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sozialstrukturanalyse (Subject) / Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsdynamik (Lesson)
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- Bevölkerungsbestand Man unterscheidet zwischen der Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung und derBevölkerung in Privathaushalten. Bei letzterer kann es zu Mehrfachzählungenkommen und Personen in Gemeinschaftsunterkünften werden nicht mitgezählt.Daher verwendet man die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung (Pötzsch 2016:92 f.):– Bevölkerung Deutschlands = alle Einwohner, die mit ihrer Hauptwohnung in derBundesrepublik Deutschland gemeldet sind, auch hier gemeldete Ausländer(„Wohnbevölkerung“, Huinink/Schröder 2014: 46).- Nicht zur Bevölkerung gehören: Ausländische Stationierungsstreitkräfte sowieausländische diplomatische/konsularische Vertretungen und ihreFamilienmitglieder.- Der Bevölkerungsbestand wird zwischen Volkszählungen durchBevölkerungsfortschreibung errechnet (dabei wird auch dasAusländerzentralregister genutzt).- Zuletzt wurde im Jahr 2011 ein Zensus durchgeführt (Stichtag 9.5.2011), dabeiwurden Register- und Verwaltungsdaten zusammengeführt, nur ein Teil derBevölkerung wird befragt (sogenannte gemischte Methode).
- Berechnung der Bevölkerungsbestandes • Pt = Bt-1, t - Dt-1, t + It-1, t - Ot-1, t + Pt-1, mitB (births): Geburten zwischen t-1 und t,D (deaths): Todesfälle zwischen t-1 und t,I (inmigration): Einwanderungen zwischen t-1 und t undO (outmigration): Auswanderungen zwischen t-1 und tPt-1 (population): Bevölkerungsbestand am Ende des Vorjahres
- Bevölkerungsfortschreibungen – werden auf Grundlage des Zensus 2011 vorgenommen,– auf Grundlage dieser Ausgangsbestände werden jährlich dieGeburten und Zuzüge addiert, die Sterbefälle und Fortzügesubtrahiert.
- koordinierte Bevölkerungsvorrausberechnung Basis: Bevölkerungsbestand am 31.12.2013, beruht aufBevölkerungsfortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011• Beschreibt wie sich Bevölkerungszahl und -strukturen unter bestimmtenAnnahmen („Varianten“) bis 2060 entwickeln würden• Unsicherheit von Bevölkerungsvorausberechnungen - Daten beruhen auf Bevölkerungsfortschreibungen (letzte Volkszählung fand 1987 inWestdeutschland und 1981 in der DDR statt, Zensus 2011 Volkszählung nur imeingeschränkten Sinn).- Unerwartete „historische Ereignisse“ können demographische Entwicklungenverändern
- Bevölkerungsentwicklungen DDR als einziges Industrieland, das durchgängigBevölkerungsverluste erfahren hat Bevölkerung nimmt nach 2013 je nach Nettozuwanderungnoch fünf bis sieben Jahre zu, danach nimmt sie ab 2060: vermutlich nurnoch 67-73 Mio.
- Erster demographischer Übergang Phase 1:Hohe Geburten- undSterbeziffernPhase 2:Rückgang derSterblichkeit, vor aller derKindersterblichkeit, daherVerjüngung der BevölkerungPhase 3:Geburtenrückgang,Alterung der BevölkerungPhase 4:Fortsetzung der Alterung biszum Ende des GeburtenrückgangsPhase 5:Offener Endzustand
- Theorien / Erklärungen zum ersten demogr. Übergang • „Erklärung“ durch Modernisierung: Technisierung, Industrialisierung, Steigerungvon Wohlstand und Bildung, „moderne“ Mentalitäten; aber: DemographischerÜbergang setzte in verschiedenen Ländern bei einem unterschiedlichen Grad derModernisierung ein • Mikroökonomische Erklärungen des Geburtenrückgangs:– Materielle Nutzen von Kindern sinkt als Folge von Sozialpolitik:- Verbot der Kinderarbeit, Schulpflicht, dadurch tragen Eltern die Kosten derAufzucht, ohne davon individuell zurechenbare ökonomische Vorteile zu haben;- Einführung der Rentenversicherung, dadurch benötigen Männer und Frauenweniger Unterstützung durch Kinder– Kosten von Kindern nehmen zu (Erziehung, Ausbildung; Opportunitätskosten)– Emotionaler/psychischer Nutzen von Kindern auch durch weniger Kinder erreichbar • Soziologische Theorien des Geburtenrückgangs: Wandel von Werten u. Normen• Sterblichkeitsrückgang durch– Medizinischen Fortschritt– Sanierung der Städte– Ausreichende Ernährung der Kinder– Arbeitsschutz, Unfallverhütung etc.
- 2. demographischer Übergang – Geburtenrückgang seit den 1960er Jahren unter dasReproduktionsniveau (van de Kaa, Lesthaeghe); Geburtenrate fälltdauerhaft unter die Sterberate– globaler Geltungsanspruch, aber unterschiedliche Bedingungen fürersten und zweiten demographischen Übergang– Gründe für den zweiten demographischen Übergang, u.a.:- Karriereziele von Männern und Frauen werden durch hoheOpportunitätskosten der Elternschaft behindert- Instrumenteller und finanzieller Nutzen von Kindern geht weiterzurück, emotionaler/psychischer Nutzen von Kindern ist miteinem oder zwei Kindern realisierbar- Wertewandel (Postmaterialismus)
- sexualproportion In allen menschlichen Populationen werden mehr Jungen als Mädchengeboren.• Sexualproportion γ = Pm/ Pf · c– Pm Umfang der männlichen Bevölkerung– Pf Umfang der weiblichen Bevölkerung– c Konstante (z.B. 100)• Die Sexualproportion der Lebendgeborenen (sekundäreSexualproportion) gilt als eine „Konstante“, sie schwankt zwischen 102und 108 mit einem Mittelwert zwischen 105 oder 106.• Es wird einerseits vermutet, dass bei der Befruchtung dieSexualproportion deutlich höher liegt als bei der sekundärenSexualproportion. Andererseits weisen nach Pötzsch neuere Befundeauf ein Verhältnis von 1:1 hin. Während der Schwangerschaft kommtes zu geschlechtsspezifischen spontanenSchwangerschaftsabbrüchen.
- Alterung der Bevölkerung • Zunahme des Anteils älterer Menschen im Vergleich zum Anteil der jüngeren Menschen• Maße des Alters der Bevölkerung– Mittleres Alter der Bevölkerung– Anteil der über 60- oder 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung– Altenquotient: Verhältnis der über 60- oder 65-Jährigen zu den 20- bis 60- bzw. 64-Jährigen ab 2040 geht die Alterung der Bevölkerung wieder zurück • Wichtiger Aspekt des demographischen Wandels ist die Alterungder Bevölkerung– Universalität: In allen Weltregionen altert die Bevölkerung; in vielenEntwicklungsländern altert die Bevölkerung sogar schneller als in denentwickelten Ländern– Beschleunigung: Die Alterung wird sich in den nächsten Jahrzehntenbeschleunigen; besonders rasch nimmt die Zahl der Hochbetagten zu– Unumkehrbarkeit: Alterung der Bevölkerung ist kurzfristigunumkehrbar.
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- alterung der bevölkerung, soz. sicherung • Generationenvertrag: dem Umlageverfahren im Rentensystem fehlt zunehmenddie demographische Basis, weil immer weniger Erwerbstätige immer mehrRentner finanzieren müssen.– Rentenbezugsdauer hat sich in den letzten 50 Jahren von knapp 10 auf18,5 Jahre (2010) fast verdoppelt– Zuwachs an Pflegefällen– Prekäre Beschäftigungsverhältnisse resultieren in Altersarmut• Mögliche Maßnahmen:– Private Altersvorsorge („Riester-Rente“)– Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit– Förderung der Arbeitsmigration– Verkürzung der Schul- und Studienzeiten– Anhebung der Regelaltersgrenze
- Analysen der demogr. Prozesse Demographische Ereignisse und demographischer Wandelkönnen aus zwei Zeitperspektiven betrachtet werden:– Querschnitts- oder Periodenbetrachtung: Ereignisse (z.B.Geburten) werden in einem bestimmten Kalenderjahr („Periode“)gezählt– Längsschnitt- oder Kohortenbetrachtung: Beobachtung vonEreignissen über mehrere Kalenderjahre hinweg innerhalb einerGeburtskohorte.
- Kohorten • Eine Kohorte ist eine Bevölkerungsgruppe oder soziale Einheit,die ein bestimmtes Ereignis in demselben Zeitintervall erfahren.• Kohorten können durch zwei spezifische Kombinationen vonEreignis und Zeitachse auf je zwei Aggregatebenen konstruiertwerden.– Kohorten werden durch bestimmte individuelle Ereignisse gebildet,die in dasselbe historische Zeitintervall fallen. Beispiel: IndividuellesEreignis ist Geburt, historisches Zeitintervall ist ein Kalenderjahr(Geburtskohorte).– Kohorten werden durch historische Ereignisse konstruiert, die eineBevölkerungsgruppe in demselben Alter erlebt. Beispiel:Historisches Ereignis ist der Fall der Mauer, individuellesZeitintervall ist das Alter von 15 bis 20 Jahren (Begriff derGeneration).
- lexis diagramm • Querschnittsbetrachtung (vertikale Schläuche): Wie wurde die gesamte Bevölkerung vonder Wende betroffen (Periodeneffekte)?• Längsschnitt- oder Kohortenbetrachtung (diagonale Schläuche): Entwicklungen ein undderselben Geburtskohorte über die gesamte Altersspanne (Kohorteneffekte)• Altersbetrachtung (horizontale Schläuche): Was geschieht in einer bestimmten Altersgruppein verschiedenen Geburtskohorten und in unterschiedlichen Kalenderjahren (Alterseffekte)?
- Einfluss der Kohortenstärke • Easterlin (Birth and Fortune, 1980):– „kleine“ Kohorten sind ökonomisch im Vorteil, gründen relativfrüh Familien, bekommen viele Kinder– Die Kindergeneration ist dann wieder relativ „groß“ und istökonomisch benachteiligt, gründet spät eine Familie mitgeringer Kinderzahl usw
- Ausländer / Dt. Ausländerinnen und Ausländer sindPersonen, die nicht Deutsche im Sinne desArtikels 116 Absatz 1 des Grundgesetzessind. Dazu zählen auch Staatenlose undPersonen mit ungeklärterStaatsangehörigkeit. Ausländer können inDeutschland geboren oder zugewandertsein.GG § 116 (1) Deutscher im Sinne diesesGrundgesetzes ist vorbehaltlichanderweitiger gesetzlicher Regelung, wer diedeutsche Staatsangehörigkeit besitzt oderals Flüchtling oder Vertriebener deutscherVolkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatteoder Abkömmling in dem Gebiete desDeutschen Reiches nach dem Stande vom31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat.Man erwirbt die deutscheStaatsangehörigkeit durch:- Geburt (bei einem deutschen Elternteil)- Adoption- Einbürgerung- u.a.
- Migrationshintergrund Zu den Personen mitMigrationshintergrund gehören dieausländische Bevölkerung – unabhängigdavon, ob sie im Inland oder im Auslandgeboren wurde – sowie alleZugewanderten unabhängigvon ihrer Nationalität. Daneben zählen zuden Personen mit Migrationshintergrundauch die in Deutschland geboreneneingebürgerten Ausländer sowie eineReihe von in Deutschland Geborenen mitdeutscher Staatsangehörigkeit, bei denensich der Migrationshintergrund aus demMigrationsstatus der Eltern ableitet.Im Jahr 2013 lebten 15,9 MillionenMenschen mit Migrationshintergrund imengeren Sinn in Deutschland. Diesentspricht 19,7 % der Wohnbevölkerung,davon hatten 11,3 % die deutsche und 8,5% eine ausländische Staatsangehörigkeit.