Medien und Kommunikation (Fach) / 01 Theorien (Lektion)

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  • Kommunikationspsychologie: Ein einheitliches Verständnis von Kommunikation existiert nicht. Ebenso ist das Feld der Kommunikationstheorien sehr heterogen, teilweise widersprechensich Grundkonzepte und Termini verschiedener Theorien. Wir starten daher mit dem Versuch einer relativ allgemeingültigen Arbeitsdefinition…
  • Eine Arbeitsdefinition von Kommunikation: „ Communication is a relational process ofcreating and interpreting messages that elicit a response“ (Griffin, 2009)
  • Kernaspekte von Kommunikation sind demnach: Mitteilungen (oft auch als Text bezeichnet, z.B. der Vorlesungsinhalt, aber auch einYoutube Video oder ein Schriftzug auf einer Reklame)ABER auch: nonverbales Verhalten  Der Inhalt und die Form einer Mitteilung wird ausgewählt, geplant, konstruiert, gestaltetund angepasst durch den Kommunikator (Kreieren einer Mitteilung)Dieser Prozess der Mitteilungskreation verläuft z.T. unbewusst und habituell.Bewusstwerdung/-machung des Prozesses ist Voraussetzung der gezielten, willentlichenVeränderung unserer Mitteilungen.DefinitionenEinführung Interpretation von Mitteilungen, denn die Bedeutung einer Mitteilung ist vieldeutig, wirdz.T. auch durch das gewählte Medium beeinflusst Der relationale ProzesscharakterKommunikation geschieht zwischen Personen (auch Maschinen, Tiere), beeinflusst derenBeziehung, ist kein statischer Schnappschuss, sie ist im Fluss („Man kann in den selbenFluss nicht zweimal treten“), wird determiniert durch das, was zuvor geschah und folgenwird. Mitteilungen zielen darauf, Antworten/Reaktionen zu „provozieren“ – auf kognitiver,emotionaler und/oder VerhaltensebeneWenn eine Mitteilung keinerlei Reaktion hervorruft, widerspricht dies dem Gedanken derKommunikation (Griffin, 2009)Aber: Was ist dran an der Idee „One cannot not communicate“ (Watzlawick, 1967)„Der Appell stieß auf taube Ohren“„Sie waren blind für sein Anliegen“ Oft wird auch in solchen Situationen kommuniziert, selten wird die Mitteilunggänzlich überhört oder nicht gesehen, Teile können aber verlorengehen…
  • Informationstheorie (Shannon & Weaver, 1949) Erste explizite Kommunikationstheorie Die Theorie ist mathematisch geprägt, die Bedeutung von Mitteilungen und Effekte vonMitteilungen auf den Empfänger sind hier nicht relevant – im Mittelpunkt steht allein dieInformationsübertragung  Wichtige Anwendungsgebiete im Ingenieurwesen und in anderen Disziplinen  legt eine eigene Terminologie zugrunde:  Basiert auf einem linearen Kommunikationsbegriff (Übertragungsperspektive)  Information (gemessen in Bits): Menge an Unsicherheit, die eine Nachrichtausschalten kannWenn die Empfänger*innen Teile des Inhalts einer Mitteilung bereits antizipieren, istder Informationsgehalt geringer.  Rauschen (Noise): Alles, was eine Nachricht beeinträchtigt, stört oder verzerrt(Rauschen in der „Leitung“, durch Umgebung, im Empfänger); Rauschen verringertden Informationsgehalt, indem es die Unsicherheit in einer Nachricht erhöht  Redundanz (Vorhersagbarkeit, Wiederholungen): verringert denInformationsverlust, der durch Rauschen entsteht. Die Balance zwischen Informationund Vorhersagbarkeit durch Redundanz bestimmt die Kommunikation.  Kanalkapazität (=Information & Rauschen): Kapazität des Kommunikationskanalsbestimmt die maximal übertragbare Information
  • Kybernetik (Norbert Wiener  „Kybernetik ist die Wissenschaft von der Kommunikation und der Kontrolle vonMaschinen und Lebewesen.“  von griech. kybernetes= steuern, Steuerung  Rückkopplung/Feedback ist das Kernkonzept des kybernetischen Ansatzes  Wichtigste Werke von Wiener: Cybernetics (1948), The Human use of human being (1954) Zentrale Bedeutung kommt Informationen über Veränderungen in der inneren oder äußerenUmgebung zu, die dazu führen, dass das System den jeweiligen Output anpasst, d.h.entweder gegensteuert oder amplifiziert  Negatives Feedback: wirkt Veränderungen entgegen (kann zeitlich verzögert sein)  Positives Feedback: begünstigt/erweitert Veränderungen (dito Negatives Feedback: wirkt Veränderungen in der Umgebung entgegenBeispiel: Thermostat  Die Raumtemperatur und damit Wassertemperatur in der Heizung soll einembestimmten Soll-Wert entsprechen  Ein Messfühler stellt den Ist-Wert fest, welcher durch Störgrößen (z.B. öffnen einesFensters) verändert wird  Der Messfühler meldet den Ist-Wert an einen Regler (Feedback) und dieser initiiertdie erforderliche Veränderung im Heizungssystem Positives Feedback: begünstigt/erweitert Veränderungen in der UmgebungBeispiele:  Phobophobie (Angst vor Angstzuständen, kann sich zur Angst vor der Angst vor derAngst…entwickeln)  Schneelawine (je größer der Schneeball wird, desto mehr Schnee bleibt bei jederweiteren Umdrehung an ihm hängen und vergrößert ihn)  Populationswachstum (z.B. bestimmte Lebewesen; ABER: oft negatives Feedback beiRäuber-Beute-Beziehungen) Beispielhafte Anwendungen:  Biofeedback Automaten und Maschinen Angestelltenüberwachung Systemtheorie Fazit  Die Kybernetik betont die Rolle von Feedback und den nicht-linearen Charakter vonKommunikation Genau wie in der Informationstheorie zählt die Kommunikation nur, wenn sie eineWirkung hat Überschätzt die Kybernetik den Einfluss der Feedback-Kontrolle?Wie würde eine Gesellschaft aussehen, die nur auf kybernetischen Prinzipien aufgebautwäre d.h. auf Feedback-Kontrolle, welche das „Tracken“ aller notwendigen Parametererfordert?Einführung
  • Zwischenmenschliche Kommunikation und die Sportmetaphern Kommunikation als Bowling  Der Bowler ist der Sender der Mitteilung Die Kegel sind die Adressaten der Mitteilung Die Mitteilung wird durch die Bowlingkugel repräsentiert Die Bowlingbahn ist der Kommunikationskanal Die Bahnbegrenzung und Dreck auf der Bahn sind mögliche Störquellen, die die Nachrichtverrauschen können Das Problem:  Zuhörer sind i.d.R. nicht passiv (wie Kegel) Kommunikation ist in dieser Form eine EinbahnstraßeNur die Mitteilung selbst (die Kugel und deren Laufrichtung und -stärke) sind relevant,doch relationale Aspekte von Kommunikation werden nicht berücksichtigt
  • Zwischenmenschliche Kommunikation und die Sportmetaphern Kommunikation als Tischtennis Trifft den Charakter interpersonaler Kommunikation besserDer Aufschlagende bringt die Mitteilung (Ball) ins Spiel Der Empfänger muss aktiv sein, um die Mitteilung entsprechend zu empfangen Der Aufschlagende weiß, in welche Richtung die Mitteilung gehen wird, der Empfängernoch nicht Störfaktoren können die Nachricht verrauschen (die Flugkurve des Balls verändern) undlassen die Mitteilung ggf. anders beim Empfänger ankommen als sie intendiert war. Auch die nicht sichtbare Rotation des Balles kann beim Empfänger eine abweichendeDeutung der Mitteilung hervorrufen Nach der ersten Netzüberquerung dreht sich die Situation und der Empfänger wird zumSender. Dieses erfordert kontinuierliche Anpassung der kommunizierenden Spieler undmacht Feedback-Prozesse erforderlich. Das Problem:  Die Störfaktoren sind beim Tischtennis relativ gering (windstille Halle, genormteSpielumgebung), face-to-face Kommunikation ist stärkeren Störfaktoren unterworfen Es wird mit nur einem Ball gespielt, der nur in eine Richtung zu gegebener Zeit fliegt.Interpersonale Kommunikation ist oft durch mehrere Bälle und Flugrichtungengleichzeitig charakterisiert Tischtennis ist kompetitiv, doch bei erfolgreicher Kommunikation gewinnen beide