15
Persönlichkeitspsychologie SoSe (Subject) / 5. Vorlesung (Intelligenz + Kreativität) (Lesson)
Advertisement
- Prozesse der Intelligenzleistung Kognitive Komponenten einzelner Aufgaben Verarbeitungsgeschwindigkeit Arbeitsgedächtniskapazität Neurophysiologische Prozesse
- Kognitive Komponenten: Induktives Denken >> Angenommene Teilprozesse (6 Stück) Aufgabentyp: A verhält sich zu B wie C zu D Angenommene Teilprozesse (können auch durcheinander ablaufen): Encoding: Identifizierung, Kodierung und Speicherung der Reizattribute Inference: Auffinden der Regel, die A und B zueinander in Relation setzt Mapping: Auffinden der Regel, die A und C zueinander in Relation setzt Application: Formulieren einer Regel, um mit deren Hilfe eine Vorstellung von der richtigen Lösung zu entwickeln, die dann zu den angebotenen Alternativen ausgewählt werden kann Justification: Prüfen der ausgeführten Operationen Response preparation: Vorbereitung der Analogie-Lösung; Kontrolle des Lösungsprozesses, Übersetzen der Lösung in eine Antwort
- Arbeitsgedächtniskapazität - Was, Wie feststellbar, Korrelationen, Zusammenhänge Kapazität der Bereithaltung von Informationen für die kurzfristige Weiterverarbeitung Feststellbar durch Tests zur simultanen Durchführung einfacher Operationen (z.B. zufällig vorgelesene Zahlenfolgen aufsteigend wiederholen; Kopfrechnen während Worte gezeigt werden, an die man sich später erinnern soll) z.T. hohe Korrelationen mit Intelligenz (v.a. mit logischem Denken / fluider Intelligenz (wie schnell), weniger mit Wissenstests/kristalliner Intelligenz) Zusammenhänge mit Aktivität des präftrontalen Kortex
- Verarbeitungsgeschwindigkeit >> Wie festgestellt? Korrelate? Erfassen der Geschwindigkeit in grundlegenden kognitiven Aufgaben, z.B. einfache Reaktionszeit, Wahlreaktionszeit, Lesetempo Eine wichtige Determinante für höhere kognitive Funktionen / intelligente Leistung Zusammenhang mit IQ steigt mit Anzahl Wahlalternative / Komplexität >> Einfache Reaktionszeit: r = .20 (z.B. immer bei Geräusch Taste drücken) >> Wahlreaktionszeit: r = .30 (z.B. bei Nomen linke, Adjektiv rechte Taste drücken) >> Reasoning-Geschwindigkeit: r = .50 (induktives Denken)
- Neurophysiologische Prozesse: Neurale Effizienz, Myelinisierungshypothese "neurale Effizienz" Mit zunehmender Intelligenz weniger unspezifische Aktivierung des gesamten Kortex, sondern Aktivierung von aufgabenrelevanten Hirnarealen und sogar Deaktivierung oder Hemmung anderer Areale Myelinisierungshypothese Gehirne intelligenterer Menschen weisen stärkeren Myelinisierungsgrad auf Stärkere Myelinisierung bewirkt höhere Geschwindigkeit, geringere Leitungsverluste und weniger Cross-Talk zwischen den Neuronen
- Intellingenz & Selbsteinschätzung durch andere Intelligenz und Bildung Intelligenz & Selbsteinschätzung durch andere Korrelation IQ - Fremdeinschätzung Intelligenz: r ≈ .30 (bis .50) Korrelation IQ - Selbsteinschätzung Intelligenz: r ≈ .30 Intelligenz und Bildung Hohe Korrelation mit Höhe des Abschlusses / Bildungsniveau (≈ .70) >> Intelligenz ist Faktor zu hoher Bildung Korrelation mit Kriterien des Schulerfolgs, r = .50 Korrelationen mit Erfolg im Studium geriner aber vorhanden Für Naturwissenschaften v.a. Verarbeitungskapazität, für sprachliche Fächer verbale Intelligenz wichtig Varianzeinschränkung (wirklich komplette Bandbreite der Intelligenz?), Reliabilität und Aggregation beeinflussen Höhe der Zusammenhänge
- Intelligenz und Beruf Intelligenz und Einkommen Intelligenz und Beruf Hohe Zusammenhänge zwischen Intelligenz und Sozialprestige des ausgeübten Berufs (um .50) >> Je höher der Berufsstatus desto höher der minimal erforderliche IQ Intelligenz bester Prädiktor für Kriterien des Berufs- und Trainingserfolgs (Varianzeinschränkung, da Personen ähnlicher als bei zufälliger "Stichprobe"), .20 - .40 >> Schwierig Erfolgskriterien festzulegen >> Oftmals starke Varianzeinschränkung Intelligenz und Einkommen Man muss nicht unbedingt einen hohen IQ haben um ein sehr hohes Einkommen zu haben (tendenziell hat man mit höherem IQ aber seltener ein niedrieges) IQ und Persönlichkeitseigenschaften beste Prädiktoren für hohes Einkommen
- Intelligenz und Lebenslaufkonsequenzen: Studie von Terman (1925) mit 1528 hochbegabten Kindern Intelligenz und Mortalität Intelligenz und Lebenslaufkonsequenzen Oberste 1% der Intelligenzverteilung In Kindheit größer und schwerer (physisch) Früher Gehen und Sprechen gelernt Schneller in der Pubertät Weniger physische und psychische Probleme In Schulzeiten bessere Lehrerurteile zu emotionalen, motivationalen und Interessenseigenschaften Mehr Erfolg in Studium und Beruf Intelligenz und Mortalität Niedrigerer IQ für eher höhere Mortalität und umgekehrt
- Intelligenz (Zusammenfassung) Intelligenzstruktur ändert sich in Abhängigkeit der untersuchten Personengruppen und Aufgaben Intelligenz ist keine homogene einheitliche Fähigkeit, sondern ein komplexes Fähigkeitsbündel Hierarchische Gliederung sowohl mit einem Generalfaktor der Intelligenz als auch spezifischen Unterfaktoren Sinnvolle Gliederung von Theorien und Tests durch Facetten (z.B. Inhaltsfacette, Operationsfacette) möglich Allgemeine Intelligenz als der mächtigste einzelne psychologische Prädiktor von Leistungen Es gibt Zusammenhänge zwischen (festgestelltem) IQ und bspw. Einkommen
- Defizite der Intelligenzforschung Abhängigkeit von Intelligenztestaufgaben und Normierung >> Orientierung an konstruierten, messbaren Aufgabentypen >> spezifischer kulturell-gesellschaftlicher Hintergrund Gerine theoretische Fundierung >> mangelnder Einbezug kognitions- und entwicklungspsychologischer sowie biologischer Erkenntnisse >> Kaum Mikroprozess- und Fehleranalysen Enger Intelligenzbegriff >> z.B. soziale, emotionale Fähigkeiten, Lernfähigkeit, Alltagsfähigkeit ausgelassen
- Advertisement
- Kreativität: Emotional Intelligence (Daniel Goleman) emotion regulation self-management empathy social relations
- Kreativitätstheorie (Guilford, 1950) Intelligenz erfordert konvergentes Denken, Kreativität dagegen divergentes Denken Vier Komponenten des divergenten Denkens Sensitivität gegenüber Problemen (klar werden, dass ein Problem besteht) Flüssigkeit des Denkens (Wie viele neue Ansätze? Schnelle Ansätze?) Originalität des Denkens (auf Neues einlassen) Flexibilität des Denkens (Vielfältigkeit der Lösungen, Diversität) Schwellenmodell für Zusammenhang mit Intelligenz Bis zu einer IQ-Schwelle starker Zusammenhang, bei höherem IQ kein Zusammenhang Kreativität erfordert Minimal-IQ
- Empirische Bewährung Kreativitätstheorie Problem: Verschiedene Kreativitätstests korrelieren untereinander nur mäßig Problem: Diese Korrelation geht vor alem auf Korrelation mit dem IQ zurück; nach statistischer Kontrolle sind Korrelationen der Kreativitätstests untereinander oft geringfügig oder gar Null Problem: Das Schwellenmodell für Zusammenhang IQ - Kreativität konnte nicht empirisch bestätigt werden Problem: Was sind gute Kriterien für die Validierung von Kreativitätstests? (Beispiele: kreative Schüler beurteilt durch Lehrer - kreative Architekten beurteilt durch Berufskollegen - kreative Ingenieure, Kriterium Zahl der angemeldeten Patente)
- Kreativität - Leistungsvorhersage Kreativität - Berufswahl Kreativität - Leistungsvorhersage: Kleine Signifikanz: Prädiktor Flüssigkeit des Denkens und Persönliche Leistungen (.29) und Prädiktor Elaboration und Persönliche Leistungen (.27) Kreativität - Berufswahl Aber: Ausübung eines kreativen Berufs mit 52 vorhersagbar mit CPI Selbstbeurteilung, "Kreatives Temperament" mit 20 Jahren Mittlere Signifikanz: Prädiktor Skala Kreatives Temperament und Kreativer Beruf (.48) sowie Prädiktor Nominierung als kreativ durch Dozenten und Kreativer Beruf (.41) sowie Prädiktor Ambiguitätstoleranz (mehrdeutige Situationen und Widersprüchlichkeiten ertragen können) und Kreativer Beruf (.40)
- Zusammenfassung: Kreativität Bislang kein allgemein-akzeptiertes Kreativitätsmodell, aber Überlappungen: Probleme erkennen, Vorwissen, Ambiguitätstoleranz (offen für neue Lösungswege), Neuartigkeit Vorhersage kreativer Berufswahl durch Selbst- und Fremdberichte zur Kreativität Kreative Leistungen schwer durch Kreativitätstests vorhersagbar >> Aufgaben der Kreativitätsvorschung: Explikation (Erklärung) und Prädiktion (Vorhersage)