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Wirtschaftsgeschichte (Subject) / 2. Nachkriegswirren und Inflation (Lesson)

1918 - 1923

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  • Erläutern Sie knapp, wie der Erste Weltkrieg finanziert wurde Vier Typen der Kriegsfinanzierung: 1. „Kriegsschatz“2. Steuererhöhungen3. Kriegsanleihen4. Verschuldung des Staates bei Zentralbank („Geldschöpfung“) Modifikation der Reichsbankverfassung von 1875 durch die „Währungsgesetze“ vom August 1914 (Abkehr vom Goldstandards) 1. Aufhebung der Goldeinlösepflicht der Reichsbank 2. Lockerung der Notendeckungsvorschriften   zuvor: Deckung durch a) Gold und b) ordentliche Handelswechsel  jetzt:  Einbezug von c) Schatzanweisungen und Darlehenskassenscheinen in die Notendeckung  i) Gründung von Darlehenskassen: Ausgabe von Darlehenskassenscheinen gegen Verpfändung von Waren und Wertpapieren (z.B. Kriegsanleihen)  ii) Staat kann zur Deckung der Geldumlaufmenge notwendige Wertpapiere selbst schaffen  -> de facto: Zugriff des Staates auf die „Notenpresse“
  • Vor welchen Problemen stand die junge Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg? Revolution von 1918 hatte weniger revolutionäre, sondern eher bürokratische Seite. => Zwar wurde die konstitutionelle Monarchie durch das Aufrufen der Republik abgelöst, die  Veränderungen waren allerding nicht sehr radikal => 19.1.1919 : Willhelm ll dankt ab, nur relativer Neubeginn => Staatssystem: parlamentarisch-demokratisches Staatssystem Wirtschaftssystem: marktwirtschaftliche entscheidende politische Kraft: Sozialdemokraten Prinzipien:  1. Gemeinwirtschaftliches Konzept + bürokratische Kontinuität 2. Korporatistische Seite: durch Hilfsdienstgesetzt eingeleitete Annäherung von Gewerkschaften und Unternehmerverbänden bekam neue Qualität Unternehmer: bedroht von Staatsverwaltung, die mit bürokratischen Lenkungsmethoden ihre Freiheit in der Übergangsphase einengen wollte Revolutionäre Arbeiterbewegung, die das kapitalistische System grundsätzlich in Frage zu stellen schien.  Sahen in Gewerkschaften einen PArtner, der radikale Kräfte in Bahnen lenken konnte Allianz zwische Gewerkschaften und Unternehmerverbände : November 1918 zu schriftliche Vereinbarung zwischen Spitzenverbänden: Stinnes-Legien Abkommen Allgemein:bürgerlich-liberale Wirtschaftsordnung im Vergleich zu der des kaiserreiches 1919: Erzberger: Steuerreform
  • Skizzieren Sie die Reallohnentwicklung 1914-1924. Nutzen Sie dafür die in der Vorlesungspräsentation abgebildete Tabelle aus Spoerer/Streb, S. 37. Beobachtungen 1914-1918 => Sinkender Reallohn1918 => Auf dem Vorkriegsniveau 1919 => Reallohn übersteigt  Vorkriegsniveau -> Eingliederung von Soldaten, Rüstungsarbeitern und Zugewanderten in die Friedensproduktion.  zur Erleichterung der Demobilmachung: öffentliche Aufträge in Milliardenhöhe an die Bau, metallverarbeitende und Textilindustrie + Bergbau (Reparationsforderungen) Notstandsarbeiten => durch Reichszuschüsse finanziert  Bahn + Post = Beschäftigungspolitik Arbeitsmarktpolitik => 8-h-Tag, 10% aller Arbeitsplätze von öffentlichen Geldern abhängig Bergbau massiv gefördert (Reparationsforderungen) Bis 1922 verblieb der Reallohn relativ konstant. 1922 und 1923 sank er dann deutlich ab. bis 1922: paralleler Anstieg von Lebenshaltungskosten und Nominallöhnen  ab 1922: explosionsartiger Anstieg der Lebenshaltungskosten ohne annähernde Entsprechung bei der Entwicklung der Nominallöhne 
  • Skizzieren Sie Phasen und Wendepunkte der „großen Inflation“. Es gibt keinen ununterbrochenen Preisanstieg zwischen dem Kriegsende und dem Währungszusammenbruch 1923. Der Eindruck, dass nach Kriegsende die Preise immer weiter nach oben gestiegen sing, trügt zunächst. Großhandelspreise, Lebenshaltungskosten und Außenwert machten gegenläufige Entwicklungen durch. Dabei gab es sogar eine vorübergehense Stabilisierung des Binnenwertes und des Außenwertes der MarkDie meisten Wendepunkte der kurzfristig auf-und Abwertung der Mark fallen mit markanten politischen Ereignissen zusammen, die entsprechend vertrauensstabilisierend oder –destabilisierend wirkten  1. Phase: 1914 – Halb 1919 => weitgehend verdeckte Inflation durch Höchstpreisvorgabe  1915:Petroleum, Butter, Milch, Fisch, Wild und Gemüse reguliert 1916: für Eier, Kaffee und Tee  Geldwert halbierte sich, Umlaufende Geldmenge versechsfacht, GHP verdoppelt 2. Phase: Halb 1919 bis Viertel 1920 (Kapp-Putsch) => Anstieg des Preisniveaus,  Aufhebung der Preisvorschriften -> beschleunigende Preisauftrieb dieser Phase auch als nachholende Entwicklung Linksrevolutionäre Aufstände 3. Phase: Viertel 1920 (Kapp-Putsch) - Frühjahr/Sommer 1921 Sinken des Preisniveaus 1920/1921 => Inflationserwartungen => Wer Bargeld hält und erwartet, dass die Preise weiter steigen werden, wird es tunlichst schnell ausgeben, um dafür reale Güter zu erhalten – „Flucht in die Sachwerte“  Zwar stieg die Geldmenge (Stückgeldumlauf) weiter an  Verfall des Außenwertes der Mark wurde gestoppt, begründet durch:  gewachsene Vertrauen in die politische Zukunft Deutschlands und damit auch in die Stabilität seiner Währung  =>  Geldumlaufgeschwindigkeit, Flucht in die Sachwerte 1919: Erzberg‘sche Finanz- und Steuerreform = Reichsfinanzminister und Bestimmung zu Reichsfinanzverwaltung+ Reichsabgabenordnung mit Steuer, Hoffnung auf Konsolidierung der Reichsfinanzen 13. März 1920:  Scheitern des Kapp-Putsches (Ludendorff, Wolfgang Kapp und Lüttiwitz) = Rechtsrevolutionärer Aufstand = nach 100 Stunden gescheiterter, konterrevolutionärer Putschversuch gegen die nach der Novemberrevolution geschaffene Weimarer Republik 5. Phase: ab Mai 1921: Londoner Ultimatum = starker Anstieg des Preisniveaus durch 132 MRD GM ( Mark in der alten Goldparität von vor August 1914) Festlegung der deutschen Reparationszahlungen => Drohung Ruhrbesetzung 8/1921: Ermordung Matthias Erzbergers(Reichsfinanzminister) 6/1922 : Ermordung Walther Rathenaus  6. Phase: Januar 1923 = Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen weiterer starker Anstieg des Preisniveaus und Zuspitzung zur Hyperinflation Außenwert der Mark fiel sofort, die Preise stiegen leicht verzögert an.  Zeichen der Destabilisierung + "Erfüllungspolitik"  7.Phase: ab Mitte 1923 = weiterer drastischer Anstieg des Preisniveaus => hier zeigt sich, dass negative Zukunftserwartungen im Zuge einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung eine erhebliche Beschleunigung des inflationären Prozesses  Gallopierende Inflation: Dynamik der Inflation wurde nicht mehr durch die Erhöhung der Geldmenge, sondern die Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit bestimmt  => negative Zukunftserwartungen über die Entwicklung der Preise bei nahezu allen wirtschaftlichen Akteuren  Zunehmende Anlage des Geldes in (wertbeständige) Sachwerte (=„Flucht in die Sachwerte) Erhöhung der Nachfrage Verringerung des Warenangebotes Anstieg der Preise gleichzeitig: Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit 
  • Wie sah der Staatshaushalt im Kriegsverlauf 1914-1918 aus? 1914/1915 => Mehr als 1⁄4 der Ausgaben gedeckt durch Einnahmen  1915 - 1919 => Exp. Anstieg der Kriegsausgaben, Deckung durch Einahmen unter 10%         
  • Durch welche Aspekte wurden die Arbeitsbeziehungen in der Weimarer Republik geprägt? Berücksichtigen Sie das Stinnes-Legien-Abkommen in Ihren Ausführungen Die junge deutsche Demokratie sah sich somit mit Ansprüchen von ganz unterschiedlichen Seiten konfrontiert. Von unten drängten die Gewerkschaften und die politische Linke auf stärkere Teilhabe der Arbeiterschaft an der Wirtschaft.  Vor allem begünstigt, dass 3/1919 Rahmensetzendes Sozialisierungsgesetz verabschiedet wurde (weniger Verstaatlichung, letztendlich aber keine Veränderung der Eigentumsordnung) Zukünftige Rahmenbedingugnen in der unmittelbaren Nachkriegszeit waren nicht sehr offen Diskussion um zukünftige Wirtschaftsordnung nach Ende des Ersten Weltkrieds 15.11.1918: schriftl. Vereinbarung zwischen Spitzenverbänden zur "Zentralarbeitgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und AN Deutschlands) - Stinnes-Legien Abkommen => Carl Legien, und der Großindustrielle Hugo Stinnes als Vertreter der Arbeitgeberseite auf eine grundlegende Übereinkunft.  • Gewerkschaften erklären Verzicht auf Sozialisierungsforderungen • Arbeitgeber versprechen: Achtstundentag (aber Einschränkung 1923), Koalitionsfreiheit, Mitbestimmung auf betrieblicher Ebene , Anerkennung der Arbeiterschaft - zentrale Forderungen der Wegerkschaften nach Kampf endlich erfüllt:  Betriebsverfassung wurde vom pol.-sozialen Wander stärker berührt:  1916: Zur Sicherung des Arbeitsfriedens, Hilfsdienstgesetz => Arbeiterausschüsse für alle kriegs- und versorgungswichtigen Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten.  1920: Betriebsrätegesetz:Arbeitnehmerinteressen in Betrieben institutionalisiert, aber keine Mitbestimmung in Unternehmensführung, sondern nur bei sozialen BElangen.  - vorgesehene Rätesystem oberhalt der Betriebe wurde kaum verwirklicht.  Noch stärker umstritten als die Arbeitszeit waren die Löhne: Arbeitgeber und Arbeitnehmer standen sich nun gleichberechtigt gegenüber. Eine Besonderheit der Arbeitsbeziehungen in der Weimarer Republik war die staatliche Zwangsschlichtung  => Schlichtungswesen im Oktober 1923 ihre rechtliche Fixierung. Reichsarbeitsminister + 20 Schlichter beiVorliegen eines öffentlichen Interesses von Amts wegen in Tarifverhandlungen einzugreifen.   Schlichter gegen den Willen von Arbeitgebern und Gewerkschaften bindende kollektive Lohnvereinbarungen 
  • Durch welche Forderungen zeichnete sich das Stinnes-Legien Abkommen aus? Vorsitzende der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands (Vorläufer des im Juli 1919 gegründeten Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, ADGB)= Carl Legien Großindustrielle Hugo Stinnes als Vertreter der Arbeitgeberseite  15.November 1918  => Grundlegende Einigung & Anerkennung der gegenseitigen Interessen bzw. Interessenvertretungen, d.h. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften  Anerkennung der Gewerkschaften als legitimer Partner bei Verhandlungen über kollektive Tarifverträge Koalitionsfreiheit Achtstundentag bei Lohnausgleich Einrichtung von Betriebsräten in Betrieben mit mehr als 50 MA Verzicht der Gewerkschaften auf Sozialisierungsforderungen  => erste kodifizierte Ansätze zu einer ernsthaften Sozialpartnerschaft Anerkennung der Interessenvertreter beider Parteien Ziel: Lösung von Interessenverbänden
  • Was passierte nach der Modifikation der Reichsbankverfassung von 1875 durch die „Währungsgesetze“ vom August 1914? Früher: Reichsbankverfassung von 1875  auf Basis der „Banking-Theorie“ von Adolph Wagner 1. Vertrauen in die Währung sichern: Hier versprach die Reichsbank, zu jedem gegebenen Zeitpunkt zu dem geg. Austauschverhältnis  in Gold einzutauschen. 2. Stabilitätsanker (Goldanker) der Währung:  Grund : 1 Stabilitätsanker gegen Inflationsfördernde Ausdehnung des Banknotenumlaufs,  Wechseldeckung verminderte die Gefahr einer Deflation 1/3 des Banknotenumlaufs durch Gold und 2/3 durch gute Handelswechsel der privaten Wirtschaft gedeckt (10 Markt = 3.6 g Feingold) 2. Wechseldeckung verminderte die Gefahr einer Deflation Wechseldeckung verhinderte gleichzeitig die Gefahr einer Deflation. Immer wenn ein erhöhter Wechselumlauf einen erhöhten Zahlungsmittelbedarf der Unternehmen signalisierte, konnte die Reichsbank vermehrt Wechsel rediskontieren, um somit die umlaufende Geldmenge zu erhöhen - Reichsbank kein Zugang zur Notenpresse Ab August 1914 => Modifikation der Rechsbankverfassung =>  Abkehr vom Goldstandards (Goldanker) Aufhebung der Goldeinlösepflicht der Reichsbank  Einführung von Darlehenskassen => neben der Reichsbank eine zweite Instanz, die Banknoten ausgeben konnte => Darlehenskassen waren berechtigt, gegen Verpfändung von Schmuck, Edelmetallen oder Wertpapieren Darlehenskassenscheine auszugeben, die leicht liquidiert werden konnten. => Verpfändung von langfristige Kriegsanleihen, d.h. aus 100 Markt wurden schnell 200 Mark Geldumlauf Lockerung der Notendeckungsvorschriften Deckung durch Papiere, die Staat selbst emmitiert => Reichsbank darf Darlehenskassenscheine mit in die Golddeckung aufzunehmen Reichbank darf Schatzanweisungen und Schatzwechsel in golddeckung aufnehmen - Obwohl das Volumen der Darlehenskassenscheine zunächst auf 1.5 Mrd Markt veschränkt wurde, wurde die Grenze bis 1918 bereits auf 30 Mrd aufgestockt und erreichte bis 1923 einen Umlauf von 10 Trillionen RM. Die Markt hatte somit ihren Stabilitätsanker verloren. - um Inflation entgegenzuwirken Ab 1914 Höchstpreisvorschriften zur zurückgestauten Inflation Zu Beginn der Weimarer Republik hob die Regierung die Höchstpreise und Ratio- nierungsmaßnahmen auf. Daher kann der sich beschleunigende Preisauftrieb dieser Phase auch als nachholende Entwicklung gedeutet werden. 
  • Erläutern Sie, inwiefern ein Zusammenhang zwischen Kriegsfinanzierung und der Inflation von 1914-23 besteht. Die Kriefsfinanzierung führte bereich in den Jahren von 1914-1918 zu einer versechsfachung ders Geldumlaufs  Da die Kriegsfinanzierung zu einem großen Teil über "Notenbankkredite" des Staates, die über die Darlehenskassen leicht liquidierbar waren kaum Abschöpfung der Kaufkraft, da sie leicht liquidierbar waren Grund: Mangel an Gütern für die zivile Nachfrage indirekt Zugang zur „Notenpresse“ => Geldmenge und Gütermenge standen in keinem Entsprechungsverhältnismehr Geldüberhang schafft Druck auf das Preisniveau = Inflationsdruck  Inflationäre Tendenzen schon in der Kriegszeit erkennbar, allerdings kein voller Ausbruch der Inflation Preisregulierung durch Höchstpreisvorschriften „zurückgestaute Inflation“ 1918: Inflation trat erst nach Aufhebung der Preisregulierung voll in Erscheinung (Nachkriegszeit) allerdings: finanzpolitische Probleme der Nachkriegszeit/Weimarer Republik keine automatische Folge der Kriegsfinanzierung dies war auch kein zwangsläufiger Weg in die Hyperinflation, es hätte Möglichkeiten zur Stabilisierung der Währung gegeben
  • Nennen sie die Phasen der Inflation nach Datum ! Phase: 08/1914 - 11/1918 => 1. WK gebremst durch Preiskontrollen (PK) Phase: 11/1918 - 05/1919 => Demobilmachung, Ende PK + Preisanstieg bis Mitte 1919 Phase: 05/1919 - 02/1920 => Versailler Vertrag beschleunigt Inflation Phase: 02/1920 - 05/1921 => Kapp-Putsch, Erbergersche Steuerreform, Rep. stabil, Stabil Phase: 05/1921 - 06/1922 => Longoner Ultimatum, Angst, Lohnbewegung, Mord Erzberger Phase: 06/1922 - 06/1923 => Mord Rathenau, Ablehnung d. Reparationsanleihe durch Morgan Kommittee (17/1922), Ruhrkampf seit 01/1923, gallopierende Inflation Phase: 06/1923 - 11/1923 => Inflationserwartungen, Hyperinflation
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