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Klinische I (Subject) / pS (Lesson)
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- Welche Normen gibt es? - sozial (Erwartung/Erwünschtheit) - subjektiv (Leiden) - funktional (Ausmaß der Funktionsbeeinträchtigung) - Störung = deutliche Abweichung von der Norm (umfassender gemeint als Krankheit) & weniger stigmatisierend
- Wie lautet die Definition für pS? - klinisch bedeutsames Verhaltens- oder psychisches Syndrom/Muster - mit momentanem Leiden oder Beeinträchtigung (Einschränkung in einem/mehreren wichtigen Funktionsbereichen) oder erhöhtem Sterberisiko einhergeht - verhaltensmäßige psychische oder biologische Funktionsstörung sollte unabhängig von ursprüngl. Auslöser bei Person beobachtbar sein
- Welche Krankheitsdefinitionen gibt es laut WHO und SGB V? WHOGesundheit = Zustand d. völligen körperlichen, geistigen & soz. Wohlbefinden SGB V keine Definition, Gesundheit = Abwesenheit von Krankheit
- Welche 4 Richtungen der soziolog. & humanistischen Perspektive gibt es? 1. Antipsychiatrie 2. Zuschreibung 3. Gestalt- & bioenergetische Therapie 4. Psychopathologie
- Was besagt die Antipsychiatrie? - Ursache d. Störung in Gesellschaft (Krankenrolle v. Gesellschaft für Person, somit Krankenrolle existent auch ohne Krankheit) - Defekt nicht in Person, sondern in gesellschaftlichen Prozessen --> Krankheitsmodell verliert seine Bedeutung
- Welche Rolle die spielt Zuschreibung bei der soziolog. & humanist. Perspektive? - Zuschreibung einer Diagnose → Krankenrolle (≠ Beschreibung eines realen Zustands) - meist bei Vertretern d. Familientherapie & interpersonellen Modellen benutzt - nur noch bei wenigen Störungen verwendet
- Was besagt die Gestalt- & bioenergetische Therapie? - Krankheitskonzept ignoriert - pos Formulierung: Störung als Wachstums- bzw. Reifestörung, bei der Umwelt Menschen daran hindert, best. Bedürfnisse zu befriedigen & Affekte auszuleben --> Resultat: „unabgeschlossene Gestalten“ führen zu fortschreitender Entfremdung
- Was besagt die Psychopathologie? - durchgesetzt in wiss. Psy & Forschung - Synthese mit kategorialen Modellen - Annahme: Kontinuität von normal zu abnormal --> psych. Störungen = Hemmungen/Steigerungen (=Abweichungen) normaler (abnormaler) psychischer Prozesse
- Wie sieht das Krankheitsparadigma nach Baumann & Perez, 2005 aus? Krankheitsursachen (neurobiologisch, psychologisch, Umfeltfaktoren) führen zu Krankheit (pathologische Veränderungen in Personen), die zu Kranksein (Symptome, Beschwerden, Befunden) führen, was zu Krankheitsfolgen (Krankenrolle, Einschränkungen des normalen Rollenverhaltens) --> alle Ebenen beeinflussen sich gegenseitig & können Verbesserung/Verschlechterung bringen
- Was ist Diagnose & Klassifikation? - Diagnostizieren = Feststellung v. Krankheit durch Fachmann/-frau o rechtliche Verankerung wichtig! - Psychotherapeutengesetz: Aufgaben für PP/KJP: Festellung, Heilung & Linderung psychischer Erkrankungen
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- Wie kommt man von Beschwerden zur Diagnose? Beschwerden, Klagen, Verhaltensweisen (physiolog., motor., soz., kogn., affektiv) Symptome/Befunde (ausgewählte spez. & explizit definierte Aspekte) Syndrom (=überzufällig häufige, theoretisch & empirisch sinnvolle Symptomkombi) Diagnose (Störung/Krankheit) (Einbeziehung von Zusatzkriterien: Beginn, Verlauf, Ausschlusskriterien)
- Was besagen Scoreverteilung & Schwellenwert? - Vergleich kontinuierliche vs. kategoriale Erfassung v. Symptomen - z.B. bei Depression: Beschwerden verteilen sich auf Score relativ breit gestreut - aber um klinisch relevant zu sein, muss ein bestimmter Schwellenwert überschritten werden - DSQ sensitives Screening-Instrument, weil sie 92% der wahren Krankheitsfälle erkennt - Validität strittig: nur momentaner Stimmungszustand und keine weiteren Symptome erfasst
- Welche Dimensionen & Kriterien gibt es bei der Diagnose? 1. Symptomatologie Art d. Symptome Konfiguration von Symptomgruppen, Syndrome 2. Zeit (Verlauf) Erkrankungsalter Tempo d. Erkrankungsbeginns (Akuität) Verlauf (intermittierend, chronisch) Dauer Ausgang 3. Ätiologie Disposition (genetisch, Persönlichkeitsstruktur) Auslösung (psychoreaktiv, somatisch, therapeutisch) Verlaufsbeeinflussung (morbogen (krankheitsbedingt), psychoreaktiv, sozial, therapeutisch) 4. Intensität (Schweregrad) meiste Kriterien wie bei 1-3 5. Sicherheit jedes Kriterium wie auf Dimensionen 1-3 verbale Diagnose kodierte Diagnose
- Welche allgemeinen Aufgaben hat die klassifikatorische Diagnostik? - Klassifikation - Diagnose - Differentialdiagnostik (Abgrenzung von anderen) - Erklärung - Indikation - Prognose - Begründung & Rechtfertigung (für Maßnahmen) - institutionelle Zuweisung (wo soll was gemacht werden?) - Evaluation - Qualitätskontrolle & -sicherung - Dokumentation - grobe Interventionszuweisung
- Welche Hauptpunkte der systematischen Beschreibung gibt es? - Alter bei Beginn - familiäre Häufung - Verlauf - Differenzialdiagnose - Behinderungen - prädisponierende Faktoren - Prävalenz - Geschlechtsverteilung
- Was ist Klassifikation? Diagnose = Einordnung in ein Klassifikationssystem, meist mit Schweregrad-Bestimmung & deren Kodierung
- Welche üblichen Klassifikationssysteme gibt es? DSM 5:deskriptivmultiaxial eher Forschungsinstrument ICD-10:unter F: psychische Störungeneine Achse für Krankenkassen wichtiger, weil alle Krankheiten enthalten sind
- Wie sieht die Codierung d. ICD-10 aus? F - einstellig - Hinweis auf pS Fa - 2stellig: Hauptkategorie - umfasst versch., als zusammengehörig betrachtete Störungen - F4, F5, F2 Fab - 3stellig: Kategorie - einzelne Störungseinheiten - F40: phob. Störungen, F14: pS durch Kokain Fab.c - 4stellig: Subkategorie - Spezifikation u.a. aufgrund inhaltl. Gestaltung (z.B. Art d. Phobie) oder Schweregrad - F40.0 Agoraphobie, F 32.0 leichte depr. Episode, F20.0 paranoide Schizophrenie Fab.cd - 5stellig: Zusatz-spezifikationen - Spezifikation u.a. aufgrund v. Verlauf, somatischer Syndromatik, inhaltlicher Gestaltung - F40.00 Agoraphobie ohne PS, F40.01 Agoraphobie mit PS Fab.cde - 6stellig: Zusatzspezifikation - nur bei einigen Störungsgruppen (z.B. Sucht, BPS) zur Zusatzspezifizierung verwendet - F14.241 Sucht v. Kokain bei ggwärtigem Substanzgebrauch mit körperl. Symptomen
- Wie ist der ICD-10 aufgebaut? - F00: organische einschließl. symptomatischer pS - F10: Abhängigkeit / psychische & Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen - F20: Schizophrenie, schizotype & wahnhafte Störungen - F30: affektive Störungen - F40: neurotische, Belastungs- & somatoforme Störungen / Ängste - F50: Essstörungen, Schlafstörungen - F60: Persönlichkeitsstörungen (PkS) / Verhaltensstörungen - F70: Intelligenzminderung - F80: Entwicklungsstörungen - F90: Verhaltens- & emot. Störung mit Beginn in Kindheit & Jugend
- Was ist der DSM? Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders d. APA) - amerikanisches, seit 1980 multiaxiales System für psychische Erkrankungen - derzeit DSM 5 - in Forschung wg. Komplexität & weitergehenden Operationalisierung vorgezogen
- Welche Zielsetzungen hat das DSM-System? - anwendbar für alle Gesundheitsberufe - verbindlich für alle „Schulen“ - eindeutige Nomenklatur - Reliabilität (Beurteilerkonsistenz) als Voraussetzung für verbesserte Forschung & klinische Validität - explizite deskriptive Kriterien - Mehrebenenansatz auf Symptomebene & Ablehnung von Terminologien mit Interpretationsspielraum - Neutralität in Hinblick auf ätiologische Theorien - Standardisierung (algorithmische Operationalisierung) diagn. Entscheidungen - Verbesserung d. Kommunikation zw. Forschung & Praxis - multiaxiale Struktur
- Wie sieht die multiaxiale Struktur des DSM aus? Achse 1 - klinische Syndrome Achse 2 - PkS, spez. Entwicklungs-störungen odd-cluster (paranoide PkS, schizoide PkS, schizotypische PkS) antisoziale PkS dramatic-cluster (Borderline-PkS, histrionische, PkS, narzisstische PkS) anxious-cluster (vermeidend-selbstunsichere PkS, dependente PkS, zwanghafte PkS) nicht näher bezeichnete PS geistige Behinderung stabile Faktoren Achse 3 - körperl. Störungen & Zustände Achse 4 - Schwere der psychosoz. Belastungsfaktoren- Probleme mit Hauptbezugsgruppen - Probleme mit sozialem Umfeld - Ausbildungs-/ berufliche Probleme - Wohnungsprobleme - wirtschaftliche Probleme - Probleme beim Zugang zu Einrichtungen d. Krankenversorgung - Probleme beim Umgang mit Rechtssystem bzw. Delinquenz - andere psychosoz. oder umgebungsbedingte Probleme Achse 5 - höchstes Niveau der sozialen Anpassung im letzten Jahr- Gesamtbeurteilung d. allg. Funktionsniveaus des Pat. - soll bei Therapieplanung, Messung d. Wirksamkeit & Prognosestellung helfen - Beurteilung anhand von Skala (0-100), unterteilt in 10 Funktionsniveaus
- WElche Kritik gibt es am DSM 5? - nicht eingelöstes Versprechen d. neurobiologischen Verankerung - für viele Störungen Schweregrade eingeführt: ist das wirklich notwendig bzw. sind sie wirklich relevant oder dienen sie nur der Struktur? - Fach-Konsens vs. Evidenzbasierung - politische Einflussnahmen - andere Interesseneinflüsse o Bsp: Autismusepidemie: aufgrund von anderen Diagnosekriterien inflationärer Anstieg an Autismusdiagnosen
- Was ist Ätiologie? (= Ursachenlehre) - Manuale gehen nicht drauf ein, aber für Behandlung schon wichtig - Kausalitätsmodelle - Unterschied: ursprüngl. Ursache – aufrechterhaltende Faktoren – therapeutische Möglichkeiten - multifaktorielle Bedingtheit im biopsychosozialen Krankheitsmodell - probabilistische Theorien statt deterministischer - Diathese-Stress-Modell bzw. Vulnerabilitätsstressmodelle als Orientierung in der Einzelfallbetrachtung