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Einführung Psychologie II (Subject) / Psychische Störungen Verständnisfragen (Lesson)

Psychische Störungen Verständnisfragen

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  • 16.1 Wo ist die Grenze zwischen Normalität und Störung? Psychologen und Psychiater sehen ein Verhalten als gestört an, wenn es abweichend, belastend und dysfunktional ist. Die Definition dessen, was abweichend ist, variiert je nach Kontext, Kultur und Zeitalter.
  • 16.2 Warum gibt es eine Kontroverse über die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung? Ein 7-jähriges Kind, das extreme Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität zeigt, könnte die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)bekommen und mit Medikamenten oder anderen Therapien behandelt werden. Die Diskussion fokussiert sich darauf, ob die wachsende Anzahl an ADHS-Fällen eine Überdiagnostizierung oder eine gesteigerte Aufmerksamkeit bezüglich der Störung wider spiegelt. Langzeitfolgen der Behandlung durch Stimulanzien bei ADHS sind noch nicht bekannt
  • 16.3 Wie erklären das medizinische Modell und der biopsychosoziale Ansatz psychische Störungen? Das medizinische Modell geht davon aus, dass es sich bei psychischen Störungen um seelische Erkrankungen mit physischen Ursachen handelt, die aufgrund ihrer Symptome diagnostiziert, behandelt und in den meisten Fällen mit Hilfe einer Therapie geheilt werden können, dies passiert manchmal in einem Krankenhaus. Das biopsychosoziale Modell geht davon aus, dass bei der Entstehung von spezifischen psychischen Störungen drei Systeme interagieren: das biologische System (Evolution, Genetik, Hirnstrukturen und Chemie), das psychologische System (Stress, Trauma, erlernte Hilflosigkeit, stimmungsabhängige Wahrnehmungen und Erinnerungen) und das soziokulturelle System (Rollen, Erwartungen, Definitionen von »Normalität« und »Störung«)
  • 16.4 Wie und warum klassifizieren Kliniker psychische Störungen? Das DSM-IV-TR (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen)der American Psychiatric Association beinhaltet diagnostische Bezeichnungen und Beschreibungen, die eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Konzepte für Kommunikation und Forschung darstellen. (DSM-V wird DSM-IV-TR bald ersetzen und erneuern.) Einige Kritiker denken, dass das DSM zu detailliert und umfangreich geworden ist. Die meisten Krankenversicherungen Nordamerikas fordern DSM-/ICD-Diagnosen, bevor sie die Kosten einer Therapie erstatten.
  • 16.5 Warum kritisieren einige Psychologen die Verwendung diagnostischer Etikettierungen? Manche Kritiker sehen die DSM-Diagnosen als willkürliche Etikettierungen, die Vorurteile schaffen, welche die Wahrnehmung des vergangenen und aktuellen Verhaltens der etikettierten Person verfälschen. Die Etikettierung »psychische Krankheit« wirft moralische und ethische Fragen darüber auf, ob die Gesellschaft Menschen mit Störungen zur Verantwortung ziehen soll für ihre Gewalttaten. Die meisten Menschen mit Störungen sind nicht gewalttätig und sind eher Opfer als Täter.
  • 16.6Welches sind die verschiedenen Angststörungen? Ängstliche Gefühle und Verhaltensweisen werden nur dann als Angststörung klassifiziert, wenn sie Leidensdruck verursachen oder persistieren oder wenn sie charakterisiert sind durch ein unangemessenes Verhalten, das auf den Abbau der Angst ausgerichtet ist. Menschen mit einer generalisierten Angststörung fühlen sich ohne ersichtlichen Grund ständig und unkontrollierbar angespannt und besorgt. Bei der extremeren Panikstörung eskaliert die Angst und wird zu periodischen Episoden von intensivem Schrecken. Die Betroffenen einer Phobie fürchten sich auf irrationale Weise vor einem spezifischen Objekt oder einer Situation. Anhaltende und wiederkehrende Gedanken und Handlungen sind kennzeichnend für die Zwangsstörung. Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung umfassen 4 Wochen oder mehr voller lauernder Erinnerungen, Albträume, sozialem Rückzug, frei flottierender Angst und Schlafproblemen, die auf eine traumatische Erfahrung folgen.
  • 16.7Wie erklären lerntheoretische und biologische Perspektiven Angststörungen? Der lerntheoretische Ansatz sieht die Angststörung als Produkt aus Angstkonditionierung, Reizgeneralisierung, Verstärkung furchtvoller Verhaltensweisen und Lernen durch Beobachtung der Angst und der Kognitionen (Interpretationen, irrationale Überzeugungen und Hypervigilanz) anderer. Der biologische Ansatz beschäftigt sich mit der Rolle, die die Angst vor lebensbedrohlichen Tieren, Objekten oder Situationen bei der natürlichen Selektion und Evolution gespielt hat, mit der genetischen Vererbung eines hohen Maßes an emotionaler Reaktionsbereitschaft und der Produktion von Neurotransmittern und mit abnormen Reaktionen in den Angstkreisläufen des Gehirns.
  • 16.8Was sind affektive Störungen? Wie unterscheiden sich Major Depression und bipolare Störung? Affektive Störungen sind durch emotionale Extreme charakterisiert. Ein Mensch mit einer Major Depression erlebt 2 Wochen lang oder länger schwer depressive Stimmungen und Gefühle der Wertlosigkeit, zeigt wenig Interesse und wenig Freude an den meisten Aktivitäten. Menschen mit einer seltener auftretenden bipolaren Störung wechseln zwischen Depression und Manie, einer hyperaktiven und unbezähmbar optimistischen, impulsiven Phase.
  • 16.9 Wie erklären biologische und sozial-kognitive Ansätze affektive Störungen? Der biologische Ansatz zur Erforschung der Depression konzentriert sich auf genetische Prädispositionen. Forscher, die diesen Ansatz verfolgen, untersuchen auch Abnormitäten in der Struktur und der Funktion des Gehirns; dazu gehören auch diejenigen,die man im Neurotransmittersystem findet. Der sozial-kognitive Ansatz sieht die Depression als fortlaufenden Kreislauf belastender Erlebnisse (interpretiert durch negative Überzeugungen, Ursachenzuschreibungen und Erinnerungen), der zu negativen Stimmungen und Handlungen führt und neue belastende Erfahrungen hervor ruft.
  • 16.10 Welche Faktoren beeinflussen Suizid und selbstverletzendes Verhalten, und was sind einige der wichtigen Warnhinweise, auf die in der Prävention eines Suizides geachtet werden sollte? Suizidraten unterscheiden sich je nach Nation, Rasse, Geschlecht, Altersgruppe, Einkommen, religiöser Überzeugung, Beziehungsstatus und (für homosexuelle Jugendliche) der Struktur sozialer Unterstützung. Menschen mit Depressionen haben ein höheres Risiko für Suizid als andere, aber gesellschaftliche Anforderungen, Gesundheitsstatus und wirtschaftliche und soziale Frustration sind ebenfalls Faktoren, die eine Rolle spielen. Nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten führt normalerweise nicht zu Suizid, aber es kann eskalieren und zu suizidalen Gedanken und Handlungen führen, wenn es nicht behandelt wird. Menschen, die zu selbstverletzendem Verhalten greifen, können Belastungen schlecht ertragen und tendieren zu Selbstkritik und schlechter Kommunikation und Problemlösefähigkeiten. Umweltbarrieren (z. B. Geländer) sind effektiv, um Suizid vorzubeugen. Warnhinweise für Suizid umfassen verbale Hinweise, Weggeben von persönlichen Dingen, Rückzug, Beschäftigung mit dem Tod und Gespräche über den eigenen Suizid.
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  • 16.11 Welche Muster des Denkens, Wahrnehmens, Fühlens und Verhaltens charakterisieren die Schizophrenie? Die Schizophrenie ist eine Gruppe von Störungen, die typischerweise in der späten Adoleszenz auftreten, Männer ein wenig mehr betreffen als Frauen und die es in allen Kulturen zu geben scheint. Die Symptome der Schizophrenie sind desorganisiertes und wahnhaftes Denken, gestörte Wahrnehmungen und unangemessene Emotionen und Handlungen. Wahnvorstellungen sind falsche Überzeugungen; Halluzinationen sind sensorische Erlebnisse ohne eine sensorische Stimulation.
  • 16.12 Welches sind die Subtypen der Schizophrenie? Wie unterscheiden sich chronische und akute Schizophrenie? Die Symptome der Schizophrenie können positiv (Vorhandensein unangemessenen Verhaltens) oder negativ (Abwesenheit angemessener Verhaltensweisen) sein. Die Subtypen sind der paranoide, desorganisierte, katatonische, undifferenzierte und residuale Typus. Eine chronische (oder Prozess-)Schizophrenie entwickelt sich allmählich und hat eine geringe Chance auf Heilung. Eine akute (oder reaktive) Schizophrenie entwickeltsich schnell (oft in Reaktion auf Stress) und hat eine bessere Chance auf Heilung.
  • 16.13 Wie helfen Gehirnanomalien und virale Infektionen, Schizophrenie zu erklären? Menschen mit Schizophrenie haben eine erhöhte Anzahl von Rezeptoren für den Neurotransmitter Dopamin, der eventuell Hirnsignale verstärkt, und so die Positivsymptome der Schizophrenie, wie Halluzinationen und Paranoia, stärker werden lässt. Hirnabnormitäten, die mit Schizophrenie einhergehen, umfassen vergrößerte, flüssigkeitsgefüllte zerebrale Hohlräume und eine entsprechende Abnahme der Größe des Kortex. Schichtaufnahmen vom Gehirn zeigen eine abnorme Aktivität in den Frontallappen, im Thalamus und in der Amygdala. Interagierende Fehlfunktionen in mehreren Hirnregionen und ihren Verbindungen spielen offensichtlich bei der Entstehung der schizophrenen Symptome zusammen. Mögliche Einflussfaktoren umfassen eine Viruserkrankung oder Nährstoffknappheit in der Schwangerschaft, ein niedriges Geburtsgewicht oder Sauerstoffmangel während der Geburt und mütterliche Diabetes oder ein höheres Alter des Vaters.
  • 16.14 Gibt es genetische Einflüsse auf die Schizophrenie? Welche Faktoren könnten frühe Warnsignale für Schizophrenie bei Kindern sein? Zwillings- und Adoptionsstudien weisen darauf hin, dass die Prädisposition für Schizophrenie vererbt ist, und Umweltfaktoren beeinflussen die Genexpression, um die Störung zu ermöglichen. Dies ist weltweit belegt. Es gibt keine Umweltbedingungen die unweigerlich Schizophrenie erzeugen. Mögliche Frühwarnsignale einer späteren Schizophrenie können sowohl biologische Faktoren sein (eine Mutter mit schwerer und langanhaltender Schizophrenie; Sauerstoffmangel und niedriges Gewicht bei der Geburt; kurze Aufmerksamkeitsspanne und schwache Muskelkoordination) als auch psychologische Faktoren (störendes oder zurückgezogenes Verhalten; emotionale Unvorhersagbarkeit; schwache Beziehungen zu Gleichaltrigen und alleine spielen).
  • 16.15Was sind dissoziative Störungen, und warum sind sie umstritten? Dissoziative Störungen sind Zustände, bei denen das Bewusstsein anscheinend von früheren Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen abgetrennt wird. Die bekannteste dissoziative Störung ist die dissoziative Identitätsstörung, früher allgemein bekannt als multiple Persönlichkeitsstörung. Kritiker merken an, dass die Diagnose gegen Ende des 20. Jahrhunderts in dramatischer Form zugenommen hat, dass sie in vielen Ländern nicht vorkommt, in anderen sehr selten ist und dass in ihr ein Rollenspiel von Menschen zum Ausdruck kommt, die gegenüber den Suggestionen von Therapeuten sehr offen sind. Manche betrachten diese Störung als eine Manifestation von Angstgefühlen oder als eine Reaktion, die gelernt wurde, als dissoziative Verhaltensweisen durch den Abbau von Angstgefühlen verstärkt wurden.
  • 16.16Inwiefern zeigen Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung den Einfluss psychologischer Kräfte? Bei diesen Essstörungen bringen psychische Faktoren den homöostatischen Antrieb durcheinander, einen ausbalancierten inneren Zustand aufrechtzuerhalten. Menschen mit Anorexia nervosa (gewöhnlich Mädchen im Jugendalter) sind deutlich untergewichtig, setzen aber ihre Diät fort, weil sie sich selbst zu dick finden. Personen mit Bulimia nervosa (vorwiegend weiblich im Alter zwischen 10 und 30) haben heimlich Fressattacken und kompensieren diese dann durch Erbrechen, den Gebrauch von Abführmitteln, Fasten oder exzessives Training. Personen mit einer Binge-Eating-Störung haben zwar Fressattacken, kompensieren diese dann aber nicht durch Erbrechen, Abführmittel, Fasten oder Training. Zusätzlich zum kulturellen Druck scheinen ein geringes Selbstwertgefühl und negative Emotionen mit belastenden Lebenserfahrungen und genetischen Prädispositionen zu interagieren; das alles führt zu diesen Störungen.  
  • 16.17Was sind die drei Cluster der Persönlichkeitsstörungen? Welches Verhalten und welche Gehirnaktivität charakterisieren die antisoziale Persönlichkeit? Persönlichkeitsstörungen sind störende, unflexible und überdauernde Verhaltensmuster, die die soziale Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. Die Störung bildet drei Cluster, die auf den Hauptkomponenten basieren: (1) Angst, (2) exzentrisches oder seltsames Verhalten (3), dramatisches oder impulsives Verhalten.  Die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch ein schwach ausgebildetes Gewissen und manchmal durch aggressives und rücksichtsloses Verhalten. Eine genetische Prädisposition kann in Wechselwirkung mit Umwelteinflüssen treten und so vermutlich die veränderte Gehirnaktivität hervorrufen, die assoziiert ist mit der antisozialen Persönlichkeitsstörung.
  • 16.18Wie viele Menschen leiden oder litten an einer psychischen Störung? Ist Armut ein Risikofaktor? Die Prävalenz psychischer Störungen variiert in der Abhängigkeit von der Zeit und des Ortes der Erhebung. In einer multinationalen Befragung schwankten die Prävalenzen für alle psychischen Störungen zwischen unter 5% (Shanghai) und mehr als 25% (USA). Armut ist ein Risikofaktor für eine psychische Erkrankung. Die Lebensumstände und die Erfahrungen im Zusammenhang mit Armut tragen etwas zur Entwicklung psychischer Störungen bei, aber auch das Umgekehrte trifft zu. Einige psychische Störungen, wie etwa die Schizophrenie, treiben Menschen in die Armut.