25

sozialstrukturanalyse (Subject) / 13- Lebensstile und Werte (Lesson)

--

This lesson was created by SOWI.

Learn lesson

Advertisement
  • Weiter Kuturbegriff alles vom Menschen Geschaffene, dasmenschliches Zusammenleben beeinflusst (im Gegensatz zu „Natur“)– u.a. Weltanschauungen, Religion, Wissen, Sprache, Institutionen, Staat,Technik, Bauwerke
  • enger Kulturbegriff gedankliche und symbolische Produkte derMenschen, die ihr Denken und Handeln beeinflussen, z.B.– Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetz, Sitte und übrige Fähigkeiten undGewohnheiten, die sich Menschen als Gesellschaftsmitglieder aneignen
  • Lebensweisen • Auf Grundlage der Kultur – aber auch in Abhängigkeit vom materiellHervorgebrachten (z.B. Lebensstandard) – entstehen„Lebensweisen“, also alltägliche Denk- und Verhaltensmuster.
  • Traditionale Gesellschaften : sozialer Zusammenhalt durch gemeinsameÜberzeugungen (Sprache, Religion). Es gibt dennoch viele lokale Traditionen.
  • Moderne Industriegesellschaften Werte orientieren sich am Diesseits, Religionverliert an Bedeutung (Säkularisierung). Werte/Normen mit universeller Gültigkeit (z.B. Menschenrechte); weniger Wert-, mehr Zweckrationalität; mehr Mobilität (räumlich und sozial); nationalstaatliche und arbeitsweltliche (Klassen und Schichten) Großkulturen; Soziale Beziehungen werden sachbetonter,emotionsloser und umfassen nicht mehr den „ganzen Menschen“.
  • Postindustrielle Gesellschaften teils Universalisierung (ähnliche Musikstile inder ganzen Welt), teils Pluralisierung der Kulturen/Lebensweisen (z.T.Wiederbelebung alter Differenzierungen, z.B. „Heimat“, Fundamentalismus)und neue kulturelle Unterschiede (Lebensstile, „Szenen“ etc.); Werte derSelbstverwirklichung breiten sich aus, mehr Freiheit bei Wahl derLebensführung, Lebensweisen orientieren sich weniger an Arbeit, mehr anFreizeit und Konsum
  • Traditionelle vs moderne Lebensweise; Georg Simmel Georg Simmel (1858-1918): Mensch im Schnittpunkt sozialer Kreise– Im Laufe der Modernisierung gehört der Einzelne immer mehr und immerverschiedeneren sozialen Kreisen.– Traditionelle Gesellschaft: konzentrische Kreise (Nation, Beruf), der engsteKreis bedeutet die Zugehörigkeit zu den weiteren Kreisen– Moderne Gesellschaften: Viele und nebeneinander liegende Kreise– Im Schnittpunkt sozialer Kreise bildet sich Individualität (Einzigartigkeit undSelbstbestimmung der Person) Jedem dieser Kreise (vgl. soziale Rollen)ist der Einzelne immer weniger verpflichtet, er gehört ihnen nur mitAusschnitten seiner Person an
  • Moderne vs traditionele Gesellschaft , Norber Elias Norbert Elias (1897-1990): Der Prozess der Zivilisation– Menschen sind in gesellschaftliche Strukturen (Figurationen) eingebunden– Zunahme der Funktionsteilung; Ketten sozialer Beziehungen, denenIndividuen angehören, werden länger und vielfältiger,– Es wachsen Verantwortung und Folgen des Handelns– Spontaneität, unberechenbare Affekte, leidenschaftliches Handelnnehmen daher ab; Emotionen werden immer häufiger zurückgehalten,soziale Kontrolle und Selbstkontrolle nehmen zu;– Kritik: moderne Menschen sind nicht „zivilisierter“ (vgl. Kriege,Völkermorde im 20. Jh.); soziale Kontrolle früher war größer als heute
  • Traditionelle vs moderne Gesellschaften, Parsons Talcott Parsons (1902-1979): Pattern variables• Pattern variables sind Orientierungsalternativen, zwischen denen sichIndividuen in modernen Gesellschaften entscheiden müssen:(1) Affektivität (unmittelbare Bedürfnisbefriedigung, z,B. Familie, Freunde) vs.affektive Neutralität (Bedürfnisbefriedigung durch affektiv neutrale Kooperation,z.B. Geschäftsleben)(2) Statuszuschreibung (z.B. Herkunft) vs. Leistungsorientierung (Status durcheigene Leistungen)(3) Partikularismus (der einzelne Mensch steht im Mittelpunkt) vs. Universalismus(Handeln „ohne Ansehen der Person“; Ärzte, Polizisten)(4) Diffuses vs. spezifisches Verhalten (Rollen- und Tätigkeitsvielfalt vs. sehrbegrenzte Aufgaben und Rollen)(5) Kollektiv- vs. Selbstorientierung• Erstgenannte Alternativen dominieren in traditionalen, die zweitgenanntenAlternativen in modernen Gesellschaften und treiben Modernisierung weiteran
  • • Pierre Bourdieu (1930-2002): Habitustheorie – Lebensgestaltung moderner Menschen je nach Klassenzugehörigkeit– Mit Klassenzugehörigkeit variiert das Kapital (ökonomisch, kulturell, sozial)– Je nach Klassenzugehörigkeit (Besitzbürgertum, Bildungsbürgertum,absteigendes, exekutives und neues Kleinbürgertum, Arbeiterklasse) gibtes Habitusformen (Denk-, Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster)- Arbeiterklasse: Kultur des Mangels- Kleinbürgertum: Streben nach sozialem Aufstieg, angestrengtes Bemühen, das„Richtige“ zu tun- Bürgertum: Kenntnis der „richtigen“ kulturellen Standards, Entwicklung eineseigenen Stils– Habitus prägt Verhalten im Alltag und kulturelle Vorlieben (Sport,Wohnungseinrichtungen, Kleidung, Speisen, bevorzugte Musik, Häufigkeitvon Museumsbesuchen u.v.m.), also Lebensstile
  • Advertisement
  • Klassenstruktur Klassenstruktur mit zwei Achsen: und Wahrnehmungsdispositionen- Gesamtvolumen des Kapitalseiner Person (vertikale Achse)- Zusammensetzung des Kapitals:Berufsgruppen, die vor allemkulturelles Kapital besitzen versussolche, die vor allem überökonomisches Kapital besitzen(horizontale Achse)
  • Habitus System von Verhaltens- und Wahrnehmungspositionen
  • Lebensstile Lebensstile und Geschmack habendie Funktion der sozialen Distinktion,also der symbolischen Abgrenzungzwischen Klassen
  • Lebensstile Lebensstile und Geschmack haben die Funktion der sozialen Distinktion,also der symbolischen Abgrenzung zwischen Klassen
  • Lebensstile und soziale ungleichheit Rössel Rössel kritisiert, dass bei der Definition von „Lebensstil“ häufig Explanansund Explanandum vermischt werden (Werte, Präferenzen, Verhalten etc.).• Er plädiert dafür, unter „Lebensstil“ typische Verhaltensmuster in denBereichen Freizeit und Konsum zu verstehen• Kulturelle Präferenzen sind Handlungsziele und erklären Lebensstile• Lebensstilforschung richtet sich im Gegensatz zur Ungleichheitsforschung– nicht auf die Ausstattung mit Ressourcen, sondern auf deren Nutzung– auf Handlungsspielräume, Individuen handeln auf Grundlage ihrer Präferenzen– auf eine eigene kulturelle Sphäre der Gesellschaft, die nicht ohne weiteres einesozialstrukturelle oder ökonomische Basis hat
  • Ronald F. Inglehart (1934-): Wertewandeltheorie • – Bedürfnishierarchie (Maslow): am wichtigsten materielleBedürfnisse, dann soziale und individuell-psychische Werte– Mangelhypothese: Menschen schätzen das am höchsten, was inihrer Umwelt knapp ist;– Also: Materielle Werteinstellungen bei Menschen, die im Krieg oderkurz danach ihre Jugend verbrachten– Sozialisationshypothese: persönliche Werte werden vor allem inder Jugend geprägt (formative Phase) und bleiben dannweitgehend stabil– Also: Anteil der Postmaterialisten nimmt mit zunehmendemWohlstand („Stille Revolution“) zu; in der Generationenfolge erfolgtein Wandel von materiellen zu postmateriellen Werten
  • Ronald F. Inglehart (1934-): Wertewandeltheorie,Kritik – Mögliche Auswirkungen des Wertewandels: SozialeBewegungen, neue Lebensformen, Geburtenrate,Frauenemanzipation– Kritik:- Wertewandel wurde empirisch belegt; kein Werteverfall,sondern Wertewandel- Aber: kein eindimensionaler Wandel von materiell versuspostmateriell (z.B. Hedonismus und Pflichtbewusstsein)- Eingeschränkte Geltung der Sozialisationshypothese- Stagnation des Wertewandels in den 1990er Jahren (z.B.Zunahme der Mischtypen)
  • Inglehart-Index • Zur Messung des Wertewandels bedient sich Inglehart 1970/71 derMethode eines Rangordnungsverfahren. Folgende Frage wurdedabei gestellt: „If you had to choose among the following things,which are the two that seem most desirable to you?“• Folgende politische Ziele standen zur Wahl:a) Maintaining order in the nationb) Giving the people more say in important political decisionsc) Fighting rising pricesd) Protecting freedom of speech• Das erste und dritte Ziel sind materialistischer, das zweite und viertepostmaterialistischer Natur.• Sechs Antwortkombinationen sind möglich. Ein Postmaterialistwürde sich für die Antwortkombination b/d entscheiden, einMaterialist für a/c. Andere Kombinationen sind Mischtypen.
  • Gibt es die Generation Golf? • These über Generationsunterschiede:– 68er-Generation: Forderung nach Ausweitung politischerPartizipationsrechte, gerechte Verteilung des Wohlstands, Schutz vonMinderheiten– Generation Golf: Karriere, Wohlstand, Sicherheit• Erklärungen:– Wandel der sozioökonomische Lebensbedingungen– Arbeitslosigkeit kann im Sinn der Mangelhypothese eine Bedrohung dermateriellen Grundbedürfnisse darstellen– Leistungseinschränkungen bei sozialer Sicherheit, Krise desWohlfahrtsstaates– Politischer Wechsel 1982/83: „geistig-moralische Wende“– Veränderungen des Generationenkonflikts: „68er“ hatten Konflikte mit Eltern(z.T. verantwortlich für Nationalsozialismus), Generation ab 1965 Konfliktemit (postmaterialistisch geprägten) Lehrern– keine gesellschaftlichen Alternativentwürfe nach Ende des Ost-West-Konflikts Generation Golf: 1965-1975; Anteil Postmaterialisten liegt nicht in vollem Umfang unter Anteil bei Vorgängergeneration
  • Postmaterialismus: empirisch großer Zulauf bei der Kohorte 1945-1959,starker Rückgang bis Mitte der 1990er Jahre; danachkeine Zunahme/Stagnation des Postmaterialismus Multivariate Befunde belegen:– Generation Golf ist die einzige Generation, bei der sich einAlterseffekt belegen lässt– Mit der Generation Golf beginnt die Abkehr vom Postmaterialismus– Die Generation 1976+ wendet sich noch stärker vomPostmaterialismus ab („Wandel des Wertewandels“)– Bei der Generation Golf lassen sich keine Bildungsunterschiedemehr nachweisen
  • Ulrich Beck (1944-): Individualisierungstheorie – Individualisierung: Zunahme an Wohlstand, Freizeit, Bildung u.a. führendazu, dass Menschen individueller handeln können und müssen,– Gefahr zunehmender Orientierungslosigkeit, daher suchen MenschenHalt in neuen Gemeinschaften, Lebensstilen u.ä.– Drei Dimensionen/Phasen der Individualisierung- Herauslösung aus historisch vorgegebenen Sozialformen (z.B. Familie,Herkunftsklasse, Gemeinde etc.) („Freisetzung“)- Verlust von traditionalen Sicherheiten (Handlungswissen, Glauben, Normen)(„Entzauberungsdimension“)- Neue Arten sozialen Einbindung („Kontroll- bzw. Reintegrationsdimension“)– Keine Änderung des Gefüges sozialer Ungleichheit, vielmehr ein„Fahrstuhleffekt“, aber Auflösung schichtspezifischer Kulturmuster,Mentalitäten etc.
  • Ulrich Beck (1944-): Individualisierungstheorie kritik – Gegenentwurf zur Habitustheorie von Bourdieu– Kritik: Unklarer Individualisierungsbegriff, subjektiver und bewussterVorgang?– Schichttheoretiker argumentieren, dass es keine „Entstrukturierung“gegeben hat, eher ein Wandel/Differenzierung der Klassen- undSchichtstruktur– Kein bedeutsamer Anstieg der sozialen und räumlichen Mobilität– Geschlossenheit früherer Klassen- und Schichtstrukturen wirdüberschätzt
  • George Ritzer (1940-): globale McDonaldisierung – Gegenentwurf zu bisher dargestellten Theorien: Kulturen der Weltwerden immer homogener, da sich US-Kultur des Massenkonsumszunehmend verbreitet („McDonalds“ als Modellfall),– Gründe für die Entwicklung: die Rationalisierung nimmt zu (d.h.mehr Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit, Kontrolle)– Menschliches Handeln wird verläuft in standardisierten Bahnen(wie bei McDonald) und wird auf maschinenartige Tätigkeitenreduziert (auch Bürokratisierung: mehr Vorschriften, Regeln)– Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten:- sie wird durch wirtschaftliche Interessen begünstigt- Effizienz, Berechenbarkeit etc. sind selbst zu Werten geworden- Gesellschaftliche Entwicklungen fördern die McDonaldisierung(Doppelverdienerhaushalte, Mobilität, Massenmedien etc.)
  • Samuel Phillips Huntington (1927-2008): Kampf der Kulturen – Modernisierung bewirkt, dass Schwellen-/Entwicklungsländer zu ihrenursprünglichen Kulturen zurückkehren (also keine „McDonaldisierung“).Es wird ein Gegengewicht zur westlichen Moderne angestrebt– Es gibt sechs Kulturkreise, vor allem durch Religion bestimmt (führt zupolitischen Allianzen)- Chinesischer K. (Konfuzianismus, höchste wirtschaftliche Wachstumsraten)- Japanischer K. (Schintoismus)- Hinduistischer K.- Orthodoxer K.- Westlicher K. (jüdisch-christlich, dominiert noch, befindet sich imNiedergang)- Islamischer K. (schätzt moderne materielle Güter, lehnt aber kulturelleVerwestlichung ab)– Es entstehen Konflikte und Kämpfe zwischen Kulturkreisen
  • Lebenstile Geißler Unter Lebensstil wird ein relativ stabiles, regelmäßigwiederkehrendes Muster der alltäglichen Lebensführungverstanden – ein ‚Ensemble‘ von Wertorientierungen,Einstellungen, Deutungen, Geschmackspräferenzen,Handlungen und Interaktionen, die aufeinander bezogen sind(…)“.• Nach Geißler sind Lebensstile– bereichsübergreifend mit Schwerpunkt im Freizeit- undKonsumbereich,– expressiv-ästhetische Orientierungen,– dadurch charakterisiert, dass sie Individuen einen ‚subjektiven Sinn‘vermitteln,– identitätsstiftend und distinktiv. Sie schaffen kollektive Identitäten.