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Paradigmengeschichte und Rahmenbedingungen (Subject) / Wissenschafts- und Erkenntnistheorie 2 (Lesson)
Thomas Sluneko
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- Ausformulierung der empirischen Erkenntnisposition Ausformulierung der empirischen Erkenntnisposition in der für die moderne Psychologie charakteristischen Form durch Karl Popper
- Karl Popper (1902-1994) für den Hauptstrom der modernen Psychologie ganz besondere Bedeutung, ihr wissenschaftstheoretischer Mentor. Sah seine größten Verdienst darin, das Induktionsproblem gelöst oder Zukünften in einer Weise umschifft zu haben, die der empirischen Wissenschaft eine konsistente Forschungslogik eröffnet.
- (1)Popper -Theorien Im ersten Schritt müssten Theorien, die auf induktive Weise gewonnen wurden, verworfen oder modifiziert werden. ZB durch Umwandlung in eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Wahrscheinlichkeitsaussagen waren für Popper unbefriedigend
- (2)Induktion ist für Popper... ...grundsätzlich unzulässig, da immer nur ein Ausschnitt der empirischen Realität beobachtet werden kann, wissenschaftliche Theorien aber als All-Aussagen, dh Aussagen über potentiell unendlich viele Vorkommnisse, formuliert werden sollen. Daher sind Aussagen, die auf Induktion beruhen, nicht zwingend, sondern vorläufig. Überspitzt bloß Unterstellungen.
- (3) Popper - Theorie soll Theorie soll daher empirischen Bewährungsproben ausgesetzt werden. Die Erfahrung soll nicht Baustein, sondern Prüfstein der Theorien sein. Popper bricht damit mit der Grundüberzeugung, die bis dahin empirische Forschungsmethodologie geleitet hat. Am Beginn soll ein Entwurf stehen, den der Verstand (die Ratio) liefert. Daher Poppers Wissenschaftslehre als rationalistisch angesehen -->kritischer Rationalismus
- Ausgang Ausgang nicht von Erfahrungsdaten, sondern von einem Systems (=von theoretischen Vorstellungen), dessen Herkunft nicht hinterfragt wird. Aus ihnen sollen empirisch möglichst leicht nachprüfbare singuläre Folgerungen (Prognosen) abgeleitet werden = deduzieren (Deduktion). Theoretische Vorstellungen so formulieren, dass dich empirisch überprüfbar sind. Dh daraus müssen Prognosen abgeleitet werden können und diese können eintreffen oder nicht. Die logische Form dessen ist die Wenn-Dann-Beziehung. Entweder I. Prognose trifft nicht zu I. Prognose trifft zu
- I. Prognose trifft nicht zu "Fällt eine Entscheidung negativ aus,werden Folgerungen also falsifiziert, trifft ihre Falsifikation auch das System, aus dem sie deduziert wurde" daher muss hier der Schluss gezogen werden, dass sich die Theorie nicht stimmt. Besonders stark wird hier die Form des deduktiven Schließens, des Modus tollens gemacht. Logischer Modus, bei dem einer wenn-dann-Prämissen der dann-Teil weggezogen wird. Nach der Falsifizierung muss mit einem neuen Set an Annahmen, mit einer neuen Theorie an die Sache herangegangen werden.
- I. Prognose trifft nicht zu -Kritikbegriff Popper macht das kritische Prinzip in der Wissenschaft zwar ganz stark, sein Kritikbegriff ist allerdings rein wissenschaftsimmanent. Kritik ist Lebenselixier der Wissenschaft, allerdings nur wenn sie sich innerhalb des wissenschaftlichen Spielfelder artikuliert, dh von ausgewiesenen Wissenschaftler stammt und sich auf wissenschaftliche Ergebnisse stützt. Nicht exmanente Kritik, dh Kritik an der Wissenschaft ingesamt oder an der Form der Vermittlung.
- I. Prognose trifft nicht zu -Hauptstrom der empirischen Human- & Sozialwissenschaften folgt dem kritischen Rationalismus
- I. Prognose trifft nicht zu - Heute Gegensatzpaar von Hypothesen formuliert, Null- und Alternativhypothese, H0 soll an der Überprüfung zerbrechen. H1 rückt mit jeder empirischen Überprüfung, dir überlebt wird, ein Stück in Richtung Wahrheit. --> Wahrheitsnähe.
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- I. Prognose trifft zu "Auch durch ihre verifizierten Folgerungen können Theorien niemals als wahr oder auch nur wahrscheinlich betrachtet werden" Prognosen können sich bestätigen, obwohl die Theorie, aus der sie hervorgegangen ist, falsch ist. Theorien werden daher als etwas vorläufiges betrachtet.
- I. Prognose trifft zu -Poppers Leitgedanken in diesem Zusammenhang Poppers Leitgedanken in diesem Zusammenhang • Alles Wissen ist Vermutungswissen • Wir wissen nicht, wir raten. • Kritik statt Dogma • Wir lernen nicht durch Beobachtung, sondern durch Versuch und Irrtum
- I. Prognose trifft zu -Wissenschaft kommt nur weiter,... Wissenschaft kommt nur weiter, wenn Theorien ständiger Kritik ausgesetzt werden. Hingegen ist jede Möglichkeit zur Verifikation versperrt, da dies unendlich viele Beobachtung erfordert. Theorien werden daher nicht verifiziert sondern nur beibehalten. Daher suche nach befunden, die der Theorie widersprechen, statt weiter Beobachtung anzuhäufen, die mit ihr übereinstimmen.
- I. Prognose trifft zu -Oberstes Gebot Oberstes Gebot für den kritisch-rationalistisch eingestellten Wissenschaftler: versuche die Theorie, die du dir über etwas macht hast, zu widerlegen.
- I. Prognose trifft zu -Falsifizierbarkeit Falsifizierbarkeit ist die zentrale Idee in Poppers Forschungslogik. Dies ist auch das Abgrenzungskriterium zwischen wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Aussagen: nur diejenigen, für die man angeben kann, unter welchen Bedingungen sie falsifiziert werden, sind wissenschaftlich. Deswegen Hauptaussage für Wissenschaftler popperscher Prägung Hypothesen so zu formulieren, dass sie Widerlegungsversuchen möglichst breite Angriffsfläche bieten. Nur durch die kritische Überprüfung kommt man der Wahrheit immer näher, ohne jedoch jemals den Anspruch auf Sicherheit erheben zu können
- I. Prognose trifft zu - Wissenschaftler Entgegen der Hoffnung sind Wissenschaftler in aller Regel Menschen, die in ihre eigenen Theorie verliebt sind.
- I. Prognose trifft zu -Hauptstrom der Psychologie Der Hauptstrom der Psychologie beruft sich auf ein wissenschaftstheoretisches Modell, das in der Wissenschaftstheorie selbst nur mehr mit wenig Enthusiasmus vertreten wird.
- Poppers Grundgedanke: Modus Tollens. „Wenn A, dann B. B ist nicht. Also A auch nicht“
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms Beobachtungen sind Theoriegeladen Theorien sind gegenüber Falsifikation abgepuffert
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms: Beobachtungen sind Theoriegeladen -Kritik Kritik setzt darauf, dass Poppers Vorstellung von Falsifikation an der Tatsache vorbeiläuft, dass jede Beobachtung bereits theoriegeladen ist, dh Theorie und Beobachtung sind nicht sauber voneinander zu trennen. Man hat immer eine Vorstellung im Kopf, explizit oder implizit, die eine, zu bestimmten Beobachtungen veranlasst, und diese Vorstellung bestimmt, was ich beobachte, und auch das, worauf ich gar nicht achte. Neue Erkenntnisse stehen immer beachtlichen Widerständen gegenüber. Übernommene wissenschaftliche Hintergrundvorstellungen leiten wesentlich unsere Wahrnehmung an. Wie wir etwas verstehen und ob wir es überhaupt wahrnehmen.
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms: Beobachtungen sind Theoriegeladen -das bedeutet Das bedeutet, es gibt kein factum brutum, keine Fakten, die außerhalb des Paradigmas stehen und unabhängig hervorkommen. Es gibt keine unkomplizierte, theoriefreie Wahrnehmung. Forscher ist in seinen Beobachtungen immer ein aktiver Mit-Gestalter und Ko-Konstrukteur der Daten, nur zum Teil bewusst. Diese Einsicht gerät im Wissenschaftsbetrieb ständig in Vergessenheit.
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms Beobachtungen sind Theoriegeladen -Faktum - Definition Faktum - Definition: das, was gemacht worden ist. Das Gemachte.
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms Beobachtungen sind Theoriegeladen -Kritischer und reflektierter Umgang mit empirischen Forschung Kritischer und reflektierter Umgang mit empirischen Forschung setzt voraus, dass man sich vergegenwärtigt, mit welchen Methoden und vor dem Hintergrund welcher Interessen und Vorannahmen, Fakten erzeugt wurden.
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms Beobachtungen sind Theoriegeladen - Wissen um Wissen um Gemacht sein der Fakten im Gegensatz zur Position des Positivismus (geht von einem naturhaft vorgegebenen Tatsächlichen aus, ohne zu bedenken, dass dieses Tatsächliche durch Taten zustande kommt). Positivist heute abschätzige Konnotation. Einer, der vergessen oder nie gewusst hat, dass das Gegebene etwas Gemachtes ist.
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms Beobachtungen sind Theoriegeladen - Wenn Theorie über das bestimmt,... Wenn Theorie über das bestimmt, was wir sehen können, fällt die für Poppers Forschungslogik entscheidende Voraussetzung in sich zusammen. Dann lässt sich Theorie nicht an Daten überprüfen. Ab den 60iger Jahren wird Poppers Model als (Neo)positivistisch kritisiert und sehr grundsätzlich in Frage gestellt.
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms Theorien sind gegenüber Falsifikation abgepuffert Theorie kann sich vor Falsifikation schützen, indem die Schuld an der fehlgeschlagenen Prognose nicht der Theorie sondern einer fehlerhaften Ableitung der Prognose aus der Theorie bzw einer missglückten experimentellen Umsetzung (=Operationalisierung) geschuldet wird. Bei widersprechenden experimentellen Befund lässt sich so die Konsistenz des theoretischen Modells bewahren. Es ist nicht entscheidbar, was von der Falsifikation betroffen ist.
- Kritik an Popper innerhalb des empirischen Programms Theorien sind gegenüber Falsifikation abgepuffert -Operationalisierung Operationalisierung - Schlüsselbegriff moderner empirischen Wissenschaft, auf alle Teile der Hypothese sozusagen Durchführungsbestimmungrn erlassen. In der Operationalisierung ist immer bereits Interpretation eingelassen. Operationalisierung ist von Interpretation geleitet. Dies hat Popper zu wenig berücksichtigt.
- Historische Epistemologie, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftssoziologie -Wechsel der Perspektive: Wandel von einer immanenten Wissenschaftslehre wie der Poppers (eine die von dem was außerhalb geschieht, keine Kenntnis nimmt, sondern nur vorschreibt, wie empirische Wissenschaft forschungslogisch funktionieren soll) hin zu einem Wissenschaftsverständnis, das historische, politische, soziale und ideologische Rahmenbedingungen mitdenkt, also außerwissenschaftliche Faktoren bei Entwicklung und Wandlung von Forschungsinteressen als zentral sieht.
- Historische Epistemologie, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftssoziologie -Zwei frühe Vertreter sind Ludwig Fleck und Robert Merton
- Ludwig Fleck (1896-1961): Denkstile und Denkkollektive Jüdisch polnischer Mikrobiologe und Mediziner
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- Ludwig Fleck (1896-1961): -Denkstile "gerichtetes Wahrnehmen, mit einsprechendem gedanklichen und sachlichen verarbeiten des Wahrgenommenen." Wir nehmen nie alles wahr, sondern unser Wahrnehmen ist immer an etwas ausgerichtet. Auch das verarbeiten des Wahrgenommenen folgt keiner Automatik. In einem Denkstil reflektieren sich, gemeinsame Merkmale der Probleme, die ein Denkkollektiv interessieren; der Urteile, die es als evident betrachtet; der Methoden, die es als Erkenntnismittel anwendet. Begleitet eventuell von einem technischen und literarischen Stil des Wissenssystems
- Ludwig Fleck (1896-1961): -Denkkollektive - "Menschen, die im Gedankenaustausch oder in gedanklicher Wechselwirkung" über einen (Forschungs)Gegenstand oder ein Forschungsproblem stehen. Entstehen unter spezifischen institutionellen, kulturellen und wissen(schafts)politischen Konstellationen. Sind wie Spekulationsgemeinschaften, dh zeichnen sich jeweils durch bestimmte Grundannahmen aus, zB Erde ist der Mittelpunkt des Universums. Wissenschaft ist auch nur so etwas, wie eine Sekte. Denkzwänge, die bestimmen, was nicht anders gedacht werden kann.
- Ludwig Fleck (1896-1961): -Schicksal Schicksal von Flecks Wissenschaftslehre ist ganz vom historischen Kontext bestimmt. 30 Jahre lang kaum wahrgenommen. Rezeption von Fleck wurde durch Thomas Kuhn angestoßen, Erwähnung in seinem Vorwort
- Ludwig Fleck (1896-1961): -Heute Heute gilt Fleck als ein wesentlicher Vordenker einer historischen und wissenschaftssoziologischen Erkenntnistheorie. Deswegen, weil sich mit dem Begriff des Denkstils die Perspektive auf Wissenschaft sehr fundamental berscheibt: Wissenschaft wird nun eben auch zu einer Stilfrage. Inhaltlich (was sie über die Welt denkt) als auch im Bezug auf die praktische Realisation (wie sie praktisch betrieben wird). Wissenschaft ist von ihrem historischen, politischen, religiösen und sozialen Kontext nicht unabhängig, sondern dokumentiert diese Umstände. Wissenschaftliche Leistungen werden damit bei Fleck erstmal radikal relativiert, weil an ihre Entstehungsprozesse rückgebunden.
- Historische Epistemologie, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftssoziologie -Forschungsinteressen und Forschungshaltungen entwickeln sich in Relation zu gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen Robert Merton (1910-2003)
- Robert Merton (1910-2003) ab den 30iger Jahren Gedanke, dass Wissenschaft kein geschlossenes System, sondern auf ihre Umwelt hin fundamental ist. Sensibilisiert dafür, dass die Themen und Ausrichtungen der Forschung nicht nur von wissenschaftlichen Rationalitätskriterien, zB Falsifizierbarkeit, gelenkt werden, sondern vor allem von wissenschaftsexternen Bedingungen. In einer Epoche, in der Wissenschaft noch kaum institutionalisiert war, zB England des 17 Jhdt, die asketischen Imperative des Protestantismus zur Grundlage auch der wissenschaftlichen Haltung wurden. Müßiggang war aller Laster Anfang. Wenn die puritanische Ethik verlangt, dass man in seinem Beruf fleißig und systematisch arbeitet, heißt das für die Wissenschaft diePraxis des Experiments. Also die aktive, beständig fleißige Tätigkeit im Labor.
- Historische Epistemologie, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftssoziologie -Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Thomas Kuhn (1922-1996)
- Thomas Kuhn (1922-1996) für das Verständnis des Paradigmenbegriffes der letzten 50 Jahre besonders maßgeblich. Wissenschaftshistoriker. Forschungslogik spielt bei der Entwicklung von Wissenschaft nur eine Nebenrolle. Schicksal wissenschaftlicher Theorien entscheidet sich nicht daran, ob sie falsifiziert werden oder nicht, sondern werden auf Grund umfassenderer historischer Bedingungen aufgesucht, verteidigt und verlassen. Paradigma im Zentrum des Wissenschaftsverständnisses.
- Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen -Paradigmen Konstellation, ein Set von Überzeugungen, Wertvorstellungen und Techniken definiert werden, die alle, oder zumindest die überwiegende Mehrheit der, Mitglieder eines bestimmten Wissenschaftsbereiches akzeptiert haben. Paradigmen bestimmen wesentlich die wissenschaftliche Disziplin. Das allerdings nicht sichtbar. Alles was nicht direkt gesagt wird, sondern all das was beim Sagen schon stillschweigend vorausgesetzt wird. • Beinhalten Setzungen darüber, was, welche Entitäten, überhaupt der Wirklichkeit vorkommen. ZB Elektronen für die Atomtheorie. • Definierten Gegenstandsbereich einer Wissenschaft. • Legen akzeptable Methoden zu seiner Erschließung fest • Setzen Qualitätskriterien für die Lösung. • Ensemble aus verschiedenen Elementen, im Gegensatz zu Theorie oder Weltanschauung. Nicht nur theoretische Vorstellungen, sondern auch Formen der Institutionalisierung von Wissenschaft, Praktiken ihrer Realisierung und Artikulation. Daher Paradigma ist eingenäht disziplinäre Matrix. Beinhaltet wesentlich also auch die Spielregeln der Wissenschaft, zB wer kann wem was mit welcher Machtwirkung sagen?
- Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen -Verlauf bei der Entwicklung einer Wissenschaft • Prä-paradigmatische Periode• Dominierendes Paradigma • Normale Wissenschaft • Anomalie • Außerordentliche Wissenschaft
- Prä-paradigmatische Periode • in frühen Entwickungsstadien, durch Theorienpluralismus bzw dem Wettstreit vieler stark divergierender Ansichten gekennzeichnet, die alle mit den verfügbaren Beobachtung grob vereinbar sind
- Dominierendes Paradigma - bietet einen plausiblen Rahmen für die Mehrzahl der verfügbaren Beobachtung sowie einen Leitfaden für weitere Forschungen. Nimmt in der Fachwelt den Charakter von Vorschriften an, diese katalysieren die wissenschaftliche Forschung in eine bestimmte Richtung hochwirksam
- Normale Wissenschaft keine Grundsatzprobleme, Wissenschaft wird im Normallauf betrieben, innerhalb der theoretischen und methodologischen Grenzen. Es besteht eine geteilte, Möglichkeit nicht bewusstes, Verständnis über die wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Annahmen, die methodologischen Leitlinien und den damit geschaffenen Beobachtungsumfang. Hingebungsvolles Bemühen, die Natur mit Hilfe der vorhanden Instrument und Begriffe in vorgegebene Schubladen zu zwängen. Paradigma wird schlichtweg mit Wirklichkeit gleichgesetzt. Erfolg in dieser Phase beruht auf dem festen Vertrauen der scientific Community in das Paradigma. Dadurch wird die operative wissenschaftliche Tätigkeit von Zweifeln entlastet und hochwirksam katalysiert. Paradigma hat in dieser Erfolgsphase die Tendenz sich über seinen angestammten Gegenstandsbereich hin auszudehnen. ZB Tests bei Tieren. Dann Übergang auf den Menschengedenken und/oder in reale Situationen.
- Anomalie - Stolperstein, an dem die Wissenschaft aus ihrem Normallauf entgleist. Passiert Va beim überstrecken. Es braucht also nicht notwendigerweise einen Impuls von außerhalb. Solange ein Paradigma genügend Faszination ausübt, genügt ein oder mehrere Anomalien nicht, um die Gültigkeit grundsätzlich in Frage zu stellen. Unerwartete Ergebnisse werden abgetan. Wissenschaftlicher Annahmen- & Methodenkomplex wird Va nie verlassen, wenn nicht eine Alternative zur Verfügung steht.
- Außerordentliche Wissenschaft - Problem, dass mittels der vorgegeben Verfahrensregeln lösbar sein sollte und aber wiederholt standhält. Dies ist der Beginn der außerordentlichen Wissenschaft. Phase von theoretischem Chaos und Verunsicherung. Auf der Suche nach neuen Regeln, beginnen sich die Forschungskriterien zu lockern. Man wird theoretischen Alternativen gegenüber offener. Beschäftigt sich mit Wissenschafts- & Erkenntnistheorie. Es bilden sich widerstreitende Schulen, die Verständnisprobleme haben. Entgegnen der Idealvorstellung des kritischen Rationalismus wird dieser Streit nie auf Basis von Beobachtungen, einzelner Falsifikationen oder Argumenten beigelegt.
- Kuhns zentraler Befund Forschungslogik spielt in der Wissenschaft eine Nebenrolle und power-groups sind die leitenden Instanzen. Sieg eines neuen Paradigmas - der wissenschaftlichen Revolution - gehen macht- und standespolitische Widerstände und Abwehrversuche des bis dahin herrschenden Paradigmas Voraus. Bis diese schließlich vor den Fakten und/oder dem neuen Denkstil kapitulieren. Für Kuhn sind die wissenschaftlichen Disziplinen als System organisiert, deren Zusammenhalt über gemeinsame Welt- & Handlungsverständnisse gewährleistet wird und spezifische Strategien zur Identitätsstiftung und zur Abschirmung gegen Bedrohungen entwickelt.
- Wichtigste Kritikpunkt von Fleck, Merton und Kuhn am kritischen Rationalismus Nicht Forschungslogik oder Argumente dominieren die Wissenschaft, sondern eine Art Machtpolitik, die sich vielfach der Argumente nur bedient. Wissenschaftliche Theorien zerbrechen nicht an Falsifikationen. Sie werden nicht widerlegt, sondern verlassen. Der normative Anspruch von Wissenschaftstheorie muss aufgegeben werden Eine praxeologische Sicht auf Wissenschaft, ein non-statement-view, ist nötig Wissenschaftliche Fortschritt ist weder kontinuierlich noch kumulativ
- Nicht Forschungslogik oder Argumente dominieren die Wissenschaft, sondern eine Art Machtpolitik, die sich vielfach der Argumente nur bedient. Entgegen Poppers Hoffnung erscheint Wissenschaft alles andere als ein von gegenseitigem Respekt und fair Play kritischer Mitspieler getragener Prozess in einer freien Ideenkonkurrenz zu sein. Viel mehr dominieren irrationale Widerstände und Machtpolitik. Entgegen der Vorstellungen des kritischen Rationalismus genügen die Argumente oder Beobachtungen, um eine Theorie durch eine andere zu ersetzen, sondern entschlossenes wissenschaftspolitisches Handeln.
- Wissenschaftliche Theorien zerbrechen nicht an Falsifikationen. Sie werden nicht widerlegt, sondern verlassen. Entgegen der idealisierten Vorstellung Poppers ist der Wissenschaftler nicht selbstkritisch. Theorien werden nicht von Argumenten und Beobachtung widerlegt, sondern in umfassenden, affektiv-motivationalen Sinn verlassen.
- Der normative Anspruch von Wissenschaftstheorie muss aufgegeben werden Popper lehrte die Wissenschaft methodologisch. Kuhn konstatiert, dass methodologische Richtlinien für sich allein auf vielerlei wissenschaftliche Fragen keine eindeutige inhaltliche Antwort herbeiführen können. Übergang von einem präskriptiven und normativen Anspruch an die Wissenschaftstheorie, dh verbindliche, daher normativ, wissenschaftliche Methodologie, die den Wissenschaftlern vorgeschrieben, daher präskriptiv, ist, zu einer deskriptiven (beschreibend) Sicht auf Wissenschaft. Entwicklung der Wissenschaft ist weit komplexer, organischer, in soziale Dynamiken eingebettet und weniger von logischen Regeln beherrscht als die klassischen logizistischen Wissenschaftstheorien, inkl Popper, das angenommen hatten. Wissenschaftliche Realität ist selbst einem historischen wandeln unterworfen.