Testverfahren (Fach) / CFT 20-R Grundintelligenztest, Revision (Lektion)
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CFT 20-R Grundintelligenztest, Revision Weiß, R.H. (2006). CFT 20-R. Grundintelligenztest Skala 2, Revision (1.Auflage). Göttingen: Hogrefe.
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- Einordnung Leistungstest; sprachfreier Intelligenztest zur Messung der fluiden Intelligenz nach Cattell Messtheoretische Basis: Klassische Testtheorie Altersbereich: - Kinder und Jugendliche von 8;5 bis 19 Jahren -Erwachsene von 20 bis 60 Jahren (Teil 1)
- Testversionen CFT 1: für Kinder von 5;3 bis 9;5 Jahren CFT 2: Version von 1977, nur noch in Langzeitstudien eingesetzt CFT 20 CFT 20-R CFT 3: für Jugendliche ab 14 und Erwachsene ■ Aufgaben sind schwieriger ■ Für Personalauswahl und Berufsberatung ■ Für Jugendliche gute Differenzierung im hohen Leistungsbereich Ab der 3. Auflage des CFT 20: Zwei zusätzliche Tests zur kristallinen Intelligenz (Wortschatztest, Zahlenreihen vervollständigen) Zwei Parallelformen, unterscheiden sich nur in der Anordnung der Items Weiterentwicklung des CFT 20 zum CFT 20-R: Verbesserte Differenzierung im oberen Leistungsbereich
- Theoretische Grundlagen Ziel der Entwicklung des CFT ökonomisches Verfahren zur Diagnose der grundlegenden geistigen Leistungsfähigkeit. (general mental capacity, g-Faktor nach Spearman, fluide Intelligenz nach Cattell) Intelligenztest, frei von soziokulturellen oder erziehungsspezifischen Einflüssen und rassistischen Hintergründen Entfaltungsmöglichkeit des Individuums erfassen Geschichte des Verfahrens Modellvorstellungen und erste Testentwicklung dieser Art von Cattell ab 1940 Cattells Modell der fluiden und kristallisierten Allgemeinen Intelligenz fluide Intelligenz: Fähigkeit sich neuen Problemen oder Situationen anzupassen, ohne dass es dazu in wesentlichem Ausmaß früherer Lernerfahrung bedürfe kristallisierte Intelligenz: vereinigt kognitive Fertigkeiten, in denen sich die kumulierten Effekte vorangegangenen Lernens kristallisiert und verfestigt haben fluide Intelligenz entwickelt sich laut Cattell im individuellen Lebenslauf rascher und ist die Voraussetzung für die Entwicklung der kristallisierten Intelligenz Schulintelligenz vs. Testintelligenz Diskrepanz zwischen Intelligenzpotential und Schulleistung von Interesse Erfolg in der Schule hängt ab von Anpassungsfähigkeit, Sprachfertigkeiten, milieuspezifische Komponenten, Motivation, Ausdauer, Lehrer, Konzentration, Angst, Vorwissen, Selbstsicherheit und Intelligenz Art der Aufgaben Erfassung des allgemein intellektuellen Problemlöseverhaltens Elemente müssen allen Probanden gleich vertraut sein anschaulich-figurale Formen (Reihenfortsetzen, Klassifikationen, Matrizen, topologische Schlussfolgerungen)
- Testaufbau und Durchführung 2 Testteile mit je vier Subtests; Teil 1 besteht aus 56, Teil 2 aus 45 Items 4 Subtests (für beide Teile gleich): - Reihenfortsetzen: Es muss diejenige von fünf Figuren herausgesucht werden, die zu drei anderen am besten passt. - Klassifikationen: Man muss herausfinden, welche von fünf Figuren sich von den vier anderen in irgendeiner Weise unterscheidet. - Matrizen: Es muss das Kästchen herausgesucht werden, das die Matrize vervollständigt. - Topologische Schlussfolgerungen: Man muss unter fünf Figuren diejenige heraussuchen, in welcher der Punkt genauso liegen könnte, wie in einer vorgegebenen Figur. alle Subtests nach Schwierigkeitsgrad geordnet 2 schulnahe Ergänzungstests zur Messung der kristallisierten Intelligenz: Wortschatztest (WS) und Zahlenfolgentest (ZF) Durchführungsarten und -dauer •Kurzform (nur Teil 1) vs. Langform (Teil 1 und 2) • Testzeit + Instruktion: -Kurzform ca.35-40 Minuten (nur bei Migrationshintergrund, Sprachdefiziten oder psychischen Auffälligkeiten - Langform ca. 60 Minuten (bessere Validität) • Möglichkeit zur Testverlängerung von Teil 1 um je eine Minute (bei Prüfungsangst, geringer Testerfahrung und Instruktionsmissverständnis, Sonder- Förder- und Grundschulbereich -> hier immer Langform (Teil 1 als Lerntest, Teil 2 als eigentlicher Intelligenzindikator)) 1. Kurzform ohne Testzeitverlängerung: mind. 14 Minuten 2. Kurzform mit Testzeitverlängerung: mind. 18 Minuten 3. Langform ohne Testzeitverlängerung: mind. 26 Minuten 4. Langform mit Testzeitverlängerung: mind. 30 Minuten Testdurchführung - einleitende Instruktion (Name, Geburtsdatum, Schulart, Klasse, Testdatum auf Antwortbogen eintragen) - jeder Subtest beginnt mit Beispielaufgaben - der Buchstabe der richtigen Antwortalternative wird auf dem Testbogen angestrichen - so SCHNELL und SORGFÄLTIG wie möglich arbeiten - bei Zeitverlängerung: nach Ablauf der Kurzzeit Querstrich unter die zuletzt bearbeitete Aufgabe setzen lassen - 5 Minuten Pause zwischen Teil 1 und 2
- Auswertung und Interpretation - Schablone - Anzahl richtiger Antworten (je ein Rohpunkt) für jeden Subtest und Testteil - Rohpunkte der beiden Testteile sowie des Gesamttests auf Auswertungsbogen - Umrechnung in Altersnormwerte (IQ-Werte) sowie Klassennormwerte (IQWerte) mit Hilfe von Tabellen - Transformation der IQ-Werte in TW, SW und PR ebenfalls mit Hilfe einer Tabelle - evtl. Erstellung eines Testprofils - kritische Differenzen zwischen den Testteilen überprüfen (12 IQ-Punkte zwischen Teil 1 und 2): - wenn Teil 1 signifikant besser (z.B. wegen nachlassender Konzentration), dann Teil 1 als Intelligenzindikator - wenn Teil 2 besser (z.B. bei testungeübten Personen und Personen mit Migrationshintergrund), dann Teil 2 als Intelligenzindikator verwenden - Erstellung der Profile der Subtests - Zeitdauer: ca. 10 Minuten
- Normen Standardnormen für 8;5 bis 19-Jährige ■ Eichung im Jahr 2003 ■ 4.400 Schüler, schulartrepräsentativ über 6 Bundesländer verteilt Standardnormen für 20 bis 60-Jährige ■ Altersnormen auf Grund der Daten zum CFT 20 bzw. CFT 2 und CFT 3 erschlossen und dem typischen Altersverlauf angepasst ■ nur auf Teil 1, Schätzung der Altersnorm für Teil 2 nach Durchführung beider Testteile
- Gütekriterien Objektivität Durchführungsobjektivität: genaue Anweisungen, standardisierte Instruktion Auswertungsobjektivität: Lösungsbogen (eindeutig richtig oder falsch), einfache und schnelle Auswertung Interpretationsobjektivität: Tabellen ermöglichen objektive Interpretation
- Gütekriterien Reliabilität Trennschärfeanalyse mittlere Trennschärfe für 10-15jährige in Teil 1: rit = .41 bis .46 mittlere Trennschärfe für 10-15jährige in Teil 2: rit = .40 bis .48 mittlere Trennschärfe für alle Subtests und Stichproben: rit = .46 bis .47 Retestreliabilität: 3 Feldexperimente zur Vergleichbarkeit der Paper-Pencil- und der PC- Version (keine signifikanten Unterschiede) mit je ca. 50 Haupt- /Werk-realschülern und Förderschülern ermittelt: ■ Abstand 2 Monate (Hauptschule, Werkrealschule): rtt = .91 (für Gesamttest) ■ Abstand 5 Monate (Förderschule): rtt = .83 (für Gesamttest) Äquivalenzkoeffizienten (Konsistenz): Korrelation zwischen Teil 1 und Teil 2: Teil 1-min zu Teil 2: r = .80 Teil 1-max zu Teil 2: r = .82 ■ im Vergleich zu Vorgängerversionen gestiegen ebenso wie die Interkorrelation zwischen den gleichartigen Subtests Konfidenzintervall (a = 5%) für IQ-Werte: Teil 1: +/- 8 IQ-Punkte Teil 2: +/- 9 IQ-Punkte Gesamt: +/- 6 IQ-Punkte Übungseffekte: (bei durchschnittlichem bis gut durchschnittlichem Intelligenzniveau nach ca. 3 Monaten) Teil 1: + 6/7 IQ-Punkte Teil 2: + 2/3 IQ-Punkte Gesamt: + 5/6 IQ-Punkte
- Gütekriterien Validität Innere Validität (Faktorielle Validität) Konstruktvalidität (Korr. mit „g-Faktor“ für die 4 Subtestarten: r=.78 bis r=.83) Faktorenstruktur des CFT 20-R (3 Faktoren insg. Varianzaufklärung von 69,2%) ■ Faktor 1: „Gesetzmäßigkeit und Regelhaftigkeit erkennen“ (UT„Reihenfortsetzen“ und „Matrizen“); 50% des absoluten Varianzanteils ■ Faktor 2: „Schlussfolgerndes Denken“ (UT „topologische Schlussfolgerungen“); 25% des absoluten Varianzanteils ■ Faktor 3: „Beziehungsstiftendes Denken“ (UT „Klassifikation“); 25% des absoluten Varianzanteils Faktorenstruktur bleibt auch dann erhalten, wenn man den Beruf des Vaters als Indikator für den Sozialstatus oder aber die Muttersprache mit einbezieht. Dies bestätigt das Konzept einer kulturfairen Teststruktur der fluiden Intelligenz. Äußere Validität Kriterienbezogene Validität: • Korrelation mit anderen psychodiagnostischen Tests: Mit Wortschatztest: r = .55 Mit Zahlenfolgetest: r = .63 Mit PSB-R: r = .63 Korrelation mit der Schulleistung: Mit der Mathematikleistung über alle Klassen, Schularten und Schulstufen hinweg: r = .49 (zufriedenstellend) Mit der Deutschnote: r = .35 (CFT 20-R ist ein sprachfreier Test) Prognostische Validität (CFT-2; für CFT20-R noch nicht untersucht): • prognostische Korrelation mit der Schulleistung in Mathematik (CFT 2): Gymnasium, Realschule, Hauptschule 5.Kl: r = .44 (1-4 Monate) Gesamtschule 5.Klasse: r = .45 (3-8 Monate) • andere Verfahren für Trennung zwischen leistungsstarken und -schwachen Gymnasiasten besser; gute Trennung zwischen Realschülern • Berufserfolg: Gragl (1998): Vorhersage des beruflichen Erfolgs scheint mit Hilfe des CFT 20, sowie verschiedener Persönlichkeitsvariablen, wie Autonomie- und Toleranzbedürfnis möglich zu sein Gruppenvergleiche: • Mädchen (in Klasse 3 bis 8), Jungen (in Klasse 9) signifikant besser • deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen sozialen Schichten (von unterster bis oberster Schicht ca. 8-10 IQ-Punkte); diese aber geringer als bei traditionellen, verbalgebundenen Tests • Migrantenkinder in Teil 1 aufgrund von Problemen beim Instruktionsverständnis 8-9% weniger Rohpunkte, in Teil 2 aber nur einen 0,5 • keine Beeinträchtigungen: Schüler mit Legasthenie, Konzentrations- oder Sehschwäche, Linkshändigkeit und sensumotorischen Störungen • Schüler mit Rechenschwäche deutlich schwächer
- Gütekriterien Ökonomie Nützlichkeit Ökonomie: einfach, mit wenig Aufwand durchzuführen und schnell auszuwerten Nützlichkeit: relevant, um das intellektuelle Potenzial relativ kulturfrei zu messen
- Anwendung Schulpsychologie bzw. Bildungsberatung - Schullaufbahnberatung (für eine gute Schullaufbahnprognose müssen allerdings noch weitere Variablen /Persönlichkeitsvariablen erhoben werden) - Hochbegabtenförderung und –auswahl - Auswahl für besondere Beschulungsformen Einzelfallhilfe, Förderungsberatung und Unterrichtshilfe - Defizitdiagnosen (z.B. Legasthenie) - Einleiten schulischer Fördermaßnahmen - Diagnose von „Underachievement“ Außerdem: Berufsberatung, Erziehungsberatung, Klinische- /Neuropsychologie, -Verkehrspsychologie, Wehrpsychologie
- Alternativen zum CFT 20-R 4 sprachfreie Untertests des K-ABC: Alter: 2;5-12;5 Jahre Ravens Progressive Matrizen: Alter: 9-11;8 Jahre, Powertest, nur Matrizenaufgaben; bezieht sich auf Spearmans G-Faktor-Modell BOMAT: Matrizenaufgaben wie bei CFT 20-R: Test für oberen Intelligenzbereich
- Bewertung Vorzüge des Verfahrens: Hohe Ökonomie und einfache Auswertung Hohe Reliabilität und Objektivität Geringer kultureller Einfluss (Spracheinflüsse) auf die Testleistung Individuelle Anpassung der Testdurchführung möglich Breite Messung, 4 unters. Aufgabentypen zur Erfassung des Konstrukts Gegenüberstellung fluider & kristalliner Intelligenz durch Zweiteilung Aussagen über einen Lerneffekt ergänzendes Verfahren zu mehr differenzierenden Intelligenztests Nachteile des Verfahrens: sprachliche Instruktion (Kulturfreiheit?) - Menschen aus anderen Kulturen schneiden beim CFT signifikant schlechter ab Wenig Interpretationshilfe im Manual Übungseffekte und Einflüsse von Lernerfahrungen vorhanden Instruktion zu lang für Erwachsene wenig befriedigende Angaben zur prognostischen Validität Nützlichkeit der Ergänzungstests fraglich, WS+ZF auch nicht gut integriert Deckeneffekte (Gymnasialbereich) schlecht geeignet für Berufsberatung: hier häufig Sprachfähigkeit, Allgemeinwissen, Mathematikfähigkeit und andere Kulturfähigkeiten als Voraussetzungen für die Berufswahl, daher Ergänzungstest wichtig