Wie werden neue erlernte Bewegungen koordiniert?
Beim Neuerlernen von Bewegungen bzw. Krafttrainingsübungen müssen viele Freiheitsgrade in Gelenken stabilisiert werden. Die Bewegungen verlaufen zu Beginn dadurch eher verkrampft und im Hinblick auf die Krafteinsätze unökonomisch. Die zunehmender Übung werden die Bewegungsabläufe sukzessive harmonischer. Mit zunehmender Bewegungskoordination lernt der Sportler immer mehr überflüssige Freiheitsgrade zu überwinden, d. h. mit zunehmender Beherrschung der Bewegungsaufgabe nimmt die reflektorische muskuläre Stabilisierung der beteiligten Gelenksysteme bis auf das erforderliche Mindestmaß ab; die Bewegungsausführung sieht nach außen hin flüssiger und harmonischer aus.(Unter dem Freiheitsgrad versteht man in der Anatomie bzw. der Biomechanik die Anzahl und Art der möglichen Bewegungen, die ein Gelenk ausführen kann.Der Freiheitsgrad eines Gelenks wird unter anderem durch die Gelenkform (Scharniergelenk, Kugelgelenk) und die seine Bewegung einschränkenden Bänder bestimmt.) Neben den inneren Muskelkräften wirken äußere Kräfte, wie z. B. Reibungskräfte, Schwerkraft, Trägheitskräfte, die in den Koordinationsvorgang einbezogen werden müssen. Erwähnt werden muss auch die Einhaltung des Gleichgewichts während der Bewegungsaufgabe, insbesondere bei Bewegungsformen mit sehr kleiner Untertützungsfläche (z. B. Füße als Standfläche).
Welche Analysatoren zur Informationsaufnahme kennst du?
Wichtig für den motorischen Lernprozess ist die Fähigkeit zur Informationsaufnahme und -verarbeitung. Informationen können über den kinästhetischen, den taktilen, den statico-dynamischen, den optischen sowie den akutischen Analysator aufgenommen werden. Beim Bewegungslernen kommt vor allem dem kinästhetischen Analysator eine große Bedeutung zu.
Welche Phasen durchläuft der Prozess des motorischen Lernens?
Der Prozess des motorischen Lernens durchläuft drei charakteristische Phasen. In der ersten Phase wird die Grobkoordination geschult. In dieser Phase wird eine Bewegung grob, aber in den Grundzügen technisch korrekt beherrscht. Die zweite Phase des motorischen Lernprozesses wird durch kontinuierliches Üben erreicht, die Phase der Feinkoordination einer Bewegung. In der dritten und letzten Phase des motorischen Lernens wird die Feinkoordination einer Bewegung stabilisiert ubnd eine variable Verfügbarkeit der Bewegungshandlung, auch unter wechselnden Umweltbedingungen, erreicht.
Charakterisiere die Phasen des motorischen Lernens!
Grobkoordination - Charakteristik Grobform der Bewegung höhere Fehlerhäufigkeit und Instabilität ungenaue räumlich-zeitliche Bewegungshandlung grobe Bewegung auf Grund des noch wenig ausgebildeten neuro-muskulären Zusammenspiels unökonomischer und häufig übersteuerter Krafteinsatz; dadurch schnellere Ermüdung Ziel: elementare Bewegungsbewältigung Feinkoordination - Charakteristik ökonomische Bewegungen zunehmende Harmonie im neuro-muskulären Zusammenspiel größere Übungsstabilität und Abnahme der Fehler fließende Übergänge Ziel: Vervollkommnung der Bewegungskoordination bei nur wenig variierenden Bedingungen. Stabilisierung der Feinkoordination und Enwicklung der variablen Verfügbarkeit verbesserte Abstimmung der Bewegung auf aktuelle, sich verändernde innere und äußere Bedingungen Höchstmaß an Zweckmäßigkeit, Zielgerichtetheit und Knappheit sowie Regelmäßigkeit und Beständigkeit bezüglich Durchführung des Technikleitbildes leichter und relativ müheloser Bewegungsablauf wirkungsvoller, ökonomischer Krafteinsatz Ausprägung differenzierter Bewegungsvorstellungen; zeitliche Konstanz bei wiederholter Vorstellung einer Übung Automatisation der Bewegung; trotzdem ausgeprägtes, komplexes Bewegungserleben Ziel: weitere Vervollkommnung durch Anpassung an veränderte oder wechselnde Bedingungen
Was versteht man unter einer methodischen Übungsreihe?
Beim erlernen von komplexen Krafttrainingsübungen kann eine methodische Übungsreihe sinnvoll sein. Hierbei werden sinnvolle Teileinheiten einer Bewegung bzw. Übung zu Übungsfolgen zusammengestellt. Bsp: Kniebeuge aus einer sitzenden Position heraus. Die Sitzposition kann sukzessive niedriger gestaltet werden, bis schließlich eine freie Kniebeuge über die vollständige Bewegungsamplitude erfolgen kann.
Wie sieht der optimale Ablauf einer Übungsunterweisung aus?
Benennung der Trainingsübung und des -geräts. Benennung der primär beteiligten Muskulatur Vorteile und individueller Nutzen der Übung hervorheben Einstellungen des Geräts bzw. der Übung demonstrieren und erklären Bewegungsablauf demonstrieren und erklären Übung durch den Sportler nachmachen lassen Feedback einholen
Was versteht man unter "Primärfehlern" und "Sekundärfehlern"?
Primärfehler müssen sofort korrigiert werden, da sie die Bewältigung einer elementaren Bewegungshandlung und somit die Phase der Grobkoordination gefährden bzw. eine Gefahrenquelle für den Sportler darstellen. Bsp. gelenkbelastende Endposition, unkontrollierte Bewegungshandlungen. Sekundärfehler müssen nicht sofort korrigiert werden, da sie das Erlernen einer elementaren Bewegungshandlung bzw. die Phase der Grobkoordination nicht gefährden. Diese Fehler können in einem zweiten Übungssatz oder gar in einer der nächsten Trainingseinheiten unter Aufsicht korrigiert werden. Bsp. Abweichungen vom vorgegebenen Bewegungstempo, Bewegungsrhythmus, Bewegungsamplitude.
Welche Möglichkeiten (4) der Rückmeldung/Fehlerkorrektur kennst du?
Verbale Maßnahmen Visuelle Maßnahmen Taktile Maßnahmen Instrumentelle Maßnahmen (durch Hilfsmittel bzw. Hilfsinstrumente)
Welche Möglichkeiten (5) der Technikanalyse kennst du?
Analyse der räumlichen Anordnung von Körperpunkten (z. B. Kniebeuge: oberes Sprunggelenk, Kniegelenk, Hüftgelenk, Kopfmitte) sowie der Lastenposition. Analyse der Gelenkwinkel Analyse von Bezugspunkten in der Vertikalen (z. B. vertikale Linie durch Hüftgelenk) Analyse der Lastarme (äußere Drehmoment) Analyse der Gewichtskraft der Zusatzlast in Relation zum Körperschwerpunkt
Wie kann das spezielle Aufwärmen aufgebaut sein und welchen Zweck verfolgt es?
Nach dem allgemeinen Aufwärmen ist der Körper auf "Betriebstemperatur". Die beteiligten Muskelgruppen und Gelenkstrukturen sind jedoch nur unzureichend erwärmt und vorbereitet. Im Krafttraining können z. B. mit wenig Gewicht (z. B. 50 % des Arbeitsgewichtes) ein bis zwei Vorbereitungssätze mit ca. 10 bis 12 Wiederholungen durchgeführt werden.
Was versteht man unter "TUT"?
Zur exakten Beschreibung des Bewegungstempos hat sich in der Praxis eine Angabe der TUT ("time under tension" bzw. Zeit unter Spannung) sowohl für einen Satz als auch für eine Wiederholung etabliert. TUT von 2/0/2 (langsam) oder TUT 1/0/1 (zügig) für Trainingsbeginner TUT von 3/0/x oder TUT 2/0/x für leistungsorientierte Kraftsportler
Welche Vorteile (5) bietet ein Krafttraining über die vollständige physiologische Bewegungsamplitude?
vielschichtige multidirektionale Aufbaureize der passiven Strukturen des Bewegungssystems Zunahme der Muskelkraft im gesamten Bewegungsbereich Verbesserung der Koordination und somit erhöhte Alltagsbelastbarkeit verbesserte Beweglichkeit optimale Schutzfunktion in den Gelenkendstellungen
Welche Gefahren (6) drohen bei einer forcierten Pressatmung im Krafttraining?
Beeinträchtigung des venösen Rückstroms auf Grund eines erhöhten intra-thorakalen Druckes Abfall des HMV auf bis zu 55% Verringerung des SV um bis zu 70% Abnahme der Herzdurchblutung um etwa 45% Kollaps auf Grund zerebraler Mangeldurchblutung möglich (verminderte Hirndurchblutung) bei Personen mit Arteriosklerose (jeder zweite 50-Jährige hat statistisch einen auffälligen Gefäßbefund) kann eine forcierte Pressatmung eventuell Herzrhythmusstörungen, Gefäßschädigungen oder gar Infarkte provozieren.