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Einführung in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Subject) / Merkantilismus (Lesson)
Definition und zeitliche Einordnung
Merkmale und Kennzeichen
Ausprägungen
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- 11. Was verstehen Sie unter Merkantilismus? = das wirtschaftspolitsche Denken im 17./18. Jhd. → wirtschaftliche Komponente des absolutistischen Staates Maxime: Förderung der nationalen Wirtschafts- und Handelskraft durch staatliche Wipo., d.h. dem Land zu Wohlstand verhelfen Kein geschlossener Theoriekomplex, sondern eine Sammlung wichtiger Maßnahmen Stellt wichtige Grundlage für spätere Theorien dar, z.B. Adam Smith, Ricardo Instrumentarien, die dazu beitrugen, nationale Grenzen zu verteidigen: kein Export von Rohstoffen kein Import von Fertigprodukten möglichst viel Eigenbevölkerungsbeschäftigung (Produktion im eigenen Land = Unabhängigkeit)
- Zeitliche Einordnung Frühe Neuzeit = ab 16. Jhd. Monetarismus = ca. Anfang 16. Jhd. - Anfang 17. Jhd. (In England Bullionismus) Merkantilismus England + Frankreich: Anfang 17. bis Mitte 18. Jhd. Deutschland: Mitte 17. Jhd. Bis Ende 18 Jhd. Physiokratie - Mitte bis Ende 18. Jhd.
- Merkmale/Kennzeichen des Merkantilismus im allg. Prämisse: Reichtümer der Erde (Rohstoffe und Edelmetallvorräte) sind konstant Handelskriege waren eine legitimierte wipo. Maßnahme Machiavelli (el. principe = der Fürst): Staatliches Machtdenken steht im Vordergrund →Erwerb von Reichtum zur Steigerung von Macht
- Merkmale/Kennzeichen des Merkantilismus in Bezug zur wirtschaftlichen Situation Merkantilismus ist ausdrücklich keine Wirtschaftstheorie, sondern eine Wirtschaftslehre → ist der Inbegriff wipo. Maßnahmen von (meist) europäischen Staatsregierungen d.h. Merkantilismus ist die wipo. Komponente des Absolutismus → der erstarkende Fürstenstaat bekommt ein neues Verhältnis zur Wirtschaft und ist bestrebt, diese ganz in seinen Dienst zu stellen; d.h. staatliches Machtdenken wird durch Merkantilismus in die Wirtschaft getragen Ausweitung der politischen und militärischen Kräfte führte dazu, alle machtsteigernden Elemente zu forcieren
- Merkmale/Kennzeichen des Merkantilismus in Bezug zur gesellschaftlichen Situation Entstehen einer Vielzahl von Staatswesen unter absolutistischer Herrschaft mit eigener Hierarchie, Normen (z.B. Kleiderordnungen) und Machtmitteln (z.B. Steuerbewilligungsrecht) Neue Möglichkeiten des gesellschaftlichen und beruflichen Aufstiegs, d.h. vertikale soziale Mobilität (Militär, Hof, Bürgertum/Patriziat, Nobilitierung) Unterschiedliche Bewertung (Leitbilder) unternehmerischer Tätigkeit Bsp.: Beruf des Bauern → in NL (=Protestanten) hoch angesehen; in Spanien/Portugal (=Hidalgos/Fidalgos) verpönt Bindung an adlige Konventionen von Land zu Land sehr unterschiedlich
- MerkantilisMEN Die Verwendung des Plurals ist aufgrund der differenzierten länderspezifischen Ausprägungen angemessen; z.B.: in Dtl. - eher auf Gewerbe + Landwirtschaft gerichtet in Ital. - mehr auf Handel gerichtet in Eng. - stark auf Handelskapital ausgerichtet in Frankreich - eher Gewerbe und Manufakturwesen betont → Daher auch teilweise unterschiedliche Bezeichnungen: Deutschland: Kameralismus - camera = die fürstliche Schatzkammer - stark auf die Wohlfahrt des absoluten Fürstenstaates bzw. dessen Schatzkammer ausgerichtet steht praktisch als Symbol für die Hebung der Steuerkraft als Grundlage der absoluten Machtausübung durch die Fürsten Sammlung von Erfahrungsgrundsätzen und Nützlichkeitsregeln Frankreich: = Colbertismus - Wachstum des städtischen Gewerbes (Erhöhung der Staatsfinanzen) steht im Vordergrund recht einseitig und mit zahlreichen marktinkonformen Maßnahmen, z.B. Preistaxen... lähmten Agrarproduktion nach Jean Baptist Colbert = Finanzminister von Ludwig XIV(14)
- 11. Welche Auffassungen/Maxime entwickelte die merkantilistische Wirtschaftslehre hinsichtlich: Außenhandel? Minimierung/Vermeidung der Einfuhr von Fertigwaren (Importsubstitution) Förderung der Ausfuhr von Fertigwaren Minimierung/Vermeidung der Ausfuhr von Rohstoffen Förderung der Einfuhr von Rohstoffen Vergabe von DL vorrangig an inländische Unternehmer + Institutionen Verfolgen der aktiven Handelsbilanz (Export>Import)
- 11. Welche Auffassungen/Maxime entwickelte die merkantilistische Wirtschaftslehre hinsichtlich: Geld? Geldmengenexpansion Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit Brandmarkten das Horten von Geld und verabscheuten Sparstrümpfe
- 11. Welche Auffassungen/Maxime entwickelte die merkantilistische Wirtschaftslehre hinsichtlich: Beschäftigung? Unterbeschäftigung der Wirtschaft Forderung nach niedrigen Löhnen Abschaffung des Müßiggangs (Zucht- und Arbeitshäuser, weniger Feiertage,...)
- 11. Welche Auffassungen/Maxime entwickelte die merkantilistische Wirtschaftslehre hinsichtlich: Bevölkerung? Peuplierungsmaßnahmen (systematische staatliche Bevölkerungspolitik zur Stimulation des Bevölkerungswachstums um Binnennachfrage anzuregen + um wettbewerbsfähig zu bleiben) Verhinderung von Auswanderung Systematische Anwerbung von Immigranten Förderung von Eheschließungen
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- 11. Welche Auffassungen/Maxime entwickelte die merkantilistische Wirtschaftslehre hinsichtlich: Wohlstand? Wirtschaftlicher Wohlstand war das oberste Ziel (gemessen an Edelmetallsammlung) Wirtschaftliches Wachstum führt zu wirtschaftlichem Wohlstand Wirtschaftlicher Wohlstand durch Arbeitsteilung Wohlstand auf Kosten anderer Staaten (Wirtschaftskriege) Wohlstand in Zeiten des Fürstenabsolutismus bedeutet v.a. Wohlstand für den Fürsten
- 11) In welchem Verhältnis stehen Merkantilismus und Nationalsozialismus? Prinzipiell enges Verhäktnis Merkantilismus als Zeit des Entstehens und Erstarkens nationaler Staaten, denn Merkantilismus stellt Instrumentarien zur Verfügung, die dazu beitragen, die nationalen Grenzen zu verteidigen (z.B. Zollrechte, Im- und Exportverbote, Monopole und andere Handelshemmnisse) Staat als Initiator der Mischform aus öffentlichem und privatem Kapital (Staat versuchte priveligierte Unternehmen aufzubauen und zu unterstützen → diese wurden bevorzugt und mit vielen Rechten ausgestattet; d.h. Unternehmen galten als Aktiengesellschaften, aber agierten quasi-staatlich Beispiel: engl. Navigationsakte , 1651 - Mitte 19. Jhd. = Gesetzesbeschluss zur Regulierung der Schifffahrt Einfuhr auf englischen Schiffen sollte durchgesetzt werden bzw. außereuropäische Schiffe sollten unter Englischer Flagge fahren Ziel: Ausschaltung des niederländischen Zwischenhandels - NL war Haupthandelskonkurrent Fehlentwicklung: es kam zu Ämterkäuflichkeit, die eher eine SChwächung der Wirtschaft hervor rief (z.B. in Frankreich und Spanien)
- 11. Versuchen Sie die merkantilistische Lehre dogmenhistorisch zu verorten! Merkantilismus als Handlungswissenschaft zunächst mehr eine "Kunstlehre" als eine Wissenschaft im heutigen Sinne viele Maßnahmen sind so in der Realität nicht umsetzbar
- 12. Was verstehen Sie unter Kameralismus? Umschreibt die spezielle Ausformung des Merkantilismus in den deutschen Kleinstaaten Lat.: camera = die fürstliche Schatzkammer - stark auf die Wohlfahrt des absoluten Fürstenstaates bzw. dessen Schatzkammer ausgerichtet (deshalb auch "Fürstenwohlstandslehre") steht praktisch als Symbol für die Hebung der Steuerkraft als Grundlage der absoluten Machtausübung durch die Fürsten Sammlung von Erfahrungsgrundsätzen und Nützlichkeitsregeln Ansonsten aber kaum Unterschiede zu Merkantilisten Anwendung auf die Bereiche: Wirtschaft, Verwaltung, Gesetzgebung und Finanzen
- 13. Was hat es mit der Protoindustrialisierung auf sich? Geschichtswissenschaftlicher Fachbegriff für eine bestimmte Form der Frühindustrialisierung Bedeutet so viel wie "Vor-industrialisierung" meint einen Prozess, der lange vor der Industriellen Revolution einsetzte "Industrialisierung vor der Industrialisierung" Trat regional in unterschiedlicher Ausprägung und zu unterschiedlicher Zeit auf Protoindustrie = Formen industrieller Fertigung, die eine Massenfertigung von Gütern und Waren in verteilten Werkstätten und Manufakturen darstellten; Teile des Fertigungsprozesses fanden dabei auch in der Heimarbeit statt (Verlagswesen) Führte zu Proletarisierung großer Teile der Bevölkerung, Vergrößerung des Marktes und einer verstärkten Kapitalakkumulation → förderte den eigentlichen Industrialisierungsprozess
- 14. Nennen Sie einige wesentliche Komponenten der Agrarrevolution! Verbesserung des Fruchtwechsels Verbesserte Zuchtmethoden (Mendel'sche Vererbungslehre) Effizientere Güterverwaltung (z.B. Ernte witterungsgeschützt aufbewahren) EInsatz von Hilfsmitteln und Maschinen (z.B. Metallpflug) Einführung der Kartoffel (sukzessive Etablierung) Ausflösung der Allmenden + veränderte Ackerstrukturen (z.B. größere Felder = wenige Randbereiche) Neulandgewinnung (z.B. Trockenlegung von Sümpfen) Verbesserung der Bodenproduktivität durch Einsatz von Dünger Verstärkte Marktanbindung Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur → Verbesserte Lebensmittelversorgung
- 15. Was meint Adam Smith mit der "Invisible hand"? die wichtigste Komponente im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben = Selbstinteresse, d.h. Eigennutz als Leitmotiv Aber: Selbstinteresse findet seine Grenzen im ethisch bestimmten Ordnungsrahmen Tausch und Nutzen sind von diesem Ordnungsrahmen gesteuert, wie von unsichtbarer Hand Staat hat Nachtwächterfunktion (greift nicht ins Wirtschaftsgeschehen ein) Merke: Metapher wurder später heufig als Synonym für den Wettbewerb gesehen
- 16. Welche Prinzipien liegen Adam Smiths Vorstellungen von der Wirtschaftsgesellschaft zugrunde? 4 Prinzipien einer liberal-individualistischen Wirtschaftsgeselschaft: Träger der wirtschaftlichen Handlung ist das selbstbestimmte Individuum, nicht der Staat Individuen haben wirtschaftliche Selbstverantwortung Sie handeln nach der Leitnorm des Selbstinteresses Freie Konkurrenz