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Tierseuchen (Subject) / Schweinepest (Lesson)

Schweinepest

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  • Die Viren (KSPV, ASPV)  Flaviviridae- Pestivirus- Virus der klassischen Schweinepest (KSPV, eng. CSFV)- weitere Pestiviren (BVDV-1 und 2, BDV, …) Asfaviridae- Asfivirus- Virus der afrikanischen Schweinepest (ASPV, eng. ASFV)
  • Das Virus (KSPV) - Eigenschaften Virus: Nukleokapsid, behüllt* (Lipidmembran), ca. 55nm Genom: ss-RNA, 12,5 kB Proteom: 4 Strukturproteine (Hüllglykoproteine (Erns, E1, E2), 8 Nichtstrukturproteine
  • Das Virus (ASPV) - Eigenschaften Virus: komplexer mehrschichtiger Aufbau (Nukleoidstruktur, innere Hülle, Kapsid (ikosaedral), externe Hülle) ~200nm Genom: ds-DNA, ~200 kBp Proteom: Virionen enthalten mindestens 50 Proteine (Strukturproteine, Enzyme, regulatorische Proteine)
  • Die Erkrankung - Schweinepest KSP und ASP klinisch nicht unterscheidbar Verlauf abhängig von Virulenz (Erreger) und Kondition/Konstitution (Wirt) => variabel relativ lange Inkubationszeit bis 10 Tage, lange Virämie (Dauer der Symptome) Verlaufsformen:- perakut: Todesfälle ohne sichtbare Krankheitsanzeichen- akut: Fieber, Hautrötungen, Anorexie, Abgeschlagenheit, Konjunktivitis, Erbrechen und Diarrhoe, Aborte; 24 - 48 h ante mortem Zyanosen und Bewegungsstörungen (Ataxie, Inkoordination); Tod meist nach 6 bis 13 Tagen, Mortalität bis 100 %subakut: remittierendes Fieber, Konditionsverlust, Anorexie und respiratorische Symptome; Aborte, Mortalität 30 – 70% nach 15 bis 45 Tagen.- chronisch: Gewichtsverlust, Wachstumsverzögerung, Kümmern, respiratorische Symptome, Lahmheiten und Sekundärinfektionen; Dauer der Erkrankung 2 – 5 M, Mortalität < 30 %- diaplazentare Infektion: Aborte, Mumifikation, Missbildungen, Geburt lebensschwacher Ferkel, bei KSPV: Geburt persistierend infizierter Ferkel (Immuntoleranz, Erkrankung erst nach Monaten „late onset“) Pathologie: hämorrhagische Diathesen - Schleimhäute und äußere Haut, petechiale Blutungen oder Ekchymosen Pathogenese- primäre Vermehrung Nasenrachenraum / Tonsillen -> lympho-hämatogene Ausbreitung in alle Organe, generalisierte Entzündung von Epithelien / Endothelien, DIC - Blutungen
  • Epidemiologie (KSPV) Wirte: Schweine (inkl. Wildschweine) Übertragung: direkter Kontakt >> Schlacht- und Küchenabfälle*, kontaminierte Kleidung (Tierärzte, Tierhändler u.a.) und Instrumente (Maulschlinge) > aerogen sowie mechanisch durch Arthropoden lange Virusausscheidung über alle Sekrete relativ hohe Tenazität (pH-Wert) In Deutschland seit 2007/09 keine Fälle von klassischer Schweinepest seit 2012 offiziell frei
  • Epidemiologie (ASPV) Wirte: Schweine (inkl. Wildschweine), Warzenschweine* und Buschschweine* Übertragung: direkter Kontakt; Zecken (Ornithodoros** ), Arbovirus (transstadiale und transovarielle Übertragung) relativ hohe Tenazität: (pH-Wert) Übertragung durch Fleischprodukte, Speiseabfälle
  • Diagnostik direkter Infektionsnachweis- Virusanzucht auf porzinen Zelllinien (KSPV ohne zytopathischen Effekt)- ASPV Hämadsorbtion (Rosetting)- Ag-Nachweis an Gewebeschnitten- Genomnachweis (qPCR, PCR) indirekter Infektionsnachweis- SNT (KSPV Diskriminierung Ak gegen andere Pestiviren (BVDV, BDV)- ELISA (ASPV; KSPV - E2, Erns (Markertest)) Probleme: Kreuzreaktion bei Pestiviren
  • Differenzialdiagnosen Perakute Form: Afrikanische Schweinepest, septikämischer Rotlauf, APP, , Vergiftungen. Akute Form: Afrikanische Schweinepest, hämorrhagisch septikämischer Verlauf: Pasteurellose, Milzbrand, Rotlauf, Eperythrozoonose, Vergiftungen. Hautblutungen: Afrikanische Schweinepest, PDNS (Circovirus-2-Infektion), Salmonellose, Pasteurellose, Eperythrozoonose, Streptokokkensepsis, Thrombozytopenische Purpura, Dicumarolvergiftung, PRRS. Durchfall und/oder Erbrechen: TGE/EVD, Salmonellose, Mykotoxine (DON), Adenomatose, Dysenterie, Vitamin-D-Intoxikation. Ataxie/Parese: Enterovirusencephalomyelitis, Enterotoxämie, Vergiftung, M. Aujeszky, Tollwut, PRRS, Meningitis. Bronchopneumonie: M. Aujeszky, PRRS, Enzootische Pneumonie, APP. Kümmern: Circovirus-2-Infektion, chronische Erkrankungen, Parasitosen, PRRS, Polyserosisits, Haemophilus parasuis. Anämie: Magengeschwüre, Eperythrozoonose, Parasiten. Embryopathien: M. Aujeszky, Parvovirose, Leptospirose, Brucellose, PRRS, Rotlauf, Vergiftungen.
  • Bekämpfung Verordnung zum Schutz gegen die Schweinepest und die Afrikanische Schweinepest (2005) zul. geändert 2016 Richtlinie 2001/89/EG des Rates vom 23. Oktober 2001 über Maßnahmen der Gemeinschaft zur Bekämpfung der klassischen Schweinepest (Mindestmaßnahmen) Richtlinie 2002/60/EG des Rates vom 27. Juni 2002 zur Festlegung von besonderen Vorschriften für die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (Mindestvorschriften) Diagnosehandbuch KSP 2002/106/EG Diagnosehandbuch ASP 2003/422/EG
  • Grundpfeiler/Konzept frühzeitige Diagnose (s.a. SchwHaltHygVO)- Untersuchungen auch ohne aktuelle Ausbrüche- Unterscheidung – Primär-, Sekundärausbrüche- amtlich zugelassene Methoden Impfverbot Schutzmaßnahmen bei Ausbruch - Prinzip: „stamping out“ – Elimination von Ausbruchsherden
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  • Impfung (KSPV) konventioneller Impfstoff: (C-Stamm) attenuiert (orale Vakzination beim Schwarzwild) Markerimpfstoffe (E2)- exprimiert über Insektenvirus/-zellsystem- diskriminierender Test (Ak gegen Erns)
  • Definitionen SP liegt vor:- bei virologischem Nachweis (Virus, Antigen, Genom) (Primärausbruch*)- bei positiven klinischen, pathologisch-anatomischen und epidemiologischen Untersuchungen oder bei positiver Serologie + epidemiologischen Anhaltspunkten (Sekundärausbruch*) Verdacht auf SP liegt vor:- wenn eine klinische, pathologisch-anatomische oder serologische Untersuchung den Ausbruch der Schweinepest befürchten lässt.
  • Impfverbot gilt grundsätzlich Ausnahmen möglich als Notimpfung- nur nach Zustimmung der EU- nur bei hoher/ansteigender Inzidenz, hoher Schweinebesatzdichte, Wahrscheinlichkeit weiterer Ausbrüche, Engpässen bei TKB- keine Verbringung aus dem Impfgebiet (für 6 Monate), Restriktionen für Fleisch, Sperma, Embryonen…- Zielrichtung – schnellstmögliche Tötung der geimpften Tiere- Auch Impfung von Wildschweinen nur nach Notimpfplan
  • Untersuchungen / Monitoring können auch ohne konkreten Verdacht angeordnet werden Gesundheitsstörungen im Bestand (Kümmern, ungeklärte Todesfälle oder erfolgloser antimikrobieller Behandlung) Untersuchung auf KSP ohne Verdacht (Sperre) -> SchwHaltHygVO
  • Schutzmaßregeln bei Ausbruch - vor amtl. Feststellung stand still: Tiere im Stall absondern und Verkehr beschränken (keine betriebsfremden Personen, keine Schweine, keine von Schweinen stammende Teile (Erzeugnisse, Dung, Gülle, Futter, Streu)) wettersichere und kontaktgeschützte Lagerung toter Schweine der beamtete Tierarzt ordnet die notwendigen Maßnahmen zur Diagnosefindung an und entnimmt die erforderlichen Proben bereits bei amtlich festgestelltem Verdacht - Tötung und unschädliche Beseitigung aller Schweine + epidemiologische Nachforschungen
  • Schutzmaßregeln bei Ausbruch - nach amtl. Feststellung Verkehrsbeschränkungen & Kennzeichnung „Schweinepest- unbefugter Zutritt verboten“ Desinfektion, Desinfektionsmatten Tötung aller Schweine im Betrieb Sperrbezirk (3 km) alle im Sperrbezirk gehaltenen Schweine innerhalb von 7 Tagen klinisch überprüfen kein Transport von Schweinen im Sperrbezirk (Ausnahmen sind möglich) ist verboten Aufhebung frühestens 30 (ASP 45 Tage) Tage nach Erlöschen Beobachtungsgebiet (10 km) 20* Tage keine Transporte von Schweinen (Ausnahmen sind möglich) Aufhebung frühestens 20 Tage nach Erlöschen in allen auffälligen Betrieben amtstierärztliche Untersuchung Kontaktbetriebe – Beobachtung für min. 40Tage; Tötung aller Schweine möglich
  • KSP bei Wildschweinen (WS) zahlreiche Fälle der Einschleppung in Bestände mit Hausschweinen 2009 Ausbrüche bei WS in NRW/RP intensive Bekämpfung- Bejagung- orale Vakzination (Impfköder)- intensives Monitoring (Jäger) 2010-12 keine erneuten Fälle seit Mai 2012 ist Deutschland frei von klassischer Schweinepest auch bei Wildschweinen
  • Folgen der Wildschweinepest Einrichtung eines gefährdeten Bezirks für lange Zeit (mehrere Jahre!) Hausschweine dürfen erst nach Untersuchung aus dem Bezirk verbracht werden (Aufwand / Kosten!) Verbot der Auslauf- und Freilandhaltung Wildschweine können nur über Sammelstellen nach negativem Labortest vermarktet werden Impfaktionen für Wildschweine (Zustimmung der EU) Exporteinbrüche, negative Auswirkungen auf den gesamten Schweinefleischmarkt (Deutschland hat in 2008 über 2 Mio. Tonnen Schweinefleisch exportiert) Ständige Gefahr der Einschleppung in Hausschweinebestände mit enormen Konsequenzen