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Forschungsmethoden (Fach) / Forschungsmethoden I 19/20 (Lektion)
Forschungsmethoden der Uni Mainz 19/20 für Psychologie
Diese Lektion wurde von sweetbutpsycho erstellt.
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- Fehler beim Wahrnehmen und Erinnern - Primacy effect: das zuerst Genannte wird besser erinnert als der Rest- Recency effect: das zuletzt Genannte wird besser erinnert als der Rest- Pop out effect: etwas besonders Herausstechendes wird besser erinnert (z.B. besonders knallige Farben), Aufmerksamkeit des Betrachters wird dadurch abgelenkt- Halo effect: Eigenschaft eines Merkmals überdeckt andere Merkmale- Confirmation bias: Menschen suchen sich Informationen heraus, die bisherige Auffassung stützen (die bestätigen)- Fundamentaler Attributionsfehler: Zuschreiben des Erfolgs auf sich selbst, Scheitern auf andere- Repräsentativitätsheuristik: Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis wird anhand dessen beurteilt, wie sehr das Ereignis mit Klischees/Prototypen übereinstimmt (Einzelfallinformation wird höher gewertet als statistische Wahrscheinlichkeit)- Verfügbarkeitsheuristik: Urteilsbildung aufgrund verfügbarer Informationen, die Sicht verzerren (zB viele Autounfälle in Nachrichten = Einschätzung der Wahrscheinlichkeit für Autounfall wird größer eingeschätzt) -> kein besseres Wissen- Basline error: Auftretenswahrscheinlichkeit von Ereignissen wird falsch eingeschätzt, weil man sich nicht an der objektiven Häufigkeit (Baseline) orientiert, sondern irrtümlicherweise besonders prägnante, im Gedächtnis verfügbare oder typische Ereignisse, die man für wahrscheinlich hält, zur Beurteilung heranzieht
- Forschung vs. Wissenschaft Forschung = systematische Erkenntnisse, Wissensgewinn -> muss nicht zwangsläufig veröffentlich werden, muss nicht wissenschaftlich sein, auch für private Zwecke Wissenschaft = Gesamtheit aller Erfahrungen auf einem Gebiet -> intersubjektiv nachvollziehbar, wird publiziert
- Allgemeine Standards wissenschaftlicher Forschung 1) Wissenschaftliches Forschungsproblem: muss empirisch untersuchbar sein, erklärbar, in anerkannte wissenschaftliche Publikationen einzuordnen. Kriterium: Inhaltliche Relevanz -> wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt vorantreiben, Lösung praktischer Probleme beitragen 2) Wissenschaftlicher Forschungsprozess: Kriterium: methodische Strenge. Anspruchsvolle Methoden, die gut zum Problem passen, regelkonforme Anwendung der Methoden. 3) Wissenschafts- und Forschungsethik: Kriterium: ethische Strenge. Wie umfassend und konsequent werden ethische Standards erfüllt? 4) Dokumentation des Forschungsprozesses: Vorgehen und Ergebnisse der Studie müssen im Detail nachvollziehbar dokumentiert sein. Kriterium: Präsentationsqualität. Sind Standards der Berichterstattung eingehalten? Dokumentation vollständig und strukturiert? 5) Selbstreflexion der Qualität der Studie: Kriterium: Anspruch an Wissenschaftlichkeit.
- Merkmale humanwissenschaftlicher Forschung - Plausible Forschungshypothesen- Berücksichtigung des Forschungsstandes- Systematische Aufbereitung & Analyse der erhobenen Daten, Gütekriterien müssen eingehalten werden- Forschungs- und Wissenschaftsethik beachtet- Ausführliche Dokumentation- Ausgewogene Interpretation- Wissenschaftliche Veröffentlichung der Studie
- Ethik & Moral Ethik: sittliches Verständnis, theoretisches System -> „Was soll ich tun, was ist der Mensch, was soll der Mensch sein?“Moral: praktischer: Handlungsmuster, Regeln, Konventionen, Prinzipien, die das Individuum oder die Kultur betreffenWerte: HandlungsorientierungenNormen: Gebote zur Wertumsetzung Tugendethik: Motiv der Handlung gut? Pflichtethik: Handlung selbst an sich gut oder nicht? Konsequentialistische Ethik: Wie sind die Folgen des Handelns?
- Forschungsethik Werte und Normen in der ForschungVerantwortung ggü. Einzelner und Gesellschaft (Tier- und Menschenversuche, Genetik, Rüstung, RessourcenverbrauchSchutz vor Beeinträchtigung und Schädigung Einwilligung nach Aufklärung (informed consent) Aufklärung: - Zweck & voraussichtlicher Erkenntnisgewinn- Recht zur Ablehnung / Nichtbeendigung der Teilnahme- Konsequenzen der vorzeitigen Beendigung, z.B. Risiken- Zusicherung von Anonymität- Mögliche Aufwandsentschädigung- Ansprechpartner bei Fragen Ausnahmen: Beschränkte Einwilligungsfähigkeit, Studie ohne Risiko, Täuschung notwendig (hinterher Erklärung) Umsetzung Forschungsethik: Vorgehen bei Publikationen begründen, durch Ethikkommission genehmigen lassen, bei Verletzung der Forschungsethik: Schadensbegrenzung; Möglichkeit wissenschaftsinterner & rechtlicher Sanktionen Prinzipien in Beziehungen zu Versuchspersonen, Klient & Patient Achtung vor den Rechten und der Würde des Menschen, Selbstbestimmungsrecht, Professionelle Beziehungsqualität, Datenschutz
- Ockham's Razor bei Bildung von erklärenden Hypothesen und Theorien: höchstmögliche Sparsamkeit geboten, die einfachsten Hypothesen/Theorien sind oft die richtigen, da Natur sparsam und nicht übermäßig kompliziert ist
- Entwicklung der Psychologie seit der Antike Demokrit: „Seele ist in kleine Teile zerlegt, je nachdem, wie diese Teile miteinander agieren, kann man gewisse Dinge wahrnehmen“Sokrates: „ich weiß, dass ich nichts weiß“ – beschäftigte sich nicht explizit mit der Seele, zweifelte an seiner Wahrnehmung, wusste nur, dass er nichts wissen kann. Sokratischer Dialog: Patient wird sehr oft immer wieder „und warum ist das so?“ gefragt -> tieferes Verständnis des Patienten, Patient soll höhere Erkenntnis erlangen über seine ProblemePlaton: 3 Schichten der Seele: Vernünftiges, Begehrliches, Eifriges (wird später von Siegmund Freud aufgegriffen)Aristoteles: Herz & Seele als Erklärung der Seele, Seele ermöglicht das Denken, ist auch für Sinneswahrnehmung und Emotionen da, Seele gibt Körper Leben, kann ohne ihn aber auch nicht existieren
- Seelenlehre in der frühen Neuzeit Déscartes: Zweiteilung von Körper und Seele, Zirbeldrüse ist der Sitz der Seele, verbindet das Menschliche mit dem Göttlichen. Abhängigkeit der Sinneserfahrungen vom Denken. Humunculus: „Männchen im Kopf“, welches den Körper steuert, heute Begriff für GehirnbereichPhrenologie: Gall, Charaktereigenschaften auf Kopfform zurückführbar, weil alle dort angeordnet
- Ursprünge & Entwicklung der Wissenschaftsdisziplin Psychologie Herausbildung Psychologie ab dem 19. Jahrhundert, naturwissenschaftliche & mathematische Erfassung des Menschen 1879: 1. Experimentelles psychologisches Labor (Wilhelm Wundt), Wahrnehmungsexperimente (Psychophysik)
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- Entwicklung der Psychoanalyse - Breuer erfand Methode der Psychoanalyse, auch wenn Freud als Erfinder gilt- Dr. Charcot inspirierte durch Hypnosebehandlungen - Freud: Seelenmodell -> Unterscheidung der Lebewesen in wenige Instanzen Über-ich -> Gebote/Verbote Wert- und Normvorstellungen Ich -> Kritischer Verstand, Triebverzicht und -aufschub Reaktionen Es -> Bedürfnisse, Libido, Destrudo Reize - Biografiefokus - Ödipuskomplex: in „phallischer Phase“ von 3-5 J. fühlt männliches Kind sich zu Mutter hingezogen und sieht Vater als Konkurrenten an -> wird diese Phase nicht überwunden: Neurosen/Perversionen- Immunisierungskritik: Therapeut kann darauf beharren, dass Patient Problem mit Mutter hat (nicht widerlegbar)- Institutionalisierung: Gründung einer Gesellschaft, Entwicklungspsychologie daraus geformt- Säuglings- und Bildungsforschung, Objektbeziehungstheorie / Weiterentwicklung der Psychoanalyse thematisiert, wie unbewusste Konflikte im Kind entstehen, auch durch Erziehung- Annemarie Dührssen: Psychoanalytikerin, die sich für Verständigung zwischen Psychoanalyse und Psychiatrie einsetzte, Psychotherapie wurde dadurch 1976 als Krankenkassenleistung aufgenommen (analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie)
- Entwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie - Davor: Behaviorismus (klassische/operante Konditionierung)- Kognitivismus: Verhalten nicht nur durch Umweltbedingungen, sondern auch durch kognitive Prozesse erklärt (wie nehmen Menschen Infos auf, wie verarbeiten und verstehen sie sie, wie erinnern sie sich?) -> keine reine Konditionierungsmaschine mehr, wenn man Kognitionen bearbeitet und verändert, kann man Menschen heilen- Ab 1968 kognitive Verhaltenstherapie Kassenleistung- Emotionale Wende / dritte Welle: moderne verhaltenstherapeutische Ansätze dazu erfunden: ACT, behavioral activation etc., heute kognitive Verhaltenstherapie am weitesten verbreitet und erforscht
- Empirische Methodentraditionen - Nomothetische Forschung -> auf das Aufstellen allgemeingültiger Gesetzmäßigkeiten abzielend, experimentell, quantitative Daten, untersucht allgemeine Theorien am „Speziellen“, also an der Empirie -> Naturwissenschaften (N von nomothetisch wie N aturwissenschaften)- Ideographische Forschung -> auch „Ereigniswissenschaften“, wollen die Phänomene in ihrer Besonderheit und Einmaligkeit verstehen. Erkenntnisziel ist, das historisch Gegebene, wie es in der Erfahrung wahrgenommen wird, zu beschreiben (umfassende Beschreibung konkreter Gegenstände -> Geisteswissenschaften)- Mixed methods: Kombination quantitative und qualitative Forschung
- Quantitatives Forschungsprogramm Metaphsysische Annahmen: 1. Natur existiert2. Gesetzmäßigkeiten bestehen3. Wissen über Natur sammeln ist möglich- Mathematische Beschreibung von zentraler Bedeutung in den Naturwissenschaften- Strukturierter, standardisierter Forschungsprozess- Verwendung quantitativer Datenerhebungsmethoden- Numerische Daten werden erhoben, Auswertung von Messerwerten mit statistischen Methoden der Datenanalyse - Überprüfung einer vorab festgelegten Hypothese
- Erhebungsmethoden qualitatives Paradigma - Selbstberichtsverfahren- Beobachtung- Tests- Physiologische Methoden (Quantifizierung physiologischer Prozesse, z.B. Herzschlagfrequenz, diese werden als „Biosignale“ bezeichnet -> so auch Hirnaktivität, Blickbewegungen)- Experiment
- Probleme quantitatives Paradigma - Blinder Empirismus - Statistiken sind immer Informationsreduktion- Kontext wird außer Acht gelassen, nur rein statistische Daten
- Verstehende Psychologie nach Dilthey Psychologie zählte zu Naturwissenschaften, Dilthey schlug Verstehen als eigene Methode vor, Psychologie sollte nicht nur Kausalitäten erklären (wie für Naturwissenschaften üblich), sondern soll zweckorientierte Sinnzusammenhänge verstehen. Durch Kommunikation mit Betroffenen: Verständnis ihrer Sichtweise und somit ihres Handelns und Erlebens
- Qualitatives Paradigma - Vorwiegend in Geisteswissenschaften- Durch Kritik an der Existenz sozialer Gesetzmäßigkeiten im quantitativen Ansatz entstanden- Berücksichtigung des jeweiligen Kontexts- Individualisierte, hermeneutische (erklärende, sehr detaillierte) Verfahren & Analysen - Verstehen essentiell, durch Logik & Vernunft
- Probleme qualitatives Paradigma - Subjektive und objektive Urteile müssen unterschieden werden- Repräsentation fraglich, ob Ergebnisse praktisch relevant sind- Überprüfbarkeit reduziert- Induktion (Schlussfolgerungen aufs Allgemeine) ist fehleranfällig- Geringe Effizienz (teuer)
- Erhebungsmethoden qualitatives Paradigma - nicht standardisierte Befragungen, Interviews- Beobachtungen- Auswertungen von Tagebüchern, Briefen, Gruppendiskussionen
- Deskriptive Feldforschung Ziel: Kultur aus Sicht ihrer Mitglieder möglichst ohne Veränderung durch Eingriff des Forschers beschreiben, Feld ist Teil des UntersuchungsgegenstandesPhasen: Fragestellung wird festgelegt, Feldkontakt wird hergestellt, Materialsammlung, Ausstieg aus dem Feld, Auswertung
- Vergleich qualitativer & quantitativer Ansatz Qualitativ // QuantitativZiel: umfassende Beschreibung/Analyse, Alltagsgeschehen, alle Handlungen/Äußerungen in Kontext gesetzt // Ziel: Quantifizierung -> Sachverhalt in messbare Größen & Zahlenwerte umwandelnZur Generierung neuer Forschungsfragen, Erschließung neuer Themengebiete // Treffen allgemeingültiger AussagenNaturalistisches Vorgehen // Aktive Manipulation Offene Verfahren // Vorgegebene KategorienFallorientierung // VariablenorientierungHolistisch (ganzheitlich) // Elementarisch (untersucht einzelne Elemente)Induktiv (Einzelfall aufs Allgemeine)// Deduktiv (Allgemeines auf Besonderes)Tiefer liegende Strukturen, Zusammenhänge, Mechanismen erkennen -> Richtlinie für Begründung von Hypothesen, trägt zur Theoriebildung bei // Festlegung Vorgehensweise vor Beginn der StudieZiel: Beschreiben, Verstehen // Ziel: KausalitätserklärungInterpretationsbedürftige Daten // Numerische DatenForschende als „Messinstrumente“ // Standardisierte, objektive MessinstrumenteTheoretische Verallgemeinerung // Statistische VerallgemeinerungGütekriterium der Validität (Genauigkeit, wird das gemessen, was gemessen werden soll?) // Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität (Zuverlässigkeit -> wiederholte Messung = gleiches Ergebnis?), Validität