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EC Anthropologie (Subject) / Geschlechter in der Naturwissenschaft (Lesson)
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- Simone de Beauvoir 1949 Zitat Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es. Keine biologische, psychische oder ökonomische Bestimmung legt die Gestalt fest, die der weibliche Mensch in der Gesellschaft annimmt“
- Gender Zunächst rein grammatikalischer Begriff (lat. generare „zeugen“) 1955 Einführung des Begriffs Gender in die entwicklungspsychologische Terminologie durch John Money 1968 Erstmalige Unterscheidung von Sex und Gender durch den Psychoanalytiker Robert Stoller im Zusammenhang mit der Untersuchung der Genderidentität von Patienten 1972 die amerikanische Soziologin Ann Oakley übernimmt diese Unterscheidung in soziales und biologisches Geschlecht und setzt sie in einen gesellschaftspolitischen Kontext Abkoppelung des sozialen Geschlechts vom biologischen Geschlecht
- Definition von Ann Oakley (Sex Gender & Society, New York 1972) „Sex ist ein biologischer Begriff, Gender ein psychologischer bzw. kultureller Begriff. Allgemein wird angenommen, dass ein weibliches biologisches Geschlecht (sex), automatisch auch zu weiblichem sozialen Geschlecht (gender) führt. Dies ist nicht so: Eine Frau oder ein Mann, ein Mädchen oder ein Knabe zu sein, ist nicht nur in den Genitalien begründet sondern, in Kleidung, Verhalten, Beruf, sozialem Umfeld und Persönlichkeit.“
- Das Genderkonzept Ab 1970er Jahre: Genderbegriffs im angloamerikanischen Sprachraum etabliert Ab 1990er Jahre: Genderbegriff wird auch im deutschen Sprachraum gebräuchlich Der Genderbegriff in den Wissenschaften: zunächst vor allem in den Sozialwissenschaften angewandt Steigende Bedeutung in den Naturwissenschaften Konzept des sozialen Geschlechts Sex versus Gender ABER: Existenz eines biologischen Geschlechts wurde und wird angezweifelt
- Sex und Gender – eine Kontroverse zwischen Natur- und Sozialwissenschaften Verteufelung des Begriffs „Geschlecht“ in den Sozialwissenschaften Geschlecht als soziales Konstrukt Biologische Komponenten von Geschlecht und Geschlechtsentwicklung werden abgestritten Leugnung der Existenz eines biologischen Geschlechts Massive Kontroverse zwischen Sozial- und Naturwissenschaften Versuch eines Brückenschlags: Feministische Anthropologie und Biologie in den 1970er und 1980er Jahren
- Feministische Anthropologie, Genderforschung Ursprung in Amerika der 1970er Jahre Reaktion auf die wachsende Kritik an der Kategorie Geschlecht von Seiten der Sozialwissenschaften Naturwissenschaftlerinnen übernehmen den Gender Begriff Z.B. Donna Haraway „Primate visions“ Formierung einer feministischen Anthropologie (im naturwissenschaftlichen Sinn) Naturwissenschaftlerinnen die sich der feministischen Anthropologie verpflichtet fühlen bleiben selten z.B. Sarah Blaffer Hrdy, Adrienne Zhilman, Meredith Small
- Feministische Naturwissenschaft versus Soziobiologie Versuch besonders krasse Geschlechtsunterschiede im Verhalten ect., die von der Soziobiologie postuliert wurden, zu relativieren Theorien von Sarah Blaffer Hrdy Autorin von „Mutter Natur“ Theorien von A.Zhilman und N.Tanner zur Hominidenevolution „Woman the gatherer“ Theorien aus der Primatologie z.B. Meredith Small
- Sex versus gender Sex (biologisches Geschlecht) Physiologische und anatomische Unterschiede zwischen Mann und Frau Angeborene Geschlechtsmerkmale Meist, nicht immer eindeutig Nur schwer veränderbar Essentiell für Reproduktion Gender (soziales Geschlecht) Gesellschaftliche bestimmte Rollen Soziale Unterschiede werden erlernt Intra- und interkulturelle Unterschiede Veränderbar Kaum Zusammenhang mit Reproduktion
- Problem des Genderbegriffs in den Naturwissenschaften Begriff Gender ersetzt immer häufiger den Begriff sex (biologisches Geschlecht) Falscher Gebrauch des Genderbegriffs in zahlreichen naturwissenschaftlichen Publikationen (Pearson 1997) Gender ist sinnvolle und wichtige Ergänzung des Begriffs sex (biologisches Geschlecht)
- Sonderfall: Mensch Frage nach der Existenz von Geschlecht beim Menschen Existenz zweier Geschlechter ist auch naturwissenschaftlich umstritten Es stellte sich die Frage: Wie viele Geschlechter gibt es, bzw. gibt es überhaupt so etwas wie Geschlecht? Im biologischen Sinn: Existenz von zwei Geschlechtern erforderlich Da essentiell für erfolgreiche natürliche Fortpflanzung soziokulturell bestimmte Eigenschaften werden mit Geschlechtern assoziiert Die Biologie zur Wertung von Geschlecht heranzuziehen ist unzulässig und abzulehnen
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- Theorie von Anne Fausto-Sterling (1944-) „The Five Sexes. Why male and female are not enough“ (1993) Geht von hoher“ Prävalenz der Intersexualität aus (4%) Fünf Geschlechter Männlich Weiblich Hermaphroditen („Herms“) Weibliche Pseudohermaphroditen („Ferms“) Männliche Pseudohermaphroditen („Merms“)
- Wie viele Geschlechter gibt es beim Menschen? Frage mit großer politischer Relevanz Problem des juridischen Geschlechts Zwangsweise Zuordnung Unterschiedliche Ansätze in Natur- und Sozialwissenschaften Ausnahme in den Naturwissenschaften: Anne Fausto-Sterling Vergleich mit traditionalen Gesellschaften Transgender Sexualmediziner Magnus Hirschfeld führte den Begriff Drittes Geschlecht in die Medizin ein
- „Zwitter“ als Monstrositäten Rom: Eunuchen werden von Kaiser Septimus Severus als drittes Geschlecht bezeichnet Hermaphroditen galten lange Zeit als Wunder oder Monstren der Natur Beispiel: Fall des Zimmermädchens Marie le Marcis Marie le Marci wurde 1601 vor Gericht gestellt, da sie bei gleichgeschlechtlichen sexuellen Handlungen beobachtet worden war Mediziner bescheinigte, dass Marie le Marcis ein Hermaphrodit wäre Dieses angebliche „Zwitterdasein“ bewahrte sie vor harter Strafe
- „Zwitterparagraph“ Zahlreiche Berichte über Existenz von Hermaphroditen Oft keine klare Diagnosen Verschiedener Umgang mit Betroffenen 3.Geschlecht keine klare Kategorie Zwitterparagraph 1794 im Preußischen Landrecht festgeschrieben Berlin Pergamon Museum, Hermaphrodit, hellenistisch, § „Wenn Zwitter geboren werden, so bestimmen die Eltern, zu welchem Geschlecht sie erzogen werden. Jedoch steht einem solchen Menschen nach zurückgelegtem 18.Lebensjahr die Wahl frei, zu welchem Geschlecht er sich halten wolle. Nach dieser Wahl werden seine künftigen Rechte beurteilt“ Um 1900 verschwand der Zwitterparagraph aus den Gesetzbüchern
- Situation heute Rechtliche Lage von Intersexen meist ungeklärt Zwang einer Zuweisung eines juridischen Geschlechts Forderung von Interessensverbänden zur Anerkennung eines dritten Geschlechts Kampf gegen autoritäre Geschlechtszuweisung Kampf gegen operative „Geschlechtszuweisung“ Bis in 1990er Jahren wurden Kinder im Säuglingsalter ein Geschlecht operativ aufgezwungen Meist wurde dem weiblichen Geschlecht der Vorzug gegeben, da ein weibliches Genitale besser operativ hergestellt werden konnte
- Fall David Reimer David Reimer und sein Zwillingsbruder wurden 1966 beschnitten Durch einen Unfall wurde der Penis von David vollständig verbrannt Sexualforscher John Money empfahl David als Mädchen um zu operieren und als Mädchen aufzuziehen Es gelang nicht David eine weibliche Identität an zu erziehen 1981 ließ sich David zum Mann um operieren 1991 heiratete er eine Frau 2004 beging er Selbstmord