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Musikgeschichte (Subject) / MA (Lesson)
Notre-Dame-Musik & Motette
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- S7 Merkmale der Kolumnennotation? + Beispiel? Stimmenweise Aufzeichnung in Spalten (Kolumnen) gleichzeitiger Seitenwechsel/schließen am Seitenende (T.22) für kleine Ensembles gedacht - jedoch min. drei Musiker nur eine Handschrift nötig links Triplum rechts Duplum unten rechts Tenor Fünfliniensystem (C-Schlüssel auf 2./3. Linie) -> unterscheidet sich grundlegend von der partiturähnlichen Aufzeichnungsweise der NDM Bsp.: "ex semine" - Motette (Hs. Bamberg) Bl.27-28
- S7 Wofür wurde die Modalnotation verwendet? "musica sine littera" -> melismatische Musik
- S7 Warum stellt die Modalnotation mit der Zeit ein Problem dar? + Lösung? syllabisch textierte Stimmen sind nicht gut erfassbar erreichte Stufe rhythmischer Explizitheit will nicht aufgegeben werden -> Mensuralnotation: "musica mensurabilis"
- S5 "Ereignis Notre Dame" um 1200 Paris grundlegend andere Stufe mehrstimmigen Singens/Gestaltens epochenmachende Bedeutung Bsp.: Peroti - Alleluia "Nativitas gloriose Virginis" Bl.13-24(große dreistimmige Chorbearbeitung)
- S5 "ornatus" = Schmuck im Bezug auf NDM -> mehrstimmiger Schmuck (der Liturgie) an bestimmten Festen/Sänger Mehrstimmigkeit nur eine von mehreren Schmuckformen möglich duch: Tropierungsverfahren/ Erweiterung der Liturgie -> Hauptteil der gottesdienstlichen Musik nach wie vor einstimmig!
- S5 Wann wurden mehrstimmige Aufführungen des Chorals (als Chorbearbeitung) getätigt? hohen Feste des Kirchenjahres: Weihnachten Oster Pfingsten Himmelfahrt Mariens (NDK geweiht) (Epiphanias, Mariae Lichtmeß, Allerheiligen, ...) Heiligenfeste: St. Dionysius (St. Thomas, St. Barnabas, ...)
- S5 Liturgische Orte für mehrstimmigen Schmuck in der Messe? vorwiegend solistische Gesänge: Graduale und Alleluia (MS bearbeitet nur sol. Teile) Offizium in der ersten Vesper das Reponsorium (an Festagen Responsorium prolixum in der Vesper) Benedicamus domino, in der Matutin (Virgil) das 3.,6. und 9. Responsorium (Benedicamus wurde in Matutin nicht gesungen) Prozessionen Antiphonen und Responsoriumsversen
- S5 Besetzung der Solistengruppen abhängig vom Rang des Festes -> bei hohen Festen: Sechs Sänger-> bei weniger bedeutenden: Vier Sänger
- S5 Besonderheit der Mehrstimmigkeit von ND im Bezug auf die Musikgeschichte? erstmalich Überlieferung eines geschlossenen Repertoires polyphoner Musik, das mit einer bestimmten Institution verbunden ist dokumentiert den gesamten Bereich der über das Kirchenjahr hinweg gesungenen Mehrstimmigkeit
- S5 "Magnus liber organide gradali et antifonario" bildet Kern der NDM Sammlung zweistimmiger Organa (Bereicherung des liturgischen Gesangs) in drei großen Sammelhandschriften enthalten: F Codex Florenz, plut. 29. 1, um 1250 W1 Wolfenbüttel, Codex 628, um 1250 W2 Wolfenbüttel 1099, 2. Hälfte des 13. Jh.s. - (Namen geben Aufbewahrungsort an)
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- S5 Aufbau der Codices (Lexikon-Artikel Andreas Traub)? Ordnungsprinzipien: Stimmenanzahl und Gattung vierstimmige Organa; auch schon vierstimmige Conducti-> geistliche Strophenlieder drei- und zweistimmige Organa Hauptgruppe der Conducti (drei- und zweistimmig) Motetten; 1st. Conducti & andere ein- oder zweistimmige Gesänge (Conducti, rondelli, Tropen, Sätze für Marienmessen, ...)
- S5 "Magnus liber" Bl. 13 durch Umrandung hervorgehoben in ältester Quelle umfasst: - 45 zweistimmige Organa für das Offizium (Responsorien und Benedicamus)- 95 zweistimmige Organa für die Messe (19 Graduale, 40 Alleluia) -> "Magnus liber" bildet den Kern- /Grundbestand der der MS-NDM -> erfährt in Folgezeit Erweiterung und Modifikation
- S7 Notation Codex Bamberg (Bl. 27-28) - Tenorablauf duplex Longa d und Longa f & nachfolgende Longa Pause gleiche Abfolge wdh. sich mit d und e es folgen drei Longa mit Longa Pause -> alle Longen sind perfekt (= punktierte viertel; duplex Longa = punktierte Halbe)
- S7 Notation Codex Bamberg (Bl. 27-28) - Duplum Ab "habrahe" -> mensuralnotation 1.Modus Longa wird durch nachfolgende Brevis impliziert (in Übertragung Folgen von Viertel-Achtel) "vino" zwei Longen (erste perfekt; zweite durch Brevispause imperfiziert) "ignem pio" zweimalige Folge von imperfekten Longa und Brevis; zweitönig absteigende Ligatur, clivis 1. Note normal geschrieben ist -> meint Brevis "cum proprietate"; 2. Note weicht von Neumen-Normalform ab (schräg geschrieben) -> "sine perfectione" -> meint also Brevis nicht Longa mit nachfolgender Brevis schließt sich Ligatur zu perfectio (durch drei Breven ausgefüllt) erneut Folgen von durch Breven implizierte Longen
- S7 Notation Codex Bamberg (Bl. 27-28) - Problem der Notation Notation des neumatisch durchgesetzen Beginns der beiden Oberstimmen ist problematisch -> durch Normalprinzipien der Mensuralnotation nicht völlig erfaßbar
- S7 Basis der musikalischen Notation in Europa? & Prinzipien unserer Notenschrift? mensurale Aufzeichung bis ins 17. Jh. (Erfindung der 13. Jhs.) graphische Unterscheidug von Einzelzeichen (Ganze, Halbe, Viertel etc.) -> MA Epoche der Grundlegung der europäischen Musikkultur
- S7 "Motette" - Frage der Entstehung? zwei diametral engegengesetzte Entstehungs- und Bearbeitungsvorgänge: Klausel (Discantuspartie) nachträglich in der Oberstimme oder den Oberstimmen syllabisch textiert: musikalisch Substanz ist vorgegeben -> neues Stück (Motette) entsteht durch geschickte, kunstvolle Anpassung eines neuen Textes Motette über vorgegebenen melismatischen Cantusabschnitt durch rhythmisch und gegebenenfalls melodische Bearbeitung dieses Abschnitts und Hinzufügung einer oder mehrerer syllabisch textierter Oberstimmen neu erschaffen
- S7 2. Deutung "etymologisches Argument" "motet" -> fr. "mot" (Wort, Vers, Strophe) 13 Jh. = Synonym für Refrain "Motet" = Refrain (ein- bis vierzeiliger Text) -> bildet Kern von weltlichen Liedern (vor allem Rondeaux und Chansons)-> schon früh in fr. Motetten Begriff geht schnell auf ganzes Stück über auch auf lat. Motette auch wenn diese keinen Refrain enthält lat. "motetus" entsteht später
- S7 2. Deutung "genetisches Argument" fr. Motette keine Nachahmung der lat. -> eigenes Kompositionsprinzip Refrainprinzip prägt Struktur von Motetten (melodisches Material aus den Refrains der weltlichen Lieder an exponierten Stellen -> Anfang, Ende) musikalische Identität -> erstere Original, letzere Kontrafactum Tritt in Diskantklauseln melodisches Material aus Refrains auf -> gleiches genetisches Verhältnis
- S7 2. Deutung "sozialgeschichtliches Argument" Spezialisten für Mehstimmigkeit an NDK -> schlechte materielle Bedingungen Dienten Allgemeinheit und besser gestelltem Klerus gegen Bezahlung Amalgamierung zw. weltlich-bürgerlicher Musikpflege/ komplexer lirchlicher Mehrstimmigkeitspraxis -> Motette als zunächst weltliche Gattung
- S7 Motettenüberlieferung des 13. Jh. anonym es gibt ausnahmen -> Bsp.: Adam de la Halle - Dreistimmige Doppelmotette "ET SUPER" ...
- S7 Adam de la Halle 2. Hälfte des 13. Jhs. in Arras bedeutenster Vertreter der Trouvere-Poesie (in späten von der bürgerlichen Gesellschaft in Arras getragenen Phase) 36 1st. Minnelieder (Chansons), Redespiele, 16 dreistimmige Rondeaux, 5 dreistimmige Motetten, ... ) gilt als Schöpfer des mehrstimmigen Rondeaus Rondeaus -> frühes Beispiel für den mehrstimmigen weltlichen Liedsatz; hat sich offensichtlich Vorbild an mehrstimmigen geistlichen Strophenlied (Conductus) orientiert
- S7 "Aucun se sont loe d'Amours"/ "A Dieu comment amouretes" dreistimmige Doppelmotette über dem (nicht identifizierten) liturgischen Cantusausschnitt "Et Super" im 7. Faszikel der bedeutensten Motettenhandschrift des 13. Jhs. Codex Montpellier H 196 (Bl. 29-31)
- S7 "Aucun se sont loe d'Amours"/ "A Dieu comment amouretes" Tenoraufbau in rhythmischen Muster ordiniert (6 Takte -> sechs perfekte Longen) durch Pausenwerte teilt es sich in 2+4 Takte Tenor besitzt doppelten Cursus vollständige wdh. des Cantusausschnitts beginnt mit T.27
- S7 "Aucun se sont loe d'Amours"/ "A Dieu comment amouretes" Allgem. Duplum/ Triplum Duplum: weitgehend syllabisch textiert; vorwiegend in Halben und Viertelwerten (textierte Achtel selten: T 22) Triplum: schneller, Achtel und Achteltriolen; deklamiert Text häufig in Achtelwerten; mehr Text Phasengrenzen der drei Stimmen überlappen sich -> mehrere Texte, rhythmische, deklamatorische Verläufe, Phasendispositionen simultan präsent
- S7 "Aucun se sont loe d'Amours"/ "A Dieu comment amouretes" Duplum- & Triplum-Text (Interpretation) Triplum-Text: skeptisch-resignative Liebeslyrik (Leiden an der Liebe);Text reiht Zeilen unterschiedlicher Silbenzahl aneinander (Endreim "-er");-> konkreter gesellschaftlicher und politischer Gegenstand: Kritik an Sanktionen* Duplum-Text: allgemein gehaltene resignative Aussage * - Graf von Artois, fr. König, Justiz und Klerus 1269 -> verhängen Sanktionen über Bürger von Arras (weil sie Steuern für eine Kreuzigung verweigern);Adam de la Halle hat Arres verlassen -> Stück: resignative Abschiedsgeste & bevorstehende Exilsituation
- S7 Art "propagandistische Motettenpublizistik" gesellschaftliche, soziale, politische Bezugnahmen und Kontextualisierung durchaus charakteristisch für Geschichte der Motette im 13. und 14. Jh.
- S7 ouvert-clos-Bildung für weltliche Musik ein charakteristisches Gestaltungsverfahren Bsp.: Anfang des Duplums: "A Dieu quemant amourettes, car je m'en vois" - ("Ich vertraue Gott meine Lieben an, denn ich gehe fort") Ende des Duplums: "Souspirant en terre estrange" - ("seufzend in fremde Erde") beide melodische Formulierungen beginnen gleich; schließen verschieden -> eine meldisch offen (auf c-h); andere schließt ab (h-c) (-> Zeilen passen gut zusammen bilden gemeinsam den Refrain eines dreistimmigen Rondeaus von Adam)
- S7 Refrain Motette "Motet ente" "gepfropften Motette" zitieren am Anfang und am Ende Teile eines vorgegebenen Refrains Text wird von zwei Refrainpartikeln umschlossen von vorgegebenen Rahmenteilen aus entwickelt melodisches Zitat beschränkt sich nicht nur auf diese beiden Zeilen T. 10-13 geringfügig veränderte Gestalt des Refrainschlusses T. 45-47 "ca deus, ca trois" Variation Refrainbeginns Text des Duplums (oder Motetus) aus Refrain heraus entwickelt -> Refrain-Tropus
- S7 "Refrain-Motette" umfassen lediglich einen ganzen Refrain durch Zusätze "Addidamenta" ergänzt
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- S7 "Rondeau-Motette" einer der zentralen Formtypen des einstimmigen weltlichen Liedes der Troubadours (Trouveres) dreimal auftretender Refrain wechselt sich zweimal mit Zwischenteilen (oder Zusätzen, sogenannten Additamenta) ab; Zwischenteile gleiche Melodie wie Refrain; Refrain beim zweiten Auftreten textlich und melodisch verkürzt: Musik: AB A A AB AB Text:R Ad R' Ad R
- S7 Aufbau Rondeau (Bl. 31) Zeile 1- 3 Refrain; Zeile 1-2 in Vers 6-7 wiederkehrt & Versen 11-13 als Schluss vollständig zitiert Zwischenteile (Zusätze) Zeile 4-5 (zwei Verse) und 8-10 (drei Verse) repetitive Anlage des Textes auch in Melodie -> durchgehende Verwendung von zwei Melodiegliedern (T. 1-6 und T. 7-11) Rondeaumelodie (Hauptmelodie) in der Mittelstimme -> nach Ouvert-Clos-Bildung, Halb- und Ganzschluss differenziert Drei Stimmen deklarieren den Text simultan aufgelockerter homorhythmischer Satz
- Grundlagen der Modalnotation 1200-1250 graphische Fixierung und Differenzierung in einfachen Zahlenproportionen stehender Werte Beginn "musica mensurabilis" Dreier-Metrum = Grundschema modi = rhythmische Modelle (Kombination langer & kurzer Werte; Lonaga/Brevis; LB) Ligaturketten = Folge mehrtöniger Neumen: binaria, trenaria, quaternaria-> Abfolge der Ligaturen gibt Modus an
- 5. Modus wird in Einzelnoten geschrieben -> notae simplices kann auch in Dreierligaturen notiert werden nota simplex kann auch den Wert einer doppelten Longa annehmen -> duplex longa