Anatomie und Physiologie (Fach) / Muskelkontraktion (Lektion)
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VL Henry Schulz
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- Muskelkontraktion (Sarkomer) = Verkürzung des Muskels - zwischen Aktin- & Myosinfilamenten, die aneinander vorbeigleiten - Aktinfilamente werden in Myosinzwischenräume gezogen -> I- & H-Abschnitte werden schmaler - bei Verkürzung auf 60%: Aktinfilamente treffen bei A-Abschnitt aufeinander , Mysoinfilamente stoßen gegen Z-Scheiben - Verlängerung durch Dehen: Aktinfilamente aus A-Abschnitten - Reaktionsstellen frei: - Calcium bindet an Troponin -> Tropomyosin ändert Position um Aktin & Myosin Reaktion nicht zu behindern -> Abwinkelung der Myosinköpfe zieht am Aktinfilament -> Kraftentfaltung (ggf Verkürzung)
- Querbrückenzyklus - Mechanismus der Brückenbildung (während Aktinfilamente in Myosinzwischenräume gleiten) - ATP (Adenosin-Tri-Phosphat) als primäre Energiequelle für Muskelkontraktion (durch Lösen der energiereichen Phosphatbindungen) - Jede Querbrücke benötigt ATP (mehr ATP, je mehr Querbrücken & je schneller der Zyklus) - Ohne ATP bleibt Myosinkopf in gekippter Stellung -> Muskel erstarrt (Totenstarre) - bei ausreichend ATP entspannt der Muskel (Weichmacherwirkung)
- Kontraktionszyklus 1. ATP-Anlagerung an Myosinkopf - Lösen des Myosinkopfes 2. ATP -> ADP + Pi - Verspannung des Myosinkopfes 3. Anstieg Ca++ - Anheftung Mysosin an Aktin 4. Freisetzung von Pi und ADP - Lösen der Verspannung, Myosinkopf kippt von 90° -> 45° -> Ruderschlag 5. Ausgangszustand
- Kontraktionen - 10-100 ms - kann immer passieren, wenn genügend ATP - Querbrücke verkürzt Sarkomer um 1% (Aktinfilamente zur Mitte gezogen) - durch zyklische Wiederholungen werden größere Verkürzungen ermöglicht - bis zu 50 mal/s - da Sarkomere in Reihe liegen, Aufaddition der Längenänderungen zu sichtbaren Kontraktion - Vorraussetzung: elektrische Erregung (über motorische Endpplatte -> Muskelzellmembran -> Freisetzung von Ca++ löst Kontraktion aus
- Bedeutung des Calciums - niedriger Ca++ (10-7 mol/l): Tropomyosinfäden blockieren Bindungstelle des Myosinköpfchens am Aktin (keine Brückenbildung zu AKtin) - hohe Ca++ (10-5 mol/l): Ca++ an Troponin -> Tropomyosinfäden verschieben sich in Rinne mit Aktinfäden -> Bindungsstelle am Aktin frei für Myosinkopf - Ca++ aktiviert mit Mg++ die ATPase-Aktivität am Myosinkopf (ATP -> ADP + Pi)
- Veränderungen der Streifen - Z-Streifen nähern sich an - I-Steifen verkleinern sich - A-Streifen bleiben konstant - H-Zone verkleinert sich
- Muskelnerv - zum kontrahieren benötigt er AP -> von Gehirn -> Nervenbahnen -> Muskelzelle (neuromuskoläre Übertragung)
- Erregungsleitung - Erregungen durch positiv & negative geladenen Ionen - in der Zelle: K+ & A- (= Anionen wie Phophate/ Proteine) & Na+, Cl-) - außen: Na+ & Cl- (K+) - Zellmembran besitzt bestimmte Ionenkanäle für Na+ & K+ (je nach Erregungszustand unterschiedliche Permeabilität)
- Ruhemembranpotential - K+ Ionen können nach außen diffundieren - größere Anionen nicht -> negativ geladenenes Inneres, positives Äußeres -> in Ruhe befindliche Nervenzelle (Ladungsdifferenz -70mV)
- Aktionspotential - Nervenzelle wird erregt -> Membran permeabel für Na+ (Depolarisation) -> AP am Axonhügel -> Potential schlagartig positiv (Ladungsdifferenz von 30 mV) -> K+ Ausstrom (Repolarisation) -> Nachhyperpolarisation - benachbarte Abschnitte durchlässiger für Na+ - AP fortsetzen von Axon -> Synapse
- Natrium-Kalium-Pumpe - zurück zum Ruhezustand - immer 3Na+ raus & 2K+ Ionen in Zelle hinein gepumt (Repolarisation) - wenn innen 10 mmol/l, Pumpe inaktiv - Vorgang nur durch Energie aus ATP möglich
- Aufbau Nervenzelle - Zellkörper mit abgehenden Dendriten, Axon (Neurit), Synapse - Neurone sind grundlegende Einheit - mit Gliazellen (Neuroglia) -> Nervengewebe ZNS/ PNS - Reizaufnahme, Erregungsleitung, Reizverarbeitung
- Fortleitung des APs - Nervenfasern ohne Myelinisierung (marklose Nervenfasern) - entlang des Axons werden APs ausgelöst - im neuen Membranabschnitt depolarisiert & AP, im alten Repolarisation (Membran refrektär) - relativ langsam - Nervenfasern mit Myelinscheide (markhaltige Nervenfasern) - Myelin wird gebildet von Schwannschen Zellen im PNS oder Oligodendrocyten im ZNS -> alle 0,2-1,5 mm unterbrochen (Ranvierscher Schnürring) - wirkt als Isolator für die Membran -> AP springt von Ring zu Ring (deutlich schneller, meisten Axone)
- Einteilung der Nervenfasern - Aα - Aβ - Aɣ - Aδ - B - C
- Aα - Nervenfaser - Skelettmuskeleffernz, Muskelspindel (Ia)- & Sehneorgan (Ib) - Afferenzen - 11-16 μm Durchmesser - 60 -80 m/s
- Aβ - Nervenfasern - Mechanoafferenzen der Haut (II) - 6-11 μm Durchmesser - 30 - 60 m/s
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- Aɣ - Nervenfasern - Muskelpindeldifferenz - 1-6 μm - 2-30 m/s
- Aδ - Nervenfasern - Hautafferenzen (Temperatur & schneller Schmerz) (III) - 1-6 μm Durchmesser - 2-30 m/s
- B - Nervenfasern - sympathisch präganglionär, viszerale Affernzen - 3 μm Durchmesser - 3-15 m/s
- C - Nervernfasern - Hautafferenz (langsamer Schmerz), sympathisch postganglionär (IV) - 0,5-1,5 μm (marklos) Durchmesser - 0,25-1,5 m/s
- Synapse - an motorischer Endplatte aktivieren Nervenimpulse die Muskelfaser - elektrische Übertragung in Synapse (AP) - chemische Übertragung im synaptischen Spalt (Transmitter) - AP - Transmitter - AP = neuromuskuläre Übertragung
- Neuromuskuläre Übertragung - Nerv -> Muskelfaser über motorische Endplatte (spezifische Synapse) - präsynatisch: marklose Nervenendigungen -> Sohlenplatte -> Ausstülpungen in Muskelfasermembran -> große Kontaktfläche - in Sohlenplatte: Vesikel, die Acetylcholin (Übertragungsstoff der Erregung von Nerv zu Muskel) enthalten
- Neuromuskuläre Übertragung (Ablauf) - an motorischen Vorderhornzelle generiertes AP -> Axon -> präsynaptischen Membran -> Depolarisation öffnet Ca++ Kanäle der präsynatptischen Membran -> Ca++ in Axon -> Ca++ iniitiert Bewegung von synaptischen Vesikeln zur präsynaptischen Membran -> Vesikel fusionieren mit präsynaptischen Membran & entleeren Acetylcholin in synaptischen Spalt (Exocytose)
- Acetylcholin-Rezeptor - schwimmern in Lipiddoppelschicht der Zellmembran - aus 5 Untereinheiten (2 Bindungsstellen für Acetylcholin - wenn besetzt Ionenkanal wird geöffnet)
- Präsynaptische Freisetzung von Acetylcholin - SNARE-Komplexe beteiligt an Fusion von Vesikeln mit präsynaptischer Membran (Vesikel -> Poren -> Transmitterfreisezung) - präsynaptische Freisetzung von Acetylcholin gehemmt durch Botulinumtoxin -> Muskellähmung -> Lebensmittelvergiftung -> Inaktivierung von Muskeln (Botox)
- Initiierung der Muskelkontraktion - ACh in Spalt -> Rezeptoren der subsynaptischen Membran -> Öffen der Natriumkanäle - Na+ strömt ein -> Depolarisation (lokale Antwort unter motorischer Endplatte = Endplattenpotential) - AP in beide Richtungen über Muskelzellmembran -> transversale Tubuli -> sarkoplasmatisches Retikulum (benachbart) werden Ca++-Kanäle geöffnet -> Muskelkontraktion
- AP & Muskelkontraktion - Dauer der Muskelkontraktion deutlich länger als AP (1 ms vs 250 ms)
- Motorische Einheit - motorische Nervenzelle mit efferent leitenden Nervenfaser & Kollektiv an Muskelfasern - alle Muskelfasern von einer Nervenzelle treten gemeinsam in Aktion - Anzahl Fasern pro Nervenzelle variiert -> 5-15 bei Augen/Fingern für fein koordinierte Bewegungen -> 100-2000 für grobe Bewegungen
- Einzelkontraktion -> Tetanus - Summation bei wiederholten APs (da noch nicht erschlaffte Faser) - Überlagerung möglich, da Kontraktion 10mal langsamer als AP - Tetanus >20Hz für lansam zuckende/ >50-120 Hz beischnell zuckenden Muskeln: Dauerverkürzung des Muskels -> Kontraktionskraft erhöht auf 4-10 fache -> Verschmelzungsfrequenz: niedrigste Frequenz für Tetanus (Einzelzuckungen nicht erkennbar) -> motorische Einheiten abwechselnd tätig (verzögert Ermüdung)
- Langsame Skelettmuskelfasern (ST) - von kleinen α-Motoneuronen des Rückenmarks über langsam leitende Neuriten -> 10 APs/s - ermüdungsresistenten Fasern fähig zu längeren Kontraktionen -> in Muskeln mit stützmotorischer Funktion - hoher Myoglobingehalt macht sie dunkel - aerober Stoffwechsel sorgt für Energie -> viele Enzyme zur aeroben Energiebereitstellung & Mitochondrien
- Schnelle Skelettmuskelfasern (FT) - schnelle Kontraktionen - von größeren α-Motoneuronen über schnellleitende Neuriten versorgt -> kurzfristige APwiederholungen 40/s - ermüden eher, Fasern sind dicker (größere Kraftentwicklung) -> in Muskeln mit zielmotorischer Funktion - anaerobe Bereitstellung der Energie (für Schnellkraft) - blass
- Biochemie der Muskelfasertypen - weiße Fasern können unterteilt werden: -> Typen I - IIC - IIA - IIX S,s1,s2 S,FA,s1,s2 FA FB f1,f2,f3 f1,f2,f3 f1,f2,f3 - Aktin bei allen Fasern gleich (Unterschiede bei leichten/schweren Ketten Myosinmoleküls) - Myosin aus 2 schweren Ketten im Schaft (2 schnelle: FA & FB, 1 langsame: S), leichte im Kopf (3 schnelle: f1,f2,f3, 2 langsame: s1,s2)
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- Muskelfaserfärbung - mit ATPase für FR/FF - SDH-Färbung (mitochondriales Enzym) für SR
- Muskelfasertyp & Sportart - Sprint: 76% FT - Ausdauerlaufen: 21% FT - Fahrrad: 43 % - Schwimmen 33% - Gewichtheben: 56%
- Langsame (I) & schnelle (II) Muskeln - Primär I-Fasern -> M. soleus (87%), M. adductor pollicis (80), M. tibialis anterior (73), M. biceps femoris (67) - Primär II-Fasern -> M. orbicularis oculi (80), M. rectus femoris (70), M. triceps brachii (70), M. sternocleidomastoideus (65)
- Umwandlung von Muskelfasertypen - Kreuzinnervation <-> : Nerven zu langsamen & schnellen Muskelfasern durchgetrennt -> anderem Muskeltyp angenäht - Elektrostimulation <-> - TypII in TYPI Fasern: werden mit 10 APs/s erregt -> Kapillardichte, aerobe Energiebereitstellung, konktraktile Eigenschaften & Molekularstruktur des Myosin erhöht - TypI in TypII Fasern: nur dann erfolgreich, wenn niederfrequente Stimulation ausgeschaltet und ersetzt wird (in Reha zum Entgegenwirken von Muskelatropien)
- Trainingsbetrachtung - schnell->langsam: durch gezielte Reize im Training Umwandlung möglich, durch anschließendes Schnelligkeitstraining -> Rückverschiebung - nur möglich wenn Muskel von Natur aus gemischte Faserverteilung hat - Training verändert TypI Dominanz nicht - Krafttraining kann Fasertypumwandlung induzieren, aber TypIIX in energetische Schwierigkeiten -> Muskeln können auf ermüdenden verzichten/ Faserumwandlung -> höhere Ermüdungsresistenz erreichen (Bewegungsschnelligkeit vermindert)
