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Einführung in wissenschaftliches Denken (Subject) / Vom schlussfolgernden Beobachten zur experimentellen Methode (Lesson)

Ansorge

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  • Wurzeln der empirischen Psychologie - Menschenbild - Fritz Heider: Fritz Heider: The Psychology of Interpersonal Relations (1953)Attributionstheorie-> Menschen suchen nach Ursachen, um Ereignisse zuverstehen und in ihrem Sinn zu beeinflussen. “Wenn ich auf meinem Schreibtisch Sand vorfinde, werde ichdie Ursache dieses Ereignisses herauszufinden versuchen.Ich unternehme diese Nachforschung nicht aus bloßerNeugierde, sondern weil ich die Umwelt nur dann vorhersagenund kontrollieren kann, wenn ich dieses relativ unbedeutendeSymptom mit einem zugrundliegenden Kernereignis inZusammenhang bringe.“
  • Wurzeln der empirischen Psychologie - Menschenbild - John Stuart Mill: John Stuart Mill: A System of Logic (1843) Induktives Schließen-> Schluss von der vergleichenden Beobachtung einzelner Fälle oder Beispiele auf generelle zugrundeliegende Ursachen.
  • Wurzeln der empirischen Psychologie - Menschenbild - J. S. Mill: A System of Logic (1843) – Five methods of induction Direct method of agreement Method of difference Method of concomitant variations
  • Method of concomitant variations “Whatever phenomenon varies in any manner wheneveranother phenomenon varies in some particular manner, iseither a cause or an effect of that phenomenon, or isconnected with it through some fact of causation.” Bsp.: Welcher der folgenden Faktoren ist für Franzsiskas Note verantwortlich?Klausur 1: Wintersemester, 3 Tage Übung, Fach Diagnostik -> Note 5Klausur 2: Sommersemester, 3 Monate Übung, Fach Sozialpsychologie -> Note 2Klausur 3: Wintersemester, 4 Monate Übung, Fach Diagnostik -> Note 1
  • Method of difference “If an instance in which the phenomenon under investigationoccurs, and an instance in which it does not occur, have everycircumstance in common save one, that one occurring only inthe former; the circumstance in which alone the two instancesdiffer, is the effect, or the cause, or an indispensable part ofthe cause of the phenomenon.” Bsp.: Welcher Faktor ist für Antonias Klausurleistung verantwortlich?Klausur 1: 3 Monate geübt, Sommersemester, Fach Englisch -> Note 5Klausur 2: 3 Monate geübt, Sommersemester, Fach Englisch -> Note 5Klausur 3: 3 Monate geübt, Sommersemester, Fach Mathe ->Note 2
  • Direct method of agreement “If two or more instances of the phenomenon underinvestigation have only one circumstance in common, thecircumstance in which alone all the instances agree, is thecause (or effect) of the given phenomenon.“ Bsp.: Welcher der Faktoren Übung, Vorbereitungstag oder Frühstück war für Antons Klausurerfolg (Note 2) verantwortlich?Klausur 1: 3 Monate gelernt, Tag vor der Klausur entspannt, am Morgen gefrühstückt -> Note 2Klausur 2: 3 Tage gelernt, Tag vor der Klausur entspannt, am Morgen gefrühstückt -> Note 5Klausur 3: 3 Monate gelernt, Tag vor der Klausur gelernt, nicht gefrühstückt -> Note 2
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode - Wilhelm Wundt Wilhelm Wundt definierte Psychologie als Lehre von der unmittelbaren Erfahrung(heute würden man sagen: „vom Erleben“ oder „vom Bewusstsein“)Gegenstand der Psychologie sind demnach die „Objekte“, sowie sie uns im Bewusstsein erscheinen.
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode - Was ist Introspeketion? Introspektion = Innenschau-> einziger Zugang zu subjektivem Erleben und Bewusstsein-> Beispiel Wahrnehmungsillusionen:Nur subjektiv, in der Innenschau, erscheint ein Wahrnehmungsgegenstand unterschiedlich, der „quantitativ“ oder „messbar“ gleich geartet ist. → Checkerboard- Illusion
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode -Lehre von der unmittelbaren Erfahrung Passende Methode: Introspektion, aber nach Wundt ist-> Introspektion ≠ einfache oder naive Selbstbeobachtung, sondern verlangt Schulung.-> Introspektion gebunden an experimentelles Verfahren, Kennzeichen: willkürlicher Eingriff in den natürlichen Verlauf der Erscheinungen
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode -Lehre von der unmittelbaren Erfahrung -> erfüllt im Idealfall vier Kriterien der experimentellen Methode: (1) willkürliche Wahl des Zeitpunktes(2) optimale Einstellung der Aufmerksamkeit des Beobachters(3) Wiederholung zur Sicherung der Ergebnisse(4) systematische Variation der Randbedingungen; Ein- und Ausschalten der für die Erscheinung kritischen Randbedingungen
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  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode -Induzierte Bewegung Steckt ein Wahrnehmungsgesetz hinter der Anekdote vom wandernden Mond?von Duncker (1929) vorgeschlagene Verallgemeinerung:Induzierte Bewegung-> Die gesehene Strecke einer Objektbewegung steigt mit der Richtungsdifferenz (δ) zwischen Objekt- und Hintergrundbewegung.
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode - ein Experiment zur induzierten Bewegung Verwendete Reize: Gruppe aus grünen Scheiben zur Bildung einer Hintergrundfläche (hier Ο);                                     Vordergrundobjekt = einzelne rote Scheibe (hier Θ)Ο       Ο                                Θ                                               Ο  Θ  ΟΟ  Ο  Ο           +                                         =                          Ο  Ο  Ο„Hintergrund“            „Vordergrund“                           „Vorder- plus Hintergrund“(gegen                     (im Uhrzeigersinn)    Uhrzeigersinn)            Zur Untersuchung induzierter Bewegung werden die Scheiben in Bewegung gesetzt…Hintergrund und Vordergrundobjekt bewegen sich gleich schnell, in Phase und auf kreisförmigen, einander gesetzten Bahnen:Was sollte man sehen?Eine horizontal gestreckte und vertikal gestauchte Vordergrundobjektbewegung!Welcher Eindruck von der Vordergrundobjektbewegung sollte entstehen? Maximale Strecke zu Beginn der Kreisbewegung, dennVordergrundobjekt (rot) und Hintergrund bewegen sich inentgegengesetzte Richtungen.(Vordergrund nach rechts, Hintergrund nach links.) Minimale Strecke nach ¼ einer Kreisbewegung, dennVordergrundobjekt (rot) und Hintergrund bewegen sich in diegleiche Richtung.(Vordergrund und Hintergrund nach unten.)
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode - ein Experiment zur induzierten Bewegung (Zusammenfassung) Zusammenfassung(1) Beginn: maximale Strecke = HorizontalbewegungVordergrund nach rechts, Hintergrund nach links.(2) ¼ Kreisbahn: minimale Strecke = VertikalbewegungVordergrund und Hintergrund nach unten.(3) ½ Kreisbahn: maximale Strecke = HorizontalbewegungVordergrund nach links, Hintergrund nach rechts.(4) ¾ Kreisbahn: minimale Strecke = VertikalbewegungVordergrund und Hintergrund nach oben.(5) … und dann wiederholt sich die Sequenz
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode - ein Experiment zur induzierten Bewegung (2) Systematische Variation der Randbedingungen: 180° Positionsverschiebung zwischen Bewegungsbeginn von Vorder- und Hintergrund Minimale Strecke zu Beginn der Kreisbewegung, dennVordergrundobjekt (rot) und Hintergrund bewegen sich in diegleiche Richtung.(Vordergrund und Hintergrund nach rechts.) Was sollte man sehen? Eine horizontal gestauchte und vertikal gestreckte Objektbewegung!
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode - ein Experiment zur induzierten Bewegung (2) (Zusamenfassung Zusammenfassung(1) Beginn: minimale Strecke = HorizontalbewegungVordergrund und Hintergrund nach rechts.(2) ¼ Kreisbahn: maximale Strecke = VertikalbewegungVordergrund nach unten und Hintergrund nach oben.(3) ½ Kreisbahn: minimale Strecke = HorizontalbewegungVordergrund und Hintergrund nach links.(4) ¾ Kreisbahn: maximale Strecke = VertikalbewegungVordergrund nach oben und Hintergrund nach unten.(5) … und dann wiederholt sich die Sequenz
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode - ein Experiment zur induzierten Bewegung (Ausschalten der kritischen Randbedingung) Einzelreiz statt einer Hintergrundfläche aus gruppierten Reizen
  • Vom schlussfolgernden Beobachten zur experimentellen Methode - Fazit Bsp. Scheinbewegung:Relative Bewegungsrichtung von Vorder- und Hintergrund = UV;gesehene Bewegungsspur = AV-> Experimente können qualitative Daten liefern-> mit Experimenten können wir einfache (Bsp. Wahrnehmung)geistige Prozesse (Bsp. Einstellungen) untersuchen-> Experimente entsprechen menschlichem Schlussfolgern
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode -Grenzen der Methode nach Wundt: -> geeignet für einfache psychische Vorgänge (z.B. Wahrnehmung)-> ungeeignet für höhere psychische Vorgänge (z.B. Denken, Problemlösen)
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode -> erfüllt im Idealfall vier Kriterien der experimentellen Methode,gesehen am Beispiel der induzierten Bewegung:(1) willkürliche Wahl des Zeitpunktes(2) optimale Einstellung der Aufmerksamkeit des Beobachters(3) Wiederholung zur Sicherung der Ergebnisse(4) systematische Variation der Randbedingungen; Ein- und Ausschalten der für die Erscheinung kritischen Randbedingungen
  • Experimente – Introspektiv-experimentelle Methode -Beispiel einer ungeeigneten Anwendung der Methode (laut Wundt): Bühlers „Ausfrageexperimente“ des lauten Denkens-> Bühler stellte seinen Probanden Fragen, wie:„Wenn Eucken von einer weltgeschichtlichen Apperzeption spricht, wissen Sie, was er damit meint?“-> Probanden mussten antworten und berichten, wie sie zur Antwort kamen.-> Bühlers berühmt gewordenes Ergebnis:„Aha“-Erlebnisse = unanschauliche Gedanken, denenkeine anschaulichen Empfindungen entsprechen, gingen der Antwort voraus.-> nach Wundt sind das Scheinexperimente, denn sie erfüllen keines der Kriterien der experimentellen Methode„Welche Triumphe aber wird diese Methode erst feiern, wenn sichdie Pädagogik ihrer bemächtigt, wenn die Schulbank zugleich zurExperimentierbank wird, und der Lehrer, falls er sich beimSchulexamen erkundigt, was sich der Schüler etwa nochnebenbei gedacht habe, in dem stolzen Bewusstsein leben kann,er habe ein psychologisches Experiment gemacht!“(Wundt, 1908, S. 360)
  • Experimente - Definition: Ein Experiment ist die systematische Beobachtung einerabhängigen Variablen unter verschiedenen Bedingungen derunabhängigen Variablen, bei gleichzeitiger Kontrolle (Eliminationoder Randomisierung) von Störvariablen und zufälligerZuordnung von VersuchsteilnehmerInnen auf experimentelleBedingungen.
  • Experimente: subjektive und objektive Daten -Objektivität: Kommen verschiedene Personen zu denselbenErgebnissen? Sind die Ergebnisse unabhängig vom Untersucherund vom Untersuchten? Introspektion:-> subjektive DatenLeistungen und physiologische Reaktionen:-> objektive Daten
  • Objektivität und introspektive Daten -Einschränkungen der Objektivität bei introspektiven Daten: -> Vergessen (z. B. wenn zwischen Introspektion und Selbstbericht Zeit vergeht)-> Unzugänglichkeit (z. B. unbewusste Prozesse sind der Introspektion nicht zugänglich)-> Verfälschbarkeit (z. B. im Sinne sozialer Erwünschtheit);     Bsp. Einstellungsmessung: „Sind Sie fremdenfeindlich?“
  • Experimente: objektive Daten in der Sozialpsychologie Bsp. Einstellungsmessung: Implicit Association Test (IAT)
  • Implicit Association Test (IAT): Wenn „weiß“ = „gut“ und „schwarz“ = „schlecht“, dann sollte dieUnterscheidungszeit (UZ) der initialen kombinierten Aufgabe (engl. „initialcombined task“) schneller sein als die der umgekehrten kombinierten Aufgabe(engl. „reversed combined task”), denn: Initial combined task(compatible task)HEATHER → gutLUCKY → gut→Alles Gute verlangt also die gleiche Reaktion … EBONY → schlechtPOISON → schlecht→…und alles Schlechte die andere. Reversed combined task(incompatible task)EBONY → schlechtLUCKY → gut HEATHER → gutPOISON → schlecht Verschiedenes Gutes verlangt also unterschiedlicheReaktionen, und Schlechtes und Gutes dieselbe Reaktion.
  • Implicit Association Test (IAT): -> Haupteffekt der Variable Kompatibilität(IAT-Effekt) -> bestätigt die negative Einstellung gegenüber Farbigen-> Interaktion der Variablen Kompatibilität und Reihenfolge (inkompatibel vorkompatibel, oben, oder kompatibel vor inkompatibel, unten)  -> „Carry-OverEffekt“-> kein Test (erfüllt z. B. nicht die Kriterien der Retest-Reliabilität und Validität)-> situations- und aufgabenabhängig-> verfälschbar, z. B. langsame Antworten könnten willentlich vorgetäuscht werden
  • Implicit Association Test (IAT): Kritik, vor allem > Konfundierung; zwei UV kommen für die Erklärung in Frage-> Gehen die IAT-Effekte auf Namen-Valenz-Assoziationenzurück (Namen von Farbigen = negativ vs. Namen von Weißen = positiv)?-> Oder gehen die IAT-Effekte auf Namen-Salienz-Assoziationenzurück (Namen von Farbigen und negative Attribute = salient[deutlich] vs. Namen von Weißen und positive Attribute = nichtsalient [weniger deutlich])?
  • Implicit Association Test (IAT): interne Validität siehe Folie 54 - 59
  • Fazit Bsp.: IAT -> mit Experimenten können wir höhere geistige Prozesse (Bsp.Einstellungen) untersuchen-> „Daten bestehen, Theorien vergehen“ -> Plädoyer für dieTrennung von Theorie und Daten
  • Vom schlussfolgernden Beobachten zur experimentellen Methode – Überblick (Zusammenfassung) -> Experimente entsprechen menschlichem Schlussfolgern (Bsp.Kernannahmen von Heiders Attributionstheorie)-> Experimente können qualitative Daten liefern (Bsp. Wundt)-> mit Experimenten können wir einfache (Bsp. Wahrnehmung)und höhere geistige Prozesse (Bsp. Einstellungen) untersuchen-> „Daten bestehen, Theorien vergehen“(vgl. IAT-Forschung)-> Plädoyer für die Trennung von Theorie und Daten