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Entwicklungspsychologie 1 (Fach) / 2. Vorlesung (Lektion)
Diese Lektion wurde von khoelsch erstellt.
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- Betrachtungszeiträume Veränderung der Form und des Verhaltens von Lebewesen Phylogenese– Entwicklung der Arten Ontogenese- Entwicklung vom Embryobis zum erwachsenen Individuum(Allgemeine Entwicklungspsychologie) Individualgense– Entwicklung des Individuums (Differenzielle Entwicklungspsychologie)
- Was ist Entwicklung? Quantitative Veränderungen Addition Subtraktion
- Arten von Veränderungen Quantitative Veränderungen•Addition•SubtraktionQualitative Veränderungen•Substitution•Modifikation•Diversifikation•Differenzierung•Integration
- Qualitative Veränderungen •Substitution Die Anzahl des Repertoires bleibt gleich,aber das Ursprungsfeature ist nachher nicht mehr existent Z.B. Greifen ab 4 Monate
- Qualitative Veränderungen •Modifikation Anzahl des Repertoires bleibt gleich.Ursprungsfeature verschwindet nicht, ist aber anders definiert Z.B. Geschlechtstypisierung ab Vorschulalter
- Qualitative Veränderungen Diversifikation Veränderung der Breitedes Repertoires z.B. Greifen mit der Hand wird zu Greifen mit der Hand + Pinzettengriff 7-8 Monat
- Qualitative Veränderungen Differenzierung Veränderung der “Tiefe“des Repertoires z.B. Reaktion auf Menschen verfeinert sich (Kinder unterscheiden zwischen Menschengruppen) Achtmonatsangst
- Qualitative Veränderungen Integration z.B. Lesekompetenz und begtifliche Kompetenz integriert in Tectverständnis
- Sozialisation Veränderungsmechanismen -Betrachtung des Menschen in gesellschaftlichen Struktur-undInteraktionszusammenhängen (Familie, Gruppe, Schichten)-Kulturspezifische Veränderungsprozesse (Erziehungseinflüsse)
- Veränderungsmechanismen Reifung interngesteuerter ProzessEigenschaften:-universelles Auftreten-gebunden an spezifisches Alter-Nichtumkehrbarkeit
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- Veränderungsmechanismen Prägung irreversible Form des Lernens während einer „kritischenPeriode“;verbunden mit zeitlich begrenzter erhöhter Sensibilität für externe Reizebeim Menschen: Modell der sensiblen Phasen
- Veränderungsmechanismen Prägung / Sensible Phasen VeränderungsmechanismenLebensphase, in der besondere Arten von Erfahrungen besondersnachhaltigen Einfluss auf die spätere Entwicklung nehmen. Negative Konnotation: Phase der VerletzbarkeitPositive Konnotation: „windowofopportunity“Anfang und Ende von sensiblen Phasen sind an biologische Reifungsprozesse gebunden.
- Veränderungsmechanismen Prägung / Sensible Phasen Begriffe Ethologischer Prägungsbegriff: Zeitlich begrenzter irreversiblerVorgang der Spezialisierung eines Auslöseschemas für bestimmteInstinkthandlungen. Im Humanbereich eher sensible oder optimale Perioden derStimulation oder des Lernens. Sensible Phasen: vorprogrammierte Zeiträume vorübergehendstark erhöhter Empfänglichkeit für bestimmte äußere Einwirkungen.
- Veränderungsmechanismen bei Föten Für einige Funktionen werden Zeitfensterdefiniert, in denen die Umwelt eine wichtige Rolle spielt.Der Einfluss toxischerSubstanzen inder Pränatalzeit variiert mit dem Alter des Embryo / Fötus
- Klassisches Entwicklungsverständnis Klassische psychologische Beschreibung Entwicklung impliziert Veränderungen im Verhalten,die folgende Merkmale aufweisen: •gerichtet auf höherwertiges Niveau•gerichtet auf Endzustand•qualitativer Art•korreliert mit dem Alter•universell –nicht kulturgebunden 1 Monat1 Jahr10 Jahre40 Jahre
- Inwiefern greift die klassische Beschreibung zu kurz? Entwicklung erfolgt stets in Richtung auf ein höheres Niveau Entwicklung ist gerichtet auf einen Endzustand Entwicklung = qualitative Veränderungen Entwicklung ist universell
- Inwiefern greift die klassische Beschreibung zu kurz? Entwicklung ist gerichtet auf einen Endzustand •suggeriert, dass nach Erreichen des Endzustandes Stagnation und absolute Stabilität herrschen•Veränderungen sind während des gesamten Lebens möglich und beruhen auf komplexen Wechselwirkungen zwischen Anlagen und Umwelt
- Inwiefern greift die klassische Beschreibung zu kurz? Entwicklung = qualitative Veränderungen •Unterscheidung zwischen qualitativen und quantitativen Veränderungen muss nicht im Gegenstand selbst liegen, sondern kann etwas mit der Messmethode oder mit dem fokussierten Aspekt zu tun haben.
- Inwiefern greift die klassische Beschreibung zu kurz? Entwicklung ist gerichtet auf einen Endzustand •suggeriert, dass nach Erreichen des Endzustandes Stagnation und absolute Stabilität herrschen•Veränderungen sind während des gesamten Lebens möglich und beruhen auf komplexen Wechselwirkungen zwischen Anlagen und Umwelt
- Inwiefern greift die klassische Beschreibung zu kurz? Entwicklung erfolgt stets in Richtung auf ein höheres Niveau •impliziert Wertung in Bezug darauf, was als höherwertiges Niveau zu bezeichnen ist; über diese Wertung dürfte nicht immer Konsens bestehen.•Fehlentwicklungen und Abbauprozesse sind ausgeschlossen.
- Inwiefern greift die klassische Beschreibung zu kurz? Entwicklung ist universell •Kontext-und Kulturabhängigkeit von Entwicklungsverläufen wird vernachlässigt.•Wenn nur universelle Veränderungen Gegenstand der Entwicklungspsychologie sein können, nicht aber kulturspezifische, dann wird der Entwicklungsbegriff so stark eingeschränkt, dass zu viele wichtige Aspekte nicht thematisiert werden können.
- Was bleibt vom ursprünglichen Begriff? Klassischer Entwicklungsbegriff Psychische Entwicklung umfasst erkennbare Veränderung im Verhalten einer Person. Problem:Es gibt einen fließenden Übergang zwischen Konzepten wie Entwicklungund Lernen
- Wie könnte eine Arbeitsdefinitionaussehen? Entwicklung entspricht....nachhaltigen Veränderungen von Eigenschafteneiner Person, die systematische Zusammenhänge mit dem Lebensalteraufweisen.Frage:•Was sind „systematische Zusammenhängemit dem Lebensalter“?
- Was sind systematische Zusammenhänge mit dem Alter? Alter ist keine unabhängige Variable im experimentellen Sinn; sie erklärt nichts und ist nicht selbst kausal wirksam; man nennt sie daher auchTrägervariable.Beispiel Intelligenz-entwicklung:Intelligenz variiert mit dem Alter, aber das Alter verursacht nicht eine Veränderung der Intelligenz
- Was sind zentrale Aspekte eines modernen Verständnissesvon Entwicklung? 1.Entwicklung alslebenslanger Prozess2.Entwicklung alsmultidirektionales Geschehen3.Entwicklung alsGewinn und Verlust4.Entwicklung alssystemische Veränderung5.Entwicklung alsprobabilistische Epigenese
- Entwicklung als lebenslanger Prozess Keine Altersstufe nimmt bei der Bestimmungdessen, was Entwicklung ist, eine Vorrangstellung ein.
- Entwicklung als multidirektionales Geschehen Von einem Punkt aus gibt es stets mehrere Richtungen, in die sich etwas entwickeln kann.Ein und dasselbe Entwicklungsziel kann auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden.
- Entwicklung als Gewinn und Verlust z.B. Intelligenz
- Entwicklung als systemisches Geschehen z.B Ökologische BetrachtungEntwicklung vollzieht sich in definierbaren systemischen SettingsVgl. Uri Bronfenbrenner
- Epigenese Allmähliche Ausbildung gegebener Anlagen
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- Probabilistische Epigenese Gegebene Anlagen werden nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wirksam.
- Was bedeutet eigentlich „angeboren“? Inzwischen dominiert die Einsicht,dass es rein anlagebedingte oderrein umweltbedingte Entwicklungen nicht gibt.Interaktionistische Theoriendominieren.
- Verschiedene Modelle zur Beschreibung der Anlage –Umweltbeziehung Obergrenzenmodelle: Schwellenmodelle Additive Modelle Multiplikative Modelle Interaktionsmodelle: Nischenmodell (Sandra Scarr, 90er Jahre):
- Verschiedene Modelle zur Beschreibung der Anlage –Umweltbeziehung Obergrenzenmodelle: Kind kommt nur soweit wie es seine Anlagen bzw.die Umweltgegebenheiten zulassen
- Verschiedene Modelle zur Beschreibung der Anlage –Umweltbeziehung Schwellenmodelle: Anlage bzw. Umweltgegebenheiten müssen einMindestkriterium erfüllen um Entwicklung zu ermöglichen
- Verschiedene Modelle zur Beschreibung der Anlage –Umweltbeziehung Additive Modelle: Anlage-und Umwelteinflüsse addieren sich bei der Entwicklungbestimmter KompetenzenProblem: Umweltwirkungen könnten ihrerseits reduziert sein, wenn spezifischeAnlagen nicht vorhanden sind(kein additiver Zusammenhang)
- Verschiedene Modelle zur Beschreibung der Anlage –Umweltbeziehung Multiplikative Modelle: Anlage-und Umwelteinflüsse steigern sich gegenseitig.Wenn ein Faktor ausfällt, wird auch das Produkt = 0.
- Verschiedene Modelle zur Beschreibung der Anlage –Umweltbeziehung Interaktionsmodelle : Zu Beginn sind Anlageeinflüsse dominant (t0),Umwelteinflüsse kommen hinzu (t1), Komplexe Wechselwirkung vonAnlage und Umwelt zu jedem weiteren Zeitpunkt in der Entwicklung(t2)
- Verschiedene Modelle zur Beschreibung der Anlage –Umweltbeziehung Nischenmodell (Sandra Scarr, 90er Jahre):In den ersten Lebensmonaten oder Lebensjahren ist das Kind seiner Umweltstark ausgeliefert d.h., Umwelteinflüsse kommen stärker zum Tragen.Später sucht das Kind aktiv Kontexte, die zu seinen Anlagen passen.Beobachtung: Getrennt aufgewachsene eineiige Zwillinge unterscheiden sich injungen Jahren stärker voneinander als in älteren Jahren.