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Politische Soziologie (Subject) / Sitzung 7 (Lesson)
- Erläutern Sie bitte das mikro- und das makrosoziologische Erklärungsmodell des Wählers. In welcher Beziehung stehen die beiden Modelle? Das mikro- und das makrosoziologische Modell des Wählers stellen zwei sich ergänzende Ansätze zur Erklärung individueller Wahlentscheidungen dar mikrosoziologischer Ansatz: Lazarsfeld + Kollegen („Columbia school“) ___Wahlentscheidung eines Individuums wird wesentlich durch soziale Herkunft bestimmt ___Mensch erwirbt Werte und Normen aus sozialem Umfeld und handelt nach diesen ___„a person thinks, politically, as he is, socially“ ___Mensch nähert seine Überzeugungen an soziale Umwelt an → lebt Mensch in homogenem Umfeld, entwickelt er (die gleiche) starke Parteipräferenz (wie das Umfeld) ___lebt Individuum in heterogenem Umfeld, steht es unter cross pressures (z.B. Arbeiter (→ SPD) und Katholiken (→ CDU) → Individuum entwickelt weniger starke Parteipräferenz und neigt zu Entscheidungswechsel makrosoziologischer Ansatz: Lipset und Rokkan ____Erklärungen von Wählergruppen anhand gesamtgesellschaftlicher Spannungslinien (Cleavages) _________mindestens zwei Großgruppen _________schließen Koalitionen mit Parteien ______Zentrum/Peripherie, Staat/Kirche durch Nationalstaatsbildung ______Stadt/Land, Arbeit/Kapital durch industrielle Revolution ___Parteien wenden sich Großgruppen zu und werden von diesen gewählt (Liberale → Unternehmer, Sozialdemokraten / Sozialisten → Arbeiter) → Kombination beider Ansätze liefert beste Erklärung für Wahlverhalten von Individuen: Persönliches Umfeld + Großgruppenzugehörigkeit beeinflussen Wahlentscheidung wesentlich
- Erläutern Sie bitte die Grundstruktur des sozialpsychologischen Erklärungsansatzes des Wählerverhaltens (Ann Arbor-Modell) Agnus Campbell et al. - Ann Arbor ___Wahlentscheidung eines Individuums wird von drei (ursprünglich gleichberechtigten) individualpsychologischen Größen beeinflust: ______Parteienidentifikation ______Kandidatenorientierung (persönliche Sympathie, Einschätzung der Problemlösefähigkeit ______Issue-Orientierung (politische Positionen des Wählers, wünschenswerte Ziele) ___Ansatz zog massive Kritik auf sich, da die Gleichwertigkeit der individualpsychologischen Größen angezweifelt wird ___Weiterentwicklung des eigenen Konzeptes in „The American Voter“ ______Wahlentscheidung nun durch Trichter (funnel of causality) dargestellt ______Parteibindung hat vorgelagerte, größte Wirkung auf Wahlentscheidung ______Kandidatenorientierung und Issue-Orientierung weiter von „Mündung des Trichters“ entfernt → können Wahlentscheidung nur indirekt beeinflussen
- Was versteht man unter Partisan Dealignment und Personalisierung des Wählerverhaltens? Was sind die Ursachen dieser Prozesse? Empirischer Entwicklungstrend der Wahlentscheidung Langfristige Parteibindungen erodieren zunehmend Da Parteibindungen politisches Verhalten beeinflussen, ist mit Veränderung des Wahlverhaltens zu rechnen Gründe: ___Zunehmende Individualisierung, ___allgemeiner Fahrstuhl-Effekt (Gesellschaftsmilieus werden „nach oben gezogen“ - Zwanglagen etc. ändern sich) Zuordnung sozialer Gruppen zu Parteien löst sich zunehmend auf These: „Personalisierung von Politik“ ___im weiten Sinne wird die Kandidatenorientierung immer wichtiger ___im engen Sinne nimmt die Wichtigkeit unpolitischer Merkmale (körperliche Attraktivität etc.) stark zu