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Forschungsmethodik (Subject) / Lektion 08 (Durchführung qualitativer Forschung) (Lesson)
Methodik
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- Allgemeines - Forschung erfolgt oft wild, als Stückwerk, chaotisch oder gar zusammenhangslos - Erst nach und nach klares Bild, welches planvolles Vorgehen ermöglicht - Qualitativer Ansatz erfordert mehr Erfahrung, Fingerspitzengefühl und mentale Vorbereitung bzgl. Offener Interviews (davon sieht man jedoch nichts in der Abschlussarbeit)
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 - Vor der qualitativen Analyse -> Datensammlung - Wichtigste Grundtechniken -> nichtstandardisierte oder teilstandardisierte Befragungen und Beobachtungen sowie nonreaktive Verfahren
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Befragung) - Fragestellung wird in Fragen übersetzt - Ermittlung Sichtweise/ Meinungswelt des Probanden - Forscher gibt Rahmen des Gesprächs vor, Proband gestaltet hauptsächlich den Gesprächsverlauf - Befragungstechnik: -- formloses Gespräch (Rollen Forscher/Befragter können verwischt sein) -- Interview (Forscher kündigt Forschungsabsicht an, künstliche Gesprächssituation) -- sehr viele Arten von Interview: narrativ, biografisch, problemzentriert, fokussiert, usw. -- durch direkte Beteiligung der Forschenden am Gespräch -> VL-Effekt -> durch oftmals geringe Reliabilität qualit. Verfahren -> sich herausnehmen aus dem Gespräch ist je nach Gespräch untersch. Möglich -- Klassifikation der Befragungstechniken nach dem Maß des Sich-Herausnehmens (Freiheitsgrade in Frage-Antwortformat) sinnvoll
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Vollstandardisierte Interviews) - Fragebogen mit festen Antwortformaten, Antwortmöglichkeiten fest vorgegeben - Wortlaut der Fragen, Reihenfolge, Improvisation im Gespräch fest vorgegeben - Eher hohe Reliabilität - Keine Technik der qualitativen Forschung im eigentlichen Sinne
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Nicht standardisierte Interviews) - formfreie Befragungstechnik - Instrument für Einzelfallstudien: Untersuchung Tiefenstruktur v. Problemwahrnehmung, Untersuchung/Nachzeichnung inn. Entscheidungen, mentaler Vorgänge, Beurteilungsmechanismen -> geeignet bei komplexen inneren Vorgängen - Nachteil: hoher Zufallsanteil -> wenig Reliabilität (ganz versch. Gesprächsverläufe), schwierige Vergleichbarkeit von Gesprächen, offene Fragen + offene Antworten, Gegenstück zu stand. Interv.
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Halb standardisierte Interviews) - Kompromiss aus voll- / nicht- standardisierten Interviews - fester Fragebogen (Fragen thematisch festgelegt) - Ziel Gewährleistung natürlicher Gesprächsverlauf (Reihenfolge/Formulierung der Fragen muss nicht fixiert werden) - Leitfadeninterview: gängigste Technik (fester Katalog m. Hauptfragen + optionale Detailfragen) - manchmal untersch. Gesprächsverläufe - an interessanten Stellen mit improvisierten Fragen nachhaken -> Verschmelzung Datenerhebung und Datenauswertung
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Erfahrungsgestaltungen (häufig interessierte Zielgrößen qualitativer Datenerhebung)) - Oft Episoden (z.B. Bericht über Unfall) und Verlaufsstrukturen (generalisierte, routinierte Episode) nicht so wichtig, - sondern eher Interesse an Konzeptstrukturen (Orientierungswissen in Form von Klassifikationen/ Taxonomien im Kopf) oder Geschehenstypen (Erfahrungsgestalten über verallgemeinerte Situationsaufbauten, z.B. Freundschaft, Beruf, Helfen) für spätere Analyse
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Narratives Interview) - Von Schütze entwickelt, zielt daher nicht auf sachliche Fragen ab - Gibt durch Erzählanstöße Gelegenheit, Episoden der eigenen Lebensgeschichte zu berichten - Bessere spätere Analyse durch Schaffung einer entspannten Atmosphäre zu Gesprächsbeginn - Besonders gut für spätere Analyse, wenn beim Reden von sich selbst ein zwangloser Zwang entsteht z.B. Zwang zum Bewerten eines abgeschlossenen Erzählkapitels
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Oral-History-Ansatz) - Interviewpartner wird gebeten, die offizielle Geschichtsschreibung zu ergänzen - z.B. bei Fusion von Daimler und Chrysler wurde Schrempp als Manager des Jahres 1998 gekürt - Nicht standardisiertes Vorgehen
- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Fokussiertes interview) - Leitfadeninterview mit Objekt (Foto, Film) als Reizvorlage, um das sich das Gespräch dreht
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- Methoden der Datengenerierung – Teil 1 (Gruppenbefragungen) - v.a. in Markt-/ Meinungsforschung -> Gruppen-Brainstorming/-Diskussionen - Gruppe oft besserer Repräsentant für Bevölkerungsteile als Einzelperson (validitätserhöhend) - z.B. Befragung bzgl. Hip-Hop Album bei Schülern, besser Gruppen als Einzel, da sich oft über so etwas auf dem Schulhof ausgetauscht wird
- Methoden der Datengenerierung – Teil 2 (Vorbereitung) - Themenwahl - Entwicklung Raster (gibt Orientierung bei der Formulierung der Hauptfrage) - Festlegung Befragungstechnik und Analysemethode - Kontakt Proband, Zusammenstellung des benötigten Equipments
- Methoden der Datengenerierung – Teil 2 (Gesprächsbeginn) - vertrauensvolle Atmosphäre (einleitender Smalltalk) - Skizzierung Forschungsanliegen - Datenschutz bei Aufzeichnungen abklären (Erlaubniseinholung bei Tonbandaufnahmen)
- Methoden der Datengenerierung – Teil 2 (Gesprächsdurchführung) - Einhaltung des festgelegten Rahmens (Abschweifen: freundlicher, korrigierender Eingriff) - Dokumentation: Reaktion, Gefühle, nonverbale Äußerungen - Erhebung/Dokumentation biografischer Daten erst am Ende
- Methoden der Datengenerierung – Teil 2 (Gesprächsende) - Bedanken - Hinterlassen von Infomaterial, Anbieten: bei Nachfragen zur Verfügung stehen - bei Interesse: kurze Ergebnismitteilung nach Projekt
- Methoden der Datengenerierung – Teil 2 (Nachbereitung) - Notizen: gleich nach Gespräch -> Festhalten des Gesamteindrucks - Beschreibung Proband und Gesprächssituation - Verschriftung des Gesprächs: anhand Tonaufnahme -- gesprochene Wort + prägnante Ereignisse (Betonung, Wortpausen, Räuspern, …) -- Sprecher -> Großbuchstaben und Doppelpunkt -- Einhalten Datenschutz: identifizierendes Material unkenntlich machen (Herr Z.) -- gesprochener Text: in Kleinbuchstaben -- Silbenbetonung durch Großbuchstaben, Sprechpausen (*), lange Pausen in Sek. (*4*), Dehnung durch Buchstabenwiederholung, geschluckte Buchstaben (`), eig. Kommentare in Klammern und Großbuchstaben, gleichzeitiges Reden von 2 Personen #
- Methoden der Datengenerierung – Teil 2 (Nonreaktive Verfahren (unobtrusive measures)) - Ausschluss VL-Effekt (Forschender und Proband treten nicht in direkten Kontakt) -> hohe Reliabilität - z.B. Untersuchung phys. Verhaltensspuren (m₂-Miete Bürofläche als Maßzahl für ökonomische Kraft von Unternehmen) oder (Verkaufsstatistiken einer Versicherung als Indikator für das Sicherheitsbestreben einer bestimmten Region) - Lost-Letter-Technik: selten angewandt -- an CDU und SPD adressierte Briefe werden in Stadt ausgelegt: wenn man CDU mag, bringt man Brief eher zum Briefkasten -- Auszählen der Rückläufe: Aufschluss über politische Orientierung des Stadtbezirkes - oft hohe Reliabilität, doch: Indikatoren oft etwas grob (m₂) - Untersuchung mentaler Modelle: schwer anwendbar -> fehlende Validität