3
Politische Soziologie (Subject) / Sitzung .10 (Lesson)
- Wie haben sich die politischen Parteien organisationshistorisch entwickelt? Erläutern Sie bitte die vier wichtigsten Entwicklungsstufen • Organisationsstrukturen und Linkages der Parteien zur Gesellschaft wanden sich mit der Zeit • Unterscheidung von 4 Stufen, in denen jeweils ein Parteityp dominant war: ◦ Kader- bzw. Honoratiorenparteien ▪ Entstehung in Parlamenten (meist 19. Jahrhundert) ▪ Politische Eliten schließen sich zu Gruppen zusammen → relativ wenige Mitglieder ▪ Geringer Organisationsgrad ▪ wenig außerparlamentarische Aktivität ▪ Nur im Wahlkampf aktiv ◦ Massenintegrationsparteien ▪ Ende 19. / Anfang 20. Jahrhundert außerhalb der Parlamente entstanden ▪ zentrale Stellung von Ideologien, starke Polarisierung → Beispiel ursprüngliche sozialistische bzw. sozialdemokratische Parteien ▪ Hoher Organisationsgrad, große Mitgliederzahl, Verbindungen zu Kollateralorganisationen ▪ ständige Aktivität z.B. zur Ideologieverbreitung, Mobilisierung der Massen, politische Bildung ◦ Catch-all-parties (Volksparteien) ▪ Entwicklung aus den Massenintegrationsparteien heraus ▪ kaum neue Organisationsstruktur • Stärkung der Führung, Schwächung der Mitglieder ▪ Pragmatischerer Umgang mit der Ideologie und Ausweitung der Zielgruppe („catch all“) ▪ höhere Kooperation bzw. Kompromissbereitschaft ▪ Stärkung und Pluralisierung der Linkages zur Gesellschaft ◦ Professionalisierte Wählerparteien ▪ Seit Ende des 20. Jahrhunderts ▪ Mitglieder spielen nur noch geringe Rolle → Mitgliederschwund und vermehrt karriereorientierte Mitglieder ▪ wie Kaderparteien nur im Wahlkampf aktiv, professionalisierter medien- und kapitalintensiver Wahlkampf ▪ Probleme: • Schwache Linkages zur Gesellschaft → Entfernung zur Gesellschaft? • Kapitalintensiver Wahlkampf → Abhängigkeit von staatlicher Finanzierung • → deswegen Entwicklung von „Kartellparteien?“ ◦ Elitenparteien, die von staatlicher Finanzierung abhängig sind ◦ Gegenseitige Kooperation zur Existenzsicherung → Entwicklung von Kartellen ◦ Politik nur noch als „notwendiges Übel“ der Existenzsicherung?
- Erläutern Sie bitte die unterschiedlichen positiven und negativen Anreize für die Mitgliedschaft in einer politischen Partei (General-Incentives-Modell) • Zur Darstellung unterschiedlicher Anreize für die Parteimitgliedschaft hat sich das sogenannte „General-Incentives-Modell“ entwickelt • Aufteilung in positive und negative Anreize der Parteimitgliedschaft • negative Anreize: ◦ monetäre Kosten durch Mitgliedschaft ◦ Zeitaufwand bei aktivem Engagement – Opportunitätskosten ◦ Arbeitsleid durch Gremienarbeit, Sitzungen etc. • Positive Anreize: ◦ kollektive politische Anreize – Politikdurchsetzung ◦ normative Anreize – Erfüllung von Erwartungen des Umfelds ◦ altruistische Anreize - „Beitrag zur Demokratie“ ◦ ideologische Anreize – Unterstützung von ideologischen Prinzipien ◦ expressive Anreize – Parteibeitritt aufgrund von Unterstützung für Partei und Politiker ◦ selektive Anreize bei aktiver Mitarbeit ▪ ergebnisbezogene und prozessbezogene Anreize ▪ Ziel: Persönliche Vorteile durch Parteimitgliedschaft und Arbeit (Ämter, berufliche Vorteile etc.)
- Was sind politische Parteien? Welche Aufgaben erfüllen Sie im Rahmen der repräsentativen parlamentarischen Demokratie? • Politische Parteien sind ideologisch unterscheidbare Machterwerbsorganisationen ◦ Sie konzentrieren ihre Arbeit auf die Teilnahme an Wahlen, versuchen politische Ämter bzw. Machtstellen zu besetzen ◦ Ihre Aktivität ist auf die Entwicklung und Umsetzung politischer Ziele gerichtet • Zieldreieck politischer Parteien: ◦ vote-seeking ◦ offfice-seeking ◦ policy-seeking • Abwägung der Ziele • Drei Ebenen mit unterschiedlichen Zielen und Funktionen: ◦ Party Central Office ▪ Rekrutierung von Fürungspersonal ▪ Training politischer Eliten ▪ Artikulation und Aggregation politischer Interessen ◦ Party in Public Office ▪ Herstellung von Regierungsmehrheiten und Übernahme der Regierung ▪ Herbeiführung von Regierungsstabilität ▪ Implementation von Politikvorstellungen ▪ Wenn Oppositionspartei: • Widerspruch und Opposition • Kontrolle des Regierungspparates ◦ Party on the Ground ▪ „Erziehung“ der Bürgerschaft durch Stärkung des demokratischen Bewusstseins ▪ Beschaffung von Identifikationssymbolen und Loyalität ▪ Mobilisierung der Bürger zur Mitarbeit ▪ Vereinfachung der Wahlentscheidung der Bürger zugunsten der Partei