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Gesundheitspsychologie (Subject) / VL1 Gesundheitspsychologie (Lesson)
- Was sind Katalysatoren? • veränderter Gesundheitsbegriff der WHO (Nach WHO: "Gesundheit ist ein Zustand vollständigen körperlichen, psychischen/geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Beschwerden und Krankheit. Außerdem ein menschliches Grundrecht“.) • starke Kritik am biomedizinischen Modell ➢ Belege für den Einfluss von psychischen Faktoren auf organische Krankheiten (Leib-Seele Dualismus existiert nicht, psychosoziale Faktoren haben Einfluss auf den Genesungsprozess) ➢ Wandel der Krankheiten: akut → chronisch – degenerativ (Menschen leiden heute nicht mehr an akut/kurzfristig/gut behandelbaren Krankheiten (z.B. Masern, Röteln → mit Impfung auch gute Prävention), sondern immer mehr an chronischen multimorbiden, d.h. lebenslangen Krankheiten, es reicht nicht nur Medikament geben eine Woche einnehmen und fertig, sondern über eine längere Zeit, die eine Therapie benötigen) ➢ steigende Lebenserwartung (deutlich über 70, Behandlungsmethoden verbesser sich stetig, damit verändern sich die Krankheitsbilder, Krebserkrankungen (sind Erkrankungen des höheren Alters) • hohe Kosten im Gesundheitssystem, unzureichende Versorgung der Patienten (gute medizinische Versorgung kostet Geld → kann man vorher eingreifen und verhindern, dass jemand krank wird um die Kosten zu verringern? = dafür Risikofaktoren kennen) • verhaltens- und stressbedingte Risikofaktoren sind durch psychologische Interventionen veränderbar (psychosoziale Prozesse spielen wichtige Rolle; sind in der Lage diese Prozesse in die positive Richtung zu verändern und damit eine Genesung und Aufrechterhaltung der Gesundung beizutragen)
- Todesstatistik 1990 und 2010 und verändertes Krankheitsbild → 10 häufigste Ursachen für Tod 1900: vor allem akute Erkrankungen, die man heute gut behandeln kann (Lungenentzündung, Herzerkrankungen, Unfälle) 2010: chronische Erkrankungen (sehr verhaltensnah, viele verschiedene Ursachen/multifaktoriell, psychosoziale Faktoren spielen eine große Rolle bei Entstehung und Aufrechterhaltung– gesundheitsrelevante Verhaltensweisen). Z.B. Herzinfarkt, Krebserkrankungen (Faktoren: Ernährung, Stress, körperliche Aktivität, Rauchen, Alkohol = gesundheitsrelevante Verhaltensweisen) Prozentuale Zunahme Erkrankter pro 100.000 Einwohner für 22 Krankheiten von 2007 bis 2050 → höhere Lebenserwartung = krankere Gesellschaft, Anstieg in bestimmten Krankheitsbildern - Lungenentzündung fast 200% Zunahme - Krebserkrankungen 50% Anstieg - Demenz, Herzinfarkt, Schlaganfall, Makuladegeneration
- Wie sehen die Gesundheitsausgaben aus? Die gesundheitsausgaben steigen jedes Jahr (von1992 bis 2010) - es ist ökonomischer wenn man versucht die Krankheiten zu verhindern um später nicht so viel Geld in die Behandlung investieren zu müssen (Pflege-, Renten- und Krankenversicherungen) - es gibt Lebensstil-Faktoren, dass die multimorbiden Erkrankungen prävalenter werden (Rauchen als Risikofaktor) → Einstiegsalter ist gesunken (Effekt von Präventionsmaßnahmen). Oder Essverhalten (hoch kalorisch, fettreich, mangelnde Bewegung)
- 1) Definiere GP und 2) was sind Themen der GP? „… umfasst Beiträge der Psychologie zur Förderung und Aufrechterhaltung von Gesundheit, zur Prävention und Behandlung von Krankheit sowie zur Identifikation der ätiologischen (Entstehung) und diagnostischen Korrelate von Gesundheit, Krankheit und der damit verbundenen Dysfunktionen.“ (Matarazoo, 1980, p. 815) • fokussiert i.d.R. auf somatische Erkrankungen und personale, soziale (Unterstützung, Einsamkeit) und strukturelle (Wohnumgebung) Risikofaktoren (somatische Erkrankungen als Abgrenzung zur klinischen Psych.) „Gesundheitspsychologie ist der wissenschaftliche Beitrag der Psychologie zur: 1. Förderung und Erhaltung der Gesundheit 2. Verhütung und Behandlung von Krankheit 3. Bestimmung von Risikoverhaltensweisen 4. Diagnose und Ursachenbestimmung von gesundheitlichen Störungen 5. Rehabilitation jemand ist schon krank/Leistungseinbußen, wie kann ich möglichst weiter auf diesem Level halten, weiteren Abbau verhindern und 6. Verbesserung des Systems gesundheitlicher Versorgung“. Schwarzer (1990, S. 3) „… befasst sich mit dem menschlichen Erleben und Verhalten angesichts gesundheitlicher Risiken und Beeinträchtigungen sowie mit der Optimierung von Gesundheit.“ (Schwarzer, 2004, S. 1) - Fokus sehr stark auf Gesundheit (kein Krankheitsbegriff mehr) Themen − Was ist Stress und wie wirkt sich dieser auf den Gesundheitsstatus aus? − bio-behaviorale Risikofaktoren (z.B. Rauchen, Bewegung, Fehlernährung, Typ-A) z.B. Herzinfarkt Typ A mit einem Verhaltensmuster aus ehrgeizigem Leistungsstreben, Konkurrenzorientierung, Ungeduld, Zeitdruck, Feindseligkeit, Ärger, Aggressivität und explosive Sprechweise) − protektive Faktoren (z.B. Optimismus, Hardiness, soziale Unterstützung = Schutzfaktoren, auch sozial und persönliche Ressourcen) − Zusammenhänge von Persönlichkeitsmerkmalen und Entstehung/Verlauf von Krankheiten − chronische Erkrankungen − Wie kann man Risikoverhalten verhindern? …. Was trägt dazu bei, dass jemand gesund ist (psychosoziale Bedingungen) = Gesundheitsförderung Welche Bedingungen wirken auf die Erkrankung (was sind Risikofaktoren für Essstörung etc.) = Prävention: verhindern Und: wie werden die verarbeitet (psychosoziale Krankheitsbewältigung) = Prävention und Behandlung, welche Behandlungskonzepte haben wir
- Abgrenzung zu verwandten Disziplinen und Probleme bei diese Abgrenzungen Klinische Psychologie:Entstehung und Behandlung psychischer Störungen Gesundheit und körperliche Krankheit, Prävention und Gesundheitsförderung (somatisch) Medizinische Psychologie : psychologische Fragen/Maßnahmen innerhalb der Medizin (Teilbereich der Medizin, fokussiert auf Krankheiten) Gesundheit und psychische Prozesse auch außerhalb der Medizin (deutlich breiteres Feld) Verhaltensmedizin: Verhalten und biomedizinisch bestimmte Krankheiten (Risikoverhaltensweisen von Menschen, lerntheoretisch ausgerichtet) Geht über Verhalten und biomedizinische Störungen hinaus (auch Gesundheitsprozesse, andere Prozesse außer Verhalten) Psychosomatik: Entstehung und Behandlung psychosomatischer Erkrankungen (psychische Ursache für somatische Erkrankung → ich muss die psychogene Ursache behandeln, analytisch = tiefenpsychologisch orientiert) Mehr Prävention und Gesundheit im Alltag; theoretisches Konzept (breiter aufgestellt, auch Lerntheorien, Sozialpsychologie) Gesundheitswissenschaften: Gesundheit und Krankheit in der Bevölkerung; bio-psycho-soziales Modell (auch Konzepte aus der Soziologie; Fokus: Bevölkerung, keine einzelnen Personen/Gruppen, interdisziplinärer Ansatz) Primär psychologische Fragen von Gesundheit und Krankheit (machen keine Versorgungsforschung) Probleme bei der Abgrenzung • Grenze zwischen Störung und Nicht-Störung (Wann fängt Störung an?) • Grenze zwischen psychischer und körperlicher Störung (keine klare Grenze) • Prävention auch bei bereits Erkrankten wichtig (Sekunderprävention)
- Was macht Gesundheit aus? • lange Zeit Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit definiert (negative Definition = Gesundheit nur durch die Abgrenzung von Krankheit bestimmt) • WHO: „Gesundheit ist ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen.“ → Positivdefinition → umfassendes Verständnis (nicht eindimensional, bio-psycho-sozial, nicht nur wenn der Körper funktioniert, sondern auch mein soziales Umfeld meine Eingliederung in das soziale Umfeld und mein Geist müssen funktionieren) → Idealnorm orientiert (sehr idealistisch „vollständig“) sehr rational → „vollkommenes Wohlbefinden“ ist ein relativer Zustand, der auch subjektiv nicht immer erreichbar ist. Trotzdem können Menschen gesund werden und als gesund gelten) → sehr statisch (WHO betont subjektive Aspekte der Gesundheit und berücksichtigt zusätzlich objektivierbare Daten – medizinisch-technische-Einschätzung. Mit dieser Definition wird auch aus soziale und psychische Aspekte und nicht nur auf das Fehlen körperlicher Gebrechen für Gesundheit hingewiesen)
- Was sind Bestimmungsstücke von Gesundheit? • umfassende Betrachtung von Gesundheit auf körperlicher, seelischer und sozialer Ebene • Wohlbefinden steht im Vordergrund • Gesundheits-(Krankheits-)Kontinuum (es gibt Dimensionen von Krankheit und Gesundheit. Gesundheit ist ein Pol auf einem Kontinuum, auf dem Menschen sich körperlich, psychisch und sozial mehr oder weniger wohl fühlen) • Gesundheit als dynamisches Konstrukt → aktiver Prozess (Gesundheit muss immer wieder neu erreicht, wiederhergestellt und aufrechterhalten werden) • Gesundheit kann objektiv erfasst werden und zeigt sich auch im subjektiven Erleben (objektive Messung der Gesundheit durch Expertenkonsens insbesondere von medizinischem Fachpersonal, Subjektiv festgestellte Gesundheit beruht auf der eigenen Einschätzung des Gesundheitszustandes) • Gesundheit ist eine soziale Konstruktion der Gesellschaft (unterschiedliche Normen) • Gesundheit impliziert auch die Handlungsfähigkeit einer Person (nicht nur körperliches Wohlbefinden z.B. Freiheit von Beschwerden, Krankheit; und psychisches Wohlbefinden z.B. Lebenszufriedenheit; sondern auch Leistungsfähigkeit, Selbstverwirklichung und Sinnfindung)
- Beschreibe die Bio-medizinische Sichtweise und kritisiere sie Bio-medizinische Sichtweise Will immer ein körperliches Korrelat finden, d.h. man findet eine primäre Störung, die die Problematik erklären kann. Man versucht im körperlichen Bereich irgendwo eine Veränderung zu finden • Beschwerden, Abweichungen körperliche Funktionen und Verhaltensauffälligkeiten (das Kranksein) sind auf eine primäre Störung im Sinne eines spezifizierbaren „Defekts/Störung“ zurückzuführen (der möglicherweise noch nicht bekannt ist). • Dieser Defekt ist in der Person gelegen (Person ist passiver Träger) und bildet die eigentliche Krankheit. • Der Defekt ist zurückzuführen auf eine eindeutige Ursache bzw. ein immer wiederkehrendes Muster von Ursachen. (spezifische Ätiologie/Pathogenese) Biologische Faktoren für Entstehung von Krankheit (genetische Faktoren, Viren) soziale und psychologische Einflüsse werden kaum berücksichtigt) • Dieser Defekt ist grundsätzlich körperlicher Art. - Personenzentriert: ich muss immer bei der Person suchen, soziale Variablen außen vor gelassen → Person ist Träger der Erkrankung, man guckt bei ihm nach Veränderungen - eindeutig: wir haben dort eine Veränderung und das führt zu dieser Störung - negative Definition von Gesundheit (Abwesenheit von Krankheit – pathogenetisches Modell, d.h. wer keine Symptome oder Krankheit zeigt, ist gesund und wer die diagnostischen Kriterien erfüllt, bekommt eine Diagnose und gilt als krank) Biomedizinisches Krankheitsmodell Noxe: Substanz/ Ereignis, das dem Organismus Schaden zufügt. Krankheitsursache. Duftstoff, Veränderung im Körper, Anstoßen (physikalisch). Es gibt irgendwo eine Schädigung (Noxe), das führt zu einer Veränderung im Körper (körperlicher Defekt -Pathologie). Das kann ich anhand einer speziellen Struktur- oder Funktionsstörung beschreiben und am Ende geht es darum, diese Funktionsstörung wiederherzustellen, den Defekt zu heilen. Gelingt das nicht kommt es zum Tod. Kritik von Engel (1977) an dem biomedizinischen Modell a. Modell lässt die sozialen, psychischen und verhaltensmäßigen Komponenten von Krankheit weg (Person ist passiver Träger des Defekts, anderes spielt keine Rolle (auch Emotionen, Kognitionen werden vernachlässigt), ABER der Einfluss von Lebensgewohnheiten und Risikoverhalten sowie von Umweltbedingungen sind eindeutig nachgewiesen) b. überholter Leib-Seele-Dualismus (Modell meint, dass man zwischen psychischen und körperlichen Prozessen trennen kann) c. reduktionistische Sichtweise (→ physikalische und biochemische Wirkmechanismen, die das erklären: ich hab irgendwo eine Pathologie/biochemische Kette, die das Ganze erklärt) d. individualistisch ohne Berücksichtigung der gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhänge (keine Einbettung in einen größeren Kontext, es zentriert auf körperliche Aspekte innerhalb der Person, keine psychosozialen Faktoren, Verhalten und gesellschaftliche Rahmen)
- Beschreibe die Biopsychosoziale Sicht Biopsychosoziale Sicht • Nachweis von biochemischen Abweichungen sind notwendig, aber nicht hinreichend für Auftreten von Krankheit • Krankheit bedarf auch Zugang zu den verhaltensmäßigen und psychosozialen Daten der Person (Integration. Und Berücksichtigung der gesellschaftlichen und geografischen Hintergründe: wie ist es eingebettet in mein persönliches Leben) • Lebensumstände haben bedeutsamen Einfluss auf Ausbruch und Verlauf einer Krankheit • Krankheitswahrnehmung und –verhalten sollten berücksichtigt werden (in den klassischen Modellen (Medizin) werden sie vernachlässigt: es ist egal was die Person macht und wie sie die Krankheit wahrnimmt) • Beseitigung eines biochemischen Defekts ≠ (nicht gleich) erfolgreiche Behandlung → Bedeutsamkeit psychologischer und sozialer Variablen (nur dass man ein Defekt reparieren kann (beseitigt) bedeutet es nicht, dass die Behandlung erfolgreich war. Die anderen Variablen müssen in das Modell integriert werden) Berücksichtigt neben biologischen/somatischen Dimensionen auch explizit psychische und soziale Dimensionen. Im Mittelpunkt stehen Schutzfaktoren und generelle Widerstandsressourcen, weshalb das Modell auch als salutogenetisch bezeichnet wird. Ferner wird ein Gesundheits-Krankheits-Kontinuum angenommen. Darüber hinaus wird bei der Diagnostik neben Urteilen der Behandelnden auch auf subjektive Indikatoren zurückgegriffen. Hier wird Gesundheit definiert als ein positiver funktioneller Gesamtzustand im Sinne eines dynamischen biopsychologischen Gleichgewichtszustands, der erhalten bzw. immer wieder hergestellt werden muss (WHO). Biopsychosoziale Sicht (Ergänzung des klassischen Modells) Ergänzungen auf der psychosozialen Ebene:Risiko-/Schutzfaktoren Risikofaktor: Stress hat einen Einfluss auf die körperliche Befindlichkeit; erhöhen die Auftretenswahrscheinlichkeit Schutzfaktoren: Menschen, die trotz widriger Umstände nicht krank werden. Vermindern das Auftreten. Partizipation: gesellschaftliche Teilhabe (v.a. bei chronischen Erkrankungen z.B. Behandlung) Aktivität: jeder Krankheitsprozess hat Einfluss auf meine Aktivität, Psyche, Selbstbild, emotionale Befindlichkeit: Ängstlichkeit Rehabilitation mit Krankheiten umgehen lernen, wenn Krankheit nicht heilbar
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