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Einführung in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Subject) / Deutsches Kaiserreich (Lesson)
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- 1. In welchen Phasen lässt sich die Epoche des Deutschen Kaiserreiches untergliedern? Phase: 1850 - 1873 = Aufschwungphase Phase: 1874 - 1895 = Stockungsphase Phase: 1896 - 1913 = Aufschwungphase
- 2. Welchen Zeitraum umfassen die so genannten "Gründerjahre"? Durch was wurden dieselben bedingt? ⇒ 1871 - 73 Bedingt durch französische Kriegsentschädigungs- & Kontributionszahlungen Reparaturszahlungen (zzgl. Zinsen) an Deutschland in Höhe von 5,57 Mrd. Francs (aus dem Krieg von 1870/71) dt. (insb. Preußische) Staatsanleihen konnten abgeklöst werden, zudem wurde in die Wirtschaft & in die Infrastruktur investiert (vor allem in Berlin → starke Expansion der Hauptstadt in dieser Zeit)
- 3. Wie würden Sie die Epoche des Deutschen Kaiserreiches charakterisieren? Periode der Hochindustrialisierung + Phase des Wandels vom Agrar- zum Industriestaat Starke nationalistische, imperialistische bzw. kolonialistische Prägung (handelspolitische) Wende vom Liberalismus zum Protektionismus Reformperiode: Geld-, Währungs- und Bankenreform Durchsetzung sozialpolitischer Forderungen → Sozialgesetze Enormer Bedeutungszuwachs des Produktionsfaktors Kapital (erlebte bis dahin nie gekannte Wachstumsraten) Aufkommen industrieller Großunternehmen und Großbanken Systematische Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Industrie ("Wissenschaftsindustrie"; Zweite industrielle Revolution) Institutionalisierung bzw. Organisation ökonomischer Interessen (Gewerkschaften, Kartelle, Verbände) Zunehmenden Konzentration im Bereich Wirtschaft in Form von vertikaler oder horizontaler Konzernierung bzw. Kartellierung
- 4. "Gründerkrise" allg. ? Ca. 1874 -1879 Zusammenbruch der Börse durch Konjunkturschwankungen Ähnlich einer Wirtschaftskriese (war insb. im Bereich der Produktion viel stärker als Weltwirtschaftskrise) von 1857
- 4. Ursachen der "Gründerkrise" ? Durch die aus Frankreich zugeflossenen Mittel(Reparationszahlungen) stand viel Kapital zur Verfügung, dass angelegt werden wollte Kam häufig zu rein spekulativen Anlagen (besonders im Eisenbahn- & Industriesektor) Wesentlich begünstigt durch Aktienrechtsnovelle vom 11.06.1870 ⇒ beseitigte das Konzessionssystem ⇒ von da an war Gründung AG ohne staatliche Erlaubnis (Konzession) möglich
- 4. Verlauf der "Gründerkrise" ? 1870 Aktienrechtsnovelle 1871 - 73: enorme Anzahl an Neugründungen von AG's (928) + Aktienbanken ⇒"Gründungsmanie" 1873/74 großer Börsenkrach - enorme Kursstürze ⇒Kapitalentwertung
- 4. Auswirkungen der "Gründerkrise" ? Kurswert der dt. AG's sank (um 46%), viele Aktienbanken mussten schließen Massenarbeitslosigkeit (in einigen Regionen in DL) Dadurch kam es zu umfangreicher Emigration
- 4. "Gründerkrise" Deutsches Phänomen? Nein, begann zunächst in Österreich-Ungarn (mit Börsenzentrum Wien) und schwappte im okt. 1873 nach Deutschland(Berlin) über & zog sich dann durch alle damaligen Industriestaaten und brachte der ganzen Welt ein verlangsamtes Wachstum
- 5. Warum kommt es zum drastischen Rückgang der Getreidepreise im letzten Drittel des 19. Jhd.? Aufgrund einer Überproduktion von Getreide in USA und dem dadurch erhöhten Wettbewerb Kam zu erheblichen Agrarpreissenkungen/ Preisverfall Gründe: USA dehnt Getreideanbauflächen wesentlich aus (Pachtpreise für die Nutzung von Ackerland war viel niedriger als in DL) + produzieren gleichzeitig kostengünstiger & produktiver Aber: das zusätzlich produzierte Getreide wird nicht vollständig von der amerikanischen Bevölkerung aufgebracht (Verbrauch fällt sogar, da zunehmend mehr Fleisch konsumiert wird) ⇒dadurch stehen größere Mengen zum Export bereit durch gute und kostengünstige Transportmöglichkeiten (durch Eisenbahnerschließung, aber auch über See) wurde das Getreide nach Europa exportiert Russland: hatten sehr billige Arbeitskräfte
- 6. Wie hätte Deutschland auf den sinkenden Getreidepreis reagieren können? Hinnahme der Einkommensreduktion (wurde in Russland gemacht) Versuchen durch Maschinisierung bzw. Technisierung Einkommen zu halten (wurde in Amerika gemacht) Konzentration auf rentablere Agrarbereiche (wurde in England gemacht) Rationierung + teilweise Lohnverzicht
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- 7. Wie reagierte Deutschland auf den Verfall der Getreidepreise? Übergang zum Protektionismus --> Agrarschutzpolitik Bauern setzten sich gegenüber der Politik durch & veranlassten die Regierung dazu, Einfuhrzölle auf ausländisches Getreide zu erheben
- 8. Was verstehen Sie unter Protektionismus? = Schutz der inländischen Produzenten vor ausländischer Konkurrenz, indem die ausländischen Anbieter auf dem Inlandsmarkt benachteiligt werden ⇒ Benachteiligung in Form von Handelshemmnissen, z.B. Zöllen
- 9. Von wem und warum wurde der Protektionismus befürwortet? von DL's und FR's Großbauern, der restlichen Industrie und dem Staat Übergang zum Protektionismus war möglich, da: Großagrarier in der Regierung viel Einfluss hatten (sie fürchteten große Gewinneinbußen), das Reich nur wenige Einnahmequellen hatte und so selber mehr Einnahmen erzielen konnte auch die Industrie unter der ausländischen Konkurrenz und den Preisrückgängen zu leiden hatte (war somit auch bereit die Schmälerung des Realeinkommens ihrer Arbeiter durch die Teuerungseffekte hinzunehmen)
- 10. Welche Handelspolitik verfolgte Deutschland vor 1878? Liberalismus(Freihandel) Weil zuvor das Ziel gewesen war, die vielen Einzelstaaten des dt. Reiches zu einer einheitlichen Wirtschaftsmacht vereinen
- 11. Was verstehen Sie unter Neomerkantilismus? Bezeichnung für die Autarkiebestrebungen der meisten Staaten in der 2 Hälfte des 20. Jhd. Umfasst Erhebungen von Schutzzöllen, Einfuhrbeschränkungen,... u.Ä. gegenüber dem Ausland wirtschaftspolitische Strategien, die darauf ausgerichtet sind einen Exportüberschuss beim Handel mit Waren/DL zu erzielen
- 12. Welche Münz-, Geld- und Bankenreformen wurden in den Jahren von 1871 -1876 unternommen?(Grundsätzliches) Bisher viele verschiedene Währungen gleichzeitig Ziel: einheitliche Gelderfassung (gab es in den anderen Ländern längst) Umstellung auf Goldstandard Grund: zu hohe Transaktionskosten, Wirtschaft dadurch nicht mehr wettbewerbsfähig Grundsätzlich: Reichsverfassung (16. April 1871) = Übertragung der "Geldhoheit" von den Ländern auf das Reich
- 12. Welche Münz-, Geld- und Bankenreformen wurden in den Jahren von 1871 -1876 unternommen?(Münzreform) Gesetz über die Ausprägung der Reichsgoldmünzen vom 4. Dezember 1871 Münzen nach alten Münzsystem durften nicht mehr geprägt werden Aber Doppelwährung (Reichswährung in Gold und Landeswährungen ab 1. Januar 1876 gesetzliches Zahlungsmittel im gesamten Reich Aber "hinkende Goldwährung", da die alten Silbertaler zwar umgeprägt wurden aber weiterhin im Umlauf blieben (zu 3 Mark)
- 12. Welche Münz-, Geld- und Bankenreformen wurden in den Jahren von 1871 -1876 unternommen?(Papiergeldreform) Münzgesetz vom 9. Juli 1873: offiziele Einführung der Reichswährung (Mark!!! Reichsmark erst ab 1924) für das gesamte Reichsgebiet zum 1. Januar 1876 Es durften nur noch Banknoten(Mark) ausgegeben werden und in Umlauf sein, das Staatspapiergeld der dt. Länder wurden eingezogen
- 12. Welche Münz-, Geld- und Bankenreformen wurden in den Jahren von 1871 -1876 unternommen?(Bankenreform) Entstehung der Reichsbank als Zentralnotenbank am 1. Januar 1876, aber Erhaltung einer Vielzahl von Privatbanken ging aus der preußischen Bank hervor Grundlage: Bankgesetz vom 14. März 1875 Aufgabe: Regelung des Geldumlaufs + Erleichterung des Zahlungsverkehrs Stand unter Aufsicht und Leitung des Reiches (Reichskanzler) Kapital: wurde von (ausländischen) Privaten gehalten (1876 = 8177 Anteilseigner; 1913 = 18799 Anteilseigner)
- 13. Was meint das so genannte "banking prinzip"? Nur teilweise Deckung der Banknoten in Gold (1/3) Gegenteil = currency Prinzip (vollständige Deckung der Papiergeldausgabe durch Edelmetalle)
- 14. Wie entwickelten sich Lebenshaltungskosten und Realeinkommen im Deutschen Kaiserreich? Lebenshaltungskosten sinken Realeinkommen steigt
- 15. Trifft die marx'sche Verelendungstheorie auf das Leben im Deutschen Kaiserreich zu? (Bezug: Lebenshaltungskosten, Realeinkommen, Nominaleinkommen) Nein --> keine Verelendung Seit den späten 1820er Jahren = langfristige Steigerung der Lebenshaltungskosten 1874 bis 1895: "Depression"; deutlicher Rückgang der Lebenshaltungskosten --> aber gleichzeitig steigende Nominallöhne! Ab 1896 bis zum 1. WK steigen Lebenshaltungskosten zwar wieder an; aber gab eine wesentlich steilere Steigungsrate der Nominaleinkommen --> also auch in dieser Zeit ein Realeinkommenswachstum (aber nicht mehr ganz so gravierend) d.h. Reallöhne nahmen erheblich zu --> dadurch stieg die Kaufkraft wie noch nie --> führte zu gewisser Wohlfahrt ⇒FAZIT: Die Arbeitnehmer wurden in der Zeit des Kaiserreichs zunehmend vermögender. Diese Entwicklung steht in Widerspruch zu marxistischen Darstellungen ("Verelendung des Proletariats")
- 16. Wozu wurden die französischen Reparationszahlungen vorwiegend verwendet? zu 46% für die Bedienung der Länder + Kredite zu 15% für Kriegsschäden zu 10% für Eisenbahn Elsass-Lothringen 8% Festungsbau 3% Militär
- 17. Wie entwickelte sich der primäre Sektor im Deutschen Kaiserreich? Primärer Sektor = Landwirtschaft, Bergbau, Fischerei, Forstwirtschaft,... Entwickelte sich eher schlecht --> zwischen 1850 - 1910 Rückgang von 55% Immer weniger Erlös, durch deutlich sinkende Tendenz der Agrarpreise Rückgang der Beschäftigung im Landwirtschaftssektor Starke Konkurrenz durch Ausland --> Einführung Agrarschutzpolitik Zunehmende Maschinisierung --> dadurch erhebliche Arbeitseinsparung + deutliche Ertragssteigerung bei gleichzeitiger Qualitätserhöhung Steigerung der Bodenproduktivität durch Kunstdünger Präferenzwandel in der Agrarstruktur: wesentlich stärkere Zunahme der tierischen Produktion als der pflanzlichen Produktion und der Getreideproduktion (140/65/56%) Schafhaltung sinkt, Schweinemast steigt Insgesamt geringere Produktivität als in anderen Sektoren --> dadurch erhebliche Einkommensdisparitäten (Realeinkommensunterschiede) zwischen den Sektoren Führten zu beträchtlicher Land-Stadt-Wanderung --> Verknappung der Arbeitskräfte auf dem Land
- 18. Wie entwickelte sich der sekundäre Sektor am Deutschen Kaiserreich? (Kurze Darstellung der wichtigsten Tendenzen) Sekundärer Sektor = Industrie und Handwerk Anteil des Sektors an der Wertschöpfung aller Bereiche stieg von 20 auf 40 % an Anteil der Beschäftigten stieg jedoch nur von 25 auf 35% an Stärkeres Wachstum der Produktionsgüterindustrie gegenüber der Verbrauchsgüterindustrie Ausdiefferenzierung und Diversifikation der einzelnen Industrien starke Wachstumsimpulse durch Inventionen und Innovationen "Erfindungsindustrien" Sekundarisierung: Wendung in den sekundären Sektor hinein --> Anteil des sekundären Sektors am Sozialprodukt ist größer als der des primären Sektors
- 19. Wie entwickelte sich der tertiäre Sektor im Deutschen Kaiserreich? (kurze Darstellung der wichtigsten Tendenzen) Tertiäre Sektor: Handel; Banken und Dienstleistungen Konzentrationsprozess im Bankensektor → Herausbildung eines Großbankensystems Kommerzialisierung und Internationalisierung: kontinuirliches Anwachsen der außenwirtschaftlichen Beziehungen Modernisierung durch Telefon, Telegraph, Schaufenster, Reklamesäulen, elektrische Lichwerbung , Straßenbahn, Fahrrad Institutionalisierung des Wachstums (Produktivitätssteigerung, Kapitalbildung, Innovationen, Senkung der Transaktionskosten)
- 20. Warum bildeten sich zahlreiche Monopole, Kartelle und Trust in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches heraus? Kartell = Industrizweige mit gleichen Interesse vereinigen sich zum Zweck, die Produktion und den Absatz nach gemeinsamen Interesse zu regeln, bildet sich vor allem in der Chemischen und in der Montanindustrie Trust = schärfere Form der Konzentration, ist eine dauernde und organisch Zusammengefasste Vereinigung von U's, die ihre Selbstständigkeit einbüßen, vor allem in USA üblich Weil zu dieser Zeit die Konzentration in einer Intensität und Breite einsetzte, wie nie zuvor Kartellbildung als Gegenreaktion auf den Preisverfall→man versuchte durch Preisabsprache, Festlegung von Produktionskontingenten oder des Absatzsegments zu begegnen
- 21. Was war die "soziale Frage"? Warum kam sie auf? Welche Auswirkungen hatte sie, wie versuchte man sie zu lösen? = Auseinandersetzung mit sozialen Missständen Kernprobleme: Massenarmut, Pauperismus, Existenzunsicherheit Ursachen: Bevölkerungs- und Städtewachstum, Freisetzung von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft → Überangebot von Arbeitskräften in den Städten Lösungsversuche: Gründung von Arbeitervereinen, Interessengemeinschaften, Gewerkschaften
- 22. Nach welchen Pronzipien wurden die Sozialgesetze der 1880er Jahre konzipiert? Grundsätze/Grundprinzipien (nach Volker Henschel): Versicherungsprinzip trat anstelle des Versorgungsprinzips (für ärztliche Fürsorge und Verwaltung) Die Selbstverwaltung trat anstelle der Reichsanstalt (Dezentralisierung statt zentralisierung) Mittelaufbringung geschah unter der Beteiligung der Versicherten anstelle der ausschließlichen Finanzierung durch Arbeitgeber und Staat (Bewusstsein des Anspruchsrechts statt dankschuldigem Wohlfahrtsempfang)
- 23. Machte die gesellschaftliche Entwicklung am Ende des 19. Jhd. eine Sozialgesetzgebung nötig? Ja, aufgrund der sozialen Frage Entstand unter erheblichen innenpolitischen Druck
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- 24. WelcheSozialgesetze wurden unter Reichskanzler Otto von Bismarck erlassen? (KV) 1883 - gesetzliche Krankenversicherung Vereinheitlichung einer Vielzahl von Handwerks-, freien Hilfs-, Gewerkschaftsvereins-, Knappschafts- und ähnliche Kasse Versicherungszwang für Arbeiter, die bislang in keiner Kasse waren Beiträge: 1/3 Arbeitgeber; 2/3Versicherte Zunächst Mehrzahl der Kassen auf Betriebsebene, später überwiegend Ortskrankenkassen 1919: Einrichtung neuer Betriebskrankenkassen verboten
- 24. Welche Sozialgesetze wurden unter Reichskanzler Otto von Bismarck erlassen?(UV) Unternehmer haftete für alle Arbeitsunfälle, die in seinem Betrieb geschahen (Haftpflichtgesetz 1871: nur für jene, die er nachweislich verschuldet hatte) Versicherung würde ausschließlich mit Unternehmerbeiträgen finanziert (=starke Kostenbelastung der Unternehmer!!!) Trägerorganisationen waren Berufsgenossenschaften Das Reich trat nur als subsidiärer Garant der Leistungsfähigkeit der Berufsgenossenschaft auf
- 24. Welche Sozialgesetze wurden unter Reichskanzler Otto von Bismarck erlassen?(Inv.+Altersvers.) paritätische(gleiche) Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber von vornherein auch staatliche Zuschüsse (in Höhe etwa eines Drittels der Lesitungen) In öffentlich-rechtlichen Anstalten organisiert und von Reichsbeamten verwaltet, den Beamten wurden paritätische Arbeiter/Unternehmerausschüsse als Kontrollorgane beigestellt
- 25. Wie ist die Sozialgestzgebung des Deutschen Kaiserreichs zu bewerten? Von der Grundidee her gut + sehr modern (wurde im 20. Jhd. zu einem Exportmodell = Vorbild für viele europäische Länder) Leider hatten jedoch die Arbeiter nicht viel davon, da sie nur eine Lebenserwartung von knapp 70 Jahren hatten