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Politikfeldanalyse (Fach) / PFA Bamberg 19 (Lektion)

PFA

Diese Lektion wurde von Leon1902 erstellt.

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  • Welche empirischen Ergebnisse zeigen sich bezüglich der Anpassungsreaktionen an Globalisierung? Welche Kritik lässt sich an den empirischen Ergebnissen der Globalisierungsskeptiker üben? Globalisierungsskeptiker üben? Viele Studien aus den 1990er Jahren oder früher Langwieriger Prozess, dessen Konsequenzen nicht unmittelbar sichtbar werden
  • Welche Kritik lässt sich an den Ansätzen der Globalisierungstheoretiker üben? Negative Integration: Marktschaffung wird durch starke Position der Europäischen Kommission und des Europäischen Gerichtshofes erleichtert ----- Verschärfung des Standortwettbewerbs Positive Integration: Marktregulierung wird häufig durch Einstimmigkeitserfordernis erschwert Indirekte Effekte (Bsp.: Offene Methode der Koordinierung)
  • Was sind Institutionen? Wie beeinflussen sie Policies? „Regeln sozialer Interaktion“, von Menschen gemacht Formale und informelle Regeln (Beispiele?) Strukturieren Handlungen von Akteuren, können Handlungsspielräumeo beschränkeno ermöglichen Definieren Handlungskorridore für Akteure Unterschiede nach institutionellem Rahmen, wie Akteure Politik verfolgen können oder wollen
  • Was ist der Unterschied und was sind Gemeinsamkeiten zwischen Strukturen und Institutionen? Strukturen:gesellschaftliche Tatsachen, die extern sind zum politischen System. Makrostrukturen einer Gesellschaft (Macht, Altersstruktur, Wirtschaftsstruktur, Globalisierung); begrenzen Handlungsspielraum oder schaffen ProblemeInstitutionen:(formale und informelle) Regeln, die von Menschen gemacht sind, um (Kooperations-)Probleme zu lösen. Sie strukturieren die Interaktionen und Entscheidungsprozess innerhalb des politischen SystemsGemeinsamkeiten Handlungsbeschränkungen für Akteure Strukturieren Aushandlungsprozesse, definieren ProblemeUnterschiede Grad der Veränderbarkeit (pol. Institution vs. Gesellschaftliche Makrostruktur) von Menschen gemacht, (meist intentional und funktional) vs. extern zum politischen System
  • Welche Schulen des Institutionalismus lassen sich unterscheiden? Soziologischer Historischer Rationalistischer Institutionalismus
  • Welche institutionellen Grundtypen der Demokratie lassen sich unterscheiden? Welche Eigenschaften werden Ihnen zugeschrieben?  Regierungssystem: Parlamentarismus vs. Präsidentialismuso Enge Verbindung Legislative-Exekutive vs. Unabhängige Sphäreno Agenda-Setter: Parlamentarismus: Regierung; Präsidentialismus: Parlament Legislatives System: Einkammer- vs. Zweikammer-Systemo Zustimmungserfordernis Wahlsysteme: Mehrheits- vs. Verhältniswahlo Einparteien- vs. Koalitionsregierung/Minderheitenregierungo Entschiedeneres Regierung mit Mehrheitswahl/Einparteienregierung Parteiensystem: Zwei- vs. Mehrparteiensystem Vertikale Gewaltenteilung:o Föderalismuso Unitaristisches System Konfiguration: Mehrheits- vs. Konsensdemokratie
  • Stellen Sie knapp die Grundidee der Vetospieler-Theorie von George Tsebelis dar. Was ist sein Ausgangspunkt, was sind die abhängigen, was die unabhängigen Variablen? „Institutions matter“ Unterschiedliche Typologien der Vergleichenden Politikwissenschaft (Parlamentarismus vs. Präsidentialismus, Parteiensysteme etc.) können in einem Konzept zusammengefasst werden Zentrale abhängige Variable:o Policy Stabilität (gemessen am win-set), Veränderung des Status quo Unabhängige Variablen:o Anzahlo Kongruenz (programmatische Nähe/Distanz zwischen Akteuren)o Kohäsion (programmatische Differenzen innerhalb von kollektiven Akteuren) Definition: „Ein Vetospieler ist ein Akteur, dessen Zustimmung zu einer Veränderung des Status quo notwendig ist.“ Annahmen:o Rationale Akteure, die versuchen, ihre Policy-Präferenzen zu maximiereno Keine Transaktionskosten, keine Unsicherheiteno Räumliches Politikmodell mit euklidischen Präferenzen
  • Wann kann ein Akteur als Vetospieler betrachtet werden? Was ist der Unterschied zwischen institutionellen (institutional) und parteilichen (partisan) Vetospielern?  „Ein Vetospieler ist ein Akteur, dessen Zustimmung zu einer Veränderung des Status quo notwendig ist.“ Institutionell: von der Verfassung unmittelbar vorgegeben Parteilich: spiegeln Machtverhältnisse innerhalb der institutionellen Vetospieler ab Auch: Individuelle vs. Kollektive Vetospieler
  • Welche Ihnen bekannten Eigenschaften politischer Systeme können mit der Vetospielertheorie erfasst werden?  Institutionelle Charakteristika des politischen Systems Identifikation zustimmungsbedürftiger (!) Akteure
  • Welche Beziehungen bestehen laut Tsebelis zwischen Vetospielern und der Staatstätigkeit? Gehen Sie dabei auf die unterschiedlichen Eigenschaften der Vetospielerkonstellation ein. Welche Eigenschaft ist die zentrale? H1: Je höher die Anzahl der Vetospieler, desto höher die PolicyStabilität.H2: Je geringer die Kongruenz zwischen den Vetospielern, desto höher die Policy-Stabilität.H3: Je höher die Kohäsion bei kollektiven Vetospielern, desto höher die Policy-Stabilität (bei interner Mehrheitsregel).Bei qualifizierter Mehrheit oder Einstimmigkeit: Je geringer die Kohäsion, desto höher die Policy-Stabilität Indifferenzkurve: Markiert Distanz zwischen Idealpunkt des Akteurs und Status Quo und damit alle präferierten Policy-Ergebnisse innerhalb der Kurve im Vergleich zum SQ Win-Set: Zur Verfügung stehenden Policy-Alternativen, die in die Indifferenzkurven zweier (oder mehrerer) Akteure fallen Jede Position innerhalb des win-sets kann die Unterstützung der Vetospieler finden, da sie näher an der jeweiligen Idealposition liegen als der SQ Absorptionsregel: Liegt die Policy-Präferenz zwischen der zweier anderer oder ist sie identisch mit der Präferenz eines Vetospielers, so ist sie absorpiert. Der Vetospieler wird nicht berücksichtigt
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  • Was ist ein Agenda-Setter und wieso ist dieser Akteur in einer privilegierten Position? Wer nimmt diese Position in verschiedenen Typen von Regierungssystemen ein? Auf welche Position innerhalb des win-sets einigt man sich? Bedeutung des Agenda-Setters (= derjenige, der anderen den Vorschlag macht) Kann Policy-Vorschläge zu formulieren, die unter den beschränkenden Bedingungen der win-set-Formation seiner eigenen Position am nächsten kommen In parlamentarischen Systemen die Regierung, in präsidentiellen Systemen das Parlament
  • Welche Ansätze zur Messung der Vetospielerkonstellation in verschiedenen Ländern gibt es? Dichotomie (ein Vetospieler – mehrere Vetospieler) Additivindizes (Colomer, Huber/Stephens, Schmidt) Vetospieler-Index nach Tsebelis und Weiterentwicklungen, z.B. Armingeon et al (CPD)
  • Welche Kritik ist am Vetospieler-Ansatz geübt worden? Was sind die Stärken des Ansatzes? Kritik: Unklarheit, wer als Vetospieler gewertet wird (Gerichte, Verbände, Zentralbank etc.) Wie ermittelt man Policy-Präferenzen?o Kongruenz und Kohäsion empirisch oft übergangeno Strategische Positionierung oft ausgeschlossen Legen Vetospieler immer ein Veto ein?o Issue-Linkage über Politikfelder hinweg, Package-Dealso In qualitativen Studien möglich, quantitativ nicht Annahme: Policy-Orientierung, aber empirisch auch oft nur Orientierung an Wählerstimmen und Ämtern (vote- und officeseeking)Stärken: Einfaches Instrumentarium zum Vergleich sehr unterschiedlicher Systeme Empirisch gehaltvoll, empirisch oft bestätigt Grundsätzlich in allen Politikfeldern relevant Anschlussfähig an andere Theorien und Ergänzungeno Problemdruck, Ressourcen, Parteien
  • Inwiefern ist der akteurzentrierte Institutionalismus eine Forschungsheuristik bzw. ein analytischer Ansatz? Keine gegenstandsbezogene Theorie, sondern ein analytischer Ansatz, der auf verschiedene theoretische Elemente zurückgreift „Werkzeugkasten“ „wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte der Wirklichkeit“ lenken (Mayntz/Scharpf 1995: 39) Policies lassen sich erklären durch Zusammenspiel von Akteuren (bzw. der Akteurkonstellation) und dem institutionellen Kontext (bzw. Interaktionsform), in dem die Akteure agieren Elemente:o Institutionen: Handlungsrahmen, aber auch Einfluss auf Akteurpräferenzeno Akteure: verfolgen innerhalb der Institutionen ihre Zieleo Akteurkonstellation: Interessenkonstellation, die sich ergibto Interaktionsformen: Arten der Interaktion, Entscheidungsmodi Ziel: Erklärung von Makrophänomenen (Policies) mit Erklärungen auf der Mesoebene (Strukturierte Interaktionen kollektiver Akteure); „Coleman-Badewanne“
  • Was unterscheidet aggregierte, kollektive und korporative Akteure? Welche Typen kollektiver Akteure gibt es?  Ausgangspunkt methodologischer Individualismus: Letztlich handeln nur Individuen. Alle sozialen Ergebnisse müssen sich auf deren Handlungen zurückführen lassen Meist haben wir es in der Policyforschung mit Akteuraggregaten zu tun und nicht mit Individuen Lässt sich Akteuraggregaten eine Akteurqualität zuschreiben? Abhängig von der Beschaffenheit des Akteuraggregats!!
  • Was sind kognitive, was motivationale Handlungsorientierungen? motivationale Orientierung:o Präferenzen = Interesseno grundlegend: Eigennutz (z.B. Einkommen, aber auch Selbsterhaltung, Autonomie)o Normative Rollenerwartungen oder Identität Kognitive Handlungsorientierungen (Wahrnehmungen)o Annahme, dass „die Akteure direkt beobachtbare Tatsachen empirisch zutreffend wahrnehmen und ihre ... Hypothesen über nicht beobachtbare Sachverhalte und kausale Beziehungen von Theorien geleitet sind, die zu der jeweiligen Zeit und in dem jeweiligen institutionellen Kontext vorherrschen“ (Scharpf 2000: 114)o Wahrnehmung der Handlungssituation mit ihren Optionen und Folgen
  • Was ist eine Akteurkonstellation? Wie lässt sie sich darstellen? Ermitteln Sie die NashGleichgewichte für das Gefangenendilemma und den Battle of the Sexes! Praktisch ist kein Akteur in der Lage, politische Entscheidungen allein auf der Basis eigener Wahrnehmungen und Präferenzen und nur unter Zuhilfenahme eigener Ressourcen zu fällen Die Akteurkonstellation beschreibt die beteiligten Akteure und ihre Optionen und Präferenzen – unter Berücksichtigung der Optionen und Präferenzen der Gegenspieler: strategische Interaktion Keine Entscheidung wird alleine getroffen, sondern im Zusammenspiel mit anderen Akteuren mit eigenen Interessen und Wahrnehmungen Nash-Gleichgewicht:o Ergebnisse verschiedener Kombinationen von Optionen: „Beste Antwort auf alle Handlungen der Gegenspieler“o Stabiles Ergebnis, da kein Spieler einen individuellen Anreiz hat, einseitig von seiner gewählten Strategie abzuweichen
  • Welche Rolle spielen Institutionen im akteurzentrierten Institutionalismus?  Institutionen sind „Regelsysteme, die einer Gruppe von Akteuren offenstehende Handlungsverläufe strukturieren“ (Scharpf 2000: 77) Institutioneno ermöglichen soziales Handeln, indem sie Erwartungssicherheit schaffeno wirken handlungsermöglichend oder handlungsbeschränkendo weisen Aufgaben zu und setzen Akteure in definierte Beziehungen zueinandero konstituieren kollektive und korporative Akteureo definieren die rechtlichen und materiellen Handlungsressourcen und Kompetenzen von Akteureno beeinflussen die Ziele und relevanten Werte von Akteureno beeinflussen die Wahrnehmung von Akteuren Beeinflussen also die Akteurkonstellation und die Interaktionsform
  • Welche Interaktionsformen unterscheidet der akteurzentrierte Institutionalismus? Zeigen Sie bitte sowohl am Gefangenendilemma wie auch am Battle of the Sexes, welche Auswirkungen unterschiedliche Interaktionsformen auf das Ergebnis der Interaktionen haben. Interaktionsformen: Einseitiges Handeln und wechselseitige Anpassungo jeder Akteur wählt seine Strategie unabhängig vom anderen Verhandlungo Kooperativ: verbindliche Abmachungen möglich Mehrheitsentscheidungo Die Mehrheit entscheidet, die Minderheit muss folgen Hierarchische Steuerungo Der Chef entscheidet, die anderen müssen die Entscheidung befolgen, sonst gibt es SanktionenGefangenendilemma: Einseitiges Handeln: Nash-Gleichgewicht, DD Verhandlung: Kooperation durch Absprache Mehrheitsentscheidung: Kooperation, aber Legitimitätsproblem -> Defektieren Hierarchie: Zwang zur KooperationBattle of the Sexes: Einseitiges Handeln: unklar Verhandlung: Lösung möglich, Ausgleichsleistungen/Paketlösung Mehrheitsentscheidung: Wenn mehrere Akteure, klare Lösung Hierarchie: klare Lösung nach Präferenz des „Chefs“
  • Welche Probleme treten bei einseitigem Handeln und wechselseitiger Anpassung auf?  Oft kein eindeutiges Gleichgewicht (gilt bei simultanen Spielen, bei sequentiellen Spielen wird es sich einstellen) Ineffizienz möglich: Es kann Verluste bei Gesamtwohlfahrt geben (siehe z.B. Gefangenendilemma) Bei negativer Koordination (Markttausch) keine Umverteilung möglich
  • Welche Vorteile haben demgegenüber Verhandlungen? Welche Probleme können auch bei Verhandlungen nicht gelöst werden? Und warum?  Kommunikation ist möglich Kooperatives Spiel: Ausgehandelte Verpflichtungen sind verbindlich (durchsetzbar) Kann die Gesamtwohlfahrt durch Verhandlungen steigern, weil Ausgleichszahlungen und Paketlösungen möglich sindAber: Hohe Transaktionskosten, weil alle zustimmen müssen (Konsens) Umverteilung ist unmöglich (wegen Konsens)
  • Welche Vorteile hat die Mehrheitsentscheidung gegenüber wechselseitigem Handeln und gegenüber Verhandlungen? Mit welchen Problemen sind Mehrheitsentscheidungen konfrontiert? Und warum?  Mehrheitsentscheidungen haben niedrige Transaktionskosten Umverteilung ist möglichAber: Mehrheitsentscheidung im Vergleich zu Verhandlungen nicht immer wohlfahrtsmaximierend Legitimitätsproblem der Demokratie Antwort: Minderheit wird bei anderen Entscheidungen in der Mehrheit sein Institutionelle Begrenzungen der Tyrannei der Mehrheit
  • Welche Vorteile hat die hierarchische Steuerung gegenüber wechselseitigem Handeln, gegenüber Verhandlungen und gegenüber Mehrheitsentscheidungen? Mit welchen Problemen ist die hierarchische Steuerung konfrontiert? Und warum? sanktionsbewährte Anweisungen; Hierarchische Autorität kann Ihre Präferenzen gegen den Willen der Untergebenen durchsetzen Ähnlich wie bei Mehrheitsentscheidung niedrige Transaktionskosten Umverteilung ist möglichAber: Hohe Informationserfordernisse für die hierarchische Spitze Motive der hierarchischen Autorität Einbeziehung gesellschaftlicher Gruppen in politische Steuerung soll Informationsproblem abschwächen Selbststeuerung im „Schatten der Hierarchie“
  • Was ist Pfadabhängigkeit und wieso kommt es dazu? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang „increasing returns“? diesem Zusammenhang „increasing returns“? Die Vergangenheit beeinflusst die Gegenwart und Zukunft des Policy-making „History matters“: Vergangene Entscheidungen beeinflussen gegenwärtige Zentraler Mechanismus: „increasing returns“ oder „positive feedback“: SelbstverstärkungseffekteJe mehr Menschen eine Technik mit sozialen Externalitäten nutzen, desto größer ist der Nutzen der Technik für jeden einzelnen (z.B. Software, Videospielformate etc.)Eigenschaften: Zufall (Ergebnis nicht vorhersagbar) Nicht-Ergodizität (Reihenfolge der Zufallsereignisse macht einen Unterschied für das Ergebnis; frühe Entscheidungen beeinflussen das Ergebnis mehr als spätere) Lock-in (Änderung des Ergebnisses unwahrscheinlich bzw. unmöglich) (Ineffizienz): Das eingerastete Ergebnis kann auch bestehen bleiben, wenn es ineffizient ist. Allerdings kein definitorisches Merkmal: Pfadabhängigkeit kann auch zu effizientem Ergebnis führen.
  • Unter welchen Umständen sind „increasing returns“ besonders wahrscheinlich? „Increasing returns“ (positive Externalitäten), wenn Koordinationseffekte Lernen Komplementarität (adaptive Erwartungen) Hohe Startkosten, sinkende Stückkosten
  • Welche Argumente lassen sich anführen, warum Pfadabhängigkeit in der Politik besonders häufig vorkommen sollte? Finden Sie diese Argumente überzeugend? Diskutieren Sie! Bei politischen Institutionen sind die Bedingungen für „increasing returns“ häufig gegeben (Pierson):1) Kollektives Handeln Abstimmung in Gruppen ist kostspieliger als von Individuen (hohe Anfangskosten) Anders als auf Märkten, wo die Akteure individuell handeln2) Hohe Dichte von komplementären Institutionen Institutionen passen gut zueinander (Komplementarität) verstärken sich wechselseitig Beispiel: Zweiparteiensystem und Mehrheitswahlrecht3) Macht(asymmetrien) Einflussreiche Akteure nutzen ihre Macht, um die Spielregeln so zu verändern, dass ihre Macht weiter steigt Beispiel: Benennung von Verfassungsrichtern in den USA4) Komplexität von Politik macht Erwartungssicherheit sehr wertvoll Interesse an ihrer Aufrechterhaltung
  • Welche Stärken und Schwächen weist die Pfadabhängigkeitsthese auf?  Theoretisch überzeugend Nützlich, um Beharrungskräfte und institutionelle Kontinuitäten mancher Politiken zu verstehen Empirisch oft bestätigt ABER: Gefahr von Konzeptüberdehnung in der empirischen Anwendung (increasing returns? Saubere Anwendung) Unterschätzung der Handlungsmöglichkeiten von Akteuren, Überbetonung der strukturellen Hindernisse und der Stabilität Mechanismen eher in qualitativen Fallstudien und small-N Fallstudienvergleichen identifizieren
  • Was ist die Grundidee der These vom Politikerbe? Regierungen übernehmen („erben“) Verpflichtungen, die von Vorgängerregierungen eingegangen wurden, an die sie aber gebunden sindo „Policy-makers are heirs before they are choosers“ (Rose 1990: 263) Grund: Institutionalisierung von Policies Bilden den Handlungsrahmen (Struktur), innerhalb dessen Politik stattfindet Kurzfristig kaum möglich, neue, gewichtige Impulse zu setzen: das Politikerbe dominiert die Politik
  • Kann es der Politikerbethese zufolge überhaupt zu Politikwandel kommen und wann ja, zu welchem? Modi des Wandels: Zusätzliche Policies (alte Policies abzuschaffen schwieriger als neue hinzuzunehmen; wachsender Staat) Trial and Error (je älter Gesetz, desto unwahrscheinlicher es abzuschaffen; jüngere, eigene Gesetze der Regierung wahrscheinlicher abzuschaffen: kurzfristiger Zeithorizont von gewählten Politikern) Inkrementalismus (kleine Schritte aus a) Widerstand gegen weitreichende Änderung, b) Unsicherheit über Wirkung der Policy; können sich podenzieren und selbst Erblast werden) Nicht-Intendierte Konsequenzen
  • Welche empirischen Indikatoren werden angeführt, um die These von der Bedeutung des Politikerbes zu untermauern?  Anteil der Staatsausgaben, die durch gesetzliche oder vertragliche Verpflichtungen von Vorgängerregierungen festgelegt wurden Alter der Policies Z.B. Rose 1990: Inheritance Before Choice in Public Policy. In: Journal of Theoretical Politics 2 (3), S. 263-291
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  • Welche Kritik lässt sich an der These vom Politikerbe üben?  Unterschätzung der Änderungsmöglichkeiten von Akteuren Überbetonung der strukturellen Hindernisse und der Stabilität
  • Welchen Vorschlag zur Messung von Policy-Wandel macht Peter Hall (1993)? Was versteht er unter Wandel erster, zweiter und dritter Ordnung?  Ziel: Reichweite des Policy-Wandels klassifiziereno Übergeordnete Ziele, die verfolgt werden in einem Politikfeldo Instrumente, mit denen das Ziel erreicht werden sollo Genaue Einstellung der Instrumente Dementsprechend:o Wandel 1. Ordnung: Einstellung der Instrumente wird variiert (z.B. Beitragssatz der Arbeitslosenversicherung wird um 0,2% erhöht)o Wandel 2. Ordnung: Instrumente werden modifiziert oder gewechselt (z.B. Eigenheimzulage wird abgeschafft)o Wandel 3. Ordnung: Die Policy-Ziele selbst werden verändert, Infragestellung der Zielsetzung einer Politik
  • Wie behandelt der erweiterte politisch-institutionelle Ansatz die bisher behandelten Erklärungsfaktoren?  Die Erklärungen müssen nicht notwendigerweise als konkurrierend, sondern können auch als komplementär verstanden werden Additive Kombination verschiedener Theorieschulen, um möglichste hohe Varianzaufklärung zu erreichen (Erweiterter politischinstitutionalistischer Ansatz bzw. Heidelberger Schule - M.G. Schmidt) Unterschiede bei den Sozialausgaben zwischen den entwickelten westlichen Demokratien lassen sich nicht befriedigend mit einer einzigen Theorieschule erklären Schmidt greift daher auf Variablen aus den verschiedenen Schulen zurück, nämlich:o Funktionalismus (Stand wirtschaftlicher Entwicklung, Arbeitslosenquote)o Parteiendifferenz (Christdemokraten, Sozialdemokraten)o Institutionen (Vetospielerindex)o Europäische Integration (Maastricht)o Politikerblast (Sozialausgaben im Vorjahr)o Kostendruck im öffentlichen Sektor
  • Welches Problem bleibt bei einer additiven Kombination der Faktoren bestehen? Wie ließe es sich heilen?  Unklarheit des Zusammenspiels des einzelnen Faktoren Unklarheit der (Kausal-)Mechanismen Lösung: Ergänzung durch Fallstudien!
  • Was ist der Grundgedanke des Punctuated-Equilibrium-Ansatzes? Längere Phasen von Stabilität werden abgelöst von abruptem Wandel, der wiederum zu einem neuen „Gleichgewicht“ führt, das dann längere Zeit stabil bleiben kann Erklärung der eigentümlichen Dynamik von Policies (spezifische Form von Stabilität und Wandel) punctuated equilibrium“
  • Auf welchen Annahmen über die Akteure basiert der Punctuated-Equilibrium-Ansatz? Akteure sind begrenzt rationalo Vertrauen organisationalen Routinen Institutionelle Friktioneno Inkrementeller Wandel Politische Aufmerksamkeit: Kein politisches System kann sich allen Problemen gleichzeitig widmeno Die meisten Sachverhalte werden daher in Policy-Subsystemen verhandelt, die es ermöglichen, diese Sachverhalte parallel zu bearbeiteno Nur gelegentlich kommen Probleme aus einzelnen Subsystemen auf die Agenda der Makropolitik („macropolitical system“), wo sie sequentiell bearbeitet werden müssen
  • In welcher Weise erlauben Policy-Subsysteme es, Sachverhalte parallel zu bearbeiten? Was ist der Vorteil gegenüber der seriellen Bearbeitung auf der Ebene der Makropolitik?  Begrenzte politische Aufmerksamkeito Bearbeitung in Policy-Subsystemen Solange die Politik im Subsystem verbleibt, herrscht Stabilität. Wenn Sie auf die Ebene der Makropolitik gelangt, gibt es radikalen Wandelo “underresponse because of friction, then overresponse in response to built-up pressures” (Baumgartner et al 2010, 607) Politikwandel wird ausgelöst von einer sich verändernden Wahrnehmung eines Problems (policy image) oder veränderlichen institutionellen Entscheidungsbefugnissen (policy venues), die sich wechselseitig verstärken und dadurch zu rasantem Wandel beitragen
  • Wodurch sind Policy-Subsysteme im Punctuated-Equilibrium-Ansatz gekennzeichnet? Vereinigen Politikfeldexperteno Akteure, die ein unmittelbares Interesse an einer Politik haben, partizipieren in einem Policy-Subsystemo Akteure mit geringerer Intensität des Interesses partizipieren kaum Befinden sich außerhalb der generellen politischen Aufmerksamkeit (Medien, Parteien, Parlament, Regierung) Kaum Einflussnahme auf das Policy-Subsystem von außen Können von einem geteilten Interesse dominiert sein oder es gibt innerhalb der Policy-Subsysteme Wettbewerb
  • Was ist ein „Policy-Image“? Welche Rolle spielt es in einem Policy-Subsystem? How a policy is understood and discussed is its policy image“ (Baumgartner/Jones 1993: 25). Es werden spezifische Aspekte eines Sachverhalts fokussiert und andere vernachlässigt. Bestimmte Werte werden ins Zentrum gestellt, bestimmte Lösungen als unter Experten unstrittig dargestellt. Das Policy-Image ist nicht fix, sondern kann von den Akteuren beeinflusst werden. Die jeweiligen Akteure versuchen, ein Policy-Image zu verbreiten, das ihren Interessen nützt.
  • Wie lassen sich im Punctuated-Equilibrium-Ansatz die potenziell langen Phasen politischer Stabilität erklären?  Grundsätzlich: Eingespielte Routinen innerhalb des PolicySubsystems Negatives Feedback: Nach exogenen Impulsen kehrt das System quasi automatisch ins Gleichgewicht zurück Ein unumstrittenes Policy-Image begrenzt die Zahl der Konfliktdimensionen stark (Policy-Monopol) Wenn sich ein bestimmtes Policy-Image durchgesetzt hat, verlieren Outsider das Interesse an der Policy Das relevante Policy-Venue ermöglicht es, Außenseiter aus dem Subsystem herauszuhalten
  • Was führt dem Ansatz zufolge zu gravierendem Wandel? Welche Rolle spielen dabei das Policy-Image, das Policy-Venue und die Interaktion zwischen beiden?  Die Neudefinition eines Problems kann dazu führen, dass sich Gruppen, die vorher dieser Policy gegenüber indifferent waren, nun engagieren Mobilisierung Wenn dies geschieht, gibt es mehr als eine Konfliktlinie, sodass das alte Gleichgewicht in Frage gestellt ist Zugleich werden die neuen Teilnehmer versuchen, die Policy auf die politische Agenda, also die Ebene der Makropolitik zu heben Auf der Ebene der Makropolitik kann eine Entscheidung gegen die Teilnehmer des bisherigen Policy-Subsystems fallen, d.h. es kommt zu massivem Wandel Gleichzeitig können neue Regeln zur Bearbeitung eines Problems im betreffenden Subsystem aufgestellt werden Dadurch kommt es zur Stabilisierung des neuen Status quo und zu einer potenziell langen Stabilitätsphase Auch ohne eine Massenmobilisierung kann ein Policy-Unternehmer einen Wechsel des Policy Venues vorantreiben Soweit das neue Policy-Venue dem bislang dominierenden PolicyImage skeptisch begegnet, kann es zu größerem Wandel kommen Soweit das neue Policy-Venue stabil bleibt, kommt es auch zu einem neuen Gleichgewicht
  • Was ist die Kernidee des Multiple-Streams-Ansatzes? Wieso werden Themen von politischen Entscheidern aufgegriffen? Wie gelangen politische Themen auf die offizielle politische Agenda? Wie entstehen alternative Handlungsoptionen, aus denen politische Entscheider auswählen? Wieso kommt die Zeit einer Idee, wenn sie kommt? Drei „Ströme“ fließen durch das politische System: (1) Probleme, (2) Optionen (Policies) und (3) politische Prozesse (Politics) Die drei Ströme sind unabhängig voneinander und weisen eigene Muster und Dynamiken auf Signifikante Politikänderungen kommen zustande, wenn ein Policyfenster („policy window“) entsteht, das ein politischer Unternehmer („policy entrepreneur“) ausnutzt, um die drei Ströme zu verkoppeln
  • Nennen Sie die Grundannahmen des Multiple-Streams-Ansatzes. Diskutieren Sie, inwieweit diese Annahmen angemessen sind.  Kontingenz, Ambiguität und Zeitdruck als Grundbedingungen unter denen Politik stattfindet Endogene und zunächst unklare Präferenzen:o Ziele der Akteure werden erst im politischen Prozess entdeckt, entwickelt, verändert und geformt Unklare Technologie:o Akteure haben keine klaren Vorstellungen darüber, wie sie ihre Ziele erreichen können. Wegen Kontingenz agieren sie pragmatisch und nach dem trial-and-error-Prinzip Wegen Zeitdruck müssen sie Entscheidungen treffen Wechselnde Mitglieder: Teilnehmer in einem Politikfeld kommen und gehen und investieren unterschiedlich viel Zeit und Ressourcen Akteure verfolgen Projekte und suchen Probleme, für die diese Projekte Lösungen darstellen können
  • Wie wird ein Zustand ein Problem? Wann wird ein Problem relevant  Zustände werden zu Problemen, wenn Akteure glauben, den Zustand ändern zu solleno Abweichung eines Zustandes von normativen Vorstellungeno Schlechtes Abschneiden im Vergleich mit anderen Länderno Veränderung der Kontextualisierung Veränderung relevanter Indikatoren (Haushalt, Output- oder Outcomeindikatoren, routinemäßig oder gesondert erhoben) Focusing Events lenken die Aufmerksamkeit auf mögliche Probleme, reichen aber meistens nicht aus, um eine Problemdefinition durchzusetzeno Katastropheno Symbole für Veränderungen (z.B. Tschernobyl)o Schwerwiegende Krisen (z.B. Finanzkrise) Feedback (Zielerreichung, Kosten, unerwartete Nebenfolgen)
  • 16. Was versteht Kingdon unter der „Policy-Ursuppe“?   Policy-Strom Policyideen werden in Policy Communities bzw. Netzwerken entwickelt Policy Communities bestehen aus Politikfeld-Spezialisten, die miteinander interagieren, Ideen austauschen, diskutieren und kritisieren Inhaltlich motiviert (Logik des Argumentierens) In den Policy Communities werden viele Ideen entwickelt, vorgestellt, kritisiert, überarbeitet – weitgehend unabhängig von politischen Ereignissen
  • Wer sind die Mitglieder der Policy-Community? Politikfeld- Spezialisten, die miteinander interagieren, Ideen austauschen, diskutieren und kritisieren Policyunternehmer als Teil von Policy Communities und engagieren sich für eine spezifische Idee. Sie versuchen, für diese Akzeptanz in der Policy-Community zu erreichen (z.B. Peter Hartz, Bert Rürup)
  • Warum verschwinden manche Ideen, während sich andere in der „Ursuppe“ durchsetzen?  Aus der Vielzahl von Ideen überleben wahrscheinlich solche, die folgenden Kriterien genügen:o Technische Machbarkeito Normative Akzeptanzo Budgetbeschränkungo Durchsetzbarkeit Wenn nur noch wenige Ideen übrig sind, entsteht innerhalb der Policy-Community eine gemeinsame Problemwahrnehmung und Übereinstimmung hinsichtlich möglicher Lösungen Wenn ein Policyfenster aufgeht, gibt es eine (oder mehrere) ausgearbeitete Option(en), die schnell durchgesetzt werden kann/können
  • Welche Elemente bestimmen den Politics-Strom („political stream“)? Grundsätzlich: Austarieren von Interessenkonflikten (Logik des Verhandelns, des Tausches)o Akteure handeln nicht aus Überzeugung, sondern aus Interesse Faktoren, die Politics beeinflusseno Öffentliche Meinung,o Zeitgeist („national mood“)o Interessengruppeno Personalwechsel, Änderung der parteipolitischen Zusammensetzung des Parlaments oder der Regierung Zeitgeist und parteipolitische Zusammensetzung gemeinsam können Widerstand von Interessengruppen überwindeno Werden allerdings versuchen, Ausgestaltung zu beeinflussen
  • Wie erfolgt die Entscheidungsfindung im Policy-Strom, wie im Politics-Strom? Policy-Strom: Keine Entscheidung in diesem Sinne, aber: überlegene Ideen nach technischer Machbarkeit, normativer Akzeptanz, Budgetbeschränkung, Durchsetzbarkeit Gemeinsame Problemwahrnehmung und Übereinstimmung gemeinsamer Lösungen Vorhandene Option(en), wenn policy-windowPolitics-Strom: Austarieren von Interessenskonflikten durch Tausch, Verhandlung Durch policy-window Möglichkeit der Kopplung der Ströme Rolle des Policyunternehmer
  • Was ist ein Policy-Fenster? Wie entsteht es? Warum schließt es sich wieder?  Policyfenster sind Gelegenheiten, bestimmte Projekte auf die Agenda zu bringen oder gar durchzusetzen Ein Fenster öffnet sich entweder aufgrund einer Veränderung im Politics-Strom oder im Problemstrom Hier kommen die drei unabhängigen Ströme zusammen oder können gekoppelt werdeno Das Fenster schließt sich meist nach kurzem wieder,o … weil das Problem angegangen wurdeo … weil der Reformversuch gescheitert isto … weil die Bedingungen, durch die das Fenster sich öffnete, wieder verschwindeno … weil es keine ausgearbeitete Option gibt