie zu den theoretischen Konstrukten 1970: FPI FPI-G (Langfassung, 212+2 Items) FPI-A und FPI-B (Halbfassungen) FPI-K (Kurzfassung) 1983: FPI-R (138 Items) und FPI-A1 (114 Items) 2001: 7. überarbeitete und neu normierte Auflage des FPI-R 2010: 8. erweiterte Auflage. Neu: aktuelle Beiträge zur Evaluation, kritisches Kapitel zur Konstruktion und methodenbewussten Anwendung von Fragebögen  Skalenentwicklung 1. Entwicklung eines Itempools gemäß den von den Autoren bestimmten     Konstrukten 2. Empirische Phase der Testkonstruktion 3. Faktorenanalyse zur Ordnung der Items und Entscheidungshilfe für die     Anzahl der Skalen
  • Beschreibung der Skalen Primärskalen: FPI-R 1 Lebenszufriedenheit = Grundstimmung, eher positive oder negative Lebenseinstellung und –Erfahrung FPI-R 2 Soziale Orientierung = Disposition zu mitmenschlichem Interesse und zu Hilfsbereitschaft FPI-R 3 Leistungsorientierung = individuelle Unterschiede der Leistungsorientierung (beruflich und außerberuflich) FPI-R 4 Gehemmtheit = vielfältig bedingte Gehemmtheit (Schüchternheit, Selbstunsicherheit, Ängstlichkeit, soziale Hemmung) FPI-R 5 Erregbarkeit = empfindlich reizbare Komponente des Temperaments (kann mit aggressiven Zügen und dem Gefühl der Überforderung und allgemeinen Unzufriedenheit verbunden sein) FPI-R 6 Aggressivität = Bereitschaft zur aggressiven Durchsetzung FPI-R 7 Beanspruchung = individuelle Unterschiede der subjektiv erlebten Beanspruchung oder Überforderung FPI-R 8 Körperliche Beschwerden = relative Häufigkeit typischer körperlicher Beschwerden FPI-R 9 Gesundheitssorgen = Tendenz sich überdauernd Sorgen um Gesundheit, Ansteckung und andere Risiken zu machen FPI-R 10 Offenheit =Zugeben alltäglicher Schwächen/Normverletzungen Schwierig zu interpretieren: verschiedene Motive bei niedrigem Wert  möglich: i. Soziale Erwünschtheit ii. Mangelnde Selbstkritik (Selbstidealisierung) iii. Verschlossenheit gegenüber solchen Fragen • Dient als Kontrollskala Zusatzskalen: FPI-R E Extraversion Wesentliche Komponente der Persönlichkeitsdimension Extraversion-Introversion nach Eysenck FPI-R N Emotionalität wesentliche Komponente der Persönlichkeitsdimension Neurotizismus bzw. Emotionale Labilität/Emotionalität nach Eysenck
  • Durchführung, Auswertung und Interpretation Durchführung 1.Lesen der Instruktion auf dem Fragebogen 2.Ausfüllen des Fragebogens (durchschnittliche Bearbeitungszeit: 23           Minuten, dichotomes Antwortformat: „stimmt“, „stimmt nicht“) 3. Beantwortung von 7 Fragen zu demografischen Daten der Person  
  • Durchführung, Auswertung und Interpretation Auswertung 4.Auflegen der Schablone & Auszählen der Antworten pro Subskala,            höchstens 7 fehlende Antworten 5.Umrechnung der Rohwerte in Stanine-Werte 6.Erstellen eines Profils  
  • Durchführung, Auswertung und Interpretation Interpretation 7. Abweichung von der Normstichprobe (Berechnung der                        Konfidenzintervalle) 8. Berücksichtigung von Offenheit und Soziale Erwünschtheit (Kontrollskala     Offenheit: bei einem Stanine-Wert ≤ 3 sind die Ergebnisse nur                  eingeschränkt interpretierbar, es sollten weitere Informationen über die         Testmotivation eingeholt werden)
  • Gütekriterien 1. Normierung • Repräsentativerhebung 1999, N = 3740, 1743 Männer, 1997 Frauen • Normen getrennt nach Geschlecht und 7 Altersstufen
  • Gütekriterien 2. Objektivität • Durchführungsobjektivität: hoch, da Fragebogen standardisiert • Auswertungsobjektivität: hoch bis perfekt, da es eindeutige         Auswertungsregeln gibt • Interpretationsobjektivität: Skalenbeschreibungen im Manual       vorhanden, bei niedrigen Werten auf der Skala Offenheit ist die           Interpretation erschwert (siehe oben: Primärskalen: FPI-R 10 Offenheit)
  • Gütekriterien 3. Reliabilität • Retest rtt = .69 - .85 (N=80 Herzkreislaufpatienten; vor & nach 4-wöchiger    Therapie (Homogenität & Treatment)) • Cronbachs Alpha zwischen .73 und .83 (Stichprobe N=3740 aus                  gesamtdeutschem Bevölkerungsdurchschnitt) => Kann als befriedigend        angesehen werden
  • Gütekriterien 4. Validität Zum FPI- R wurden mehr als 1400 Validitätsbeiträge veröffentlicht. Einige Beispiele: Schmidt & König (1986): Mittlere Korrelation zw. FPI-R und Fremdeinstufung: .38 (je nach Bekanntheit von .30 bis .45). Deutlichste Übereinstimmung für Lebenszufriedenheit, Leistungsorientierung, Beanspruchung und körperliche Beschwerden. Die Korrelation zw. FPI-R und Selbsteinstufung fällt noch höher aus. Die FPI Skalen wurden mit zahlreichen demographischen Merkmalen der Normstichprobe korreliert, sinnvolle Ergebnisse wurden erzielt. FPI-R und andere Persönlichkeitsfragebögen: Vorbehalte: Relativ kleine Gelegenheitsstichproben, unbekannte Präselektion, in älteren Untersuchungen wurde alte FPI Form verwendet Gießen- Test: Gemeinsame Varianz von r ≥ 50 zw. Lebenszufriedenheit, Leistungsorientierung, Gehemmtheit, körperlichen Beschwerden, Extraversion, Emotionalität und bestimmten GT- Skalen. Stressverarbeitungs- Fragebogen: Substantielle Beziehungen vor allem zw. Lebenszufriedenheit (.45), Gehemmtheit (.51), Emotionalität (.58) Aggression (.49) mit mehreren SVF Skalen
  • Bewertung Vorteile: • Ökonomische Informationsgewinnung • Große, repräsentative Normstichprobe • Hohe Akzeptanz bei Probanden • Erfassung von relativ überdauernden Persönlichkeitsmerkmalen • Breite Basis der Kriterienvalidierung • Kein künstlich konstruiertes Gesamtkonzept der Persönlichkeit → Das in Deutschland am häufigsten angewendete Verfahren Nachteile: • Kaum Interpretationshilfen zur Gesamtprofilauswertung • Dichotome Antwortbeantwortung wenig differenziert • Verfälschbarkeit • Ungleiche Verteilung positiv und negativ gepolter Items • Keine Normangaben für klinische Gruppen o Informationsdatenbank zwar vorhanden, muss aber bei Autoren direkt      bestellt werden und setzt SPSS voraus um den Datensatz einlesen zu      können