Journalismusforschung (Subject) / 1. Sitzung - Einführung (Lesson)

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Kontext und zentrale Konzepte, Geschichte und Zukunft

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  • Was beschreibt die "Laswell-Formel" von 1948? Sie beschreibt das grundlegende Modell der Massenkommunikation. "Who says (Kommunikator) what (Medieninhalt) in which channel (Medium) to whom (Rezipient, Publikum) with what effect (Wirkung)?"
  • Was sind Gegenstandsbereiche der Kommunikationswissenschaften? Kommunikationsforschung    (Medienschaffende, Journalisten, Programmgestalter, PR) Aussagen-Forschung       (in den Medien vorfindbare, manifeste Inhalte) Medienforschung       (Strukturen, Organisationen, technisch bedingte Funktionsweisen) Nutzungs- & Wirkungsforschung   (Mediennutzer, Publikum, Nutzungsgewohnheiten, individuelle und gesellschaftliche Wirkung)
  • Was sind Kommunikatoren? alle Personen, Gruppen oder Institutionen, die an der Produktion von öffentlichen Aussagen beteiligt sind (meistens Journalisten)
  • Welche Rollen nehmen Journalisten ein? Vermittlungsakteure in der öffentlichen Kommunikation (Sammeln und Verarbeiten von Sprecherbeiträgen Gatekeeper für das Kommunikationssystem Öffentlichkeit (Aufmerksamkeitsverteilung...) Öffentlichkeitssprecher mit unterschiedlichen Anliegen (Kommentatoren, Advokaten...) Öffentlichkeitssprecher im öffentlichen Diskurs mit eigenen Standpunkten ...
  • Womit befasst sich Journalismus im Groben? mit Fragen nach Akteuren und institutionellen Rahmen, nach Inhalten, nach Funktion und Leistung
  • Was ist im Groben die gesellschaftliche Funktion von Journalismus? Information, Artikulation, Mitwirkung an Meinungsbildung, Herstellung von Öffentlichkeit, Kontrolle in der Politik, Bildung, Sozialisation und Unterhaltung
  • Was ist die politische Primärfunktion von Medien? Information, Mitwirkung an Meinungsbildung, Kritik und Kontrolle
  • Was bezweckt die "pluralistischen Struktur der Massenmedien"? die Repräsentation aller Interessen zur Aushandlung der besten Lösung
  • Was sind Voraussetzungen für (erfolgreichen) Journalismus? Berücksichtigung aller relevanten Akteure, Themen und Meinungen, Inklusion der Zivilgesellschaft, rationaler Diskurs, Verständnisorientierung
  • Was ist denn überhaupt ein Journalist? jemand, der hauptberuflich an der Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt ist
  • Woraus setzt sich die berufliche Arbeit eines Journalisten zusammen? Medienorganisation --> Presse, Rundfunk, Nachrichtenagenturen, innerbetriebliche Information etc. Arbeitsverhältnis --> freie Mitarbeit, Selbstständiger, Beamter etc. Art der Tätigkeit --> produktive und dispositive Leistung zur Herstellung journalistischer Produkte (durch Sammeln, Prüfen etc.) Darstellungsmittel --> Wort, Bild, Ton, 
  • Was ist Massenkommunikation? technisch vermittelte, indirekte, öffentliche Kommunikation, die sich an ein disperses Publikum richtet
  • Was ist die normative Definition von Journalismus? „Journalistinnen und Journalisten haben die Aufgabe, Sachverhalte und Vorgänge öffentlich zu machen, deren Kenntnis für die Gesellschaft von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung ist.Durch ein umfassendes Informationsangebot in allen publizistischen Medien schaffen Journalistinnen und Journalisten die Grundlage dafür, dass jede Bürgerin und jeder Bürger die in der Gesellschaft wirkenden Kräfte erkennen und am Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung teilnehmen kann.“ (DJV 1999)
  • Wie definiert sich Journalismus systemtheoretisch nach Weischenberg & Scholl (1998)? „Wir können [...] Journalismus die Primärfunktion zuschreiben, aktuelle Themen aus den diversen Systemen (der Umwelt) zu sammeln, auszuwählen, zu bearbeiten und dann diesen sozialenSystemen (der Umwelt) als Medienangebote zur Verfügung zu stellen. [...] Die Betonung der Aktualität impliziert, dass die Themen Neuigkeitswert (zeitlicher Aspekt) haben müssen sowie Faktizität (sachlicher Aspekt) und durch Relevanz (sozialer Aspekt) gekennzeichnet sein müssen.“
  • Welche Probleme kommen bei der Definierung von Journalismus auf? einerseits ist die Berufsbezeichnung nicht geschützt (weil: Meinungs- und Informationsfreiheit ist nur wirksam wenn jeder an der öffentlichen Kommunikation teilhaben darf), andererseits verändert sich das Tätigkeitsprofil ständig (technologische und ökonomische Entwicklung), außerdem gibt es viele verschiedene theoretische Herangehensweisen in der Kommunikationsforschung (Untersuchungsgegenstand wird aus mehreren Richtungen behandelt, die sich nicht direkt aufeinander beziehen)
  • Was sind Merkmale des Journalismus im Idealmodell (nach Neuberger & Kapern 2013)? Selbstbeobachtung der Gesellschaft (Frühwarnsystem, Agenda-Setter etc.) Aktualität und Universalität Kommunikation durch Publizität und Kontinuität (fortlaufende Berichterstattung) Anspruch an Objektivität bestmögliche Autonomie
  • Was sind die vier Phasen des Journalismus nach Baumert (1928)? die vorjournalistische Phase (Ende Mittelalter) korrespondierender Journalismus (Frühe Neuzeit) schriftstellerischer Journalismus (18. Jahrhundert) redaktioneller Journalismus (ab 19. Jahrhundert)
  • Wie entwickelte Wilke 2013 Baumerts "Vier Phasen des Journalismus" weiter? Er fügte eine fünfte Phase hinzu: die des redaktionstechnischen Journalismus (Einführung von Redaktionssystemen, Redakteure übernehmen technische und inhaltliche Arbeiten) diese Phase steigert sich im Online-Journalismus
  • Welche sind die drei Phasen der Ökonomisierung des Journalismus (nach Birkner 2010)? die Erfindung der Zeitung (Rationalisierung und Gewinnmaximierung durch größeres Publikum, frühe wirtschaftliche Prägung eines Massenmediums) Annoncen als Information (Popularisierung aber noch keine Finanzierung!) Finanzierung des Journalismus durch Anzeigen (wirtschaftliches und journalistisches Prinzip der Gewinn- und Publikumsmaximierung)
  • Was ist der moderne Journalismus nach Birkner (2010)? gekennzeichnet durch Vergrößerung der Redaktion --> Ressorts und Spezialisierung, Ausdifferenzierung der Nachrichtenform und Hierarchisierung der Nachrichten nach Wichtigkeit Funktion: Leistungssteigerung, Autonomie gegenüber Staat, dadurch Kontrolle über Politik jetzt: Bedrohung der Autonomie durch Digitalisierung
  • Wie sieht die Professionalisierung des Journalismus (nach Wilensky 1964) aus? Professionalisierung = Verberuflichung, Journalismus nicht mehr als Begabungsberuf, wissenschaftliche Beschäftigung mit Journalismus Tätigkeit als Ganztagsberuf, wird definiert führende Berufstätige kümmern sich um Nachwuchs (z.B. Ausbildungsstätte) Lehrer dieser Schulen und Berufstätige organisieren sich in Verbänden Berufsmonopol staatlich lizensiert Neuformulierung der Berufsregeln und eine förmliche "Ethik" Grundlagen: 1911 Forderung einer Presseenquete (erst ab 90ern in Kraft), Grundgesetz Artikel 5
  • Inwiefern befindet sich der Journalismus im Medienwandel? Konkurrenz durch  generated content (Bürger- und Laienjournalismus) Trends: zurück zum kritisch-räsonierendem Journalismus? (sharing und filtering anstatt Augenzeugenberichten und Vor-Ort-Berichterstattung) De-Professionalisierung?
  • Inwiefern bietet der Newsroom (nach Neuberger/Kapern 2013) eine Antwort auf die Herausforderungen, denen der Journalismus sich stellen muss? dezentrale Struktur: Redaktionen und Ressorts werden durch Newsroom ersetzt neue Teamarbeit: Konzentration auf Gesamtprodukt, räumlich-organisatiorische Umsetzung von Crossmedia (Ausspielen gleicher Inhalte über mehrere Kanäle) höchster Grad der Umsetzung: integrierter Newsroom mit zentraler Steuerung der Redaktion über Newsdesk Abschaffung Spezialistentum  wird in Deutschland zum Teil umgesetzt (crossmedial), bezieht sich aber hauptsächlich auf Print:
  • Was bezeichnet der Begriff "Robot-Journalismus"? Computer verfassen basierend auf Algorithmen Artikel --> günstiger, schneller, umfassend und objektiv
  • Was sind weitere zukünftige Möglichkeiten für den Journalismus? Paywall (Bezahlung für Online-Artikel) Stiftungen Finanzierung aus Gebühren (wie GEZ) Nutzungsabhängige Gebühren oder Finanzierung über Steuern Crowdsourcing (gemeinsame Finanzierung durch Interessenten)
  • Was sind weitere zukünftige Herausforderungen für den Journalismus? Aufmerksamkeit für journalistische Produkte nimmt ab Vertrauenskrise (Bedenken gegenüber gekauften Journalisten) Verschwimmen der Grenzen zwischen PR und Journalismus