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psychologische diagnostik (Subject) / Klassifikationssysteme (Lesson)
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- was sind die zentralen Komponenten für die Definition psychischer Störungen? Symptome oder Symptommuster (= Syndrom) im Erleben, Denken oder Handeln einer Person, die• zu Beeinträchtigungen in zentralen Lebensbereichen führen (funktionaler Normbegriff) • zu ausgeprägtem bedeutsamen Leiden führen • eine Behinderung hinsichtlich sozialer oder berufs-/ ausbildungsbezogener und anderer wichtiger Aktivitäten darstellen • bei den Betroffenen (oder Bezugspersonen) ein Änderungsbedürfnis hervorrufen • mit Selbst- oder Fremdgefährdung einhergehen
- Was versteht man unter dem Begriff Klassifikation? Klassifikation: Einteilung und Zuordnung von Merkmalen in einem nach Klassen aufgeteilten System
- Welchen Nutzen hat die Diagnose einer psychischen Störung für den Behandler? Die Diagnose einer psychischen Störung sollte klinische Nützlichkeit besitzen, d.h. sie sollte es dem Behandler ermöglichen, eine Prognose, einen Behandlungsplan und den wahrscheinlichen Behandlungsausgang für den Patienten zu bestimmen.“
- Welche 2 grundlegenden Klassifikationssysteme gibt es? • Internationale Klassifikation psychischer Störungen • ICD-10 German Modification in der Version von 2014 • Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders • DSM-5 seit 2013
- Was sind die Grundprinzipien des ICD-10 und DSM-5? • Theoriefrei (z.B. keine psychodynamischen Konzepte) • Dichotomie Neurose – Psychose aufgegeben • Ätiologie nur selten relevant • Funktionaler Normbegriff (Erfüllung der zugetragenen Funktionen) • Operationalisierte & kriteriumsorientierte Diagnostik • Berücksichtigung von Komorbidität (nicht hierarchisches Prinzip) • WHO und APA bemühen sich um weitgehende Abstimmung beider Klassifikationssysteme
- Welche 10 Hauptgruppen umfasst die ICD-10 Klassifikation für psychische Störungen? • F0: Organische, einschließlich symptomatische psychische Störungen • F1: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen • F2: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen • F3: Affektive Störungen • F4: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen • F5: Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren • F6: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen • F7: Intelligenzminderung • F8: Entwicklungsstörungen • F9: Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
- Wie ist die depressive Episode im ICD-10 klassifiziert? • F32 depressive Episode • F32.0: leichte depressive Episode • F32.00: ohne somatische Symptome • F32.01: mit somatischen Symptomen • F32.1: mittelgradige depressive Episode • F32.10: ohne somatische Symptome • F32.11: mit somatischen Symptomen • F32.2: schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome • F32.3: schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen • F32.30: synthyme psychotische Symptome • F32.31: parathyme psychotische Symptome • F32.8: sonstige depressive Episode • F32.9: nicht naher bezeichnete depressive Episode
- Nennen Sie Störungskategorien des DSM-5 siehe Skript
- Listen Sie die Neuerungen und Veränderungen im DSM-5 auf. • Aufgabe der römischen Zahlen: nicht DSM-V sondern DSM-5 • Aufhebung der multiaxialen Struktur • Neuanordnung der Störungsklassen und der einzelnen Störungen • Erleichterung der Handhabung durch Vereinfachung vieler Störungsklassen • Online-Erweiterungen • Betonung von dimensionalen und störungsübergreifenden Maßen (Cross-Cutting Symptom Measures) • Einstufung einer Diagnose in „mild“, „mittel“ und „schwer“ • Überarbeitung des Suchtkapitels • Zwangs- und Posttraumatische Belastungsstörungen werden nicht mehr unter Angststörungen klassifiziert, sondern erhalten jeweils eigene Kapitel • Strengere Kriterien für eine ADHS-Diagnose, aber Änderung des Erstmanifestationsalters von 7 auf 12 Jahre • Asperger-Syndrom & Autismus zusammengefasst zu Autismusspektrumstörung • Einführung neuer Diagnosen: Leichte Kognitive Störungen Binge-Eating-Störung Prämenstruelle Dysphorische Störung Pathologisches Horten Dermatillomanie DMDD (disruptive Affektregulationsstörung): Anhaltende Irritierbarkeit, häufige, extreme mangelnde Verhaltenskontrolle Hauptmerkmal: wiederholte Wutausbrüche, welche nicht episodisch verlaufen (keine Überdiagnose und -behandlung von bipolaren Störungen bei Kindern)
- Was sind generelle Vor- und Nachteile der Klassifikationssysteme für psychische Erkrankungen? Klassifikationssysteme Kontra • Informationsverlust • künstliche Einheiten (z.T. erst im Nachhinein empirisch belegt) • Zahlreiche, unscharfe Definitionen • Schwellenproblem: Kontinuierliche, fließende Übergänge • Randbereichs Unschärfen • Kombinatorische Unschärfen • Was ist „krank“ und was „gesund“? Ist normal=gesund und unnormal=krank? • Krankheit vs. Beeinträchtigung vs. Behinderung • Normative Aspekte: Gefahr der Pathologisierung alltäglicher Leidenszuständen und natürlicher Anpassungs- und Alterungsprozessen (z.B. Schwangerschaft als Nicht-Krankheit) • Gefahr der Re-Identifikation (Selbstbestätigung) Klassifikationssysteme PRO • Reduktion und Organisation von Infos • entspricht auch dem Vorgehen in anderen medizinischen Bereichen • bessere Kommunikation durch einheitliche Nomenklatur • Grundlage für Wissensakkumulation (in Forschung + Praxis) • Handlungsanleitung für Therapie • Herabsetzung diagnostischer Schwellen soll Zugang zu Behandlung erleichtern • Psychische Störung heißt nicht zwingend Behandlungsbedarf • Zukünftige Inflation psychischer Störungen nicht erwiesen • Was sind konkrete Alternativvorschläge?
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- Stellen Sie eine kritische Betrachtung des DSM-5 dar. DSM-5 ist mangelhaft reliabel und valide • Externer wissenschaftlicher Review wurde nicht umgesetzt • „Field Trials“ wurden nicht vollendet • Teils fehlende empirische Evidenz für Diagnosen und Kriterien Diagnostische Schwellen herabgesetzt und neue Diagnosen eingeführt • Führt zu Inflation psychischer Störungen • Erhöht Etikettierung und Stigmatisierung • Gefährdet Patientensicherheit • Risiko für unnötigen, potenziell schädlichen Gebrauch von Psychopharmaka • Verschlechtert Behandlungsmöglichkeit für eigentlich Behandlungsbedürftige PRO Verbesserung der klinischen Nützlichkeit DSM 5 • Integration neuer Forschungsbefunde • Diagnosen-Anzahl wurde von 172 in DSM-IV auf 157 in DSM-5 reduziert • Kriterien wurden teils verschärft, ergänzt und expliziert • Erhöhung von Reliabilität und Validität • Nicht-Hinzunahmen einiger Beschwerdebilder, die teils vehement postuliert wurden (z.B. Attenuiertes Psychose-Syndrom, Burnout-Syndrom) Psychische Störungen sind (modifizierbare!) Konstrukte • DSM-5 als „living document“ • explizite Klassifikation besser als implizite • Verantwortung für adäquate Behandlung liegt beim Kliniker, nicht bei DSM-5 • Gesellschaftliche Stigmatisierung als eigentliches Problem