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Tierseuchen (Subject) / BoHV-1 (Lesson)
BoHV-1
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- Das Virus (BoHV-1) HerpesviralesHerpesviridaeAlpha-HerpesvirinaeVaricellovirusBovines Herpesvirus 1 (BoHV-1)Bovines Herpesvirus 5 (BoHV-5) andere Herpesviren bei Rindern- BoHV-2 (Alpha-HV, bovine Mammillitis)- BoHV-4 (Gamma-HV, klinische Bedeutung?)- OvHV-2 (Gamma-HV, Bösartiges Katarrhalfieber) Eigenschaften- Virus: ikosahedrales Nukleokapsid (ca. 100nm) umgeben von Tegument und Hülle (Lipidmembran), ca. 200nm- Genom: ds-DNA, 136 kBp- Proteom: mindestens 33 Strukturproteine, mindestens 8 Hüll-Glykoproteine (gB, gC, gE … gL)
- Die Erkrankung (IBR) Alle Formen anzeigepflichtig! respiratorisch (infektiöse bovine Rhinotracheitis (IBR))- Entzündung der Schleimhäute des Respirationstrakts (Fieber, Nasenausfluss, Hyperämie der Schleimhäute („red nose“), Milchleistungsabfall);- bei älteren immunkompetenten Tieren oft mild oder inapparent, besonders bei Kälbern schwere Verläufe mit Sekundärinfektionen, Enzephalitis;- Aborte (5. – 8. Monat) genital (infektiöse pustuläre Vulvovaginitis (IPV) bzw. infektiöse Balanoposthitis (IBP))- seltener, meist lokale Infektion
- Epidemiologie Verbreitung: weltweit Wirte: Rinder inkl. Büffel, selten Ziegen, Schafe u.a. Infektionsweg: Tröpfcheninfektion (Sekrete der oberen Atemwege), direkter Tierkontakt Infektion führt zur Latenz (Ganglien, Monozyten) Reaktivierung durch Stress (Transporte, Neugruppierung) –> Infektion von Epithelzellen – Ausscheidung (Reaktivierung bleibt i.d.R. symptomlos )
- Diagnostik direkter Infektionsnachweis- Tupferproben (Nase, Konjunktiven, Genital), Organproben (Gehirn, Milz, LN, Leber)- Virusanzucht auf bovinen Zelllinien (akute Infektion)- Ag-Nachweis (ELISA, akute Infektion)- Genomnachweis (PCR, qPCR) – (Latenz?!) indirekter Infektionsnachweis (antivirale Ak, infizierte Tiere bleiben i.d.R. positiv)- Blutserum, Milch- SNT- ELISA (Vollvirus, gB, gE - Markertest)
- Historische Konzepte Konventionelles Konzept (C): Abschaffung infizierter Tiere (Selektion antikörperpositiver Reagenten) Marker-Konzept (M): Zurückdrängen der BHV-1 Feldviren durch Impfung mit „gE-deletierten Markerimpfstoffen“.- Reagentenimpfung (nur BHV-1 positive Tiere)- Bestandsimpfung (alle Tiere)- bei Erreichen einer entsprechend niedrigen Prävalenz (ca. 5-10%) Tötung der verbleibenden Reagenten – Impfverbot
- Impfung Indikation: „Aktive Immunisierung von Rindern zur Verringerung der durch die Infektion mit BHV-1 verursachten klinischen Symptome (Fieber) in Intensität und Dauer sowie zur Verringerung der Replikation und nasalen Ausscheidung von Feldvirus.“ Gesamtbestandsimpfung ist in teil-durchseuchten Beständen einer Teilimpfung deutlich überlegen und klar vorzuziehen. (TGB 2011, FLI) --> Reagentenimpfung seit 2015 verboten kann angeordnet werden (Abhängig von Status) in amtlich anerkannt freien Gebieten darf nicht geimpft werden (2004/558/EG)
- Bekämpfung Wirtschaftliche Bedeutung (?): Morbidität 10-30%, Letalität <3% Zielrichtung Freiheit von BHV-1 (sog. „Artikel-10-Status“ nach der EU-Richtlinie 64/432/EWG). Verordnung zum Schutz der Rinder vor einer Infektion mit dem Bovinen Herpesvirus Typ 1 (BHV-1 – Verordnung)- seit 1986 freiwillige Programme auf Länderebene – ohne den gewünschten Erfolg- seit Nov. 1997 BHV-1 – VO zunächst als HandelsVO (Verkaufskontrollen, Impfungen)- 2001 Änderung der VO – flächendeckende Bekämpfung, Untersuchungspflicht für Zuchtrinder > 9 Monate- 2004 Bekämpfungspflicht (Art. 9 Status)- 2015 Novelle der BHV-1 VO
- Grundpfeiler der BHV-1 VO Einteilung der Bestände / Rinder- BHV-1 freiBestand (2x getestet / geimpft & 2x getestet)Rind (aus freiem Bestand, aus Impfbestand* + getestet max. 14 Tage vor Verbringen)- Reagent:Ak gegen BoHV-1oder bei mit Markervakzine geimpften Tieren Ak gegen BoHV-1 Ge Untersuchungspflicht- Impfungen / Entfernen von Reagenten- Verbringungsbeschränkungen
- Reagenten BHV1-VO: Novelle 2015 Abschaffung der Reagentenimpfung Kennzeichnungspflicht für Reagenten Reagenten müssen unverzüglich aus dem Bestand entfernt werden (Ausnahmen möglich) Belegungsverbot für Reagenten Verbot des Weideaustriebs, wenn Reagenten im Bestand 30 Tage nach Entfernen des letzten Reagenten Bestandsuntersuchung
- Pflichtuntersuchungen Basisuntersuchung --> Status BHV-1 frei- (>30% Milchkühe) 2x Untersuchung aller > 9 Monate alten weibliche Rinder und zur Zucht vorgesehene männliche Rinder oder- alle (<30% Milchkühe) alle weiblichen und bis zu 9 Monate alten männlichen Rinder Kontrolluntersuchung --> Aufrechterhaltung des Status- alle Rinder frei von klinischen [BHV-1] Erscheinungen,- (>30% Milchkühe) alle über 24 Monate alten Rinder oder Untersuchung von 3 Tankmilchproben innerhalb eines Jahres- (<30% Milchkühe) alle weiblichen und bis zu 9 Monate alten männlichen Rindern- Zukauf von Rindern nur mit amtlicher Bescheinigung über die BHV1-Freiheit des Tieres
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- Praktische Umsetzung unterschiedliche Konzepte der Bundesländer (Marker-Impfung / konventionell) Teilkostenübernahme durch Tierseuchenkassen Kosten des Sanierungsprogrammes: Bsp. Bayern- seit 1988 rund 60.000 Betriebe regelmäßig untersucht,- 16. September 2011 „gibt es in Bayern kein BHV-1-infiziertes Tier mehr“- Kosten für Rinderhalter rund 115 Mio. Euro- Staatliche Beitrag rund 37 Mio. Euro.
- Endphase der Sanierung Stagnation <-> Explosion der Kosten Mangelhafte Eignung der Testsysteme- Steigende Häufigkeit falsch positiver Testergebnisse bei zunehmender BHV1-Freiheit (Spezifität der Testsysteme)- „Markergeimpfte“ Reagenten (Pseudoreagenten)- „Pseudoimpflinge“ z. B. durch unspezifische Reaktionen oder durch kontaminiertes Impfbesteck (gE neg, gB pos)- Serologisch negative Virusträger (experimentell durch Infektion unter passiver Immunität (maternale Ak)); Serokonversion geimpfter Tiere nach Infektion kann verzögert sein oder ausbleiben
- Ausbrüche Definition:virologischer oderklinisch und serologischer Nachweis von BHV-1 hohe Dunkelziffer (?) von Neuinfektionen – besser Zahl der neuen Serokonversionen
- Bekämpfung Vor amtlicher Feststellung (§ 5) von Verdacht oder Ausbruch: allgemeine Sperrmaßnahmen (kein Verbringen, Zugangsbeschränkungen, Reinigung- und Desinfektionsmaßnahmen etc.) Sperre kann angeordnet werden Nach amtlicher Seuchenfeststellung (§ 6): Sperre, Verbringungsverbot (nur mit behördlicher Genehmigung möglich) Ein Sperrbezirk (§ 8) kann angeordnet werden epidemiologische Untersuchungen Tötung der seuchenkranken und seuchenverdächtigen Rinder kann angeordnet werden Ansteckungsverdacht (§9): behördlichen Beobachtung aller Rinder für die Dauer von 30 Tagen + epidemiologische Nachforschungen