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Psychiatrie1 (Subject) / Kinder- und Jugendpsychiatrie (Lesson)

Allgemein

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  • Häufigste psychische Störungen im Jugendalter - Angststörungen - ADHS - Störung des Sozialverhaltens - Depression - Spezifische Lernstörungen
  • Suizid - häufigste Todesursache bei Jugendlichen - zweithäufigste Todesursache bei Kindern nach Unfällen
  • Beispiele aus der Entwicklungspsychologie 1. Regulationsstörungen--> Schlafen, Essen, Schreien, Interaktionsstörung 2. Autismus, oppositionelles Trotzverhalten 3. ADHS, Ausscheidungs-Störung, Depression, Angst, Zwang, Tic-Störungen 4. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Psychosen, affektive Störungen (v.a. Depression)
  • Hirnentwicklung Imbalance zwischen früher reifenden subkortikalen Hirnarealen (ventraler Striatum und Amygdala) und später reifendem Präfrontalkortex
  • Multiaxiales Klassifikations-System Achse 1: Klinisch-psychiatrische Erkrankung Achse 2: Umschriebene Entwicklungsstörung Achse 3: Intelligenzniveau Achse 4: Körperliche Erkrankung Achse 5: Abnorme psychosoziale Umstände
  • Sprachstörungen - Artikulationsstörungen (Aussprache)--> Lispeln = Sigmatismus--> Einzelne Laute nicht richtig ausgesprochen = Rhotazismus - Expressive Sprachstörungen (Sprachausdruck: Grammatik, Satzbau, Wortschatz) - Rezeptive Sprachstörungen (Sprachverständnis)
  • Frühsymptome verzögerter Sprachentwicklung - auffälliges Schreien - kaum/kein Lallen bis zum 10-11. Lebensmonat - erste Worte deutlich nach 1. Geburtstag - Wortschatz <50 Worte mit 2 Jahren Ein 2-Jähriger, der noch nicht spricht, sollte fachlich abgeklärt werden!
  • DD: Sprachentwicklungsstörung - Normale "Spätentwickler" - Taubheit - niedriges IQ - neurologische Erkrankung
  • Bildgebung LRS (Legasthenie) Funktionell:- mehr und weniger Aktivierung  Strukturell:- weniger graue Substanz- Veränderte Integrität der weissen Substanz Beste Vorsage: Verhalten + EEG + fMRIPrädiktionswert: 86%
  • Schizophrenie-Einteilung im Jungendalter EOS (early onset schizophrenia): Beginn unter 19 Jahren VEOS (very early onset schizophrenia): Beginn unter 13 Jahre
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  • Schizophrenie im Jugendalter - Klinik Kinder:- optische Halluzinationen sind häufiger- Körper- und Geruchshalluzinationen- Störungen der Psychomotorik VEOS > EOS- Katatonien sind häufiger- Kinder haben deutlich schlechteren Verlauf Jugendliche: weitgehend mit Erwachsenensymptomatik übereinstimmend - Negativ-Symptome sind häufiger als bei Erwachsenen
  • Risikofaktoren Depression (Mädchen) - Introversion - sehr früher oder später Pubertätseintritt - Unzufriedenheit mit eigenem Körperbild - sexueller Missbrauch - restriktivere soziale Lebenserwartungen
  • Besonderheiten bei Depressionen im Jugendalter - häufiger starke Reizbarkeit - stärkere Stimmungslabilität - häufiger Rapid-Cycling - Antriebsarmut "verdeckt" durch verweigerndes Verhalten - Nicht selten Kombination mit Störung des Sozialverhaltens und Aggressivität - erschwerte Unterscheidung von "Pubertätskrisen"
  • Depression und Cortisol Erwachsene:- genereller Hypercortisolismus- reduzierte Tagesschwankungen des Cortisolspiegels Jugendliche:- kein genereller Hypercortisolismus- abendlich erhöhter Cortisolspiegel Jugendliche und Erwachsene:- reduzierte Suppresion der Hypothalamisch-Hypophysär-adrenergen Achse bei Dexamethason-Gabe
  • Depression bei Jugendlichen - Psychopharmakotherapie SSRI- Fluoxetin (Zieldosis 20-60 mg)- Sertralin (Zieldosis 50-150 mg) NSRI (bei Kindern nicht empfohlen)- Venlafaxin  NaSSA (noradrenerge und serotonerge Antidepressiva)- Mirtazapin (bei Schlafstörungen) TCAs (bei Kindern nicht empfohlen)- Clomipramin- Imipramin Johanniskraut
  • Autismus (ICD-10) 1. Qualitative Auffälligkeit der sozialen Interaktion 2. Qualitative Auffälligkeit der Kommunikation und der Sprache 3. Repetitives, restriktives und stereotypes Verhalten 4. Auftreten der Störung vor dem Alter von 3 Jahren
  • Essstörungen - Indikation für stationäre Behandlung - schwerer und schneller Gewichtsverlust - Körperliche Komplikationen - Erfolglose ambulante Behandlung - Exzessives Erbrechen - Suizidalität - Eskalierende oder die Heilung verunmöglichende familiäre Situation
  • ADHS - Definition - situationsübergreifend - Dauer >6 Monate - Beginn vor dem 12. Lebensjahr - Leiden/Beeinträchtigung
  • AHDS Pharmakotherapie - UAW - Appetitminderung - Kopf- und Bauchschmerzen - Schwindel - Puls- und Blutdruckerhöhung - Schlafstörungen Selten: depressive Verstimmung, Tic-Störungen, Konvulsionen, Blutbildveränderungen
  • Atomoxetin - Selektiver Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI) - Wirkung 24 h - Nicht betäubungsmittelpflichtig - Kein Abhängigkeitspotential Indikation bei Komorbiditäten: Tic-Störungen und Angst-Störungen
  • ADHS - Knaben 2x mehr als Mädchen Ätiologie: 70% Erblichkeit- Risikofaktoren: Dopamin-Transporterdichte erhöht, copy-number-variants (CNV), Rauchen und Alkoholkonsum der Mutter Kardinalsymptome: - Unaufmerksamkeit- Hyperaktivität- Impusivität Diagnostik:- verzögerte Entwicklung der kortikalen Dicke- Verlangsamung (Unteraktivierung) im EEG  Therapie: Methylphenidat, Atomoxetin (SNRI)
  • ADHS bei Erwachsenen ≥ 17-jährig - Schwellenwert der Symptome (≥5/9 Aufmerksamkeit, ≥5/9 Hyperaktivität/Impulsivität) - Beginn der Symptomatik ≤ 12-jährig - Behinderung in mindestens 2 Lebensumständen
  • Multiaxiales Klassifikationsschema - Achse II Umschriebene Entwicklungsstörungen - Lese-Rechtschreibstörung (LRS)- Dyskalkulie- Artikulationsstörungen- expressive und rezeptive Sprachstörung- motorische Entwicklungsstörungwenn nicht veursacht durch Achsen I, III-V
  • Tourette-Syndrom Tic-Störung - multiple motorische + mindestens ein vokaler Tic- Beginn vor dem 18. Lebensjahr- Dauer > 1 Jahr
  • Rett-Syndrom - ausschliesslich bei Mädchen Klinik:- unauffällige Entwicklung in den ersten 6-18 Lebensmonaten- autistische Züge, Sprachverarmung- stereotyp wringende und knetende Handbewegungen- Verlust bereits erlernter feinmotorischer Fertigkeiten- Minderwuchs mit verlangsamtem Kopfwachstum- epileptische Anfälle
  • Asperger-Syndrom - M:F 9:1 Klinik:- Beginn im 2-5 Lebensjahr- Intelligenz durchschnittlich bis überdurchschnittlich- mangelnde Empathiefähigkeit- bei Kindern fehlendes Verständnis für Rollenspiele ("so tun als ob")- fehlender Sinn für Humor- meist feinmotorische Beeinträchtigungen - im Verlauf gehäuftes Auftreten von Angst-, Zwangs- und Tic-Störungen
  • Frühkindlicher Autismus = Kanner-Syndrom - M:F 3:1 Klinik:- Beginn vor dem 3. Lebensjahr- ausgeprägte Kontaktstörung (Abkapselung, Mitmenschen wie "nicht existent", kein Blickkontakt)- verlangsamte Sprachentwicklung- eigentümliches Sprechverhalten (Echolalie, Neologismen)- meist reduzierte Intelligenz
  • Ängste, die zur Schulverweigerung führen Schulphobie: Trennungsangst Schulangst: Angst vor der Schule, Leistungsdruck, Mobbing Soziale Phobie: häufiges Auftreten schon im Kindes- und Jugendalter
  • Tic-Störungen Unwillkürliche, schnelle, plötzliche, arrhythmische, oft stereotype Bewegungen (motorisch oder vokal)- Knaben > Mädchen, v.a. Grundschulalter - können für Minuten bis Stunden willentlich unterdrückt werden- im Schlaf mildern sich die Symptome ab- nehmen an Häufigkeit ab und dann wieder zu- alte Symptome können verschwinden und durch neue ersetzt werden- Oft leiden die Patienten nicht selbst unter den Tics, sondern unter Reaktion der Umwelt Vorübergehende Tic-Störung: vor dem 18. Lebensjahr und nicht länger als 1 JahrChronische motorische oder vokale (nicht beides): Beginn vor dem 18. Lebensjahr und länger als 1 JahrTourette-Syndrom: Multiple motorische und mindestens ein vokaler Tic, Beginn vor dem 18. Lebensjahr und länger als 1 Jahr Therapie: Verhaltenstherapie, Antipsychotika (Aripriprazol, Tiaprid, Risperidon)
  • Essstörungen - Risikofaktoren Biologische Faktoren:- Frau sein- Essstörung oder Übergewicht in der Familie- Infektionen- Depression oder Substanzabhängigkeit in der Familie- Perinatale Komplikationen (erhöhen nicht das Risiko für Depression oder Angststörungen!) Persönlichkeit:- Perfektionismus- Niedriges Selbstwertgefühl- Ängstliche oder zwanghafte Persönlichkeitsstörung- Emotionale Gehemmtheit Kritische Erfahrungen:- Traumas- Diäten in der Familie- Kritisches Klima gegenüber Gewicht, Essens, Körper, Aussehen
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  • Essstörungen - Körpersymptome - trockene, schuppende Haut- gelbliches Kolorit- brüchige Nägel- Lanugobehaarung- Haarausfall- Acrocyanose- Cutis marmorata- Ödeme/Dehydratation- Pneumothorax (Anorexia nervosa) Bei Erbrechen:- Speicheldrüsenschwellung- Zahndefekte, Karies- Heiserkeit- Aspirationspneumonie
  • Umschriebene Entwicklungsstörung - Störung im Erlernen der motorischen, sprachlichen und schulischen Fähigkeiten- Beginn im Kindesalter- Verknüpfung mit Hirnreifung- stetiger Verlauf- nicht begründet durch Intelligenzminderung, Erkrankung oder Deprivation Bespiele:- Artikulationsstörungen: Stigmatismus (Lispeln), Rhotazismus (Einzelne Laute können nicht ausgesprochen werden)- Expressive Sprachstörung (Grammatik, Satzaufbau, Wortschatz)- Rezeptive Sprachstörung (Sprachverständnis)
  • Sprachentwicklungsstörung Prävalenz: 6-8%, Jungen:Mädchen 2-3:1 Frühsymptome:- auffälliges Schreien- kein Lallen bis zum 10-11 Monat- erste Worte deutlich nach 1. Geburtstag- Wortschatz <50 Wörter mit 2 Jahren Ein 2-jähriger, der nicht spricht, sollte fachlich abgeklärt werden
  • Schulphobie = TrennungsangstAngst vor der Trennung von den Bezugspersonen, keine Angst vor der Schuld - häufige Schulverweigerung mit Wissen der Eltern aber kein dissoziales Verhalten - Eltern können sich oft selbst schwer vom Kind trennen - ist Prädiktor für Panikstörung im Erwachsenenalter
  • Schulangst - extreme Angst vor Schulsituationen (Leistungsprobleme, Beziehungskonflikte mit Lehrern/Mitschülern, körperliche Stigmata, Mobbing) - Schulverweigerung um dortige Situation zu vermeiden - Den Eltern wird die Problematik oft verheimlicht
  • Tic-Vorbote - bei etwa 90% sensomotorische Vorgefühle - Stechen, Kitzeln, Jocken - Muskelverspannungen - Dies häufig an: Schulter, Kehlkopf, Magenbereich, Handflächen, Fussrücken
  • PANDAS = Pediatric autoimmune neuropsychiatric disorders associated with streptococci infections - may exacerbate Tic/Tourette's or OCD - choreiforme Bewegungen während der Symptomverschlechterung
  • Lese-Rechtschreibstörung - Prävalenz 4-7%- Knaben:Mädchen 2:1- vorkommen in allen sozialen Schichten - stark erhöhtes Risiko für psychologische Störungen (ca. 50%!) Prädiktion: Verhalten + EEG + fMRI