Allgemeine Psychologie II (Subject) / Volition (Lesson)
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Vorlesung 5
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- Ebenen der Verhaltenssteuerung - Reflexe und Instinkte Angeborene Reaktionsprogramme, die in fixer Weise durch spezifische Auslösereize aktiviert werden und Anpassungen an invariante Umweltbedingungen darstellen
- Ebenen der Verhaltenssteuerung - bedingte Reflexe Klassisch konditionierte Reaktionen, die durch Signalreize ausgelöst werden und den Organismus auf biologisch relevante unkonditionierte Reize vorbereiten Entscheidender Schritt in Richrung auf eine größere Verhaltensflexibilität in der Entwicklung der Fähigkeit, angeborene Reaktionsprogramme an neue Auslösereize zu knüpfen
- Ebenen der Verhaltenssteuerung - Gewohnheiten Reiz-Reaktions-Assoziationen, die aufgrund belohnender oder bestrafender Verhaltenskonsequenzen durch modellfreies instrumentelles Lernen erworben werden Gewohnheiten ermöglichen es, mit geringem kognitiven Aufwand auf Reize zu reagieren, sind aber unflexibel und können nur durch Umlernen an neue Situationen oder Belohnungskontingenzen angepasst werden
- Ebenen der Verhaltenssteuerung - Zielgerichtetes Verhalten Verhalten, dass auf inneren Modellen der Relationen zwischen Reizen, Reaktionen und Konsequenzen beruht, die durch modellbasiertes instrumentelles Lernen erworben werden befähigt Lebewesen dazu, Erwartungen darüber zu bilden, welche Effekte eine Reaktion unter bestimmten Reizbedingungen haben wird
- Ebenen der Verhaltenssteuerung - Volition und Selbstkontrolle Selbstregulatorische metakognitive Strategien, die die Verwirklichung von Absichten trotz konkurrierender Gewohnheiten und Motivaionstendenzen fördern und auf folgenden kognitiven Fähigkeiten beruhen: Bedürfnisantizipation: Fähigkeit, eigene zukünftige Motivationszustände zu antizipieren Metakognitives Wissen über Strategien (z.B. Aufmerksamkeitskontrolle), mit denen die eigenen motivationalen und handlungssteuernden Prozesse beeinflusst werden können Präventive Selbstverpflichtung: Einschränkung eigener zukünftiger Handlungsspielräume, um zukünftige Versuchungen zu vermeiden oder die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, dass man einer Versuchung nachgibt
- Besondere Funktionsmerkmale willentlicher Handlungen Intentionale willentliche Handlungen -> ziel gerichtetes Verhalten, das sich durch folgende besondere Merkmale auszeichnet: Zukunftsorientierung: Antizipation langfristiger zukünftiger Ziele und Verhaltenskonsequenzen Reizunabhängigkeit: Handlungsselektion aufgrund mental repräsentierter Ziele Sprachliche Repräsentation von Absichten und Reaktionsregeln Flexibilität: Schnelle Umkonfigurierung und Anpassung von Reaktionsdispositionen an wechselnde Ziele oder Aufgaben Hierarchische Struktur von Zielen und Unterzielen Handlungsplanung: Generieren und mentales Durchspielen neuer Handlungssequenzen
- Kognitive Kontrolle intentionaler Handlungen - Einfaches Modell der willentlichen Handlungssteuerung Effektantizipation und Zielgerichtetheit Lernen, Bewegungen mit denen durch sie ausgelösten sensorischen Effekten zu assoziieren Im Laufe der Entwicklung Antizipation von immer weiter in der Zukunft liegenden Handlungsfolgen Zunehmend komplexeres Bedingungswissen, welche Effekte Handlungen unter bestimmten Bedingungen haben, wie hoch deren Wahrscheinlichkeit etc. Handlungs-Effekt-Assoziationen bilden die Grundlage für zielgerichtete Auslösung einer Handlung Im Untschied zu direkten Reiz-Reaktions-Assoziationen und Gewohnheiten beruhen Willenshandlungen auf erlernten Assoziationen zwischen Handlungen und ihren wahrnehmbaren Effekten. Die Auswahl einer intendierten Handlung beruht darauf, dass die Antizipation eines angestrebten (positiv bewerteten) Effekts zur Aktivierung der Handlungsrepräsentation führt, von denen gelernt wurde, dass sie den gewünschten Effekt unter den gegebenen Reizbedingungen bewirken
- Grundlegende Kontrollprobleme bei der willentlichen Handlungssteuerung Besondere Kontrollprobleme entstehen insbesondere in Situationen, in denen - automatisierte Gewohnheiten nicht genügen, um ein Ziel zu erreichen, sondern Verarbeitungssysteme und Verhaltensdispositionen auf neue Weise konfiguriert und an wechselnde Anforderungen angepasst werden müssen Ziele und aufgabenrelevante Informationen aktiv aufrechterhalten und gegen störende Reize abgeschirmt werden müssen intendierte Handlungen in Konflikt mit inkompatiblen automatisierten Reaktionen oder starken Gewohnheiten stehen konkurrierende Motivationstendenzen unterdrückt und kurzfristigen Versuchungen widerstanden werden muss, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen neue Handlungspläne und multiple Ziele zeitlich koordiniert werden müssen
- Modell der Interaktion automatischer und kontrollierter Prozesse (Norman und Shallice, 1986) SAS (supervisory attentional system) aktiviert Schemata, die mit übergeordneten Zielen übereinstimmen, und hemmt zusätzlich inadäquate Schemata PFC Schädigung resultiert in einem schwächeren SAS und mehr automatischem, reizgesteuerten Verhalten und in Problemen bei der Herstellung neuer Schemata
- Motivation vs. Volition Zielsetzung vs. Zielrealisierung Motivation (Zielselektion) Auswahl von Zielen aufgrund einer Abwägung von deren Wünschbarkeit und Erreichbarkeit Bildung einer verbindlichen Absicht Volition (Zielrealisierung) Realisierung von Absichten Aufrechterhaltung und Abschirmung von Absichten gegen konkurrierende Motivationstendenzen, Ablenkungen oder Versuchungen
- Rubikonmodell der Handlungsphasen (Heckhausen, 1989) Besteht aus vier Phasen: Abwägen (Motivation prädezisional) -> Intentionsbildung -> Planen (Volition präaktional) -> Intentionsinitiierung -> Handeln (Volition aktional) -> Intentionsdesaktivierung -> Bewerten (Motivation postaktional) Abwägen Welches Ziel will ich erreichen? Person muss aus ihren Wünschen und Zielen eine Auswahl treffen und entscheiden, welches Ziel verfolgt werden soll Zielselektion beruht auf Abwägung der Erreichbarkeit und Wünschbarkeit (antizipierte positive und negative Folgen der Zielerrreichung sowie Kosten der Zielverfolgung) Endet mit Festlegung auf ein Ziel / Bildung einer verbindlichen Absicht Planen Wie kann ich das Ziel erreichen? Auswahl zieldienlicher Handlungen Zeitliche Sequenzierung einzelner Handlungsschritte Bildung konkreter Vorsätze Gelegenheitsvorsätze: Wann / unter welchen Bedingungen soll Handlung initiiert werden? Durchführungsvorsätze: Wie sollen Schwierigkeiten bewältigt werden? Terminierungsvorsätze: Wann soll die Handlung beendet werden / ist Ziel erreicht? Handeln Handlungsinitiierung und Ausführung Bei Problemen / Barrieren / Konflikten: Anstrengungssteigerung, Mobilisierung volitionaler Kontrollprozesse, Bildung von Durchführungsvorsätzen (Implementierungsintentionen) Bewerten Vergleich des Handlungsergebnisses mit dem Ziel und Bertung des Ergebnisses Zielerreichung -> Intentionsdeaktivierung Diskrepanz zwischen Handlungsergebnis und Ziel: Ursachensuche, Revision des Ziels oder des Handlungsplans Mangelnde Intentionsdeaktivierung nach wiederholtem Misserfolg: Perseveration (Gedanken kreisen um Misserfolg), Handlungslähmung (Lageorientierung)
- Rubikonmodell der Handlungsphasen (Heckhausen, 1989) - Realitäts-vs Realisierungsorientierung Realitätsorientierung: Abwägende Bewusstseinslage -> Realistische Einschätzung der Wünschbarkeit und Erreichbarkeit von Zielen Offene Verarbeitung entscheidungsrelevanter Information Aufmerksamkeitsfokus auf entscheidungsrelevante Informationen (Wünschbarkeit und Erreichbarkeit von Zielen) Unparteiische Verarbeitung von positiven und negativen Anreizen Realistische Einschätzung der Erreichbarkeit von Zielen Realisierungsorientierung: Planende Bewusstseinslage -> Fokus auf effiziente Realisierung der ausgewählten Absicht Selektive Verarbeitung von zielrelevanter Information Aufmerksamkeitsfokus auf realisierungsrelevante Informationen (z.B. günstige Gelegenheiten) Parteiische Verarbeitung der positiven Anreize des gewählten Ziels Optimistische Einschätzung der Erreichbarkeit des gewählten Ziels, um Selbstverpflichtung nicht zu gefährden
- Bewusstseinslagen wirken inhaltsunspezifisch Bewusstseinslagen sollen nicht nur die Verarbeitung von Informationen beeinflussen, die eine aktuelle Entscheidung oder Handlung betreffen sich auch auf die Verarbeitung von Informationen auswirken, die in keinem inhaltlichen Bezug zu einer aktuellen Entscheidung oder Handlung stehen
- Erinnern Bewusstseinslagenkongruenter Information - Gollwitzer et al. 1990 - Kreativitätstest Induktion einer abwägenden oder planenden Bewusstseinslage Messung der Effekte der Bewusstseinslage auf die Informationsverarbeitung in einer Aufgabe, die keinen inhaltlichen Bezug zu der Entscheidung oder Handlung hat, mit der die Bewusstseinslage induziert wurde Hypothesen Personen in einer abwägenden Bewusstseinslage erinnern bevorzugt Informationen, die sich auf Wüschbarkeit und Erreichbarkeit von Zielen beziehen Personen in der planenden Bewusstseinslage erinnern bevorzugt Informationen, die sich auf die Verwirklichung von Zielen beziehen Induktion der Bewusstseinslagen abwägende Bewusstseinslage: Probanden sollten zwischen Materialien für einen Kreativitätstest auswählen, ohne sich bereits zu entscheiden planende Bewusstseinslage: Probanden sollten sich verbindlich für ein Material entscheiden
- Erinnern Bewusstseinslagenkongruenter Information - Gollwitzer et al. 1990 - Gedächtsnisaufgabe 8 Dias mit Portraits von Leuten, die angeblich über eine Entscheidung nachdachten; Auf jedem Dia waren vier Sätze: Zwei Argumente für bzw. gegen die Entscheidung Zwei Gedanken, die sich auf die Realisierung der Handlung bezogen • Beispiel: „Soll ich meine Enkelkinder in den Sommerferien zumir einladen oder nicht?“> Anreizbezogene Informationen> „Es wäre schön, weil sie mir bei der Gartenarbeit helfen könnten“> „Es wäre schlecht, weil sie vielleicht das gute Porzellanherunterschmeißen“> Realisierungsbezogene Informationen> „Wenn ich es tue, dann rede ich nicht mit den Kindern darüber,bis meine Tochter einverstanden ist“> „Wenn ich es tue, werde ich zuerst meiner Tochter schreiben underst dann rufe ich sie an“ Erneute Darbietung der Dias mit den Anfängen der vier Sätze (Es wäre schön, weil...) Probanden sollten Satzanfänge mit zuvor gezeigten Sätzen ergänzen Ergebnis: Abwägen -> Mehr abwägungsbezogene Inhalte erinnert; Planen -> Mehr Realisierungsbezogene Inhalte erinnert
- Bewusstseinslagenkongruente gedankliche Assoziationen - Gollwitzer et al 1990 Hypothese: Je nach Bewusstseinslage sollten Personen eher abwägungs- oder planungsbezogene gedankliche Assoziationen produzieren Induktion der Bewusstseinslagen Abwägend: Probanden sollten über persönliches Entscheidungsproblem nachdenken, bei dem sie noch unentschieden waren Planend: Probanden sollten Durchführung eines verbindlich vorgenommenen Projekts planen Kontrollgruppe: Keine Induktion Aufgabe zur Messung gedanklicher Assoziationen Märchen, die an einer kritischen Stelle abbrachen Probanden sollten Märchen weiter erzählen Inhaltsanalyse der Ergänzungen (Anzahl abwägungs- und pöanungsbezogener Inhalte) Ergebnis: Ergänzte Geschichten enthielten mehr bewusstseinslagenkongruente Inhalte, obwohl die Märchen in keiner inhaltlichen Beziehung zu dem Entscheidungsproblem standen, mit dem die Bewusstseinslagen induziert worden waren
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- Offenheit der Informationsaufnahme - Gollwitzer und Heckhausen 1987 Beeinflussen Bewusstseinslagen die Breite vs Enge der Aufmerksamkeitsorientierung? abwägende Bewusstseinslage: viele verschiedene, potentiell entscheidungsrelevante Information wird verarbeitet Aufmerksamkeit sollte breit verteilt sein -> inzidentelle Information wird enkodiert planende Bewusstseinslage: es werden selektiv nur solche Informationen verarbeitet, die relevant für die Realisierung eines Ziels sind (z.B. günstige Gelegenheiten) Aufmerksamkeit sollte eng fokussiert sein -> inzidentelle Information wird weniger gut enkodiert Versuchsablauf 6 Dias, die jeweils einen Satz enthielten (zentrale Information) Probanden sollten sich die 6 Sätze einprägen Auf jedem Dia zusätzlich 2 irrelevante Substantive (inzidentelle Information) Unerwarteter Rekognitionstest für die inzidentellen Substantive Ergebnis: Personen in abwägeder Bewusstseinslage haben mehr Items korrekt erkannt als Personen in planender Bewusstseinslage
- Realisierungsorientierung und Kontrollillusionen - Gollwitzer und Kinnex (1989) Personen in abwägender Bewusstseinslage sollen Kontrolle über Ereignisse realistisch einschätzen -> Realitätsorientierung Personen in planender Bewusstseinslage sollen eigene Kontrolle überschätzen -> Realisierungsorientierung Kontingenz-Lernaufgabe: Serie von Trials, in denen Probanden frei entscheiden können, ob sie eine Taste drücken oder nicht Nach Tastendruck leuchtet entweder ein Licht auf oder nicht Das Licht ist völlig unabhängig vom Tastendruck => Probanden sollten einschätzen, wie viel Kontrolle sie über das Licht hatten Induktion einer abwägenden oder planenden Bewusstseinslage Abwägend: Vpn sollten über persönliches Entscheidungsproblem nachdenken Planend: Vpn sollten Durchführung eines bereits vorgenommenen Projekts planen Kontrollgruppe: Keine Induktion Annahme: Planende Personen überschätzen ihre Kontrolle im Vergleich zu abwägenden Personen -> bestätigt
- Bewusstseinslagen - Zusammenfassung Abwägende und planende Bewusstseinslagen sind mit unterschiedlichen Modi der Informationsverarbeitung assoziiert Abwägen: realitätsorientierte Verarbeitung Planen: realisierungsorientierte Verarbeitung Evidenz Erinnern bewusstseinslagenkongruenter Information Bewusstseinslagenkongruente gedankliche Assoziationen Offenheit der Informationsaufnahme Kontrollüberzeugung
- Zielintention vs Implementierungsintention (Vorsätze) Zielintentionen: spezifieren angestrebten Zielzustand ( "Ich will die Prüfung bestehen") Vorsätze: Wenn-Dann-Regeln, die spezifizieren, wann und wie das Ziel erreicht werden soll ("Wenn ich vom Sport nach Hause komme, dann arbeite ich das nächste Kapitel des Lehrbuchs durch")
- Förderung der Absichtsrealisierung durch Vorsätze - Gollwitzer und Brandstätter 1997 Probanden nannten persönliche Vorhaben , die sie in den Weihnachtsferien erledigen wollten (Exp.1) oder erhielten Auftrag, einen Bericht über den Weihnachtsabend zu schreiben (Exp.2) Intentionsinduktion - Vorsatzgruppe: Sollten konkreten Vorsatz bilden, wann Absicht ausgeführt wird Intentionsinduktion - Kontrollgruppe: Kein Vorsatz Ergebnis: Vorsatzgruppe verwirklichte Ziel doppelt so häufig wie Kontrollgruppe; Analoge Effekte in alltäglichen Kontexten (z.B. Befolgung ärztlicher Anweisungen; Einnahme von Medikamenten)
- Vorsatzbildung und Reaktionsinhibition bei Kindern mit ADHS ADHS: Ablenkbarkeit, Impulsivität, Motorische Überaktivität Defizite in Aufgaben, die den Einsatz exekutiver Funktionen erfordern Aufgabe: Bilder als Tiere oder Transportmittel klassifizieren Nur reagieren, wenn vor dem Erscheinen des Bildes kein Sound erklingt -> Bei Sound Reaktion unterdrücken Zielintention: Bei Bildern mit einem Ton werde ich keine Taste drücken Implementierungsintention: Wenn ich einen Ton höre, dann werde ich keine Taste drücken Probanden wiederhilten Ziel- bzw. Implementierungsintention dreimal, bevor die Aufgabe begann Ergebnisse: Mehr als 10% bessere Antworten, wenn vorher Implementierungsintention
- Förderung der Absichtsrealisierung durch Vorsätze - Gollwitzer 1999 Bildung eines Vorsatzes verknüpft beabsichtigte Handlung und spezifische Auslösebedingungen (Gelegenheit) höhere Aktivierung relevanter Situationsmerkmale Gelegenheiten werden bevorzugt wahrgenommen beabsichtigte Handlung wird automatisch durch die Ausführungsgelegenheit aktiviert Kontrolle der Handlungssteuerung wird an Umweltreize abgegeben Vorsätze haben ähnliche Effekte wie sie sonst bei der Automatisierung durch häufiges Üben einer Reiz-Reaktions-Zuordnung zu beobachten sind
