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Medizinische Psychologie (Subject) / Grundlagen der Demographie und Soziologie (Lesson)

Grundlagen der Demographie und Soziologie

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  • Demographie und demographische Transformation Lehre von der Bevölkerung beschreibt den aktuellen Zustand sowie die Entwicklung einer Population Die Entwicklung der Bevölkerung ist abhängig von der Geburten- und Sterberate sowie von Zu- und Auswanderung.
  • Fertilitätsziffer (Fruchtbarkeitsziffer): Anzahl der Geburten im Verhältnis zu Frauen im gebährfähigen Alter
  • Nettoreproduktionsziffer Anzahl der geborenen Mädchen im Verhältnis zu Frauen im gebärfähigen Alter
  • Nuptialität Anzahl der verheirateten Paare in einer Bevölkerungsgruppe
  • Natalität (Geburtenziffer): Anzahl der Geburten auf 1000 Einwohner in einem Jahr
  • Mortalität (Sterbeziffer): Anzahl von Gesamtsterbefällen innerhalb einer Bevölkerungsgruppe
  • Letalität Verhältnis von Anzahl der Todesfälle zur Anzahl aller Erkrankten bezogen auf eine Krankheit
  • Altenquotient Verhältnis der Menschen in Rente zu den Menschen, die erwerbstätig sind
  • Prätransformatorische (vorindustrielle) Phase Langsames Wachstum der Bevölkerung bedingt durch eine hohe Säuglingssterblichkeit bei gleichzeitig hoher Geburtenrate
  • Frühtransformatorische (frühindustrielle) Phase Zunahme des Bevölkerungswachstums durch Rückgang der Säuglingssterblichkeit bei gleichbleibend hoher Geburtenrate
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  • Transformationsphase (Umschwungphase) Das Bevölkerungswachstum erreicht seinen Höhepunkt Im weiteren zeitlichen Verlauf allmähliche Abnahme der Geburtenrate und beginnende Abnahme des Bevölkerungswachstums
  • Spättransformatorische Phase Schnelle Abnahme des Bevölkerungswachstums bedingt durch weitere Abnahme der Geburtenrate
  • Posttransformationsphase Langsam abnehmendes, im Verlauf stabiles Bevölkerungswachstum bei konstant niedriger Geburten- und Sterberate
  • Zweiter demographischer Übergang Weitere Abnahme der Geburtenrate, so dass die Gesellschaft ohne Zuwanderung immer kleiner werden würde
  • Demographisches Altern Bedingt durch eine zunehmend älter werdende Bevölkerung bei sinkender Geburtenrate
  • Kompression der Morbidität Neben der steigenden durchschnittlichen Lebenserwartung, nimmt auch die Zeit des Lebens zu, in der der Mensch gesund ist
  • Medikalisierungsthese Im Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit vieler Erkrankungen zu: Da die Bevölkerung immer älter wird, verbringt sie mehr Zeit in Krankheit, der Zugewinn an Lebenserwartung wird sozusagen durch steigende Gesundheitskosten „erkauft“. Kompressionsthese und Medikalisierungsthese sind gegensätzliche Hypothesen zur Auswirkung des demographischen Alterns
  • Haupttodesursachen in Deutschland und allgemein westlichen Kulturen Frauen: Krankheiten des Herz-Kreislauf-SystemsMänner: Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und Lungen- und Bronchialkrebs Haupttodesursachen in westlichen Kulturen sind nicht mehr infektiöse, akute Erkrankungen, sondern vermehrt chronische und psychische Erkrankungen. Dieser Übergang wird als epidemiologische Transition bezeichnet!
  • Migration (Bevölkerungswanderung): Dauerhafter Wohnortwechsel von Menschen. Die Bevölkerungsentwicklung einer Gesellschaft wird vor allem von Natalität, Mortalität, aber auch Migration beeinflusst.
  • Akkulturation Vorgang der Eingliederung in eine Gesellschaft und ihre Kultur
  • Integration (Soziologie): Erfolgt, wenn sich ein Individuum in die neue Kultur eingliedert, seine ursprüngliche Kultur aber noch beibehält
  • Assimilation Erfolgt, wenn sich ein Individuum vollständig an die neue Kultur anpasst und seine alte Kultur aufgibt
  • Separation Erfolgt, wenn ein Individuum an seiner alten Kultur festhält und nicht an Kontakt zu der neuen Kultur interessiert ist
  • Marginalisation Erfolgt, wenn ein Individuum weder an seiner eigenen, ursprünglichen Kultur festhält, noch Kontakt zu der neuen Kultur besteht
  • Hypothese der Tertiarisierung nach Fourastié Man unterscheidet zwischen drei Erwerbssektoren. Laut der Hypothese der Tertiarisierung nach Fourastié wird im Laufe der Zeit die Beschäftigung in den ersten beiden Sektoren im Vergleich zu der Beschäftigung im tertiären Sektor verstärkt abnehmen. Dies liegt daran, dass die Tätigkeiten der ersten beiden Sektoren im Rahmen der vermehrten Technisierung durch Maschinen ersetzbar sind, die Tätigkeiten des tertiären Sektors jedoch eher nicht.
  • Die drei Erwerbssektoren Primärer Sektor: UrproduktionSekundärer Sektor: GüterverarbeitungTertiärer Sektor: Dienstleistung und Handel
  • meritokratische Triade Die sog. meritokratische Triade hilft dabei zu ermitteln, in welcher Schicht sich ein Individuum befindet. Sie setzt sich aus folgenden drei Statusmerkmalen zusammen. Je besser ein Individuum ausgebildet, je angesehener sein Beruf und je höher sein Einkommen ist, desto höher ist die soziale Schicht, in der er sich befindet. Ausbildung Beruf Einkommen
  • Schichtindices Dienen dazu, verschiedene Gruppen oder Mitglieder der Gesellschaft hinsichtlich ihres sozialen Status zu vergleichen Werden bei den Mitgliedern einer Gesellschaft anhand individuell ausgewählter Statusmerkmale (z.B. Ausbildung, Beruf, Einkommen) oder anhand deren Ausprägung berechnet Für die Ausprägung von Statusmerkmalen werden Punktwerte vergeben und diese zu einem Index addiert. Werden mehrere Statusmerkmale verwendet, um den Schichtindex zu berechnen, spricht man von einem multiplen Schichtindex
  • Statuskonsistenz (Statuskongruenz, Statuskristallisation): Besteht, wenn sich eine Person bezüglich der einzelnen Statusmerkmale jeweils auf der gleichen Ebene befindet Bsp.: Ein Jurist arbeitet als Anwalt in einer Kanzlei und verdient dabei ein branchenübliches Gehalt.
  • Statusinkonsistenz (Statusinkongruenz): Besteht, wenn sich eine Person bezüglich der einzelnen Statusmerkmale nicht jeweils auf der gleichen Ebene befindet. Bsp.: Eine Akademikerin findet in ihrem eigentlichen Beruf keine Stelle, arbeitet daraufhin an einer Supermarktkasse und verdient so weniger als ihrer Ausbildung entsprechend wäre.
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  • Vertikale Mobilität Veränderung des sozialen Status mit Übergang von einer sozialen Schicht in eine andere. Dies kann selbstverständlich sowohl einen sozialen Aufstieg als auch einen sozialen Abstieg bedeuten. Ein Junge mit abgebrochener Schulausbildung und Anstellung als Taxifahrer holt sein Abitur nach und studiert Medizin.
  • Horizontale Mobilität Veränderung eines Statusmerkmales ohne dass sich dadurch die Schichtzugehörigkeit verändert Ein Assistenzarzt der inneren Medizin ist mit seiner Arbeitsstelle unzufrieden und wechselt in die Pädiatrie
  • Intragenerationenmobilität Veränderung des sozialen Status innerhalb einer Generation im Laufe des Lebens einer Person Ein Junge mit abgebrochener Schulausbildung und Anstellung als Taxifahrer holt sein Abitur nach und studiert Medizin.
  • Intergenerationenmobilität Veränderung des sozialen Status zwischen zwei oder mehr Generationen Ein Junge aus ärmlichen Verhältnissen, dessen Vater Bauer war, wird Arzt.
  • Soziale Opportunitätsstruktur Beschreibt die Zugangschancen zu verschiedenen Ressourcen (z.B. Bildung, Arbeit) in einer Gesellschaft Nicht jedes Mitglied der Gesellschaft hat den gleichen Zugriff auf materielle (z.B. Geld, Wohnraum, Kleidung) und immaterielle (z.B. ärztliche Versorgung, Pflegeleistungen) Ressourcen
  • Relative Deprivation Besteht, wenn sich ein Individuum oder eine soziale Gruppe im Vergleich mit anderen Individuen oder sozialen Gruppen benachteiligt fühlt Beispiel: Jemand, der befördert wurde, könnte so mit dem Ausmaß seiner Beförderung im Vergleich („relativ“) mit anderen Beförderten unzufrieden sein, anstelle sich mit deutlich benachteiligteren Mitarbeitern zu vergleichen und seine Beförderung positiv zu bewerten
  • Strukturelle Deprivation Besteht, wenn einem Individuum oder einer Gruppe von Menschen weniger Möglichkeiten zur Teilhabe an der Gesellschaft zur Verfügung stehen als anderen Beispiel: In sozial schwächeren Wohngebieten besteht häufig auch eine schlechtere Infrastruktur und ein geringeres kulturelles Angebot
  • Gini-Koeffizient Wert zwischen 0 und 1, der als Maß für die Ungleichheit in einer Gesellschaft herangezogen werden kann Wird beispielsweise zur Beurteilung der Einkommensverteilung in Gesellschaften verwendet 0 = gleichmäßige Verteilung (Einkommensgleichheit) 1 = maximal ungleichmäßige Verteilung (Einkommensungleichheit) Je höher der Gini-Koeffizient, desto ungleicher die Verteilung
  • Der Klassenbegriff nach Karl Marx Karl Marx beschreibt zwei Klassen der kapitalistischen Gesellschaft: Die Bourgeoisie/Kapitalisten (die wohlhabenden Bürger) Das Proletariat (die besitzlose Arbeiterklasse) Die Klassenzugehörigkeit hängt dabei vom Besitz bzw. der Verfügung über Produktionsmittel ab
  • sozialer Gradient Das Gesundheits- und Krankheitsverhalten ist in den verschiedenen sozialen Schichten unterschiedlich ausgeprägt. So zeigen Personen aus unteren Schichten tendenziell ein „stärkeres“ gesundheitsgefährdendes Verhalten als Personen aus höheren Schichten, was wiederum ein höheres Mortalitätsrisiko in den niedrigeren Schichten bedingt. Es besteht häufig ein inverser Zusammenhang zwischen dem Sozialstatus und dem Erkrankungsrisiko. Ein weiterer Unterschied bezieht sich auf die Inanspruchnahme von Naturheilmitteln. Diese werden häufiger von Personen aus höheren Schichten angewendet.
  • Verursachungshypothese Laut dieser Hypothese ist die Ungleichverteilung von Gesundheit und Krankheit zwischen den einzelnen sozialen Schichten durch höhere Belastungen und ein gesundheitsgefährdenderes Verhalten der unteren Schichten verursacht. Beispiele Schlechtere Wohnverhältnisse Höhere Arbeitsbelastung Ungünstiges Gesundheitsverhalten Ungünstiges Krankheitsverhalten
  • Soziale Drifthypothese Laut dieser Hypothese können Erkrankungen zu einer sozialen Ungleichheit führen. Erkrankt ein Individuum bspw. an einer psychiatrischen Erkrankung, so könne dies zu einem sozialen Abstieg in eine niedrigere soziale Schicht führen.
  • „Ökologische Studien“ Die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Risikofaktoren (z.B. der Einkommensungleichheit) und Erkrankungen ist ein wichtiger Bestandteil epidemiologischer Forschung. In sogenannten „ökologischen Studien“ werden Daten aus der zu untersuchenden Bevölkerungsgruppe gesammelt (sog. „Aggregatdaten“), welche dann ins Verhältnis zu bspw. der Erkrankungshäufigkeit gesetzt werden.
  • Beispiele für Krankheiten Vorkommen vermehrt in unteren Schichten Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Karies, Bronchialkarzinom, Diabetes mellitus, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Asthma bronchiale, Aids, Depressionen, Schizophrenie, Substanzmissbrauch
  • Vorkommen vermehrt in oberen Schichten Beispiele für Krankheiten Allergien, Neurodermitis, Anorexia nervosa (Magersucht)
  • (soziale) Kohäsion Kohäsion ist die soziale Bindungsstärke von Gruppenmitgliedern. Durkheim (1897) definierte hier den Begriff der "Anomie", dem Abriss sozialer Beziehungen, der in enger Verbindung mit Suizid steht. So begehen z. B. verwitwete, alleinstehende Menschen häufiger Selbstmord als andere.