1_3 Sicherheit und Reziprozität - (Fach) / 1_3 Sicherheit und Reziprozität - (Lektion)
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1_3 Sicherheit und Reziprozität -
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- Welche Gründe sprechen für eine theoretisch-konzeptionelle Unterscheidung zwischen Responsivität (responsiveness to distress) und Wärme (warmth)? Bei Responsivität erhalten Kinder Unterstützung beim Umgang mit negativen Emotionen.Bei Wärme handelt es sich um einen wechselseitigen Austausch zwischen Kind und Erziehungsperson.1. Responsivität und Wärme haben eine unterschiedliche Funktion für de Entwicklung der Emotionsregulation von Kindern:Responsivität ist zentral für die Entwicklung von Bindungssicherheit und Selbstregulation von negativem StressWärme ist wichtiger für die Entwicklung von sozialer Reziprozität (kooperative Interaktionen)2. Beide Konzepte besitzen unterscheidbare evolutionäre und entwicklungspsychologische Funktionen / Responsivität und Wärme sind in zwei unterschiedliche biologische Systeme eingebunden, die sich unterscheiden hinsichtlich:zentrale Gefühleevolutionäre Funktionenbiologische BasisKonsequenzen für Kindesentwicklung3. Beide spielen unterschiedliche Rollen bei der Verinnerlichung von Werten:Responsivität -> Vertrauen, dass Eltern vernünftige Anforderungen stellenWärme -> Kinder wollen Eltern gefallen4. Zusammenhang zwischen Responsivität und Vorhersage von generellen Kompetenzen/ Erfolg in der Schule, auch unter statistischer Kontrolle des Einflusses von Wärme5. Frühe Responsivität lässt Vorhersagen zu hinsichtlich der Bindungssicherheit mit 12 Monaten6. Beide Aspekte erfordern verschiedene Fähigkeiten/Emotionen der Eltern und finden in unterschiedlichen Situationen/Bedingungen statt (Responsivität in asymmetrischen Interaktionen, Wärme in symmetrischen Interaktionen)
- Wie lauteten die sechs zentralen Hypothesen? 1. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen elterlicher Responsivität und der Entwicklung von EmotionsregulationResponsivität, nicht Wärme, wirkt sich günstig auf die Fähigkeit des Kindes aus, mit negativen Emotionen umzugehenD.h. Kinder, deren Eltern responsiv auf die Emotionen ihrer Kinder eingehen, lernen hier Strategien, ihre Emotionen zu regulieren (Beobachtungslernen).2. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen elterlicher Responsivität und der Entwicklung von Empathie und prosozialem Verhalten. Responsivität, nicht Wärme, stehen in positivem Zusammenhang mit der Entwicklung von Empathie und prosozialem Verhalten; etwa weil Kinder durch Interaktionen mit Bezugspersonen gelernt haben, Emotionen anderer zu erkennen.3. Der positive Zusammenhang zwischen elterlicher Responsivität und der Entwicklung von Empathie und prosozialem Verhalten wird vermittelt durch die Fähigkeit des Kindes seine negativen Emotionen zu regulieren.Die Regulation negativer Emotionen fungiert als Mediatorvariable zwischen Responsivität der Eltern und Empathien des Kindes.Das heißt, dass Kinder, die ihre Emotionen regulieren, sollten auf die Not von anderen Kindern dadurch, dass sie deren Emotionen erkennen, angemessen reagieren können.4. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen elterlicher Wärme und der Fähigkeit des Kindes positive Emotionen zu regulieren.Elterliche Wärme, nicht Responsivität, bietet den Kindern verschiedene Gelegenheiten angemessene Regulierung ihrer positiven Emotionen zu erlernen (Beobachtungslernen, Ausprobieren).5. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen elterlicher Wärme und der Akzeptanz der Kinder von Gleichaltrigen (Peers).Elterliche Wärme motiviert Kinder sich mir Peers zu sozialisieren und sozialen Austausch zu pflegen, was die Eltern wiederum gutheißen und weitere Gelegenheiten zu Austausch mit Peers schaffen werden.6. Der positive Zusammenhang zwischen elterlicher Wärme und der Akzeptanz der Kinder von Gleichaltrigen wird vermittelt durch die Fähigkeit des Kindes seine positiven Emotionen zu regulieren.Die Regulation positiver Emotionen fungiert als Mediatorvariable zwischen elterlicher Wärme und Peer-Akzeptanz des Kindes.
- Welche Stichprobe wurde untersucht? Es wurden 106 amerikanische Schulkinder im Alter zwischen 6,0 und 8,1 Jahren (je zur Hälfte männlich und weiblich) mit ihren Eltern untersucht. Die Teilnehmer gehörten von ihrem sozio-ökonomischen Status überwiegend zur Mittelklasse. 90% der Mütter hatten einen Universitätsabschluss. Die Teilnehmer wurden telefonisch aus einem Pool von Personen rekrutiert, die eingewilligt hatten, an Forschungsmaßnahmen über die Entwicklung von Kindern teilzunehmen.
- Wie lässt sich das Untersuchungsdesign charakterisieren (z. B. Quer- / Längsschnittdesign, Korrelations- / Experimentaldesign)? Querschnittsdesign, Korrelationsdesign/Regressionsanalyse
- Was waren die zentralen unabhängigen und abhängigen Variablen bzw. Mediator- und Moderatorvariablen? unabhängige Variablen (Prädiktoren), getrennt für Mütter und Väter: ResponsivitätWärme abhängige Variablen (Kriterien): Regulation positiver EmotionenRegulation negativer EmotionenEmpathie und prosoziales Verhalten Mediatorvariablen: Effektive Regulation negativer Affekte als Mediator zwischen Responsivität und Empathie/prosoziales Verhalten Effektive Regulation positiver Affekte als Mediator zwischen Wärme und Akzeptanz durch Peers Moderatorvariablen: AlterGeschlechtTemperament
- Welche Datenerhebungsmethoden (z. B. Selbst- oder Fremdeinschätzung, standardisierter Leistungstest, Art der Beobachtung) kamen zu ihrer Erfassung zum Einsatz? Selbsteinschätzungen der Eltern (z.B. im Hinblick auf Responsivität und Wärme) undder Kinder (im Hinblick auf Akzeptanz durch Peers)Fremdeinschätzungen der Eltern (z.B. im Hinblick auf Responsivität und Wärme) undder Kinder (im Hinblick auf Empathie/prosoziales Verhalten, Akzeptanz durch Peers und Temperament)direkte Beobachtungen der Eltern (in Interaktion mit ihren Kindern im Hinblick auf Wärme) undder Kinder (Reaktion auf Schmerz eines anderen im Hinblick auf prosoziales Verhalten)indirekte Beobachtung/Fremdeinschätzung der Eltern (Essay im Hinblick auf Wärme) undder Kinder (Geschichten im Hinblick auf Empathie und prosoziales Verhalten)
- Welche Befunde ergaben sich hinsichtlich der Rolle von Emotionsregulation für Zusammenhänge zwischen (a) Responsivität und Empathie / prosozialem Reagieren und (b) Wärme und Peer-Akzeptanz? a) Zur Hypothese, dass die Regulation negativer Affekte die Verbindung zwischen Responsivität und empathischer Reaktion der Kinder vermittelt: Bei den Müttern gab es einen signifikanten und positiven Zusammenhang zwischen Responsivität einerseits und der Regulation negativer Affekte ( t(100) = 2.59, p ≤ .01, β = .25) bzw. Empathie/prosozialem Verhalten (t(100) = 2.34, p ≤ .05, β = 0.22)andererseits. Bei der Regression der Empathie/prosozialem Verhalten auf Responsivität und effektive Regulation negativer Affekte war der Mediator Emotionsregulation signifikant ( t(99) = 3.55, p ≤ .001, β = .33). Dagegen sagte die Responsivität die Empathie des Kindes nicht mehr signifikant voraus (t(99) = 1.51, p ≤ .13, β = .14). Durch die Einführung der Mediatorvariablen in die Gleichung sinkt der Zusammenhang also von 0.22 auf 0.14. Daraus kann geschlossen werden, dass zumindest teilweise ein Mediatoreffekt vorliegt. Ein direkter Test des Mediatoreffekts ergab eine signifikante Abnahme des β des Prädiktors aufgrund der Kontrolle des Mediators (z = 2.09, p < .05). Bei den Vätern gab es eine signifikante Verbindung zwischen Responsivität und der Regulation negativer Affekte ( t(85) = 2.27, p ≤ .05, β = .24). Die Verbindung zwischen Responsivität und Empathie/prosozialem Verhalten war im Unterschied zu den Müttern marginal (t(85) = 1.82, p ≤ .05, β = 0.22). Bei der Regression der Empathie/prosozialem Verhalten auf Responsivität und effektive Regulation negativer Affekte war der Mediator Emotionsregulation signifikant ( t(84) = 3.32, p ≤ .001, β = .34). Dagegen sagte die Responsivität die Empathie des Kindes nicht mehr signifikant voraus (t(84) = 1.08, p ≤ .28, β = .11). Dieses Ergebnis entspricht dem der Mütter. Ein direkter Test des Mediatoreffekts ergab eine beinahe signifikante Abnahme des β des Prädiktors aufgrund der Kontrolle des Mediators (z = 1.88, p < .06). Insgesamt ist dieses Ergebnis für die Mütter konsistent mit der Hypothese, während die Effekte bei den Vätern marginal waren. b) Zur Hypothese, dass die Regulation positiver Affekte die Verbindung zwischen elterlicher Wärme und Akzeptanz durch Peers vermittelt: Da die Regressionsanalyse keine Beziehung zwischen mütterlicher Wärme und Akzeptanz durch Peers für die ganze Stichprobe gezeigt hatte, wurde dieser Mediationseffekt nur für Mütter und Söhne getestet. Dabei ergab sich, dass es bei Jungen signifikante Verbindungen zwischen mütterlicher Wärme einerseits und effektiver Regulation positiver Affekte (t(48) = 2.56, p ≤ .01, β = .36) sowie Akzeptanz durch Peers (t(48) = 1.98, p ≤ .05, β = .34) andererseits gab.-> Signifikanter Zusammenhang zwischen Wärme und der Regulation positiver Emotionen-> Signifikanter Zusammenhang zwischen Wärme und der Entwicklung von Peer-AkzeptanzBei einer Regression der Akzeptanz durch Peers auf mütterliche Wärme und effektiver Regulation positiver Affekte war der Mediator Emotionsregulation signifikant (t(47) = 3.25, p ≤ .01, β = .51). Demgegenüber wurde Akzeptanz durch Peers nicht länger signifikant durch mütterliche Wärme vorhergesagt (t(47) = .91, p ≤ .37, β = .15).-> Signifikanter positiver Zusammenhang zwischen der Regulation positiver Emotionen als Mediator und der Entwicklung von Peer-Akzeptanz Ein direkter Test des Mediatoreffekts ergab ein signifikantes Ergebnis (z = 2.01, p < .05). Die Ergebnisse sind damit konsistent mit der Interpretation, dass warmherzige Mütter zumindest teilweise die Akzeptanz ihrer Söhne durch Peers fördern, indem sie einen adaptiveren Stil der Regulation positiver Affekte fördern. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Ergebnisse weitgehend hypthesenkonform sind.
- Inwieweit ergeben sich aus der Sicht der Autorinnen Einschränkungen hinsichtlich der Interpretierbarkeit und Generalisierbarkeit der Befunde aufgrund (a) des Untersuchungsdesigns, (b) der Stichprobenwahl und (c) der verwendeten Datenerhebungsmethoden? Welche Maßnahmen wären geeignet, um diesen Einschränkungen in zukünftigen Studien entgegenzuwirken? a) Aufgrund des Untersuchungsdesigns ergeben sich folgende Einschränkungen: Durch das Korrelationsdesign und des Querschnittdesigns lassen sich keine festen Aussagen hinsichtlich einer Wirkrichtung treffen.Auch könnte ein Teil der Effekte durch Eigenschaften der Kinder zu erklären sein, obwohl in der Studie die Eigenschaft „schwieriges Temperament“ statistisch kontrolliert wurde.Zudem könnten sich gemeinsame genetische Dispositionen von Eltern und Kindern ausgewirkt haben.Die Autorinnen schlagen vor, diesen Punkten mit experimentellen Studien und Studien im Längsschnittdesign zu begegnen.Hinsichtlich des Punktes „gemeinsame genetische Disposition“ könnten adoptierte Kinder im Vergleich zu biologischen Kindern untersucht werden. b) Aufgrund der Stichprobenwahl ergeben sich folgende Einschränkungen: Die Stichprobe rekrutierte sich überwiegend aus gut ausgebildeten amerikanischen Mittelklasse-Familien europäischer Abstammung, die im Vorfeld ihr Einverständnis zur Kontaktaufnahme zu Studienzwecken erklärt hatten.Daher ist unklar, inwieweit die Ergebnisse der Studie verallgemeinert werden können.Zur weiteren Klärung der Verallgemeinerungsfähigkeit könnte die Studie jeweils mit anderen Bevölkerungsgruppen wiederholt werden, die sich z.B. hinsichtlich des Bildungsniveaus oder des kulturellen Hintergrundes von der hier zugrunde liegenden Stichprobe unterscheiden. c) Aufgrund der verwendeten Datenerhebungsmethoden ergeben sich folgende Einschränkungen: Es wurden in wesentlichem Umfang Berichte der Eltern herangezogen. Diese sind aufgrund des subjektiven Einschlages der jeweiligen Berichte nur eingeschränkt vergleichbar.Die Autorinnen schlagen vor, in künftigen Studien mehr direkte Beobachtungen zugrunde zu legen.Weiterhin wurden in der Studie einige Tests dahingehend modifiziert, dass mit ihrer Hilfe erstmalig zwischen Wärme und Responsivität differenziert werden kann. Daher fehlt es den Tests an vorheriger Validierung.Die Autorinnen schlagen vor, die Ergebnisse der Studie als vorläufig zu betrachten, bis die modifizierten Tests durch Replikationsstudien validiert sind oder die Studie mit anderen, bereits validierten Tests repliziert wurde.
