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Paradigmengeschichte und Rahmenbedingungen (Subject) / Ethik in der psychologischen Forschung (Lesson)
Germain Weber
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- Begriffsdefinition -Ethik und Sitte Ethik und Sitte werden synonym verwendet. Stammen beide von Wörter ab, die Gewohnheit bedeuten.
- Begriffsdefinition -Moral Moral wird als Gegenstand der Ethik verstanden.
- Begriffsdefinition -Ethik Ethik beschäftigt sich ganz allgemein mit der theoretischen Frage nach gutem/schönen bösem/schlechtem. Also Wert- und Normfragen. Moral sind in einer Gesellschaft vorliegende Werte und Normen, die von der Ethik kritisch reflektiert und nach ihrer Begründung analysiert werden. Ethik als philosophische Disziplin geht auf Aristoteles zurück. Verschiedene Richtungen und Strömungen dieser in der Geschichte
- Ethik als philosophische Disziplin geht auf Aristoteles zurück. Verschiedene Richtungen und Strömungen dieser in der Geschichte Eudämonismus Utilitarismus Hedonismus
- Begriffsdefinition -Eudämonismus - macht Glück als höchstes Ziel menschlichen Handelns zum zentralen Aspekt der Ethik
- Begriffsdefinition -Hedonismus -Streben nach Lust im Zentrum. Kann sowohl egoistisch als auch altruistisch fundiert sein. Dieses Prinzips des Lustgefühls ist auch insbesondere bei Theorien zum menschlichen handeln Sigmund Freuds wiederzufinden.
- Begriffsdefinition -Utilitarismu -von der Perspektive der Nützlichkeit sieht der Utilitarismus das Wohlergehen des einzelnen oder aller als Ziel des Handelns. Sozialer Nutzen einer Handlung. Vorteil liegt in der Kombination von rationalen (Streben nach Nützlichkeit) und empirischen (in der Welt anhand des Wohlergehens der Menschen überprüfbar) Elementen.
- Ethische Problemfälle in der psychologischen Forschung Fragen der ethischen Vertretbarkeit gegenüber der am Forschungsablauf beteiligten Personen Fragen der ethischen Vertretbarkeit gegenüber dem Berufsstand, der Wissenschaft und der Gesellschaft Ausgewählte ethische Fragestellungen
- Fragen der ethischen Vertretbarkeit gegenüber der am Forschungsablauf beteiligten Personen -zentrale Aspekte Zentrale Aspekte - Fragen zu persönlichen Rechten der Teilnehmer (zB Schadensfreiheit), Vertraulichkeit (zB Sicherstellung einer ausreichenden Anonymisierung), Versuchsablaufs und -material (zb Länge und inhaltliche Vertretbarkeit von Fragebögen, experimentelle Manipulation im Rahmen von Versuchsdesigns), weiter Verwendung und Interpretation der generierten Daten muss kritisch reflektiert werden. Es muss sichergestellt werden, dass das Forschungsprojekt keine potentiell negativen Auswirkungen zur Folge hat.
- Fragen der ethischen Vertretbarkeit gegenüber der am Forschungsablauf beteiligten Personen -Kontrollgruppenproblematik Kontrollgruppenproblematik - ob und in welcher Weise ist es zulässig, Menschen eine möglicherweise wirksame Therapie vorzuenthalten um für die zukünftige Behandlung von Patienten mit dem gleichen Störungsbild sicherzustellen, dass eine Therapie auch wirklich wirksam ist?
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- Fragen der ethischen Vertretbarkeit gegenüber dem Berufsstand, der Wissenschaft und der Gesellschaft Ethische Überlegungen, die die Aufrechterhaltung der Integrität der Wissenschaft zum Ziel haben. Präzise und akkurate Wiedergabe von Informationen sowie deren Quellen, Ehrlichkeit und Offenheit bei der Darstellung der Ergebnisse sowie Sicherstellung der Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit wissenschaftlicher Forschung. Entgegenwirken einer eventuell missbräuchlichen Verwendung der Ergebnisse nach der Veröffentlichung. Somit ist es zentral für die psychologische Forschung, dass die durchführenden Personen zu jedem Zeitpunkt ihrer Tätigkeit die Wirkung ihrer Forschung auf ihr Umfeld und die Gesellschaft, in der sie leben, reflektieren.
- Ausgewählte ethische Fragestellungen -Täuschung Aktive Täuschung - Vermittlung von falschen Informationen. Passive Täuschung - Teil der richtigen Informationen wird zurückgehalten. Warum nicht grundsätzlich auf Täuschung verzichtet? Viele Fragestellungen könnten gar nicht beforscht werden, würde man die Versuchspersonen von Anfang an über den gesamten Inhalt und die Ziele der Studie aufklären. Wissen um die infolge der Forschung hat gravierendende Auswirkungen auf die Ergebnisse und Täuschung kann nicht einfach weggelassen werden.
- Ausgewählte ethische Fragestellungen -Kriterien, die bei der Täuschung zu bedenken sind • Abwegen, ob die Möglichkeiten gewonnenen Informationen so wichtig sind, dass man die ethisch nicht einwandfrei Methode auf sich nimmt. Stark subjektiv • Sicherstellen, dass die Info nicht auch irgendwie ohne Täuschung, mit einem anderen Vorgehen, gewonnen werden könnte. • Absolutes Ausmaß des möglichen Schadens soll abgeschätzt und auf Zumutbarkeit überprüft werden. Sicherster Weg ein Risiko zu verringern oder zu eliminieren, ist dir Täuschung nicht einzusetzen.
- Ausgewählte ethische Fragestellungen -Forschung an vulnerablen Gruppen Personen die aufgrund verschiedener Eigenschaften besondere Schutzmaßnahmen bedürfen, zB Kinder, alte Menschen, Menschen mit Behinderung Unter Vulnerabilität ist ein Risiko für Verletzlichkeit zu verstehen, das entweder genetisch veranlagt oder biografisch erworben werden kann. • Kinder und minderjährige - nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Auch bei Zustimmung nicht ohne die Einwilligung des Kindes selbst. Dies setzt eine adäquate Aufklärung über die Vorgehensweisen und mögliche Unannehmlichkeiten voraus. Nur bei kindergerechter Durchführung gegeben. Wichtig zB Begrüßung auf Augenhöhe, Kinder unter 4 Jahre auf spielerische Methoden zurückgreifen, Anspannung der Untersuchungsdauer, fachgerechte Auswahl der Untersuchungsmethoden. • Betroffene von traumatischen Ereignissen Die Achtung und der Respekt der Würde und der Bedürfnisse der Beteiligten Menschen hat immer höhere Priorität als die Durchführung des Forschungsprojektes.
- Historische Beispiele Das Little Albert Experiment - John Watson und Rosalie Rayner Das Milgram Experiment - Stanly Milgram Das Stanford Prison Experiment - Phillip Zirnbardo
- Ethik Lehre vom sittlichen Wollen und Handeln desMenschen
- Moral in einer Gesellschaft vorliegenden Werte undNormen werden von der Ethik kritischreflektiert und nach ihrer Begründunganalysiert
- Stufen der Moralentwicklung nach Kohlberg Level I: Präkonventionell / Prämoralisch• Stufe 1: Orientierung an Strafe und Gehorsam • Stufe 2: Orientierung am eigenen InteresseLevel II: Konventionell/Rollen Konformität• Stufe 3: Interpersonale Erwartungen und Konformität• Stufe 4: Orientierung an Recht und OrdnungLevel III: Post-konventionelle Ebene/Selbst akzeptierte moralische Prinzipien• Stufe 5: Sozialverträgliche Orientierung • Stufe 6: Orientierung an universellen ethischen Prinzipien
- Stufe 1: Orientierung an Strafe und Gehorsam » Wie kann ich Strafe vermeiden?» Egozentrische Achtung vor überlegener Macht. Vermeidung von Schwierigkeiten» Objektive Verantwortung
- • Stufe 2: Orientierung am eigenen Interesse » Naive egoistische Orientierung (“Was habe ichdavon?”)» Richtiges Handeln ist das, das dazu dient dieeigenen Bedürfnisse und gelegentlich die vonAnderen zu erfüllen.» Werte relativ zu den Bedürfnissen undPerspektiven des Handelnden.» Naiver Egalitarismus, orientiert an Austauschund Gegenseitigkeit.
- • Stufe 3: Interpersonale Erwartungen und Konformität » Good-boy/good-girl Orientierung» Orientierung an der Anerkennung und dem Zufriedenstellen und Helfen der Mitmenschen» Anpassung an stereotype Bilder der Mehrheit oder natürliches Rollenverhalten» Handlungen werden in Bezug auf Absichten bewertet
- Stufe 4: Orientierung an Recht und Ordnung » Orientierung an Autorität und Aufrechterhaltung der Gesellschaftsordnung» Pflichterfüllung und Respekt für Autoritäten. Die Soziale Ordnung wird um ihrer selbst Willenerhalten.» Betrachtung der Erwartungen Anderer» Differenziert Handlungen aus Pflichtgefühl von “netten” oder natürlichen Motiven
- Stufe 5: Sozialverträgliche Orientierung » Vertragliche/ legalistische Orientierung» Normen von richtig und falsch, im Rahmen von Gesetzen oderinstitutionalisierten Regeln, die eine rationale Grundlage zuhaben scheinen» Bei einem Konflikt zwischen individuellen Bedürfnissen undGesetz oder Vertrag wird zwar mit ersteren sympathisiert, aberletztere durchgesetzt wegen des größeren funktionalen Sinnsfür die Gesellschaft und das Wohlbefinden der Mehrheit
- Stufe 6: Orientierung an universellen ethischen Prinzipien » Moral von einzelnen Gewissensprinzipien» Orientierung nicht nur an existierenden sozialen Regeln aberauch am Gewissen als wirkende Kraft, gegenseitigem Vertrauenund Respekt und Prinzipien der moralischen Entscheidung, dielogische Allgemeingültigkeiten und Konsistenz beinhaltet» Handlungen werden von internalisierten Idealen kontrolliert,die einen Druck ausüben sich dementsprechend zu verhalten,unabhängig von anderen in der unmittelbaren Umgebung» Anderweitiges Handeln resultiert in Selbstverdammung undSchuld
- Ethik Moral dilemmata: The Heinz dilemma "Eine Frau, die an einer besonderen Krebsart erkrankt war, lagim Sterben. Es gab ein Medikament, von dem die Ärztedachten, dass es sie noch retten könnte. Es handelte sich umeine besondere Form von Radium, die ein Apotheker in dergleichen Stadt vor kurzem entdeckt hatte. Das Medikamentwar teuer in der Herstellung, aber der Apotheker verlangtezehnmal mehr als das, was das Mittel ihn in der Produktionkostete. Er zahlte $ 200 für das Radium und verlangte $ 2.000für eine kleine Dosis des Medikaments. Der Ehemann derkranken Frau, Heinz, ging zu allen, die er kannte, um das Geldzu leihen, aber er konnte nur etwa $ 1.000 zusammenbringen,was die Hälfte dessen war, was das Medikament kosten sollte.Er sagte dem Apotheker, dass seine Frau sterben würde undbat ihn, das Medikament billiger zu verkaufen oder ihn späterbezahlen zu lassen. Aber der Apotheker sagte: "Nein, ich habedas Mittel entdeckt und werde daran Geld verdienen." Sowurde Heinz verzweifelt und brach in den Laden des Mannesein, um das Medikament für seine Frau zu stehlen.“
- Ethics Moral dilemmata: The Heinz dilemma -Stufe eins (Gehorsamkeit): Heinz sollte die Medizinnicht stehlen, weil er demzufolge ins Gefängnis käme, wasbedeutet er ist ein schlechter Mensch. Oder: Heinz solltedie Medizin stehlen, da die nur $200 wert ist (nicht so vielwie der Apotheker verlangt). Heinz hatte angeboten dafürzu bezahlen und hat nichts anderes gestohlen.
- Ethics Moral dilemmata: The Heinz dilemma -Stufe zwei (Eigeninteresse) Heinz sollte dasMedikament stehlen, da er viel glücklicher wäre, wenn erseine Frau rettet, auch wenn er ins Gefängnis kommenwürde. Oder: Heinz sollte das Medikament nicht stehlen,da das Gefängnis ein schrecklicher Ort ist und erwahrscheinlich im Gefängnis mehr Qual erleiden würde alsdurch den Tod seiner Frau
- Ethics Moral dilemmata: The Heinz dilemma -Stufe drei (Konformität): Heinz sollte dasMedikament stehlen, da seine Frau dies erwartet und erein guter Ehemann sein möchte. Oder: Heinz sollte dasMedikament nicht stehlen, da Stehlen schlecht ist und erkein Krimineller ist. Er hat alles versucht was er tun konnteohne das Gesetz zu brechen, man kann ihn also nichtbeschuldigen.
- Ethics Moral dilemmata: The Heinz dilemma -Stufe vier (Recht und Ordnung): Heinz sollte dasMedikament nicht stehlen, weil das Gesetz Diebstahl verbietet,was dies illegal macht. Oder: Heinz sollte das Medikament fürseine Frau stehlen aber auch die Strafe für die Tat annehmen unddem Apotheker zahlen, was er ihm schuldet. Kriminelle dürfennicht wider dem Gesetz handeln, Handlungen habenKonsequenzen.
- Ethics Moral dilemmata: The Heinz dilemma -Stufe fünf (Sozialverträglich): Heinz sollte dasMedikament stehlen, da jeder das Recht hat sich für dasLeben zu entscheiden, unabhängig vom Gesetz. Oder:Heinz sollte das Medikament nicht stehlen, weil derWissenschaftler ein Recht auf Kompensation hat. Auchwenn seine Frau krank ist legitimiert dies seineHandlungen nicht.
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- Ethics Moral dilemmata: The Heinz dilemma -Stufe sechs (Universelle menschliche Ethik) Heinzsollte die Medizin stehlen, da die Rettung einesmenschlichen Lebens einen grundsätzlicheren Wert dastellt als die Besitzrechte eines Anderen. Oder: Heinz solltedie Medizin nicht stehlen weil jemand anderes die Medizingenauso sehr brauchen könnte und dessen Leben genauso viel wert ist.
- Ethische Problemfelder in der psychologischen Forschung • Problemfelder ähnlich der medizinischen Interventionsforschung• Einige Beispiele:» Kontroll-, Placebogruppenproblem» Vorenthalten effektiver Therapien» Behandlung spezieller Populationen (Kinder,Menschen mit intellektuellerBeeinträchtigung, traumatisierte Personenetc.)» Einhalten der Verschwiegenheitspflicht» Internet basierte Interventionen Begutachtung durch Ethikkommissionen
- Little Albert -Grundmotivation : • Gegenbeweis zur Psychoanalyse zu findenPsychoanalyse: Annahme, dass Angststörung aufunbewusste, psychodynamische Konfliktezurückzuführen sind• lerntheoretische Annahmen bekräftigenmittels Klassischer Konditionierung die Erlernbarkeit undGeneralisierbarkeit von Angstreaktionen beim Menschenüber die Lebensspanne aufrecht erhalten →Persönlichkeit dauerhaft verändern
- Little Albert -Kritik • Mangelnde Aufklärung der Mutter• Enorme Stressbelastung der Versuchsperson• Fehlende Nachuntersuchung(Langzeitfolgen?)• Sehr junges Alter der Versuchsperson
- Milgram Experiment Von Stanley Milgram• Ursprüngliches Ziel: Gräueltaten aus derNS-Zeit von sozialpsychologischenPerspektive zu erklären• Prüfung der These: Waren die Nazisanders?(angesichts der hohen Gehorsamkeitsbereitschaft derTeilnehmenden → nach ersten Durchgängen nicht mehrverfolgungswürdig)
- Milgram Experiment (2) • Experiment als Gedächtnis- und Lernexperiment• Zentrale sozialpsychologische Erkenntnisse bzgl.» Autoritätsstrukturen» autoritären Führungsstilen» Gehorsamkeit» Durchbrechen moralischer Grenzen beigewöhnlichen Bürgern→ Weiterentwicklung: Konformismustheorien & „agenticstate theory“ sowie Zusammenhang mit „Theorie dergelernten Hilflosigkeit“
- Milgram Experiment -Kritk • Täuschung der teilnehmenden Personen→ keine freie Entscheidung überTeilnahme möglich• Starke psychische Belastung während derTestsituation• Gefahr einer Traumatisierung durch dieTestsituation• Einschränkung der Möglichkeit, dassjederzeit abgebrochen werden kann
- Stanford Prison Experiment -Ziel Erklärung, inwieweit situationsbezogene bzw.dispositionsbezogene Verhaltensattributionen fürentsprechendes Verhalten von Bedeutung sind
- Stanford Prison Experiment -Erwartung neue Erkenntnisse zur sozialen Dissonanztheoriebzw. zu Theorien direkter zwischenmenschlicherMacht und Autorität vs. Rebellion,Rollenkonformität & Kontrolle
- Stanford Prison Experiment -Ethische Frage: • Zustimmung der teilnehmenden Personenunter vollständiger Information gegeben?• Waren Gewalt und Eskalation nichtvorhersehbar?• Abbruchkriterium: Warum genau amsechsten Tag?• Versuchsplan sieht Verletzung der Würde derTeilnehmenden (Gefangenen) vor – ethischrechtfertigbar?
- APA Ethics Code of Conduct/ Code of Ethics, 1952, 2010 Prinzipien 1-51.(Nutzen & Schadensvermeidung)2. (Ehrlichkeit & Verantwortlichkeit)3.(Integrität)4.(Gerechtigkeit)5.(Respekt der menschlichen Würde und Rechte)
- Guidelines zur Sicherstellung ethischen Vorgehens Um ethisches Vorgehen in psychologischer Forschung zu erleichtern geben Berufsverbände und Forschungskommissionen eigene Ethikkodizes heraus, an die man sich in der Studienplanung und ihrer Durchführung halten soll. →APA Richtlinien für ethisch korrekte Forschung in der Psychologie